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Sprühgeräte, 07.03.2012

INTERESSE AN OPTIMIERUNG VON DOSIERUNG UND SPRITZTECHNIK

„Die Gesellschaft“ akzeptiert immer weniger, dass Pflanzenschutzmittel außerhalb der Obstanlagen landen.
Auf Pflanzenschutzgebiet sind einige deutliche Tendenzen zu erkennen. „Die Gesellschaft“ akzeptiert immer weniger, dass Pflanzenschutzmittel außerhalb der Obstanlagen landen. Um Rückstandsüberschreitungen zu verhindern und eine optimale Wirkung der Mittel zu erreichen, ist es notwendig, die Mittelverteilung auf der Parzelle zu optimieren. Darüber hinaus steht aufgrund der stark gestiegenen und aller Voraussicht nach noch weiter steigenden Lohnkosten selbständiges (robotisiertes) Spritzen im Brennpunkt des Interesses. Der elfte SuProFruit-Kongress in Frankreich stand ganz im Zeichen dieser Themen.
 
Ein wichtiger Teil des SuProFruit-Symposiums (siehe Erklärung im Textblock)ist noch immer die Optimierung der Spritztechnik, vor allem in den Bereichen Emission und Emissionseinschränkung. In den vergangenen Jahrzehnten wurde im Obstbau mit Nachdruck an der Entwicklung von Pflanzenschutzmitteln gearbeitet. Der Trend ist, immer kleinere Wirkstoffmengen mit einer spezifischen Wirkung anstelle einer breiten Wirkung zu verwenden. Allerdings hat sich die Ausbringungs- und Spritztechnik in Europa – abgesehen von den Sprühdüsen – fast nicht geändert.
In Südeuropa (Frankreich, Italien, Spanien) ist es oft noch immer üblich, mit großen Wassermengen (1.000 bis 1.500 Liter pro Hektar) zu spritzen. Eine große Wassermenge führt nicht unbedingt zu einer besseren Bedeckung der Blätter (Anlagerung) und einer besseren Bekämpfung. Auch in diesen Ländern geht man langsam dazu über, mit geringeren Spritzvolumen zu arbeiten (250 Liter pro Hektar). Die Abdriftgefahr steigt dann jedoch, weil die Sprühdüsen feiner und die Sprühtropfen kleiner sind.
 

Abdriftarme Düsen

Aufgrund dieser Abdriftgefahr besteht derzeit großes Interesse an abdriftarmen Sprühdüsen (große Tropfen). In Nordeuropa (vor allem Belgien, Niederlande und Deutschland) wurde dem bereits große Aufmerksamkeit gewidmet. Der Rest Europas folgt nach. Die Implementierung und Nutzung abdriftarmer Düsen nimmt langsam, aber sicher zu, nicht zuletzt aufgrund der europäischen Maßnahmen, die auf eine Verbesserung der Wasserqualität abzielen. Der Rest der Welt (einschließlich der USA), so zeigte sich, hat hier noch einen längeren Weg vor sich.
Die präsentierten Studien zeigen, dass abdriftarme Düsen eine vergleichbare oder bessere Anlagerung ergeben als Standard-Hohlkegeldüsen. Die Verstopfungsanfälligkeit abdriftarmer Düsen wird allerdings als praktisches Problem betrachtet. Die Verwendung flüssiger Mittel kann dieses Problem erheblich reduzieren. Manche Forscher meinen sogar, dass eine Senkung der Mittelmenge um 40 bis 50 % ohne verringerte biologische Wirksamkeit möglich sein muss.
Die Niederlande präsentierten auf dem Symposium das Düsenklassifizierungssystem für den Obstbau. Dabei handelt es sich um ein System, mit dem Sprühdüsen auf Grundlage des Tropfengrößenspektrums einfach in Abdriftklassen eingeordnet werden können, ohne dass (teure) Freilandversuche nötig sind. Die Politik zeigt großes Interesse, solche Forschungsergebnisse im europäischen Rahmen zu harmonisieren.
 

Verwendung und Verteilung der Mittel

Die Dosierung und die (sub-)optimale Verteilung bekommen auf den SuProFruit-Veranstaltungen viel Aufmerksamkeit. Schließlich bestehen verschiedene Gefahren für die  Qualität der Früchte (nicht homogene Verteilung über das Obst), die Umgebung (Abdrift) und den Verbraucher (Rückstände), wenn Dosierung und Verteilung nicht optimal sind. Verbesserungen auf diesen Gebieten gehen oft langsam. Der Grund dafür ist, dass das Ergebnis von vielen Faktoren beeinflusst wird, darunter spritztechnische, pflanzenspezifische und klimatische Parameter.
Der Optimierung der Dosierung wird in vielen europäischen Ländern große Aufmerksamkeit geschenkt, nicht nur in der Forschung, sondern auch bei den Herstellern von Pflanzenschutzmitteln. Ronald Wohlhauser von Syngenta hielt einen Vortrag im Namen einiger Hersteller (BASF, Bayer CS, Dow AS, DuPont AS, Makhteshim und Syngenta). Daraus ging hervor, dass die Industrie, genauso wie die Forschungseinrichtungen, einen Bedarf an einer einheitlichen Form zur Bezeichnung der Dosierung hat. Dadurch könnten die Forschungsergebnisse der einzelnen Länder besser miteinander verglichen werden und müssten Zulassungsstudien nicht für jedes Land extra durchgeführt werden.
Ein anderer Grund für Optimierung kann die Gesetzgebung sein. So gibt es in Frankreich den nationalen Aktionsplan „Plan EcoPhyto 2018“ (2008 in Kraft getreten), dessen Ziel es ist, den Mittelverbrauch innerhalb von zehn Jahren um 50 % zu senken.
 

Dosierung optimieren und vereinheitlichen

Forscher Santiago Planas von der Universität Lleida (Spanien) zeigte, dass die Dosierung in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich ausgedrückt wird (zum Beispiel als Konzentration der Spritzbrühe oder in Kilo pro Hektar). Auch die Form, in der die Dosierung berechnet wird, ist unterschiedlich (zum Beispiel auf Grundlage von Tree Row Volume (TRV), Kronenhöhe oder Laubwand). Dadurch kann es aufgrund der empfohlenen Dosierung, die auf dem Etikett genannt ist, in den einzelnen Ländern manchmal 50 % Unterschied in der Gebrauchsdosierung geben. Aber auch wenn die Methode, wie die Dosierung ausgedrückt wird, harmonisiert wird, wäre es noch immer schwierig, die richtige Dosierung (pro Kultur/Obstanlage) zu bestimmen. Einige Variablen, die dabei eine Rolle spielen, sind:
  • große Unterschiede bei den Dimensionen von Obstanlagen und Weingärten, Unterschiede in der Anlagenform und der Dichte des Laubs (sowohl zwischen Obstanlagen und Weingärten als auch während der Saison)
  • Einfluss von Spritztechnik (Geräteinstellung, Düsen, Tropfengröße) und Witterungsbedingungen

Computational Fluid Dynamics

In Belgien wurde ein großes Projekt ins Leben gerufen, dessen Ziel es ist, die Verteilung von Pflanzenschutzmitteln in Obstanlagen zu verbessern (Zusammenarbeit zwischen PCFruit, Instituut voor Landbouw en Visserijonderzoek (ILVO) und KU Leuven). Durch eine bessere Mittelverteilung ist es möglich, die Rückstandsüberschreitungen zu reduzieren, die Menge der verwendeten Pflanzenschutzmittel zu verringern und Abdrift außerhalb der Parzelle einzuschränken.
In diesem Projekt wird ein Simulationsmodell der Luft- und Flüssigkeitsströmung bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in Obstanlagen verwendet. Mithilfe von Baummodellen und Computational Fluid Dynamics(CFD) wird die Verteilung von Pflanzenschutzmitteln in verschiedenen Obstanlagensystemen berechnet (zum Beispiel für Spindeln, Hecken und V-Systeme). Die Modellberechnungen (durchgeführt für verschiedene Sprühgerättypen wie Axial- und Querstromsprühgeräte) werden in der Obstanlage auf ihre Richtigkeit getestet.
 

Sensorgesteuerte Techniken

Andere Möglichkeiten, um die Dosierung und Anhaftung zu verbessern, sind sensorgesteuerte Techniken. In Deutschland, Italien, Spanien, den Niederlanden und den USA befinden sich verschiedene Systeme bereits in einem fortgeschrittenen Teststadium. Mithilfe von zum Beispiel Infrarot-, Ultraschall- oder Laserscannern kann die Behandlung auf die vorhandene Blattmasse abgestimmt werden.
 
Bildertext [siehe Abbildung 1] [siehe Abbildung 2] [siehe Abbildung 3]
Praktijkonderzoek Plant & Omgeving (PPO-Fruit) und Plant Research International (PRI) von Wageningen-UR (Niederlande) haben in einem europäischen Projekt mit italienischen und polnischen Partnern ein automatisches Sprühgerät entwickelt. Dieses Sprühgerät wird zu einem selbstfahrenden und automatisch funktionierenden Spritzsystem weiterentwickelt.
 
Info
SuProFruit-Symposium 2011
Dieses Jahr kamen Forscher, Hersteller und Berater aus dem Obstbausektor vom 8. bis 10. Juni zum elften SuProFruit-Treffen in Lanxade/Bergerac (Frankreich) zusammen. Gastgeber war das Centre technique interprofessionel des fruits et légumes (Ctifl) in Lanxade. Die Organisatoren Bruno Loquet und Jean Paul Douzals können auf ein erfolgreiches Symposium zurückblicken. Rund hundert Teilnehmer aus mehr als zwanzig Ländern kamen. Es gab dreißig Vorträge und fünfzehn Schautafeln zu fünf verschiedenen Forschungsthemen, nämlich: Ausbringungstechnik, Optimierung der Dosierung, Bioreinigungssysteme, Umwelt, Sicherheit und Gesundheit sowie Innovationen bei Spritztechniken.

SuProFruit
SuProFruit steht für „Sustainable Production of Fruit“. Auf diesem alle zwei Jahre stattfindenden Symposium kommen Forscher, Hersteller und Berater aus den meisten europäischen Ländern und den USA zusammen, um sich über die wichtigsten Forschungsergebnisse in den Bereichen Spritztechnik, Mechanisierung, Innovationen und Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen im Obstbau auszutauschen. Sie beziehen sich auf den Anbau von Kern-, Stein- und Beerenobst sowie Zitrusfrüchte und Weintrauben. Behandelt werden der aktuelle Stand der Dinge, neue Ideen und Entwicklungen auf technologischem Gebiet sowie Methoden für die Präzisionsausbringung von Pflanzenschutzmitteln und die Verringerung von Gefahren für Verbraucher und Umwelt.
 
Zukunft
Das SuProFruit-Symposium 2011 endete mit einem Ausblick in die Zukunft: Teilnehmer aus den USA und den Niederlanden präsentierten die Entwicklung automatischer Sprühgeräte. In beiden Ländern wird am selben Konzept gearbeitet, nämlich einem selbstfahrenden Traktor und einem automatischen Sprühgerät (mit Sensoren für pflanzenabhängiges Spritzen und Positionsbestimmung durch GPS). Die Entwicklungen schreiten so schnell voran, dass erwartet wird, dass 2012 die ersten Prototypen zur Verfügung stehen.
 
Modelle
In mehreren Ländern wird derzeit von verschiedenen Ausgangspunkten aus versucht, die Dosierung so einheitlich verteilt wie möglich in die Kultur zu bekommen und die Mittelmenge möglichst auf das Kulturvolumen abzustimmen. Es wurden verschiedene „Modelle“ zur Optimierung der Dosierung entwickelt, zum Beispiel Optipulvé (Weinbau, Frankreich, www.viti-net.com), Optidose (Weinbau, Frankreich, www.vignevin-epicure.com), Dosaviña (Weinbau, Spanien) und Dosafrut (Obstanlagen, Spanien, www.dosafrut.cat).
 
 

Medium

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