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Mechanische Schnittgeräte , 30.05.2012

MECHANISCHE SCHNITTGERÄTE - VERGLEICHSVORFÜHRUNG

Der mechanische Schnitt ist derzeit ein viel diskutiertes Thema. Europaweit befassen sich zahlreiche Versuchsanstalten und Berater damit.
Der mechanische Schnitt ist derzeit ein viel diskutiertes Thema. Europaweit befassen sich zahlreiche Versuchsanstalten und Berater damit, denn viele Arbeitsstunden können beim mechanischen Winterschnitt eingespart werden.
Grundlage für den mechanischen Schnitt ist eine Fruchtwand (Mur Fruitier). Hier ist nicht das Baumvolumen entscheidend für den Ertrag, sondern die Anzahl der Früchte/m² Fruchtwand auf einer Baumseite. Aus langjährigen Erfahrungen einiger französischen Versuchsansteller ist die optimale Anzahl 25(+/- 3) Früchte/m² Fruchtwand.
 

Schnittzeitpunkt und Aufbau einer Fruchtwand

Im Jahr der Umstellung wird grundsätzlich zweimal geschnitten.
Der erste Umstellungsschnitt einer Ertragsanlage erfolgt im Winter bzw. vor der Blüte, wenn die Qualität der Blütenknospen schon gut beurteilt werden kann. Optimal wäre ein Jahr mit gutem Blütenknospenansatz zu wählen, um eine geringere Wuchsreaktion und weniger Ernteeinbußen zu haben. Bei extrem starkem Wachstum sollte vor dem mechanischen Schnitt ein Wurzelschnitt durchgeführt werden.
Der zweite Schnitt im Umstellungsjahr erfolgt ca. 6 Wochen nach der Vollblüte (Ende Mai, Anfang Juni) bei 10- 12 Blättern am Langtrieb.
Durch die vielen Schnittstellen bilden die Bäume viele neue Kurztriebe, die im Idealfall mit einer Blütenknospe abschließen.
Im unteren Baumbereich sollte die Kronenbreite (Tiefe) nach dem Schnitt maximal 80 cm betragen, d. h. ein Abstand von ca. 40 cm (je Baumseite) zum Stamm sollte eingehalten werden.
Im Wipfelbereich sollte der Abstand beim Schnitt auf 30 cm reduziert werden
(60 cm gesamte Kronenbreite).
Damit die Fruchtwand nicht zu dicht wird, sind meist händische Schnittmaßnahmen im Winter zusätzlich notwendig. Es soll im inneren der Laubwand durch Lichtmangel zu keinen schlechteren Fruchtqualitäten kommen. Dazu werden zu dicht stehende, starke oder steile Äste herausgeschnitten d.h. es wird hängendes Fruchtholz gekürzt oder entfernt.
 
Für die Durchführung des Schnittes werden mechanische Schnittgeräte mit Sägeblättern, Fingermähbalken, Doppelmesserschneidwerk oder Flügelmesser verwendet.
 

VERGLEICHSVORFÜHRUNG

Am 21. März 2012 fand in der Obstanlage der Fachschule Gleisdorf eine praktische Maschinenvorführung statt. Rupert Gsöls, Obmann des Verbandes steirischer Erwerbsobstbauern, durfte bei optimalen Witterungsbedingungen zahlreiche interessierte Besucher begrüßen. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Fachgruppe Technik.  Es wurden folgende Schnittgeräte vorgeführt:
 

ERO „Elite“

Das ERO- Gerät „Elite“ [siehe Abbildung 1] und [siehe Abbildung 2] ist mit Kreissägeblätter ausgestattet, die über Ölmotoren und Keilriemen angetrieben werden. Das Gerät kann mit drei separaten, hydraulisch verstellbaren Schneidebalken ausgestattet werden – mit einem senkrechten Schneidbalken und je einen Unterschnitt- und Oberschnittbalken [siehe Abbildung 3].
Vor allem bei der Umstellung starkwüchsiger bzw. älterer Anlagen ist dieses Gerät vorteilhaft, da es auch stärkere Äste sauber durchtrennt.
Für den Schnitt im Sommer (Mai - Juni) können die Kreissägeblätter problemlos gegen Laubschneidemesser ausgetauscht werden.
 

FAMA „Pruning CMA 250“

Das Schnittgerät von der Firma FAMA [siehe Abbildung 4] wird in Österreich durch die Firma AgroComTech vertreten. Das Gerät verfügt über einen sog. Fingerschnittbalken [siehe Abbildung 5], der hydraulisch über die Seitenverschiebung bzw. Seitenneigung exakt an den Baum herangebracht werden kann. Die Messerklingen sind am Gerät nicht angeschweißt sondern verschraubt, damit beschädigte Klingen einzeln ausgetauscht werden können. Damit könne Äste bis zu einem Durchmesser von bis zu 3cm geschnitten werden. Das Vorführgerät war mit einem zweiten Schneidebalken für den Wipfelschnitt ausgestattet. Besonderes aufgefallen ist hier das Rad am Ende des Balkens [siehe Abbildung 6]. Es gewährleistet einen Abstand zum Hagelnetz, um es nicht zu beschädigen.
 

Fruit Tec „Edward“

Als drittes Gerät wurde das Schnittgerät „Edward“ [siehe Abbildung 7] von der Firma Fruit Tec vorgeführt. In Österreich wird dieses Gerät von der Firma „Linder Landmaschinen“ vertrieben.
Dieses Schnittgerät ist für Schnittlängen von zwei, zweieinhalb und drei Metern erhältlich. Für den Wipfelschnitt steht ein horizontaler Schnittbalken [siehe Abbildung 8] zur Verfügung, welcher beim Vorbeifahren an Hagelnetzsäulen automatisch nach hinten ausschwenkt. Optional kann dieses Gerät auch mit einem Unterschnittbalken ausgestattet werden. Geschnitten wird mit einem Doppelmesserschneidwerk [siehe Abbildung 9], das eine Schnittstärke bis 3cm ermöglich. Die Messerklingen können problemlos nachgeschärft werden. Die Bedienung der Maschine (Seitenverschiebung, Höhenverstellung, Seitenneigung) erfolgt vom Fahrersitz aus mit Joystick und Touchscreen.
 

Fazit

Grundsätzlich sind die mechanischen Schnittgeräte technisch schon sehr ausgereift. Die praktische Vorführung hat jedoch gezeigt, dass der Einsatz dieser Geräte unter Hagelnetz mit niedrigen Querverspannungen aufgrund der Gerätebauhöhe sehr schwer durchzuführen ist.
 

Medium


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