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Verarbeitung, 28.11.2012

GERÄTE FÜR DIE OBSTVERARBEITUNG (IV)

Geräte zum Pasteurisieren, Abfüllen, Behälter und Verschlüsse

Geräte zum Pasteurisieren

 
Süßmostglocke
Die Süßmostglocke war das erste Gerät, mit dem direkt am Betrieb im Durchlaufverfahren Fruchtsäfte erhitzt werden konnten. Sie besteht aus zwei durch eine Schraube miteinander verbundenen Glocken. Der Saft durchläuft die doppelwandige Glocke, die von außen und innen durch ein Wasserbad beheizt ist. Über einen Zu- oder Ablaufhahn wird die Durchflussmenge reguliert, mit dieser steigt oder sinkt die Verweildauer in der Glocke und damit die Safttemperatur. Mit einem Thermometer, das am Ausflussrohr angebracht, ist erfolgt die Temperaturkontrolle. Steigt die Temperatur zu weit an, muss die Durchflussmenge erhöht werden, damit die Safttemperatur im Ausgang wieder absinkt. Umgekehrt führt ein Verringern der Durchflussleistung zum Temperaturanstieg. Die Temperatursteuerung ist bei händischer Steuerung nur unzufriedenstellend, wegen starker Differenzen ist die Haltbarkeit der damit hergestellten Säfte nicht immer gewährleistet.
Für jene Betriebe, die nur kleinere Mengen an pasteurisiertem Saft herstellen, ist die Süßmostglocke durchaus eine günstige Alternative, für die Herstellung größerer Mengen ist sie eher nicht geeignet.
 
Pasteurapparate
Pasteurapparate werden als Röhren- oder Plattenwärmetauscher angeboten. Diese Geräte sind je nach Bauart für die Pasteurisation von größeren Mengen an Säften geeignet und vorwiegend aus Edelstahl gebaut. Sie sind daher geschmacksneutral, leicht zu reinigen, korrosionsbeständig, haben eine lange Lebensdauer und eine befriedigende Wärmedurchlässigkeit.
Ihr Funktionsprinzip ist, dass ein Heizmedium, meistens Heißwasser über eine Austauschfläche die Energie an ein nicht so warmes Produkt abgibt. Der Energieaustausch funktioniert auch in die andere Richtung: wird Kühlflüssigkeit eingesetzt, kann mit einem Wärmetauscher auch gekühlt werden.
 
Plattenpasteur
Plattenwärmetauscher sind auf Grund ihrer kompakten Bauart, der hohen thermischen Leistungsfähigkeit sowie der relativ geringen Investitions- und Betriebskosten häufig in Fruchtsaftbetrieben zu finden. Je nach Verwendungszweck finden von der Standardplatte mit weniger als 3 mm Spalt hin bis zur Freistromplatte mit etwa 10 mm Spalt finden verschiedene Arten Verwendung. Zum Erhitzen von trüben Säften mit sehr großen Trubstoffen ist der Einsatz von Geräten mit geringem Plattenabstand mitunter problematisch. Um Verstopfungen zu verhindern, ist es sinnvoll, Plattentypen mit größerem Abstand zu wählen. Verschiedene Prägungsmuster auf den Platten sorgen für die Durchwirbelung des Saftes und damit für eine gleichmäßige Erhitzung.
Plattenpasteure haben einen im Vergleich zu Röhrenwärmetauschern relativ geringen Flüssigkeitsinhalt, sie sind daher schneller aufheizbar.
 
Röhrenpasteur
Röhrenwärmetauschern sind gleichermaßen zur Erhitzung von klaren, trüben oder dickflüssigen Säften bzw. auch zum Erwärmen von Maische geeignet, sie sind vielseitig einsetzbar. Die Geräte sind auch leichter zu reinigen als Plattengeräte, sollte die Nassreinigung nicht reichen sind sie auch molchbar. Da im Inneren der Rohre keine Einbauten oder Toträume bestehen, sind größere Reinigungsarbeiten nur nach langem Stillstand erforderlich.
Im Doppelrohr werden Fruchtsaft und Heizflüssigkeit gleichzeitig geführt. Das zu wärmende Medium fließt im inneren Rohr im Gegenstromprinzip dem Heizmedium entgegen. Bei den meisten Geräten laufen die Rohre parallel und werden durch abschraubbare U-Rohre miteinander verbunden. Durch den Anbau weiterer Rohre sind sie stets erweiterbar.
Der Rohrdurchmesser übt entscheidenden Einfluss auf den Einsatzzweck aus, erst ab einem Durchmesser von etwa 40 mm erfolgt der Maischetransport im Rohr problemlos, für ausschließlichen Saftdurchlauf sind Durchmesser ab 12 mm ausreichend. Röhrengeräte haben aufgrund ihrer Bauart einen höheren Platzbedarf als Plattengeräte, zum Zerlegen im Zuge einer Generalreinigung steigt der Platzbedarf auf nahezu das Doppelte.
 
Tunnelpasteur
Bei anderen Verfahren, sei es die Süßmostglocke oder ein Röhren- bzw. Plattenwärmetauscher, wird heißer Saft gefüllt und die Flasche anschließend verschlossen. Im Tunnelpasteur erfolgt die Pasteurisation erst nach dem Verschließen der Gebinde, was einen grundlegenden Unterschied zu anderen bisher angeführten Erhitzungsmöglichkeiten darstellt. Da bei der herkömmlichen Heißfüllung von Säften die Kohlensäure verloren ginge, wird der Tunnelpasteur eingesetzt, um kohlensäurehaltige Getränke, wie beispielsweise Obstwein mit Restsüße, zu pasteurisieren.
Durch den Wärmeeinfluss dehnt sich der Saft in der Flasche aus, aus diesem Grund ist in der Flasche ein Kopfraum von 3 bis 4 % zu belassen. Trotzdem entstehen in der Flasche bei normaler Pasteurisationstemperatur bedeutende Innendrücke. Vor allem bei kohlensäurehältigen Getränken ist daher auf die Wahl einer ausreichend druckbeständigen Flasche zu achten.
Der Unterschied zwischen Flaschentemperatur und Wassertemperatur soll nicht größer als 30 °C sein, um ein Zerspringen der Flaschen zu verhindern. Nicht mehr ganz einwandfreie oder schon mehrfach verwendete Flaschen bersten bei großen Temperaturdifferenzen besonders leicht. In weiterer Folge vermischst sich Saft aus den geborstenen Flaschen mit dem Berieselungswasser im Sammelbecken und wird von dort aus mit dem Heißwasser zur Wiederverwendung gepumpt. Um zu verhindern, dass Fruchtsaft außen auf den Flaschen verbleibt, erfolgt im Tunnelpasteur das Rückkühlen mit Frischwasser. Um den Ausfall von Kesselstein im Gerät oder auf den Flaschen zu verhindern ist weiches oder enthärtetes Wasser zu verwenden.
 
Diskontinuierliche Verfahren
Geräte kleinerer Bauweise sind meistens für diskontinuierlichen Betrieb ausgelegt. Sie werden je nach Größe entweder mit Einzelflaschen bestückt oder die Flaschen auf einem Wagen in das Gerät gebracht. Über einen brauseartig perforierten Siebboden läuft das Heißwasser über die Flaschen nach unten in einen Sammelbehälter ab. Sobald die Haltezeit bei gewünschter Safttemperatur verstrichen ist, senkt man durch langsame Kaltwasserzufuhr die Temperatur ab.
 
Kontinuierliche Verfahren
Größere Geräte arbeiten nach dem kontinuierlichen Verfahren. Im Gerät verläuft der Flaschentransport entweder direkt oder in Kisten am Förderband. Die ersten Zonen des Gerätes dienen dem Aufheizen, die mittleren halten die gewünschte Temperatur, anschließend, im letzten Teil, erfolgt das Abkühlen der Flaschen.
Die Bandgeschwindigkeit im Gerät richtet sich nach Flaschengröße, Wassertemperatur und der Haltezeit. Gewünscht ist eine möglichst kurze Aufheiz- und Abkühlphase bei ausreichender Haltezeit, um ein Optimum an Qualität bei sicherer Haltbarkeit zu erreichen.
Ein großer Vorteil dieser Geräte ist die Möglichkeit zur Wärmerückgewinnung und damit zu erheblicher Energieeinsparung.
 

Geräte zum Abfüllen

 
Reihenfüller
Der Reihenfüller ist ein eher einfaches, nicht automatisiertes Gerät zum gleichzeitigen Abfüllen mehrerer Flaschen. Die Füllleistung ist abhängig von der Anzahl der Füllstellen und der Flaschengröße. Das zu füllende Getränk wird in eine Wanne oberhalb der Füllelemente gepumpt, was entweder über einen Schwimmer oder händisch gesteuert wird. Gut geeignet ist der Reihenfüller für die Kaltfüllung. Bei der Heißfüllung kann dieser Saft bei einer Unterbrechung des Füllvorganges auskühlen, gelangt mit weniger als 78 °C in die Flasche, was Schwierigkeiten bei der Haltbarkeit mit sich bringen kann. Ansonsten ist der Reihenfüller ein gutes und günstiges Gerät für Betriebe mittlerer Größe.
 
Rundfüller
Rundfüller sind Geräte größerer Bauart, sie arbeiten in der Regel vollautomatisch, und müssen nur laufend mit Flaschen beschickt werden. Generell sollen heute nur mehr Füller aus Edelstahl Verwendung finden. Sie sind gegen aggressive Fruchtsäuren beständig und leicht zu reinigen. Geräte zur Sterilfüllung sind von frischer Luft abgeschirmt und verhindern damit Reinfektion durch die Luft. Luftzutritt zum Getränk bedeutet Reinfektion mit Keimen der Luft (Schimmelsporen, Hefezellen, Bakterien), was bei der Heißfüllung keine Rolle spielt, bei der Sterilfüllung von Obstwein oder Essig aber sehr wohl von Bedeutung ist. Bei der Heißfüllung müssen auch Leitungen und Schläuche mit denen der Saft in Berührung kommt zur Füllung heißer Fruchtsäfte geeignet sein.
Zum Abfüllen zuckerreicher oder dickflüssiger Getränke wie Sirup oder Nektar verwendet man hauptsächlich Vakuumfüller, um eine befriedigende Füllleistung zu erzielen. Sie legen in der Flasche einen Unterdruck an und saugen damit das Getränk förmlich ein.
 

BENÖTIGTE BEHÄLTER

In den obstverarbeitenden Betrieben sind  Behälter aus unterschiedlichsten Materialien in den verschiedensten Gebindegrößen in Verwendung.  Die am häufigsten eingesetzten Materialien sind Holz, Kunststoff und Edelstahl, seltener findet man Zisternen aus Beton oder Behälter aus Glas. Die Größe der Lagerbehälter beginnt bei etwa 10 l und endet bei Behältern mit mehreren 10000 l Fassungsvermögen.
 
Holzfässer
Holzfässer waren über einen langen Zeitraum das klassische Lagergebinde von Obstwein, Essig oder Brand. Mit dem Aufkommen günstiger Alternativen wie den Kunststoffbehältern und den gestiegenen Anforderungen an Hygiene haben Holzfässer vor allem in der Obstweinbereitung an Bedeutung verloren.  Bei Essig oder Obstbrand hat das Holzfass nach wie vor eine gewisse Bedeutung als Lagergebinde, da es ein Atmen der Produkte und damit ein rascheres Reifen ermöglicht. Holzfässer können bei guter Pflege und Lagerung  jahrzehntelang in Verwendung gehalten werden.
Nachteilig bei Holzfässern im Vergleich zu Kunststoffgebinden ist der hohe Anschaffungspreis,  der Verlust durch Schwund und vor allem der hohe Pflege- und Reinigungsaufwand. In der Zeit, in der die Fässer nicht gebraucht werden, ist es notwendig, sie zu konservieren. Das geschieht entweder in Form einer Trockenkonservierung durch das Verbrennen von Schwefelschnitten im Fass oder als Nasskonservierung durch das Befüllen mit einer 0,05%ige SO2-Lösung.
Neben Fässern aus Eichenholz wurden in letzter Zeit alle möglichen Holzarten auf ihre Eignung zum Fassbau hin versucht. Eine gewisse Bedeutung in der Edelbrandlagerung haben Fässer aus Akazien-, Kastanien-, Eschen- oder Maulbeerholz auch erlangt, aber der Großteil der Fässer wird nach wie vor aus Eichenholz hergestellt.
Holzfässer müssen vor dem Befüllung und nach der Entleerung genau gereinigt werden, dies sollte sowohl mechanisch (Bürsten, gering eingestellter Hochdruckreiniger), aber auch durch Ausdämpfen geschehen.  Auch ein chemisches Reinigungsmittel wie Sodalauge kann zur gründlichen Reinigung herangezogen werden. Gründliches Nachspülen mit kaltem Wasser ist nach jeder Reinigung unbedingt notwendig. 
 
Kunststoffbehälter
Die meist aus glasfaserverstärktem Polyester bestehenden Kunststofftanks sind zur Lagerung von Obstweinen gut geeignet und daher weit verbreitet.  Kunststoffbehälter sind leicht und kostengünstig, sie sind leicht zu reinigen und verhindern Schwund festzustellen. Nachteile der Kunststoffbehälter liegen vor allem in ihrer geringen Druckfestigkeit und der geringen Hitzebeständigkeit.
 
Edelstahlbehälter
In den letzten Jahren hat Edelstahl im Lebensmittelbereich stark an Bedeutung gewonnen. Fast keine Verarbeitungsbetrieb kommt mehr ohne Geräte, Behälter oder Arbeitsflächen aus diesem Material aus. Nirostastahlbehälter sind geruchs- und geschmacksneutral und haben eine hohe Lebensdauer, dafür ist der Anschaffungspreis um einiges höher als bei Holz- und Kunststoffbehältern.
Neben der vielseitigen Verwendbarkeit der Edelstahlbehälter können diese exakt nach den Bedürfnissen der Produzenten hergestellt bzw. verändert werden. Sie sind stabil, unempfindlich gegenüber Reinigungs- und Desinfektionsmitteln und aggressiven Inhaltsstoffen wie Säuren oder schwefeliger Säure.
Zur Lagerung von Edelbränden, Likören Früchten in Alkohol und anderen haben Edelstahlkannen zwischen 25 und 100 l Füllraum große Bedeutung erlangt. Sie sind günstig, vielseitig verwendbar, leicht zu reinigen und zu manipulieren und vor allem mit Sicherheit geschmacksneutral.
 
Glasbehälter
Glasballons sind noch vorrangig zum Lagern von Mengen bis zu 50 l von alkoholreichen Produkten wie Likören oder Bränden üblich, größere Behältnisse haben keine Bedeutung. Sie sind zwar absolut geschmacksneutral aber bruchgefährdet und nicht ganz leicht zu reinigen.

Betonbehälter
Behälter aus Beton zu bauen hatte vor einigen Jahrzehnten in Großbetriebe noch Bedeutung, heute verwenden sie diese auch nicht mehr. Innenseitig waren sie entweder beschichtet oder mit Fliesen ausgelegt, um die Reinigung zu erleichtern bzw. sie überhaupt erst lebensmittelecht zu machen.  Gegenüber anderen Materialien haben Betonzisternen keinen Vorteil mehr und deswegen stark an Bedeutung verloren.
 

BENÖTIGTE GEBINDE

Gebinde und deren Verschlüsse sind der erste Kontaktpunkt des Kunde mit dem Getränk. Um sowohl für den Produzenten als auch für den Kunden interessant zu sein, sollten die Gebinde zumindest in Anschaffungspreis, Automatisierungsfähigkeit, Bedruck- oder Etikettierfähigkeit, Bruchsicherheit, Wiederverwertbarkeit, Wiederverschließbarkeit, Lagerfähigkeit, Gebrauchsfertigkeit und Gebindegröße den Anforderungen entsprechen.
 

Getränke

 
Gebinde für Getränke
 
PET-Flasche
PET-Flaschen gelten als industrieller Ersatz für die Glasflasche. Polyethylenterephthalat (PET) ist ein polyesterähnlicher Kunststoff, der leicht in Flaschenform zu bringen ist.  Die Vorteile der Kunststoffflasche der Glasflasche gegenüber liegen vorrangig im geringen Gewicht und der Unzerbrechlichkeit. Nach etwa 5 Umläufen werden sie sortenrein wiederaufgearbeitet. PET-Flaschen waren allerdings nicht ganz gasdicht, darin abgefüllte Getränke hatten daher eine eingeschränktere Haltbarkeit als in Glasflaschen. Außen beschichtete Flaschen könnten das Problem der Durchlässigkeit beheben. Zur Heißfüllung sind nicht alle Typen geeignet, hier wird noch nach der optimalen Lösung gesucht.
Die PET-Flasche hat vorwiegend am Groß- oder Industriebetrieb Bedeutung, für kleingewerbliche und bäuerliche Betriebe noch nicht.
 
Bag-in-Box
„Getränkebeutel im Karton“, wenn man diesen Begriff mit Gewalt einzudeutschen versucht. Das Getränk wird dabei mit einer speziellen Abfüllmaschine in einen Sack aus Plastik oder Aluminium mit einem Ausgussventil gefüllt. Für Endkunden wird dieser anschließend von einem Pappkarton umgeben, bzw.  in der Gastronomie an Schankanlagen angeschlossen. Der lebensmittelechte Kunststoffbeutel ist zur Heißfüllung geeignet, er passt sich dem Saftvolumen an, ein wiederverschließbares Ventil gewährleistet, dass keine Luft in das Beutelinnere gelangt und die Haltbarkeit des angebrochenen Beutels verlängert.
Die Beutel haben in Österreich in Gastronomie und Haushalt nur geringe Bedeutung, in anderen Ländern sind sie weitverbreitet.
 
Glasflaschen
Glas ist das klassische Verpackungsmaterial für Getränke, da es geschmacksneutral, gasdicht und temperaturbeständig ist. Trotz einer Zunahme alternativer Packstoffe kommen nach wie vor die meisten Getränke in Glasflaschen in Verkehr. Glasflaschen sind lebensmittelecht und für alle Arten von Getränken, vom Saft über Essig bis hin zum Brand einsetzbar, sie sind wiederverwendbar und zur Heißfüllung geeignet. Nachteilig bei Glasgebinden ist die Bruchgefahr und das hohe Gewicht.
Mehrwegflaschen sind von ihrer Glasstärke her für eine mehrfache Befüllung konzipiert. Sie werden nach dem Entleeren an den Abfüller zurückgeleitet und nach einer entsprechenden Reinigung erneut befüllt. Solche Flaschen werden beim Kauf mit einem Pfand belegt, das verhindern soll, dass der Verbraucher die Flasche entsorgt. Mehrwegflaschen werden meist in Getränkekisten zu 12 Flaschen verkauft.
Einwegflaschen werden planmäßig nach dem Entleeren über Altglascontainer entsorgt und einer Wiederverwertung zugeführt. Das Glas wird dafür gesammelt, gemahlen und eingeschmolzen, um es zu neuen Flaschen weiterzuverarbeiten. Einwegeflaschen kommen „hüttensteril“ auf den Markt, also von der Produktion weg dicht in Folien eingeschweißt, und daher theoretisch frei von Keimen. Um sicher zu gehen, ist auch vor ihrer Verwendung zumindest ein Ausspülen empfehlenswert. Einwegflaschen sind zwar von geringerer Wandstärke als Mehrwegflaschen, werden aber von einigen Betrieben auch mehrfach befüllt. Allein durch mehrfache Temperaturschocks oder durch Beschädigungen kommt es beim Füllen und Verschließen zu erhöhtem Bruch.
Vor dem Füllen sind die Glasflaschen sorgfältig zu reinigen bzw. auszuspülen und auf Beschädigungen hin zu kontrollieren. Sprünge oder ausgeschlagene Mündungen führen bei der nächsten Verwendung entweder zum Bruch oder zu eingeschränkter Haltbarkeit. Die Wahl des Flaschentyps richtet sich nach Größe und Verschluss.
 
Verschlussarten für Getränke
Der Verschluss der Flaschen stellte früher in der Getränketechnik ein Problem dar. Viele Varianten ermöglichten zwar ein dichtes Verschließen der Flaschen, konnten aber nicht entsprechend automatisiert werden. Erst mit der Produktion von Flaschen mit gleichem Flaschenhalsdurchmesser und genormter Mündung konnten Schraub- oder Kapselverschlüsse zur Anwendung gelangen. 
Verschlüsse von Getränkeflaschen müssen folgende Anforderungen erfüllten:
dicht, geschmacksneutral, maschinell verschließbar, wiederverschließbar, günstig, leicht öffenbar
 
Kork
 
Naturkork
Der nach wie vor in der Weinwirtschaft häufig verwendete Naturkork hat in der Obstverarbeitung nur wenig Bedeutung. Gelegentlich findet man ihn als Verschluss von Obstwein, Likör oder Edelbrand. Neben recht hohen Anschaffungskosten besteht bei Naturkorken die Gefahr des sogenannten „Korkgeschmacks“. Am Kork selbst ist vor dem  Verschließen kein Fehler zu erkennen, ein möglicher Fehlton tritt bereits kurze Zeit nach dem Füllen auf. Dieser recht dumpfe Geruch und Geschmack erinnert an einen Schimmelton und macht das Getränk ungenießbar.
Kunststoffpfropfen sind dem Naturkork ähnlich, sie können mit den gleichen Maschinen aufgesetzt werden wie der Naturkork, sind allerdings in ihrer Anschaffung günstiger und verursachen sicher keinen Fehlgeschmack. Praktisch gibt es noch keine Langzeiterfahrungen mit ihnen, was aber bei Obstweinen von untergeordneter Bedeutung ist, da diese üblicherweise binnen eines Jahres konsumiert werden. Imagemäßig hinken sie dem Naturkork noch hinterher.
 
Griffkorke
Griffkorke haben heut bei Edelbränden und Likören große Bedeutung. Also bei Produkten, deren Flaschen häufig geöffnet und wiederverschlossen werden. Verschlossene Flaschen sind ohne Werkzeug zu öffnen und wieder zu verschließen. Griffkorke bestehen entweder aus einem Korkteil mit aufgeklebtem Griff, oder vollständig aus Kork. Fest sitzende Griffkorke reißen häufig an der geklebten Stelle.  Kunststoff-Griffkorken haben die gleichen Eigenschaften, können aber nicht abreißen. Zum Verschluss von Likör oder Obstbränden eignen sich nur solche Kunststoffe, die auch bei Alkoholgehalten von mehr als 15 % Vol. Alkohol keine Weichmacher abgeben.
 
Kronenkork
Seit mehr als 100 Jahren gibt es die, heute aus Weißblech hergestellten und lackierten, Kronenkorken. Sie sind in ihrer Anschaffung recht günstig, leicht aufzusetzen und dichten mit Hilfe eines Dichtmittels im Inneren die Flaschen gut ab. Abhängig von der Art der Dichtungsmasse sind die Kapseln zum Verschluss heißgefüllter Getränke geeignet oder nicht. Vor dem Anpressen mittels eines Stempels muss die Kapsel gerade auf der Flasche aufliegen und ausreichend fest angebördelt werden. Zur Kontrolle dienen eigene Lochlehren, mit denen der Außendurchmesser der Kapsel nach dem Anpressen überprüfbar ist. Ohne geeignetes Hilfsmittel sind Kronenkorken nicht von den Flaschen zu entfernen. Vor allem bei Getränken, die nicht auf einmal geleert werden, ist die fehlende Wiederverschließbarkeit ein deutlicher Wettbewerbsnachteil des Kronenkorken.
 
Schraubverschluss
Ein Schraubverschluss dient dazu, Getränkeflaschen luftdicht zu verschließen. Hierfür werden spezielle Flaschen mit einem Gewinde am Hals benötigt. Im Gegensatz zum Kronenkorken ist die Flasche dadurch wiederverschließbar. Als Abdichtung stehen verschiedene Einlagen zur Verfügung. Schraubverschlüsse gibt es in verschiedenen Größen, Formen und
 
Schraubkappen
Die verbreitetsten Flaschenmündungen für den Schraubverschluss sind für MCA-Kappen geeignet (MCA bedeutet „Metal Closure Aluminium“). Diese werden aus korrosionsfreien Aluminium-Legierungen mit einer innen befindlichen Dichtungs-Folie hergestellt. Häufig finden sind auch Kappen aus Kunststoff am Markt. Beide haben einen Sicherungsring der beim Öffnen aufgerissen wird, aber meistens auf der Kappe und nicht am Flaschenhals verbleibt.
 
Anrollverschlüsse
Anrollverschlüsseaus Aluminiumlegierungen erhalten ihr Gewinde erst beim Verschließvorgang. Zum Aufsetzen und Anrollen dieser Verschlüsse benötigt man spezielle, aufwändige Geräte. Mit dem Anrollen des Gewindes werden an der unteren Kante der Glasmündung die kleinen Stege des am Verschluss festsitzenden Ringes „umgebördelt“.
Beim Öffnen reißen die Verbindungen zum diesem Ring, und er bleibt am Flaschenhals hängen. Dieser Sprengring dient als Nachweis für den Originalverschluss der Flaschen. Der Sicherungsring kann mit Senkrechtperforation ausgeführt sein, er verbleibt dann beim Öffnen nicht auf dem Flaschenhals, sondern wird mit dem Verschluss entfernt. Durch die Wahl der entsprechenden Dichtungseinlage können auch alkoholhältige Getränke verschlossen werden.
 
Twist-Off-Verschluss
Neben dem Einsatz bei Konserven findet man den Twist-Off-Verschluss bei Weithalsflaschen, besonders häufig mit einem Durchmesser von 38 mm. Nach der Heißfüllung und dem Zusammenziehen des Getränks entwickelt sich im Kopfraum der Flasche ein Unterdruck, der den Deckel anzieht und damit abdichtet. Beim Öffnen springt der Deckel mit einem deutlich hörbaren „Knack“-Geräusch in seine ursprüngliche Form zurück, was gleichzeitig ein Zeichen für den Originalverschluss ist.
 
Konserven
 
Gebinde für Konserven und Konfitüren
 
Weißblechdose
Dem Glasgebinde steht bei den Konserven die Weißblechdose gegenüber, die leicht, stabil und relativ bruchsicher ist. Weißblech ist feinstes Stahlblech, das durch eine dünne Zinnschicht gegen Korrosion geschützt wird. Zusätzlich sind die Dosen in der Regel mit einer Innenbeschichtung versehen.
Die früchteverarbeitende Industrie füllt Obstkonserven meistens in Blechkonserven ab. Die Dose ist mechanisch leichter zu befüllen und ermöglicht so hohe Stundenleistungen bei der Abfüllung. Die Dose ist bei unbeschädigter Zinnschicht auch sauren Füllgütern gegenüber beständig und licht- bzw. gasdicht. Nachteilig ist, dass die Dose nicht einsehbar und nicht wiederverschließbar ist. Konsumenten verbinden mit einer Dose eher industrielle Produkte, qualitätsorientierte Betriebe füllen daher fast ausschließlich in Glasgebinde ab.
 
Glasgebinde
Obstkonserven und Konfitüren bäuerlicher oder kleingewerblicher Herstellung gelangen fast ausschließlich in Glasgebinden in den Verkauf. Die Glasverpackung ist vor allem für Produkte prädestiniert, die beim Verkauf durch den Blick auf ihre appetitlichen Inhalte ansprechen sollen. Die Gläser haben einen Vakuumverschluss aus Glas oder aus Weißblech, der das Glas gasdicht verschließt. Die meisten speziellen Einkochgläser sind von der Glasstärke her fürs Pasteurisieren ausgelegt, beim Erhitzen besteht daher keine Gefahr von Glasbruch. Glasgebinde sind absolut korrosionsbeständig, gasdicht und geben keine toxischen Stoffe ab. Nachteilig sind Bruchgefahr das hohe Gewicht und derfehlende Lichtschutz, der zu Verfärbungen des Inhalts führen kann.
 
Verschluss
Neben der Wahl des Gebindes ist auch ein entsprechender Verschluss anzubringen. Nur ein dichter Verschluss ermöglicht die monatelange Haltbarkeit von Obstkonserven. Gut geeignet sind entsprechend abgedichtete Glasdeckel oder Twist-Off-Deckel. Bei beiden ermöglicht der wieder verschließbare Deckel nach dem ersten Öffnen eine problemlose weitere Aufbewahrung.
 
Glasdeckel
Glasdeckel werden während des Erhitzens mit Federklammern oder Spannringen fixiert. Dieser teilflexible Verschluss lässt bei Überdruck ein Entweichen von Luft, Dampf oder Füllgut zu. Beim Erkalten zieht sich das Füllgut zusammen, ohne dass von außen Luft in das Gebinde hinein kann, es entsteht ein Unterdruck. Zum Öffnen muss die Gummidichtung mit einer Lasche zwischen Glas und Deckel herausgezogen werden. Gläser mit Gummidichtung und Spannklammern ermöglichen das Überlaufen des Füllgutes. Dabei ist das Wasser im Wasserbad regelmäßig zu erneuern und die Gläser nach der Pasteurisation außen zu reinigen.
 
Twist-Off-Deckel
Der Twist-Off-Deckel ist ein luftdichter, aus Weißblech gefertigter Verschluss, er hält durch Nocken auf der Innenseite am Glasgewinde. Um im Glas den notwendigen Unterdruck zu erreichen, werden die Gläser mit heißer Fruchtmasse und ohne Kopfraum abgefüllt. Im industriellen Betrieb wird die Luft vor dem Verschließen abgesaugt oder mit Dampf ausgeblasen, der nach dem Kondensieren nur mehr einen Bruchteil des Volumens benötigt und derart für Unterdruck sorgt. Zum Öffnen ist dieser Verschluss durch eine Vierteldrehung, bei starkem Unterdruck manchmal allerdings relativ schwer. Einmal geöffnet lassen sich die Gläser mit diesem Verschluss leicht wieder luftdicht verschließen.
 

Medium

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