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Verpackungs-, Etikettier- und Sortiergeräte, 13.01.2013

KIRSCHEN SCHWIMMEN AUF 15 BAHNEN 100 M INS ZIEL

Nassentleerung und Kirschsortierung in den USA
Im Anschluss an die Präzisionsgartenbau-Tagung im Juli in Indianapolis organisierten wir trotz Olympiarausch eine Besichtigung, die nur sechs Wochen im Jahr möglich ist. Denn nur so lange ist die Sortieranlage für Kirschen in Wapato in Washington State in Betrieb. Sie ist eine der größten Kirschsortieranlagen der Welt und Vorbild für viele kleinere Anlagen, u. a. die von Saale-Obst in Schochwitz (s. OBSTBAU 09/2006).
Über vier bis sechs Wochen (Saisonende ist der 1. August) werden bei Valley Fruit Packers in Wapato Süßkirschen sortiert, hauptsächlich die hellrote Sorte 'Rainier', die frühe 'Lapins' und 'Skeena' sowie weitere Sorten aus der Umgebung von Yakima im Süden von Washington State und aus dem nördlichen Oregon an der pazifischen Nordwestküste der USA. Den Saisonabschluss bildet die Sorte 'Regina', die auch auf Gisela-Unterlagen angebaut wird.
 

GESCHLOSSENE KÜHLKETTE MIT RÜCKVERFOLGBARKEIT

Spätestens bei Anlieferung kommen die Kirschen in den Großkisten (ca. 100-150 kg) in eine geschlossene Kühlkette: Mit Hydrokühlung werden sie auf 1 °C abgekühlt, mit einem Streifencode für Herkunftsland (Washington oder Oregon), Anbauer, Sorte, Datum und Chargennummer für die Rückverfolgbarkeit versehen. Dann werden sie in das System eingeloggt und ins Kühllager bei 1 °C gestellt. Bis zur Auslieferung bleiben sie dann in diesem Temperaturbereich. Der sonst weltweit verbannte Einsatz von Methylbromid zur Desinfektion der Ware findet nur noch bei Export großfruchtiger Kirschen [siehe Abbildung 1] nach Australien und Südkorea statt, so dass 99 % der Kirschen unbehandelt bleiben. Bei beiden Ländern wird die vorgeschriebene Methylbromid-Behandlung von den USA eher als Handelsbarriere zum Schutz des landeseigenen Obstmarktes angesehen. Die früher von Japan vorgeschriebene Methylbromidbehandlung ist entfallen und wird durch Kontrollen und Aufzeichnungen im Rahmen vers. Zertifizierungen der Betriebe (GlobalGAP oder SQF 4000) ersetzt. Die Kirschen für Korea gehen drei Stunden per Kühl-LKW zum Flughafen Seattle und von dort über den Pazifik direkt nach Seoul und sind dort am nächsten Tag bereits im Supermarkt. Die Süßkirschen sind bereits in die Clamshell-PET Endverkaufs-Footainer für die Handelskette Sage mit koreanischer Aufschrift verpackt [siehe Abbildung 2]; Alternative ist der Schiffstransport, der fast drei Wochen dauert.
 

FRUCHTQUALITÄTSKONTROLLE

Einzelne Chargen - vor allem für den Export - werden auf Fruchtgröße und Fruchtfestigkeit geprüft [siehe Abbildung 3]; Untergrößen unter ca. 20-22 mm werden mechanisch aussortiert [siehe Abbildung 4]. Eine automatische optische Fruchtgrößenerkennung oder Schalenfehlererkennung scheint sich durch die kurze Betriebszeit der Sortieranlage im Jahr nicht zu lohnen. Alle sortierten 'Regina'-Kirschen sahen mit ihrer dunkelrot-schwarzen Farbe und entsprechenden Fruchtgröße sehr ansprechend aus und waren von sehr gutem Geschmack.
 

NASSENTLEERUNG UND MECHANISCHE SORTIERUNG

Die Nassentleerung erfolgt im Original in Wapato automatisch [siehe Abbildung 5]. Wenn die Großkisten aus dem Kühllager kommen, werden die Kisten nach der Nassentleerung leer gewogen, um das Taragewicht zu bestimmen. Die Blätter schwimmen bei der Nassentleerung obenauf und werden so im ersten Schritt abgetrennt. Im zweiten Schritt trennt der Vereinzeler Kirschpaare. Mit Hilfe weichender Bänder werden die Kirschen durch weichende Bänder aus Edelstahl mit Gefälle mechanisch nach Größen sortiert [siehe Abbildung 6]. Danach erfolgt die Aussortierung von Früchten mit Druckstellen, Beschädigungen, aufgeplatzten Früchten oder Fremdgut - unter großem Aufwand von Hand [siehe Abbildung 7]. Eine spezielle Trocknung - wie man sie z. B. von den Citrus- oder Avocado-Waschanlagen kennt - gibt es nicht. Die Außentemperaturen vor Ort betrugen zur Erntezeit 30-40 °C und um die 20 °C in der
Sortierhalle. Die Abpackung der Inlandsware erfolgt in Großgebinde-Kartonagen häufig mit Plastikeinlagen entweder mit Lochfolie bzw. den Kirschen in MA-Beuteln [siehe Abbildung 8] ähnlich wie die Extendbeutel in bei SaaleObst, wobei die Abpackung selbst nicht unter Schutzgas vorgenommen wird, so dass sich die gewünschte Luftzusammensetzung bezüglich CO2, O2 und Luftfeuchte im Beutel selbst einstellen muss und weiterhin auf eine geschlossene Kühlkette angewiesen ist.
 

STILLSTAND ZUR KAFFEEPAUSE

In dieser Zeit von vier bis sechs Wochen beschäftigt das Packhaus in Wapato ca. 200 fast ausschließlich mexikanischstämmige Saisonarbeitskräfte, die als verlässliche Arbeitskräfte gelten. Die Mexikaner arbeiten während der eineinhalb Monate des Jahres sieben Tage die Woche in zwei Schichten zu acht Stunden (Schicht 1: 6-14 h, Schicht 2: 14-22 h). Überraschend für uns war, dass die ganze Sortieranlage zur einheitlichen Kaffeepause zur Halbzeit der Schicht still stand bzw. komplett abgeschaltet wurde. Die Mitarbeiter hatten alle zusammen Pause - ein fliegender Imbissstand auf dem Hof serviert mexikanisches Essen.
 

HYGIENE BEI GESCHLOSSENEM WASSERKREISLAUF

Nassentleerung und Wassersortierung bilden den Vorteil, dass die Früchte höchstmöglich geschont werden, haben einen hohen Durchsatz mit effizienter Kühlung und Frischhaltung [siehe Tab.1]. Alle Teile der Sortieranlage auf ca. 15 Bahnen sind deshalb aus Hygienegründen aufwendig in Edelstahl ausgelegt [siehe Abbildung 9]. Zur Sortierung wird Trinkwasser verwendet, das täglich komplett ausgetauscht und zusätzlich chloriert wird, um Hygieneproblemen vorzubeugen. Trotzdem birgt es ein potenzielles Risiko für Kreuzkontamination [siehe Tab. 1]. Bei der Aufstellung von zukünftigen HACCP-Konzepten und Zertifizierungen ist dieses System in Deutschland deshalb nicht zugelassen, so dass dem Eiswasser in der Sortieranlage von Saale-Obst in Schochwitz statt Chlor 3 % Zitronensäure zugesetzt wurde. Das ist allerdings in Deutschland deklarierungspflichtig.
 

DANK

Ich danke Ines und Mark Hanraham für die individuelle Führung durch die Sortieranlage und den interessanten Einblick in die mechanische Sortierung.
 

Medium

1975 hat der Vorstand der Fachgruppe Obstbau den Beschluß gefaßt, ab Januar 1976 eine Verbandseigene Fachzeitschrift herauszugeben. OBSTBAU hat sich seitdem zu einer renommierten Fachzeitschrift entwickelt, auf die kein zukunftsgerichteter Betriebsleiter/ Betriebsleiterin verzichten kann. Mit einer Auflage von über 7000 Exemplaren ist OBSTBAU heute die größte überregionale Fachzeitschrift für Obstbau im deutschsprachigen Raum.
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