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Sonstiges 1, 26.09.2012

GESEHEN AM TAG DER TECHNIK IM OBSTBAU 2012

Am 18. Juli 2012 fand der Tag der Technik im Obstbau statt, der vom Absolventenverein Landwirtschaftlicher Schulen, der Abteilung Landwirtschaft der Autonomen Provinz Bozen, dem VZ Laimburg und dem Beratungsring vorbereitet wurde. Schätzungsweise 4.000 Besucher aus dem In- und Ausland nutzten die Gelegenheit, um sich über die 300 Geräte und Maschinen zu informieren. Die 68 Aussteller führten diese im Obstbaubetrieb der Gemeinde Eppan vor, wo diese Veranstaltung stattfand.
 

Ein halbes Jahrhundert Tag der Technik

Vor 50 Jahren, am 16. Juni 1962, fand am Landesgut Laimburg der erste Tag der Technik im Obst- und Weinbau statt. Diese Initiative geht auf Ferdinand Marini zurück, der viele Jahre die treibende Kraft im Komitee war, das den Tag der Technik vorbereitet. Anlässlich dieses Jubiläums stellte das Komitee „Tag der Technik" einige Maschinen und Geräte aus dieser Zeit aus. Für den Pflanzenschutz begnügte man sich mit der sogenannten Spritzmaschine. Sie bestand aus einem Rahmen, auf dem ein liegendes Holzfass und eine Membranpumpe montiert waren. Die Bäume wurden mit dem Schlauchzug und einer Spritzpistole behandelt. Das Gras zwischen den Bäumen, die alle noch auf Sämlingsunterlagen standen, wurde mit der Mähmaschine geschnitten, denn Mulchgeräte kamen erst in den siebziger Jahren auf den Markt. Der Baumschnitt hatte damals noch nicht diese Bedeutung, man begnügte sich, die Langtriebe abzuschneiden, die mit der sogenannten „Zothmaschine" in kleine Stücke aufgeschnitten wurden. Mobile und transportierbare Beregnungspumpen waren aber schon vor 50 Jahren im Einsatz, sie waren allerdings viel schwerer und plumper gebaut. Die Anhänger waren noch zum Teil aus Holz angefertigt und vorwiegend mit einer Deichsel versehen. Es war aber schon spürbar, dass die Zeit des Ochsenkarrens vorüber war und die Bauern erkannten, dass die Technik die Arbeit um Vieles erleichtern kann. Landesrat Hans Berger überreichte Ernst Mitterer von der gleichnamigen Sprühgerätehersteller-Firma und Günther Pircher von der Firma Aedes Bozen eine Anerkennungsurkunde dafür, dass sie von Beginn an ununterbrochen ihre Erzeugnisse beim Tag der Technik ausgestellt und vorgeführt haben.
 

Von der NASA inspiriert?

Der futuristisch anmutende Erntewagen NEO-SAT der Firma Windegger aus Lana zog besonders viele Besucher an. Der über Satellit gesteuerte Erntewagen kann so programmiert werden, dass er mit der gefüllten Großkiste an Bord die Fahrgasse führerlos verlässt und an einer vorher festgelegten Stelle die Kiste präzise ablädt. Der NEO-SAT kann auch eine leere Kiste alleine aufnehmen und damit wieder in jene Fahrgasse zurückfahren, die er zuvor verlassen hat. Der NEO-SAT wird auf dem Weg zur Ablagestelle und zurück von einem Ottomotor angetrieben. Während des Pflückens kann auf den leisen Elektromotor umgeschaltet werden. Die Arbeit wird dadurch um einiges erleichtert, weil die Ausfuhr von Leergut sowie die Stapelarbeit in der Anlage reduziert werden. Den Heckstapler am Traktor braucht es aber nach wie vor, um die vollen Großkisten auf den Anhänger zu hieven.
 

Erntewagen

Einen ökonomisch günstigen Weg geht Michael Lanpacher (Fruit Concept). Er präsentierte einen multifunktionellen Erntewagen mit Elektroantrieb. Dieser besteht aus einem Fahrgestell, auf dem eine Großkiste Platz hat. Der Antrieb auf alle 4 Räder erfolgt über einen Elektromotor und ist sehr kompakt gebaut. Die vollen Kisten werden über eine eigene Rampe, die elektrisch ausgefahren wird, sanft abgesetzt. Die Achsen reichen über die Radnaben hinaus. Daran können vier weitere Räder montiert werden. Diese stabilisieren das Fahrzeug am Steilhang und ermöglichen einen kleinen Aufbau. So kann das Fahrzeug von einer Person auch außerhalb der Ernte für verschiedene Arbeiten in der oberen Baumhälfte genutzt werden. Der Aufbau, der auf der Entladerampe montiert ist, hat allerdings eine fixe Höhe von 1,25 m. Durch die Neigung der Entladerampe kann auch der Aufbau das Gelände zum Hang hin ausgleichen. Die Firma Harter aus Leifers bietet ebenfalls einen multifunktionellen Erntewagen an. Die Maschine ist stufenförmig bis zu einer Höhe von 1,5 m aufgebaut. Rechts und links der Maschine befindet sich jeweils ein Förderband, das die Früchte aufnimmt und direkt in die Großkiste befördert. Für die Erntehelfer am Boden ist ein zentrales Band angebracht. Die Pflückbühne ist von 1,2 m bis auf 2,2 m seitlich auslegbar. Der Antrieb ist hydrostatisch, als Kraftquelle dient ein Yanmar 3-Zylinder-Dieselmotor. Nach der Ernte kann man die Bänder abmontieren und als Bühnenfahrzeug nutzen.
 

Obsterntemaschinen

Die Firma Hermes aus Gargazon führte den Pluk-O-Trak mit kabellosen Kommandos vor. Die kleinen Seitenbühnen können ab nun über Funk elektrisch verstellt werden. Hangausgleich, Fallobstcontainer, automatische Lenkung und verbesserte Kistenrutsche gehören zur Standardausrüstung. Außerdem zeigte Hermes die Obsterntemaschine TecnoFruit CF 105, die mit einem Kubota 3-Zylinder-Dieselmotor mit 25 PS und Vierradantrieb ausgestattet ist. Bei dieser Maschine sind die Bänder leicht auf und ab zu montieren und mit einer speziellen Hebebühne zu versehen. Diese kann eine Höhe von bis zu 3 m erreichen.
 

Anhänger

Die Firma Lindner aus Hirnsdorf (A) zeigte den Obstanhänger A05, der am Traktor als Erntehilfe angehängt wird. Auf zwei höhenverstellbaren Bühnen haben auf dem Anhänger fünf Großkisten Platz. Seitlich der Großkisten sind mechanisch ausziehbare, rutschfeste Trittplattformen angebracht. Auf diesen kann das Pflückpersonal stehen und die Früchte direkt in die Kiste legen. Damit Industrieobst nicht auf den Boden abgelegt werden muss, hat Lindner einen eigenen Metallcontainer am Wagen angebracht. Auf der unteren Seite befindet sich eine Öffnung. So kann das Fallobst leicht in die darunter befindlichen Kisten entleert werden. Damit der lange Wagen von einer Fahrgasse in die nächste kommt, wird die Achse hydraulisch gelenkt. Der Traktor kann über Funk gesteuert werden. Die Firma Schwarz aus Frangart/Eppan präsentierte einen extrem niederen Auflieger-Anhänger mit Tandemachse. Die Anhängerbrücke ist nur 65 cm hoch, was durch niedrige Reifen auf 12 Zoll-Felgen ermöglicht wird. Die Tragkraft von 6.000 kg ist trotzdem gewährt. Die Firma Erich Lochmann aus Vilpian zeigte eine Dachkonstruktion mit Plane auf ihrem Anhänger. Diese soll die Früchte gegen Sonne oder Regen beim Transport oder bei längeren Standzeiten schützen. Die Planenhöhe ist mit vier doppeltwirkenden hydraulischen Zylindern versehen, die sie anheben oder absenken. Der obere Rahmen, an dem die Plane befestigt ist, ist so gebaut, dass die Großkisten seitlich und somit stabil eingeklemmt werden. Damit erübrigt sich das Binden. Dies ist nur möglich, wenn die gesamte Fracht gleichmäßig hoch ist. Der Kunde kann wählen, ob die Plane vier oder drei Kisten hoch angehoben werden soll.
 

Bodenpflegegeräte

Bei der mechanischen Baumstreifenbehandlung scheint sich das Trommelgerät mit rotierenden Kunststoffbändern durchzusetzen. Die Firma SALF aus Piacenza d'Adige zeigte, wie leicht es ist, über eine Drehfeder und einer klappbaren Abdeckung die Kunststoffbänder auszutauschen oder nachzuziehen. Dazu benötigt man kein Werkzeug. Die Firma Gottfried Falser aus Auer zeigte den extrem wendigen Dreiseiten-Mulcher Hewotec 600 von der Konstruktionsfirma Campadelli. Die Breite des Mulchers reicht von 60 bis 90 cm, je nach Modell. Der mit Kardanantrieb versehene kleine Mulcher kann Böschungen bis zu 90° rechts und links sowie die Ebene in einer Fahrtrichtung bearbeiten.
 

Kompoststreuer

Kompost oder andere organische Dünger können mit dem ebenfalls
von der Firma Falser vorgestellten Gerät einfach ausgebracht werden. Eine rechteckige Wanne mit einem Fassungsvermögen von ca. 1 m3 wird am Dreipunkt des Traktors aufgesattelt. Über eine hydraulisch zu öffnende Rückwand kann die organische Masse aufgenommen werden. In der Obstanlage verteilt eine Schneckenspindel, die von einem Hydraulikmotor angetrieben wird, seitlich die organische Masse.
 

Sprühgeräte

Mehrere Firmen haben sich schon auf das „Verlustarm Sprühen" eingestellt. Die Firma Harter aus Leifers ersetzte den großen Ventilatorflügel durch sechs kleine Ventilatoren, jeweils drei auf einer Seite, übereinander gestellt. Die oberen zwei sind hydraulisch schwenkbar, damit das Gerät nicht allzu hoch wird. Die Vorteile liegen darin, dass die Gebläseventilatoren nahe an der oberen Laubwand herankommen und somit die Luft und die Tröpfchen nahe an die Pflanze herangetragen werden. Dieses System ist nicht neu, denn die Firma Mitterer hat schon längere Zeit ein ähnliches Sprühgerät im Angebot. Neu ist allerdings bei Harter der Antrieb. Dieser erfolgt über die Zapfwelle, die ein Stromaggregat antreibt, das wiederum die Motoren mit jeweils 1,1 kW versorgt und damit genügend Luftleistung erbringt. Zusätzlich ist die Kraftzufuhr zu den Elektromotoren einzeln vom Fahrersitz aus zu regeln. Fast alle Sprüherhersteller haben ihre Geräte mit einer seitlichen Luftaustrittssperre ausgestattet. Diese ist meist elektrisch oder hydraulisch zu betätigen. So ist es möglich, die unerwünschte Luft und somit Abdrift, jeweils auf einer Seite zu verhindern. Für großflächige Anlagen ohne Hagelnetz führte die Firma Antonio Favaro das Sprühgerät von Munkhof MAS 1Row vor. Es kann über ein ca. 3,5 m hohes Gestänge drei Fahrgassen gleichzeitig besprühen. Ein hydraulisch angetriebener Ventilator drückt die Luft von oben nach unten, sodass sie neben den Düsenstöcken entweichen kann.

Medium


Obstbau Weinbau ist seit 1964 ein praxisorientiertes Fachmagazin des Südtiroler Beratungsrings für Obst- und Weinbau. Jährlich erscheinen 11 Ausgaben (Juli/August Doppelnummer) mit Fachartikel über Anbaumethoden, Versuche, Sorten, Forschungsergebnisse, Betriebswirtschaft, Statistiken, Züchtungsergebnisse, Pflanzenschutz, Vermarktung, Lagerung,  Studienreisen u.a. aus den Bereichen Obst-, Weinbau und Kellerwirtschaft.

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