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Zubehör, 20.12.2012

GUT GESCHMIERT IST HALB GEWONNEN

Fette Auswahl bei Schmierstoffen
Schmieröle und Schmierfette besitzen je nach Anforderungsprofil unterschiedliche Eigenschaften. Eine sorgfältige Auswahl zahlt sich aus, denn sie erhöht die Betriebssicherheit und die Lebensdauer der Geräte.
 
Die Erfolgsgeschichte des Dieselmotors begann am 17. Februar 1897. An diesem Tag erfolgte die offizielle Abnahme des Motors, der heute weltweit den Namen seines Erfinders trägt. Der damalige Koloss wog viereinhalb Tonnen, besaß 20 Liter Hubraum und leistete 20 PS. Die heute z. B. in Schmalspurschleppern eingebauten Motoren wiegen zwischen 300 und 400 Kilogramm, leisten bis 100 PS und begnügen sich mit maximal 4,5 Litern Hubraum. Mit dieser Entwicklung geht ein steigendes Anforderungsprofil an die Schmierstoffe einher, die ja Reibung und Verschleiß zwischen bewegten Maschinenteilen vermindern sollen.
 

Voll Fett

Schmierfette für Weinbau-Nutzfahrzeuge bestehen in der Regel aus einem mineralischen Grundöl, einem Verdicker (Seifenanteil) und Additiven. Um die richtige Wahl treffen zu können, sind folgende Kriterien bezüglich der zu schmierenden Stelle zu prüfen: Betriebstemperatur, Betriebsbelastung, Drehzahlen bzw. Geschwindigkeiten, besondere Umgebungsbedingungen (Wasser, Staub, Chemikalien etc.) und der Kontakt mit Kunststoffen, z. B. Dichtungsmaterialien.
 

Wasser und Hitze 

In der weinbaulichen Nutzung ist die Wasserbeständigkeit der Fette von großer Bedeutung. Viele Schmierstellen können bei Regen mit Wasser in Berührung kommen. Deshalb muss das eingesetzte Schmierfett wasserabweisend bzw. wasserbeständig sein. Calciumseifenfette und Lithiumseifenfette können die Anforderung erfüllen, Natriumseifenfette dagegen nicht. Als weiteres Auswahlkriterium ist die Wärmebeständigkeit zu nennen. Die maximale Gebrauchstemperatur liegt bei Calciumseifenfett bei ca. 50°C, bei Natriumseifenfett bei ca. 100°C und bei Lithiumseifenfett bei ca. 130°C.
 

Konsistenz 

Um an der Schmierstelle die volle Schmierleistung erbringen zu können, muss die richtige Konsistenzstufeausgewählt werden. Sie gibt über die Festigkeit, Verformbarkeit und Struktur des Schmierfetts Auskunft. Die Einteilung erfolgt in NLGI-Klassen (NLGI = National Lubricating Grease Institute, USA). Als fließend ist die erste Konsistenzstufe 000 zu beschreiben. Es geht weiter mit: 00, 0, 1, 2, 3, 4, 5 und 6. Die Konsistenzstufe 1 ist als sehr weich zu beschreiben, 4 als mittelfest, 6 als sehr fest. In der weinbaulichen Nutzung werden meist Fette der Konsistenzstufe 1 (sehr weich), 2 (weich bis salbenartig) und 3 (noch weich) eingesetzt.

Um die zu bevorratende Fettauswahl gering zu halten, haben sich in der Praxis Mehrzweckfette durchgesetzt. Diese Mehrzweckfette sind häufig lithiumverseift. Gelegentlich kommt eine Kombination aus Lithium- und Calciumseifen zum Einsatz. Durch Additive und eine entsprechende Grundölauswahl sind viele positive Eigenschaften (Druckbelastbarkeit, Korrosionsschutz, Alterungsstabilität, Wasserbeständigkeit und die gute Adhäsion an metallischen Oberflächen) vereint. Diese Mehrzweckfette haben ihren Preis, sind dafür aber vielseitig einsetzbar. Eine Besonderheit stellen die Getriebefließfette, wie sie in Kreiseleggen zum Einsatz kommen, dar. Dort wird eine geringe Fettkonsistenz gefordert.
 

Im Öl

Motoröle stellen die größte Gruppe unter den Schmierölen dar und müssen verschiedene Aufgaben erfüllen. Die Schmierung der aneinander gleitenden Bauteile ist an erster Stelle zu nennen. Reibung und Verschleiß müssen so gering wie möglich sein, Lager- und Gleitflächen durch Öl gekühlt werden, Verbrennungsrückstände, Verunreinigungen und Abrieb sollen vom Öl zum Filter geschwemmt werden. Weiters muss die Lauffläche zwischen Kolbenringen und Zylinderlaufflächen abgedichtet werden. Neben all diesen Aufgaben soll ein Korrosionsschutz aller umspülten Werkstoffe gewährleistet werden. Für die Auswahl muss zwischen zwei wichtigen Kriterien – Qualität und Viskosität – unterschieden werden:
 

Qualität des Motoröls 

Für die Qualität haben viele Motorenhersteller eigene Spezifikationen entwickelt. Um den Überblick zu behalten, ist die Klassifikation nach API (American Petroleum Institute) sehr hilfreich (vgl. Tabelle 1). Das API-System ist übersichtlich, leicht anzuwenden und bei Verbesserungen der Öle einfach durch neue Qualitätsklassen aufzustocken. Alle mit „S“ beginnenden Klassen kennzeichnen Öle für Otto­motoren. Alle mit „C“ beginnenden Klassen kennzeichnen Öle für Dieselmotoren. Der zweite Buchstabe gibt Auskunft über die eigentliche Qualität. „A“ steht für das einfachste Öl. Jeder weitere Buchstabe stellt einen Sprung zum besseren Öl dar.
 

Viskosität des Motoröls 

Die Viskosität eines Öls wird in SAE-Klassen angegeben (SAE = Society of Automotiv Engineers). Die SAE-Klasse gibt Auskunft über die Zähigkeit eines Öls und hat somit großen Einfluss auf die Sicherheit der Motorschmierung. „SAE 0W“ bedeutet, dass das Öl dünnflüssig ist. Das „W“ ist die Abkürzung für Winter bzw. Winterbetrieb. Ein Öl mit der SAE-Klasse 60 ist dementsprechend relativ dickflüssig. Die Zeit der Einbereichsöle ist bei Motorölen vorbei, denn zum Einsatz kommen heutzutage Mehrbereichsöle. Sie können über mehrere SAE-Klassen (z. B. „SAE 10W-40“) die Schmierung des Motors sicherstellen.
 

Öl für das Getriebe

Für das Traktorgetriebe gilt es, wie beim Motor, die Unterscheidung bzw. Anforderung hinsichtlich Qualität und Viskosität zu betrachten. Die Viskosität ist ebenfalls in SAE-Klassen eingeteilt. Meist werden auch in den verschiedenen Getrieben Mehrbereichsgetriebeöle eingesetzt. Beispielsweise ein „SAE 10W-30“ im Schaltgetriebe und ein „SAE 80W-90“ im Endantrieb. Die Qualitätseinstufung der Getriebeöle nach API ist in [Tabelle 1]ersichtlich. In Weinbautraktoren sind meist Öle nach API „GL4“ und API „GL5“ gefordert. Die Besonderheit bei Getriebe­ölen ist die hohe mecha­nische Beanspruchung durch Scherkräfte. Getriebe mit nasser Kupplung/Bremsen und Lastschaltstufen reagieren sehr empfindlich auf verschiedene Öle. Die Reibbeiwerte sind exakt auf das vorgeschriebene Öl abgestimmt. Beim falschen Öl können Probleme mit den Lamellenkupplungen der Lastschaltung oder auch beim Bremsen auftreten. Der Einhaltung der Herstellervorschriften ist besonderes Augenmerk zu schenken.
 

Öl für die Hydraulik

In Hydraulikanlagen herrschen hohe Drücke und Öltemperaturen. Ferner wird das Öl häufig in der Hydraulikanlage umgewälzt. So ist klar, dass auch die Hydrauliköle hinsichtlich ihrer Qualität und Viskosität zu betrachten sind. Die Viskositätseinstufung erfolgt nach ISO-VG. Die Viskositätsstufen sind 15, 22, 32, 46, 68 und 100. Je größer die Zahl, desto dickflüssiger ist das Öl. Die Beschreibung der Hydraulikölqualität ist etwas schwieriger. Bei Hydraulikölen ist die Bedeutung der Additive besonders groß. Eine Einordnung ist nach DIN 51524 oder ISO-L möglich [siehe Tabelle 2]. Je nachdem, welche Anforderung im Vordergrund steht, muss das Öl ausgewählt werden. In der Landtechnik kommen häufig HLP 68 ISO-VG zum Einsatz.
 

Die Alleskönner

Die Vielfältigkeit der Schmierstoffe macht für die weinbauliche Praxis eine Vereinfachung wünschenswert. So kann der Überblick leichter behalten werden, es passieren weniger Fehler beim Ölwechsel und das Ölsortiment auf dem Betrieb verkleinert sich. Bei vielen Schmalspurschleppern sind Getriebe- und Hydrauliköl gemeinsam im Schleppergetriebe bevorratet. Hier kommen TOU-Öle zum Einsatz (TOU = Traktor Oil Universal). Diese Öle können als Getriebe-Hydraulik-Öle bezeichnet werden (für nasse Bremsen nicht geeignet) und sind bedingt für den Einsatz als Motoröl tauglich. Die Weiterentwicklung der TOU-Öle sind die STOU-Öle (STOU = Super Tractor Oil Universal). Diese Öle können universell in Motor, Getriebe und Hydraulik eingesetzt werden. Als Produkt zwischen den beschriebenen Ölen sind die UTTO-Öle anzusehen (UTTO = Universal Tractor Transmission Oil). Sie eignen sich für Getriebe, Hydraulik und nasse Bremsen. Die neueste Entwicklung unter den Alleskönnern sind die sogenannten MFOs (MFO = Multifunctional Oil). Sie können in Motor, Getriebe, Hydraulik mit und ohne nasse Bremsen eben überall eingesetzt werden. Einen Überblick liefert [Tabelle 3].

Die Ausführungen gelten auch für biologisch abbaubare Schmierstoffe. Bei der Umstellung auf Bio-Hydrauliköl soll der Mineralölanteil nicht über 2% liegen. Für HLPD- und Motoröle darf der Mineralölanteil nicht über 1% liegen. Wird dies nicht beachtet, können Schäden an den Aggregaten entstehen.
 

Fazit

 
In der Landtechnik eingesetzte Schmierstoffe müssen den stetig wachsenden Anforderungen gerecht werden. Die sachgerechte Auswahl von Schmierstoffen ist entscheidend für eine hohe Betriebssicherheit, eine lange Lebensdauer sowie die Wirtschaftlichkeit der Maschinen und ­Geräte. Es ist ratsam, nur Öle mit Herstellerfreigabe zu verwenden. Die Verwendung der beschriebenen Alleskönner kann das Ölsortiment auf dem Betrieb deutlich vermindern. Die Gefahr, dass das falsche Öl am falschen Aggregat zum Einsatz kommt, wird deutlich geringer.
 
 

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