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Sprühgeräte, 26.09.2012

VERLUSTARM SPRÜHEN SOLL ALLEN VORTEILE BRINGEN

Vieles hat sich im Südtiroler Apfelanbau geändert, auch die Technik zur Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln.
Rund 4.000 Besucher nutzten die Gelegenheit, die vielen für den Apfelanbau angebotenen Maschinen und Geräte im praktischen Einsatz auf dem Obstbaubetrieb der Gemeinde Eppan im Rahmen des Tags der Technik am 18. Juli 2012 zu sehen.
Diese Veranstaltung fand vor 50 Jahren zum ersten Mal statt. Vieles hat sich seither im Südtiroler Apfelanbau geändert, auch die Technik zur Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln. Anfangs der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurden diese noch vorwiegend mit dem Schlauchzug und der Spritzpistole ausgebracht. Dann kamen die ersten motorgetriebenen Sprühgeräte mit einer enormen Luftleistung. Da die Brühe mit Normalkonzentration und Dralldüsen ausgebracht wurde, waren die Tropfen relativ groß. Der Bedeckungsgrad war vergleichsweise schlecht, der Brüheaufwand pro ha und die Abtropfverluste waren sehr hoch. Ab den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden die Dralldüsen nach und nach durch Hohlkegeldüsen ersetzt. Diese erzeugen wesentlich kleinere Tropfen als Dralldüsen. Vorteile der kleineren Tropfen sind eine bessere Belagsbildung und geringere Abtropfverluste, Nachteile die höhere Abdrift durch Verwehung und Verdunstung. Gleichzeitig wurden auch die meisten Sprühgeräte im Zuge der Sprühertests auf niedere Wassermengen „3-5fach konzentriert" umgerüstet.
Die Kritik wegen der Abdrift von Pflanzenschutzmitteln und die Forderungen nach Einschränkungen und Maßnahmen dagegen häufen sich seit einigen Jahren. Dieses heiße Eisen hat auch Landesrat Hans Berger in seiner Eröffnungsansprache aufgegriffen: „Die Abdrift von Pflanzenschutzmitteln führt immer wieder zu Unverständnis und Verärgerung bei der Bevölkerung und bei den Anrainern und kann sogar zu wirtschaftlichen und ökologischen Schäden und Gefahren führen, wenn sie beispielsweise biologisch bewirtschaftete Nachbargrundstücke, Futterflächen oder Fließgewässer erreicht", so LR Berger wörtlich. Beim Beratungsring haben sich einige Mitarbeiter schon seit längerem damit befasst, wie man sowohl die Belagsbildung verbessern als auch die Abdrift verringern könnte. Der Beratungsring ist dabei eine Partnerschaft mit der Marktgemeinschaft Bodenseeobst (MABO) und dem Verband der Steirischen Erwerbsobstbauern eingegangen. Diese drei Partner wollen das Projekt „Verlustarm Sprühen" verwirklichen und die von ihnen betreuten Obst- und Weinbauern zu dieser Technik hinführen. Herzstück dieser verbesserten Ausbringungstechnik ist die verbesserte Luftführung und die Kombination der Vorteile von Hohlkegel- und Injektordüsen. Mehr dazu in den beiden ersten Artikeln dieser Ausgabe. Damit die Luftführung optimal eingestellt und überprüft werden kann, haben das Südtiroler ApfelKonsortium (SAK) und das Konsortium Südtiroler Wein einen speziellen Luftprüfstand angekauft, mit dem bereits in der Sprüherprüfstelle in Lana gemessen werden kann. Am Bodensee, in der Steiermark sowie beim Sprühgerätehersteller Lochmann steht ebenfalls jeweils ein solches Prüfgerät.
Es ist erfreulich, dass eine Reihe von Sprühgeräteherstellern die Gelegenheit wahrgenommen hat, ihre Sprühgeräte auf dem Luftprüfstand in Lana zu testen und soweit zu optimieren, dass die Überprüfung mit dem Prädikat „Verlustarm Sprühen" abgeschlossen werden konnte. Dies war eine Voraussetzung dafür, diese Geräte im Rahmen der Sonderschau „Verlustarm Sprühen" auf dem Tag der Technik im Obstbau vorführen zu dürfen. Die Firmen Favaro, Harter, Lochmann, Mit-terer, Steiner, Tifone und Waibl haben jeweils ein Gerät ausgestellt, das den Test auf dem Luftmessprüfstand bestanden hat. Viele Besucher des Tags der Technik im Obstbau nutzten die Gelegenheit, die neue Ausbringungstechnik „Verlustarm Sprühen" bei den vier Vorführungen selbst kennenzulernen. Eine verbesserte Ausbringungstechnik braucht auch dafür aufgeschlossene und gut informierte Obst- und Weinbauern. Der Beratungsring wird in den nächsten Monaten dazu eine Reihe von Beiträgen in diesem Fachmagazin veröffentlichen. Es sind dies die schriftlichen Wiedergaben von Vorträgen, die im März dieses Jahres im Rahmen des 4. SPISE-Workshops in Lana gehalten wurden, der wissenschaftlich von Heinz Ganzelmeier, JKI Braunschweig und organisatorisch vom Beratungsring gemeinsam mit dem VZ Laimburg durchgeführt wurde. Wer in sensiblen Zonen Pflanzenschutzmittel ausbringen muss, hat bereits jetzt eine Möglichkeit, Dank der neuen Technik die Abdrift zu vermindern. Viele Sprühgeräte könnten schon jetzt auf „Verlustarm Sprühen" umgerüstet werden. Der Beratungsring ist von den Vorteilen der Technik „Verlustarm Sprühen" überzeugt, weil man damit die eingesetzten Pflanzenschutzmittel noch effizienter nützen und gleichzeitig die Abdrift deutlich verringern kann.
 

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Obstbau Weinbau ist seit 1964 ein praxisorientiertes Fachmagazin des Südtiroler Beratungsrings für Obst- und Weinbau. Jährlich erscheinen 11 Ausgaben (Juli/August Doppelnummer) mit Fachartikel über Anbaumethoden, Versuche, Sorten, Forschungsergebnisse, Betriebswirtschaft, Statistiken, Züchtungsergebnisse, Pflanzenschutz, Vermarktung, Lagerung,  Studienreisen u.a. aus den Bereichen Obst-, Weinbau und Kellerwirtschaft.
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