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Erntemaschinen, 06.08.2012

SELBSTFAHRENDE ARBEITSBÜHNEN SETZEN SICH DURCH

Selbstfahrende Arbeitsbühnen treten immer mehr aus ihrem Schattendasein hervor.
Der Plantagenschlepper ist nach wie vor die Schlüsselmaschine auf einem Obstbaubetrieb. Ein Sachverhalt, der mittlerweile so nicht mehr überall zutrifft. Selbstfahrende Arbeitsbühnen treten immer mehr aus ihrem Schattendasein hervor. Viele Betriebsleiter tragen sich mit dem Gedanken, so ein Gerät anzuschaffen.
 

WARUM IN ARBEITSBÜHNEN INVESTIEREN?

In Regionen mit geringen Bodenpreisen ist eine Steigerung des Betriebserlöses durch Flächenausdehnung noch möglich. Dort, wo die Betriebsleiter aber mit hohen Bodenpreisen (Kauf oder Pacht) konfrontiert werden, ist die Entwicklung zu höheren Anbauformen schon länger Thema, um über die Steigerung der Flächenerträge Mehreinnahmen zu generieren. Betriebe, in denen es in den vergangenen Jahren verstärkt zu Hagelereignissen gekommen ist, gehen mit den Anlagen unters Netz. Auch hier sind die Früchte der „zweiten Etage" willkommene Helfer, um die Investition zu finanzieren. Denn, je mehr Ertragspotenzial unter jedem laufenden Meter Überdachung untergebracht werden kann, desto eher ist die Rentabilität der Investition erreicht. Dieser Grundsatz gilt unabhängig davon, ob die Finanzierung aus Eigen- oder Fremdmitteln erfolgt.
Gute und sehr gute Betriebe sollten eine mobile Arbeitsbühne für den Einsatz in höheren Obstanlagen ab einer Ertragssteigerung von 15 bis 20 % in Erwägung ziehen.
 

ENTSCHEIDUNGSFINDUNG

Welches sind nun aber die Fragen, die jeder Betriebsleiter vor einer Kaufentscheidung dringend überdenken muss? Vorrangig ist der Einsatzumfang abzuklären. Je mehr die Auslastung steigt, umso schneller ist die Rentabilität erreicht.
Im ersten Schritt wird der Ist-Betrieb betrachtet:
  • Wie sind die Reihenbreiten und Wuchshöhen derzeit?
  • Wo geht die Betriebsentwicklung hin?
  • Werden die hohen Baumformen zunehmen?
  • Steigt der Anteil der überdachten Fläche durch zusätzliche Hagelnetze oder beispielsweise überdachte Kirschenanlagen?
Die betriebswirtschaftlich schwierigste Zeit ist die Übergangszeit. Die neue Technologie kann im Betrieb noch nicht auf allen Flächen eingesetzt werden. Trotzdem ist die Entscheidung irgendwann zu treffen. Wenn die Weichen dann in Richtung mobile Arbeitsbühne gestellt sind, geht es ans Detail. Tabelle 1 gibt einen Überblick über derzeit am Markt vorhandene Anbieter. Jeder Betriebsleiter ist gut beraten, sich bei der Auswahl des Anbieters und der Ausstattungsmerkmale genügend Zeit zu lassen. Es gibt fast nichts, was es nicht gibt. Wie in anderen Bereichen auch, ist hier der Preis ein entscheidendes Kriterium. Es macht keinen Sinn, technische Raffinessen einzukaufen, die nicht in absehbarer Zeit benötigt werden.
Zunächst sollte man sich Gedanken über den Straßentransport machen. Je nach Geschwindigkeit, ist eine Zulassung erforderlich.
Die vorhandenen Anlagen geben das Minimum an Seitenhangausgleich vor. Die Arbeitsbühne neigen zu können, ist nicht nur in Anlagen mit Seitenhang von Vorteil. Immer wieder treten Situationen auf, in denen eine zu erledigende Arbeit mit Seitenneigung komfortabler zu schaffen ist. Sind die Anlagen zusätzlich noch am Hang, ist der Allradantrieb auf jeden Fall zu empfehlen. Selbst eine Traktionskontrolle bei Geräten mit nur einer angetriebenen Achse, kann nicht immer ausreichend sein. Manche Anbieter haben auch Differentialsperren im Angebot.
Die Arbeitsbühnenbreite und -höhe ist anhand der vorhandenen und geplanten Anlagen festzulegen. Natürlich muss auch die geplante Verwendung berücksichtigt werden. Ist der Einsatz auch für Zugarbeiten von Großkisten-wagen geplant, muss genügend Antriebsleistung zur Verfügung stehen. Beim Einsatz als Erntegerät müssen Großkistenrollen auf der Arbeitsbühne montiert werden können. Ferner ist das Kistenmanagement zu planen. Nicht selten erfolgt die Ausstattung mit Hebeeinrichtung an Front und Heck. Von einem Anbieter wird der Umbau zur Erntemaschine angeboten. Bei den anderen Geräten muss vorne die Großkiste aufgenommen, gefüllt, durchgeladen und abgeladen werden. Häufig erfolgt die Ernte in Etagen. Eine Gruppe pflückt vom Boden aus vorneweg. Mit der Arbeitsbühne wird dann die zweite Etage hinterher geerntet. Dabei ist es günstig, einen Großkistenhänger an der Arbeitsbühne mitzuführen.
Je nach Vorgewendebreite ist besonderes Augenmerk auf die Wendigkeit zu legen. Bei Modellen mit Allradlenkung kann nahezu auf dem Stand gewendet werden. Für den Einsatz bei Schnittmaßnahmen ist der Einsatz von Druckluftbeschaffungsanlagen oder Stromaggregaten gefordert. Je nach Ausstattung, wird ein zweiter, von der mobilen Arbeitsbühne unabhängiger, Motor erforderlich. Da der Fahrmotor sowieso vorhanden ist, wäre ein Kompressor mit Antrieb über den Fahrmotor wünschenswert. Bei elektrisch angetrieben Arbeitsbühnen muss der Kompressor über einen unabhängigen Motor angetrieben werden.
Eine selbstfahrende Arbeitsbühne ohne Selbststeuerung hat den Namen nicht wirklich verdient. Es kann zwischen mechanischen Tastarmen und elektronischen Lenkhilfen gewählt werden. Da die Sensortechnologie ständig besser wird, gehören die Tastarme vermutlich bald der Vergangenheit an. Andrerseits ist die Funktionssicherheit in die Überlegungen mit einzubeziehen. Selbstfahrende Arbeitsbühnen, die häufig durch manuelle Eingriffe korrigiert werden müssen, binden Personal. Der Vorteil des nicht benötigten Schlepperfahrers wird geringer.
 

FAZIT

Um die Flächenproduktivität weiter zu steigern, ist die Intensivierung der Produktion erforderlich. Dort, wo bereits viele andere Maßnahmen erfolgreich umgesetzt wurden, geht der Trend zu höheren Obstanlagen. Dieser Anlagentyp erfordert in der Regel den Einsatz von mobilen Arbeitsbühnen. Mögliche Einsatzgebiete sind die Ernte, alle Arbeiten an Überdachungs- und Hagelschutzsystemen, Schnitt- und Ertragsregulierungsmaßnahmen sowie sonstigen Arbeiten in der Höhe. Die Investition kann leicht die Größenordnungen von 30.000 € erreichen. Bevor die Unterschrift unter einen Kaufvertrag gesetzt wird, ist ein Probeeinsatz auf dem eigenen Betrieb unbedingt anzuraten. Nur im praktischen Einsatz können Probleme, z. B. in der Bedienung oder in der Standsicherheit, einer auf den Betrieb angepassten Bewertung unterzogen werden

Medium

1975 hat der Vorstand der Fachgruppe Obstbau den Beschluß gefaßt, ab Januar 1976 eine Verbandseigene Fachzeitschrift herauszugeben. OBSTBAU hat sich seitdem zu einer renommierten Fachzeitschrift entwickelt, auf die kein zukunftsgerichteter Betriebsleiter/ Betriebsleiterin verzichten kann. Mit einer Auflage von über 7000 Exemplaren ist OBSTBAU heute die größte überregionale Fachzeitschrift für Obstbau im deutschsprachigen Raum.
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