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Beregnung & Bewässerung, 29.07.2012

DIE ÜBERKRONENBEREGNUNG ZUR GEZIELTEN SCHORFBEKÄMPFUNG

Dem ökologischen Obstbau stehen zur Schorfregulierung einige Kontaktfungizide (Schwefel-, Kupfer-, Tonerdenpräparate) zur Verfügung.
Dem ökologischen Obstbau stehen zur Schorfregulierung einige Kontaktfungizide (Schwefel-, Kupfer-, Tonerdenpräparate) zur Verfügung. Diese werden im Allgemeinen vorbeugend eingesetzt, was aber folgenden Nachteile mit sich bringt: a) trotz zuverlässiger Wettervorhersagen müssen immer wieder unnötige Behandlungen gemacht werden, weil schlussendlich doch keine Infektion zustande kommt; b) in der Phase des intensiven Triebwachstums bilden sich innerhalb kürzester Zeit neue grüne Blätter, die folglich von der Spritzbrühe nicht abgedeckt sind.
 
Um die Anzahl der Behandlungen zu reduzieren und den Wirkungsgrad der Mittel zu erhöhen, werden seit 1997 am Versuchszentrum Laimburg mit Erfolg gezielte Behandlungen aufs nasse Blatt bzw. bei Regen erprobt.
Je nach Witterungsverlauf und Lage der Obstanlage kann allerdings die Befahrbarkeit der Anlage eingeschränkt sein, bzw. die Fahrspur bei durchnässtem Boden sehr stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Die günstige Zeitspanne einer solchen Behandlung ist zudem relativ kurz, was eine hohe Schlagkräftigkeit der Betriebe erfordert. Beide Probleme können durch den Einsatz der Oberkronenberegnung zur Ausbringung der Mittel gelöst werden. In den Jahren 1998 und 1999 wurde vom Sachbereich Biologischer Anbau des Versuchszentrums Laimburg ein Vergleich zwischen Sprüher und Überkronenberegnung zur gezielten Schorfbehandlung durchgeführt.
 

Versuche am VZ-Laimburg

Trotz der positiven Ergebnisse mehrjähriger Versuche ist in vielen Ländern jedoch noch unklar, ob die Überkronenberegnung, die zur Bewässerung und Frostberegnung entworfen wurde, zum Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln angewendet werden darf. Verschiedene technische Daten wie Pumpendruck, Regnertyp, Düsengröße, hydraulische Planung der Leitungen und nicht zuletzt die Tropfengröße sind in Diskussion. Es wurde bisher noch nicht festgestellt, ob und in welchem Ausmaß von der Oberkronenberegnung abdriftgefährdete Feintropfen verursacht werden. Im VZ- Laimburg wurde 2010 in einem Versuch das Tropfenspektrum verschiedener Kreisregner ermittelt.
 

Gezielte Schorfbekämpfung

Versuch 1: Gezielte Schorfbekämpfung durch die Überkronenberegnung.
Alle Versuchsvarianten wiesen denselben Schwefelgehalt auf. Vor der Blüte wurden 6,9 kg Schwefel pro Hektar ausgebracht, während und nach der Blüte wurden die Schwefelmengen bei allen Varianten auf 5,2 kg/ha reduziert. Bei besonders warmer Witterung  wurden nur mehr 3,45 kg Schwefel eingesetzt.
Die gezielten Behandlungen wurden auf das nasse Blatt in der Vorblüte kurz vor Erreichen einer leichten Infektion (nach Mills), während und nach der Blüte kurz vor Auftreten einer mittleren Infektion durchgeführt. Bei anhaltendem Regen, wenn der Belag nicht auftrocknen konnte, wurde die Spritzung nach 24 Stunden wiederholt.
Die Überkronenberegnung wurde gleichzeitig mit der gezielten Sprüherbehandlung durchgeführt. Grafik 1 zeigt als Beispiel die Auswertungen des Blattschorfes 1998.
Mit Ausnahme der reinen Schwefelbehandlungen, die sowohl mit dem Sprüher als auch mit der Beregnung deutlich mehr Schorf brachten, zeigten sowohl die gezielten Behandlungen mit dem Sprüher als auch jene mit der Beregnung ähnlich gute Bekämpfungserfolge.

Grafik 1: Schorfbefall der Langtriebe Ende Mai in Prozent


Cu = Kupfer; S = Schwefel; SK = Schwefelkalk

Höhere Schorfdruck in 1999

1999 war der Schorfdruck in der Anlage um einiges höher als im Jahr zuvor. Ende Mai wiesen fast 100% der Langtriebe der Kontrollparzellen Schorf auf. Die besten Erfolge brachten die gezielten Behandlungen von Schwefelkalk mit der Beregnung unabhängig von der eingesetzten Dosierung.
Die mit der Oberkronenberegnung behandelten Versuchsvarianten hatten sowohl im direkten Vergleich der einzelnen Mittel als auch im Durchschnitt aller Varianten mehr Raubmilben.
 

Tropfenspektrum

Versuch 2: Tropfenspektrum der Oberkronenberegnung
Es ist bekannt, dass bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln mit dem Sprüher Feintropfen entstehen, die auf anliegende Flächen abdriften können.  Laut der Richtlinie 2009/128/EG müssen Geräte, die zur Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln verwendet werden, regelmäßig kontrolliert werden.
Das Ziel des durchgeführten Versuches war es, Antworten in den Bereichen Tropfengröße- und Spektrum der Oberkronenberegnung zu finden.
An einem Proberegner im VZ-Laimburg wurden die gängigsten, in der Praxis verwendeten Regner mit verschiedenen Düsen und Druckeinstellungen getestet. Die Tropfen wurden auf wassersensitivem Papier der Firma Syngenta erhoben und mit dem Computerprogramm „Image Tool“ ausgewertet. Daraufhin wurde die Tropfengröße berechnet und die Tropfen wurden anhand ihrer Größe in Klassen eingeteilt.
Die Tropfen in der Klasse <250 µm gelten als abdriftgefährdet. Die Wassermenge in Prozent war in diesem Bereich bei allen Regnertypen sehr gering, mit Außnahme des Regners Netafim bei 2,5 bar befand sich bei allen Regnern weniger als 1% der gesamten Wassermenge im abdriftgefährdeten Bereich der Feintropfen.
Sensitive Paper: Wassersensitives Papier nach einer Umdrehung des Regners VZ Laimburg


Tabelle 1: Übersicht über Regnertypen und Wassermenge pro Tropfenklasse


Wassermenge

Es wird davon ausgegangen, dass eine Überkronenberegnung durchschnittlich 4mm/h/m2 bewässert. Die konkrete Wassermenge hängt aber stark vom Verbund der gesamten Regneranlage ab. Um den Wasseraufwand pro Regner und somit die ausgebrachte Mittelmenge berechnen zu können, müssen der Druck am Regner, der Reibungsverlust des Druckes durch Leitungslänge und –durchmesser und die Höhe am Regner berücksichtigt werden. Die Hersteller der getesteten Regner geben eine Wassermenge zwischen 10,3 l/min (Kofler K10, Düse 3mm, Druck 3 bar) und 21,1 l/min (Kofler K10 und K16, Düse 4mm, Druck 4 bar) an. In vorhergehenden Versuchen wurden als Ausbringzeit für die Pflanzenschutzmittel 5 Minuten festgesetzt, weitere 5 Minuten dienen als Nachspülzeit (KELDERER. et al., 2000 un). In fünf Minuten werden pro Regner zwischen 52 l (Kofler K10, Düse 3mm, Druck 3 bar) und 106 l (Kofler K10 und K16, Düse 4mm, Druck 4 bar) Wasser ausgebracht. Bei einem Feintropfenanteil unter einem Prozent entspricht das weniger als 0,5-1 l Wasser im abdriftgefährdeten Tropfenbereich pro Behandlung. In einem durchschnittlichen Regnerverbund befinden sich ca. 50 Regner pro Hektar. Die Wassermenge im Feintropfenbereich liegt somit bei 25-50 l pro Behandlung pro Hektar. Laut einem Hersteller von Düsen für Sprüher, haben bei Hohlkegeldüsen mit fünffach konzentriertem Sprühvolumen, 90% der erzeugten Tropfen einen Durchmesser unter 250 µm und werden somit als abdriftgefährdet klassifiziert. Berechnet man hier die Wassermenge, kommt man auf 270 Liter Feintropfen, was wesentlich über der von der Oberkronenberegnung erzeugten Menge an Feintropfen liegt.
 

Phytotox

Versuch 3: Phytotox Erscheinungen verschiedener mit dem Sprüher oder mit der Oberkronenberegnung ausgebrachter Schwefelprodukte.
In einem weiteren Versuch, durchgeführt in den Jahren 2002 und 2003 wurde zudem eine bessere Pflanzenverträglichkeit von Schwefelprodukten bei Behandlung mit der Oberkronenberegnung im Vergleich zum herkömmlichen Sprüher bei empfindlichen Sorten wie z.B. Braeburn festgestellt. Die Variante Schwefelkalk ausgebracht mit der Oberkronenberegnung war von der unbehandelten Kontrolle nicht zu unterscheiden, während von den Schwefelprodukten ausgebracht mit dem Sprüher, signifikante Blattnekrosen und Vergilbungen verursacht wurden.
 

Zusammenfassung

Um im ökologischen Obstbau Schorfbehandlungen einzusparen bzw. den Wirkungsgrad der Mittel zu verbessern, werden am VZ-Laimburg seit 1997 mit Erfolg gezielte Behandlungen aufs nasse Blatt bzw. unter dem Regen erprobt. Die mehrjährigen Erfahrungen mit dem Einsatz der Oberkronenberegnung zur  gezielten Schorfbekämpfung haben uns gezeigt, dass diese Methode eine interessante Alternative  zum Sprüher sein kann.
Aus dem Versuch  zur Tropfengröße in Überkronenberegnungen ging hervor, dass bei allen geprüften Regnern, Düsen und Druckeinstellungen der Anteil an Feintropfen um 1% lag. Dies stellt im Vergleich zum Sprüher, der bei Hohlkegeldüsen mit fünffach konzentriertem Sprühvolumen 90% an Feintopfen erzeugt eine deutliche Verminderung der abdriftgefährdeten Feintropfen dar.
 

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