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Pfähle & Säulen, 08.12.2012

FESTER STAND VON ANFANG BIS ENDE

Sind bei einer Neuanlage das Erziehungssystem und die Rebsorte gewählt, geht es um die Auswahl der Unterstützungsmaterialien und die Erstellung des Drahtrahmens.
Sind bei einer Neuanlage das Erziehungssystem und die Rebsorte gewählt, geht es um die Auswahl der Unterstützungsmaterialien und die Erstellung des Drahtrahmens. Was dabei beachtet werden sollte, nimmt der vorliegende Artikel unter die Lupe.
 
Entscheidungen zur Neuan­lage fallen im Moment den Winzern nicht leicht. Welche Rebsorte wird in Zukunft im Trend liegen? Wie entwi­ckeln sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen?
Erfolg ist die Summe der richtigen Entscheidungen. Deshalb sollte von den Be­triebsleitern in die Planung und Konzeption sehr viel Zeit investiert werden. Ist die Rebsorte festgelegt, gilt es, das optimale Erziehungs­system auszuwählen. Es konkurrieren Arbeitszeit, Er­gonomie bei der Arbeit und Qualitätsanspruch an das zu produzierende Traubengut.
Werden Anlagen erstellt, so sollten sie innerhalb der gepflanzten Rebsorte mög­lichst variabel in der Pro­duktqualität zu führen sein, da sich die Marktvorgaben häufig ändern.
 

Materialkosten der Neuanlage

Sind bei einer Neuanlage Erziehungssystem und Reb­sorte gewählt, geht es um die Auswahl der Unterstützungs­materialien und die Erstel­lung des Drahtrahmens. Die Anlagekosten sind extrem abhängig von der gewählten Anlageform. Die Kosten werden entscheidend von Zeilenlänge und Zeilenbreite definiert. Hauptkostenfaktor bei kurzen Zeilen ist der Endpfahl. Daneben fallen Kosten für Zeilenpfähle (ab­hängig vom Abstand der Pfähle), Draht und Pflanz­stäbe an. Die benötigte An­zahl von Pfählen, Pflanzstä­ben und Draht zeigt die [siehe Tabelle 1].
Betrachtet man die [siehe Tabelle 2] zu den Kosten, so wird klar, dass der Haupt­kostenfaktor aus Pfählen kommt. Bedenkt man aller­dings, dass Reparaturkosten bei schadhaftem Material pro defektem Endpfahl rund 20 Euro oder bei geknick­tem Reihenpfahl ungefähr 13 Euro ausmachen, sollte an diesem Material nicht ge­spart werden, da Arbeitsbe­lastung und Folgekosten hö­her sind. Reine Materialkos­ten der Unterstützungsvor­richtung bewegen sich im Moment um die 12 000 Euro.
Bei den Materialien sind extreme Unterschiede fest­zustellen. Hier muss die An­lage genau auf die betrieb­lichen Anforderungen abge­stimmt werden. Berücksich­tigt werden muss, wie viel Arbeitszeit für die Reparatur von schadhaften Anlagen aufgewendet werden kann.
In der Regel sind bei ei­nem hohen Reparaturauf­wand die eingesparten Kos­ten bei der Neuanlage sehr schnell aufgebraucht. Eben­falls muss in die Betrach­tung die Arbeitsabwicklung in den Anlagen mit einbezo­gen werden. Hier können Investitionen - z. B. in Heft­klammern - sich ebenfalls schnell amortisieren.
Was ist bei der Erstellung der Unterstützungsvorrich­tung im Einzelnen zu beach­ten? Bei allen Einzelkompo­nenten sind sehr viele ver­schiedene Materialien auf dem Markt. Sie unterschei­den sich in der Standfestig­keit, der Haltbarkeit und vor allem im Preis.
Häufig werden bei Neuan­lagen als Pflanzstäbe Well­stäbe oder Torstahlstäbe mit mindestens sechs Millimeter Durchmesser eingesetzt. Diese zwar in der Anschaf­fung teuere Variante vereint eine günstige Stockbefesti­gung durch wenig Bindema­terialverbrauch mit einer ausreichenden Standfestig­keit bei entsprechender Be­festigung am Biegedraht. In steileren Lagen muss unbe­dingt auf eine ausreichende Standfestigkeit geachtet wer­den. Hier können stabile Stabbefestigungen eingesetzt werden oder in der Standfes­tigkeit breitere Holzstäbe. Al­lerdings sollten diese nicht bei einem Erntemaschinen­einsatz zerbrechen.
Bei dem heutigen Klonma­terial der Pflanzreben ist zu erwarten, dass die Jungrebe im ersten Jahr bereits Stammhöhe erreicht. Des­halb sollte noch im Jahr der Pflanzung der Drahtrahmen aufgeschlagen werden, um einen geraden Stammaufbau zu gewährleisten.
 

Reihenpfähle

Zunächst werden die Pfähle eingeschlagen. Für alle Pfähle gilt, dass der Ab­stand zwischen zwei Pfählen nicht weiter als maximal fünf Meter sein sollte. In windoffenen Lagen sollte der Pfahlabstand sogar vier Meter unterschreiten. Dies kann auch für die ersten windoffenen Zeilen einer Anlage gelten. Die Pfähle sollten mindestens 70 Zenti­meter in den Boden einge­schlagen werden.
Ebenfalls wichtig ist, dass sie mindestens 25 Zentime­ter im gewachsenen Boden gründen. Also Vorsicht bei sehr tiefen Bodenlockerun­gen! Ebenfalls sollte bei der Auswahl von Pfählen auf ein angepasste Hakensystem geachtet werden.
Der Rei­henpfahl wird in erster Linie auf den Seitenflächen belas­tet. Je breiter das Profil, desto sicherer der Schutz gegen Seitenneigung. Die Hakenstationen sollten auf die betrieblichen Bedingun­gen des Biegens und Heftens abgestimmt sein.
Bei der Auswahl der Mate­rialien haben sich immer mehr die Eisenpfähle durch­gesetzt. Bei guter Herstellung überdauern die Pfähle in der Regel die Standzeit der Re­ben. Auf eine ausreichende Zinkauflage ist zu achten. Der Abtrag von Zink in sau­ren Böden beträgt bis zu drei Mikrometer pro Jahr. Die Bandverzinkung bringt in der Regel 25 bis 35 Mikrometer Zinkauflage.
In kritischen Böden be­deutet dies einen Korrosi­onsschutz von rund 12 Jah­ren, in unproblematischeren Böden von 20 bis 25 Jahren. Bis das Eisen der Pfähle dann durchgerostet ist, ver­gehen je nach Standort nochmals rund fünf Jahre. Die Stückverzinkung der Pfähle bringt etwa 60 bis 80 Mikrometer - also selbst in kritischen Böden 20 bis 25 Jahre Korrosionsschutz plus die fünf Jahre, bis das Eisen durchgerostet ist.
Für die Galvanverzinkung - 95 % Zink plsu 5 % Alu­minium - können bisher noch keine Aussagen ge­macht werden. In der Theo­rie ist der Abtrag um etwa 70 % gegenüber der Verzin­kung verringert.
Welches Profil beim Rei­henpfahl ausgewählt wird, hängt entscheidend vom Spaliersystem ab. Grund­sätzlich finden sich innen-und außenliegende Haken. Beide Systeme haben Vor-und Nachteile. Bei maschi­neller Traubenernte verfor­men sich beispielsweise in­nen liegende Haken nicht so sehr, automatische Heft­drahtablagesysteme sind aber schwierig auf dieses System abzustimmen. Leich­ter mechanisierbar sind außenliegende Haken, allerdings sind diese „schlag­gefährdet" und durch die Bewegung damit korrosions­anfälliger.
 

Endpfähle

Bei der Drahtrahmengestal­tung ist der Endpfahlerstel­lung die größte Sorgfalt zu­kommen zu lassen. Eine op­timale Lösung ist vor allem bei der Endpfahlbefestigung noch nicht gefunden. Zum einen ist die Endgestaltung für die Stabilität des Draht­rahmens von entscheidender Bedeutung. Zum anderen ist der Ersatz von Endpfählen sehr arbeitsaufwendig.
Eine moderne Erstellung von Anlagen muss zurzeit den hohen Mechanisierungs­grad (Vollernter, Schneide­technik) beachten. Der Endpfahl sollte ein gewisses Schwingungsverhalten zur Lastspitzenbrechung, Überfahrbarkeit mit den Traubenerntemaschinen sowie eine wartungsfreie Standzeit von rund 30 Jahren gewäh­ren. Ebenso sollte er nicht im Boden versinken und die nötigen Anbringungs- und Drahtspannarbeiten (beweg­liche Heftdrahtpaare) sehr leicht ermöglichen.
Für Eisenpfähle mit hoher Belastung gilt: Der Pfahl sollte stückverzinkt mit min­destens zwei Millimeter Ma­terialstärke (ohne die Ver­zinkung) hergestellt sein.
Die Profile sollten eine ma­ximale Breite für die auftre­tenden Querlasten besitzen.
Wichtige Punkte bei der Erstellung der Endbefesti­gung sind folgende (siehe auch die Ab­bildung):
Zunächst muss der Grenz­abstand der letzten Befesti­gung (Anker) zum Weg ein Meter betragen. Um beste Voraussetzungen für die Haltbarkeit der Anlage zu gewährleisten, sollten die Endpfähle und der Anker in vorgegebenen Neigungswin­keln erstellt werden. Der Pfahl sollte ca. 60-70° von der Zeilenrichtung zum Weg hin geneigt sein. Der Anker­draht wird in der Regel in rund 70 % der Höhe des Endstickels abgespannt.
Normalerweise wird der Erdanker als Zugbefestigung zwischen 0,80 m und 1,20 m Entfernung zum Pfahl einge­bracht. Dieser sollte mit der Verankerung Richtung Nei­gung der Abspannung und nicht senkrecht eingebracht werden, da bei Zuglasten von über 250 Kilogramm der Anker automatisch in die Lastrichtung gezogen würde und der Endpfahl um bis zu 15 Zentimeter nach­geben würde.
Bei der Einbringtiefe und Richtung sind zunächst ver­schiedene Faktoren zu be­rücksichtigen. Um eine aus­reichende Standfestigkeit zu gewährleisten, sollten vor allem Endpfähle, aber auch Reihenpfähle mindestens 20 Zentimeter tief in ge­wachsenem Boden stehen. Dies bedeutet bei den heuti­gen Rigoltiefen, dass der Pfahl aufgrund des schrägen
Einbringens mindestens 80, besser 90 Zentimeter tief eingebracht werden muss. In sehr lockeren Sand- oder Lössböden sollte ein „Ver­sinken" des Pfahles mit ei­ner entsprechenden Zusatz­platte verhindert werden.
Um vor allem die Arbeit mit Überzeilengeräten zu verbessern, sollte die senk­recht gemessene Pfahlhöhe 10 bis 20 Zentimeter tiefer sein als die Höhe der Rei­henpfähle (1,70 Meter). So spannen sich vor allem auch die Heftdrähte besser auf den ersten Reihenpfahl. Sind die Pfähle zu hoch und die Vorgewende nicht opti­mal ausgeführt, so sind Schäden vorprogrammiert.
Bei den Verankerungen der Endpfähle steht die Standfestigkeit der Anlage im Vordergrund. Auch bei den Erdankern existieren verschiedene Formen, wel­che in der Regel je nach Steingehalt des Bodens ein­gesetzt werden.
Für die kritische Zone im Übergang werden neuer­dings Zwischenanker ange­boten, die Reifenbeschädi­gungen und das Zerreißen der Ankerdrähte umgehen. Zunächst sollte auf eine feste Verankerung in tiefen Böden geachtet werden. Dazu muss der Anker in die „trockene", nicht rigolte Zone. Hierzu werden in der Regel Stabanker mit mögliehst 150 Millimeter Scheibe mit 14 Millimeter Stabdieke und mindestens 80 Zentime­ter Länge eingesetzt.
Nachdem die Pfähle und die Endpfähle gesetzt sind, werden die Drähte eingezo­gen. Dies kann mit allen Drähten auf einmal gesche­hen, es ist aber auch mög­lieh, die Drähte nach dem Befestigungsbedarf der Jungreben nacheinander einzuziehen.
Neuerdings sind vor allem für die Betriebe mit zwei be­weglichen Heftdrahtpaaren unterschiedlich eingefärbte Drähte am Markt. Diese können die oft ärgerlichen Drahtdreher in den Rebzei­len beim Heften vermeiden. Grundsätzlich sollten alle Drahtarten wenig Reibe­schäden verursachen und gut zu verarbeiten sein. Sie sollten eine gute Reißfestig­keit bei wenig Dehnung auf­weisen. Weitere Anforderun­gen sind:
  • Die Drähte müssen min­destens so lange halten wie die Pfähle;
  • das Material sollte mit den Pfählen harmonieren (Scheuerschäden, Galvani­sches Element);
  • die Drähte sollten leicht zu verarbeiten sein, ein leichtes Biegen bei ausrei­chender Reißfestigkeit ist nötig.
Um die Drähte zu span­nen, stehen verschiedene Systeme zur Verfügung. Je nach Zeilenlänge sind hier die Spannweite pro Umdre­hung, das „Wandern" der Spanner während des Spannvorganges sowie die Aufnahmekapazität des Drahtes zu beachten.
 

Spanner

Auf jeden Fall sollten die zur Verfügung stehenden Span­ner leicht anzubringen sein, eine entsprechende Aufnah­mekapazität haben und aus dem gleichen Material wie die Drähte sein.
Das Nachspannen muss jederzeit mit wenig Kraftauf­wand und leicht zugänglich möglich sein. Bitte beach­ten: Biegedrahtspanner soll­ten im Weinberg oben an­gebracht werden, beim Spannen werden so die tal­wärtswandernden Stöcke wieder nach oben gezogen.
Nachdem der untere Draht eingezogen ist, wer­den die Pflanzstäbe (vor al­lem Wellstäbe und Tor­stahlstäbe) fest mit dem Draht verbunden. Dies er­höht zum einen die Stabili­tät der Pflanzstäbe und macht die Anlagen zum an­deren mit tastergesteuerten Geräten befahrbar.
Grundziel bei der Aus­wahl der Unterstützungsvor­richtung muss die Betrach­tung der gesamten Laufzeit der Anlage sein. Häufig ist hier festzustellen, dass bei den Anschaffungsleistungen im Material versucht wird, etwas Geld einzusparen, die­ses aber in der Gesamtbe­trachtung durch die deutlich höhere Reparaturanfälligkeit der Anlage letztendlich teue­rer kommt.
Kosten, welche ein Unternehmen investiert, sollten amortisiert werden, Materialien sollten relativ wartungsfrei die Nutzungsdauer überstehen.                                       

Medium


„Der Badische Winzer“ ist die auflagenstärkste Monatsfachzeitschrift in Deutschland und wird vom  Badischen Weinbauverband mit Sitz in Freiburg herausgegeben. Die Leserinnen und Leser erfahren umfassend, praxisnah und kompetent die neuesten Trends in Anbau, Kellertechnik und Vermarktung. Aktuelle Brancheninformationen ergänzen den Fachteil. Ein kostenloses Probeheft oder ein Abonnement (Jahrespreis Deutschland: 40,80 Euro inklusive Porto, EU-Ausland: 66,60 Euro inklusive Porto) können Sie unter Tel. 0049 761 2713351, vertrieb@blv-freiburg.de (Sonja Wahl, Daniela Brandsch) anfordern. Oder online über die Webseite des Badischen Weinbauverbandes: www.badischer-weinbauverband.de
 
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