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Streifenpflegegeräte, 21.04.2012

BODENBEARBEITUNGSGERÄTE IM VERGLEICH

Bei der 21. Blankenhornsberger Maschinenvorführung des Weinbauinstituts auf dem Gelände des Staatsweinguts Freiburg in Ihringen lag der Schwerpunkt bei der Demonstration von Geräten für die Bodenbearbeitung.
Rund 300 interessierte Winzer und Winzerinnen konnten sich am 12. April über Geräte zur Bodenbearbeitung und organischen Düngung informieren. Der überwiegende Teil der von Ernst Weinmann, Leiter des Referats Weinbau und Versuchswesen, vorgestellten Geräte war für die Bodenbearbeitung in der Gasse und unter den Rebzeilen bestimmt. Die Geräte waren an die neusten Schleppertypen von Fendt, Holder, New Holland, Carraro, Lamborghini, HiebleBergmeister, Ferrari, Sauerburger und Class angebaut.
 

Unterstockbodenbearbeitung

Als erstes Gerät wurde das „Justosol'tronic" der französischen Firma Souslikoff vorgestellt, ein Heckanbaugerät mit beidseitig angebrachten Unterstockscharen. Die Steuerung und Federung der Schare erfolgt bei diesem Gerät pneumatisch, unterstützt durch eine Computersteuerung. Durch ein Schaltpult am Schlepper können der Winkel und die Höhe der Schare unabhängig voneinander elektronisch eingestellt werden. Die benötigte Druckluft (5-10 bar) für die an der Parallelaufhängung der beiden Schare angebrachten Luftdruckzylinder wird durch einen zapfwellengetriebenen Kompressor auf dem Gerät erzeugt. Durch die Verwendung von Druckluft wird eine bessere Federwirkung erreicht. Vor den Scharen befindet sich ein Fühler, der bei Kontakt mit den Rebstöcken die pneumatische Steuerung aktiviert. Dadurch werden die beiden Schare sicher auch durch Junganlagen geführt.
Nach dem Wenden des Schleppers werden die gespeicherten Einstellungen der beiden Schare per Knopfdruck umgekehrt. So können die in einer Zeile gewonnenen Einstellungen des Geräts, zum Beispiel bei Flächen mit Seitenhang, auch bei der Fahrt in der Gegenrichtung verwendet werden.
Die Tournesol Unterstockfräse der Firma Pellenc wurde durch den Maschinenring Breisgau vorgeführt. Das Gerät arbeitet mit zwei rotierenden Messern, die zum Schutz der Rebstöcke unter einer Kunststoffabdeckung angebracht sind. Der Boden unter den Stöcken wird während der Bearbeitung intensiv durchmischt. Das beidseitig arbeitende Heckanbaugerät wird über eine eigene zapfwellengetriebene Hydraulikanlage versorgt.
Ein weiteres rotierendes Unterstockbearbeitungsgerät zur mechanischen Unkrautbekämpfung stellte die Maschinenfabrik Bermatingen mit dem Humus-Gerät Planet PE1400 vor. Dieses Gerät entfernt den Aufwuchs in der Nähe des Rebstocks mit einer über den Arbeitswerkzeugen rotierenden Bürste.
Beachtenswert war die von der Firma Fobro-Kress vorgestellte Maxi Fingerhacke. Die zwischen den Achsen angebaute 70 cm große Fingerscheibe zupft das Unkraut im Unterzeilenbereich stockschonend einfach und leicht aus dem Boden.
Weitere Geräte für den Unterstockbereich zeigten vor allem die Firmen Braun, Clemens, Kress, Sauerburger und Röll. Die Geräte sind in verschiedenen Ausführungen im Heck- oder Zwischenachsanbau erhältlich.
 

Bodenbearbeitung in der Gasse

An Rebstandorten mit geringen Niederschlägen, wie beispielsweise am Kaiserstuhl, wird in der Regel jede zweite Gasse abwechselnd begrünt und offen gehalten. Für die Einsaat der Begrünung ist eine vorherige Bodenöffnung nötig. Dazu eignen sich Kreiseleggen und Scheibenpflüge mit Vorgrubber. Die Scheibenpflüge (Clemens, Braun, Röll, Schmischke & Beyer, Sauerburger und Rust), auch in Kombination mit Grubbern, ermöglichen eine schnelle Bodenlockerung. Dabei werden Arbeitsgeschwindigkeiten von etwa 8 km/h durchaus erreicht. Durch die gezahnten Scheiben kann der Boden schonend 10 bis 15 cm tief gelockert werden. Der Bearbeitungswinkel der Scheibenseche kann durch ein verzahntes Gelenk so eingestellt werden, dass mehr oder weniger Boden bewegt wird.
Scheibeneggen gibt es mit verschiedenen Rahmen, die hydraulisch oder mechanisch breitenverstellbar sind. Sie können meist problemlos mit Vorgrubbern, Rissern, Flügelscharen, Scheibensechen, Unterstockbodenbearbeitungsgeräten und Sämaschinen kombiniert werden.
Nur mit Federzinken ausgestattete Grubber-Grundrahmen sind heute eher selten. Der starke, robuste Grubber Teractiv (Fa. Clemens) fiel aber durch eine besondere Zinkenfederung mit Überlastschutz und optionaler Steilaushebung auf. Meist sind die Grubberrahmen sehr vielseitig gestaltet und können mit Tiefenlocke-rern, Walzen oder Unterstockwerkzeugen kombiniert werden. Bei den meisten Herstellern sind die an den Geräten angebrachten Walzen werkzeuglos durch eine Kurbelspindel in der Höhe leicht zu verstellen. Beachtung verdiente die Spaten-rolleneggenwalze der Firma Braun, die als Nachlaufgerät von Grubberzinken zur Vermeidung von Erosionsgräben eingesetzt wird.
Für das Niederwalzen und teilweise Einarbeiten der organischen Masse wurde von der Firma Clemens ein Scheibenpflug mit der Mulchwalze ECO-Roll und von der Firma Braun eine Doppelwalze mit versetzt angebrachten schräglaufenden Messern vorgestellt. Die Mulchwalze Eco-Roll ist eine Alternative zum Mulchen und kann bei jedem Arbeitsgang problemlos mitgeführt werden. Die Walze drückt den Bewuchs nieder, worauf die auf der Walze angebrachten Spaten die Halme knicken. Der so entstandene Mulchteppich fördert die Bodengare.
Von den Firmen Braun, Clemens, Sauerburger und Rust wurden Kreiseleggen mit Sägeräten vorgestellt, die in Kombination mit Walzen in der Rebzeile einen ebenen Boden hinterlassen.
 

Düngen und Mulchen

Für eine Untergrunddüngung eignet sich der von der slowenischen Firma INO entwickelte zweireihige Vi-brationstiefenlockerer mit einer pneumatischen Düngevorrichtung.
Der Kompoststreuer KS2200 der Firma Krumm hat am Heck zwei Streuteller, die das Streugut gleichmäßig in der Rebanlage verteilen. Der Kompoststreuer der Firma Eugen Huber Landtechnik in Durbach kann aufgrund der Dreipunktanhängung am Schlepper bis auf den Boden herabgelassen werden. Die rückseitig offene Ladefläche
kann anschließend im Rückwärtsfahren schnell beladen werden. Der Schubboden
befördert das Streugut zum Auswurf auf die rechte Seite. Dadurch erfolgt die Kompostausbringung nur einseitig unter der Rebzeile.
Kreiselmulcher wurden von den Firmen Braun (Alpha2000), Röll (Compact 125) und Humus (LV115) vorgestellt. Das Gerät der Firma Humus war zusätzlich mit zwei hydraulisch angetriebenen Unterstockmulchern ausgestattet. Schlegelmulcher der Emmendinger Landmaschinenfirma Grafmüller und der slowenischen Firma INO vertraten die vertikale Mulchgerätevariante. An dem Gerät der Firma INO war zusätzlich einseitig ein Seitenrotationsmähwerk für den Unterstockbereich angebaut. Für den Steilhang stellte die Firma Niko die Steilhangraupe (HRS50) mit einem Sichelmulcher im Frontanbau vor.
Beim vollautomatischen Lenksystem Vine Scout der Firma Clemens erfolgt die Erfassung der Rebzeilen über ein 3D-Kamerasystem. Die errechnete optimale Fahrspur wird über ein separates Lenkventil mit hoher Genauigkeit nachgefahren.
Insgesamt konnten sich die Winzer an diesem Nachmittag einen guten Überblick über die praktische Arbeit der verschiedenen Bodenbearbeitungsgeräte in der Gasse und im Unterstockbereich verschaffen. Die Kontaktaufnahme zwischen Winzern und Geräteherstellern sowie der Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den Winzerkollegen war sehr lebhaft.   

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„Der Badische Winzer“ ist die auflagenstärkste Monatsfachzeitschrift in Deutschland und wird vom  Badischen Weinbauverband mit Sitz in Freiburg herausgegeben. Die Leserinnen und Leser erfahren umfassend, praxisnah und kompetent die neuesten Trends in Anbau, Kellertechnik und Vermarktung. Aktuelle Brancheninformationen ergänzen den Fachteil. Ein kostenloses Probeheft oder ein Abonnement (Jahrespreis Deutschland: 40,80 Euro inklusive Porto, EU-Ausland: 66,60 Euro inklusive Porto) können Sie unter Tel. 0049 761 2713351, vertrieb@blv-freiburg.de (Sonja Wahl, Daniela Brandsch) anfordern. Oder online über die Webseite des Badischen Weinbauverbandes: www.badischer-weinbauverband.de
 
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