Technik Plattform

Besucher: 155610
 

Einsatzbereich


Kategorien

Sprühgeräte, 14.02.2012

„RESSOURCENSCHONENDER PFLANZENSCHUTZ“ IM STEIRISCHEN ERWERBSOBSTBAU

Umweltfreundliches und erprobtes Gesamtkonzept zur Ausbringung von Pflanzenschutzmittel im Obst- und Weinbau
In mehrjähriger Aufbauarbeit hat die Fachgruppe Technik vom Verband Steirischer Erwerbsobstbauern ein umweltfreundliches Gesamtkonzept zur Ausbringung von Pflanzenschutzmittel (PSM) im Obst- und Weinbau entwickelt. Ausgehend von der bestehenden Sprüherkontrolle mit Luftmessung wurde in den letzten beiden Jahren das Gesamtkonzept „Resourcenschonender Pflanzenschutz“ praktisch erprobt.
 

Verringerung (Vermeidung) von Verlusten

Die vielen möglichen Verluste beim Einsatz von PSM können nur durch ein Bündel von Maßnahmen reduziert werden, die aufeinander abgestimmt sein müssen. Dabei geht es um die Bereiche I) Gerätekontrolle – II) Verlustarm Sprühen – III) Dosierung – IV) Anwendertraining. Die Summe der miteinander verzahnten Bereiche ergibt das Gesamtkonzept „Ressourcenschonender Pflanzenschutz“
Die  folgende Abbildung zeigt, welche Verluste mit welchen Maßnahmen verringert bzw. vermieden werden können und welche Bereiche dafür zuständig sind.


I) Gerätekontrolle (Schwerpunkt Luftmessung)
Gemeinsam mit sechs Sprüherherstellern wurden Richtlinien für die Ausstattung und Funktion von Verlustarm Sprühgeräten erarbeitet. Danach stellten die Hersteller die Sprüher, die die Richtlinien erfüllen sollten, für eine Gebläseprüfung zur Verfügung. Entsprach das Gebläse den gestellten Anforderungen, dann wurde dieser Gebläsetyp in die Liste der zu empfehlenden Sprühgeräte aufgenommen. Diese „Positiv Liste“ und die „Geräterichtlinien“ wurden auf dieser Technik-Plattform veröffentlicht (siehe Verlustarm-Spruehen) . Insgesamt haben 20 verschiedene Gebläse diese Typenprüfung (Luftprüfung mit Quadrantenvergleich) bestanden. Zusätzlich wurden von diesen Sprühgeräten der Kraftbedarf, die Lärmentwicklung und der Kraftstoffverbrauch gemessen. Diese Messungen erfolgten gemeinsam mit der Bundesanstalt für Landtechnik (BLT). Die dazugehörigen Messergebnisse wurden ebenfalls auf die Technik-Plattform gestellt, wo sie den registrierten Mitgliedern von Obst- und Weinbauorganisationen zur Verfügung stehen.
 

Erfolgreiche Zusammenarbeit

An der Erstellung der gemeinsamen Richtlinien waren zusätzlich zu den Herstellerfirmen auch Berater und Praktiker aus den Obstanbaugebieten Bodensee (MABO) und Südtirol (Beratungsring) beteiligt. Diese Zusammenarbeit mündete in eine „Kooperation der Regionen“. Da beide Anbaugebiete einen neuen Luftprüfstand (analog zum steirischen) angeschafft haben, wurden die Gebläsemessungen für die „Positiv Liste“ auf die drei Regionen Bodensee, Steiermark und Südtirol aufgeteilt.
 

Weitere Herausforderungen

Die Einführung der Luftmessung 2011 in den Regionen Bodensee und Südtirol war mit viel Aufwand verbunden. Das lag vor allem an der Weiterentwicklung und Erprobung der neuen Steuerungs- und Auswertesoftware.
Da die neuen Prüfstände einen größeren Messbereich (5 m x 2 m) haben als der 15 Jahre alte steirische Prototyp (1,7 m x 4,0 m), werden alle Gebläse auf der „Positiv Liste“ neuerlichen Messungen unterzogen, um den spezifischen Energieverbrauch (kWh pro m³ nutzbarem Luftstrom und Stunde) berechnen zu können.  Mit diesen Werten können die verschiedenen Gebläsetypen punkto Energie-Effizienz direkt miteinander verglichen werden.
Ab dem Frühjahr 2012 bekommt auch die Steiermark einen neuen Luftprüfstand, der dann mit den anderen Prüfeinrichtungen vernetzt wird, um die Messergebnisse innerhalb der drei Regionen elektronisch austauschen zu können.
 
II) Verlustarm Sprühen
Das „Verlustarm Sprühen“ wird in der Steiermark zunehmend „Gute fachliche Praxis“ und löst das so genannte „Feinsprühen“ ab.
Über diesen Teilbereich ist in den beiden vergangenen Jahren viel diskutiert und publiziert worden, so dass sich eine Wiederholung an dieser Stelle erübrigt
(siehe Verlustarm Sprühen).
 
III) Dosierung
Die beste Geräterichtlinie und Messtechnik ist nutzlos, wenn die Dosierung und Ausbringung der PSM ein Zufallsergebnis bleibt. Bislang gab es keine Dosierungsberechnung, bei der die Messergebnisse der Sprüherkontrolle (Druck, Drehzahl, Fahrgeschwindigkeit, Anzahl offener Düsen) direkt in die Berechnung der PSM-Aufwandmenge online übernommen werden konnten. Zusätzlich ist für die amtlich anerkannte Verringerung der Abstandsaufauflagen die baumformbezogene Dosierungsberechnung für das Verlustarm Sprühen erforderlich. Da eine händische Berechnung der PSM-Aufwandmenge nach dem Verlustarm-Dosiermodell für den Anwender nicht zumutbar ist, war dies ein weiterer Grund, ein elektronisches Betriebsheft, bekannt unter dem Namen „XComply“ zu entwickeln. Damit war auch die Absicht verbunden, den Anwendern die größtmögliche Sicherheit bei der PSM-Auswahl, Berechnung und Aufzeichnungspflicht zu geben.
 
IV) Anwendertraining
Die besten Computerprogramme und Pflanzenschutzkonzepte sind nur dann erfolgreich, wenn sie von den Anwendern in der Praxis eingesetzt werden. Das Gesamtkonzept „Verlustarmer Pflanzenschutz“ ist ohne Anwendertraining kaum umsetzbar.
Dank eines Förderprogramms der ObstPartnerSteiermark (OPST) zur Anschaffung von Verlustarm Sprühgeräten konnte auch ein Anwender-Trainingsprogramm realisiert werden. Das Programm hat zwei Schwerpunkte - 4 Stunden Gerätetechnik und Geräteeinsatz und 4 Stunden Online-Betriebsheft.
Insgesamt wurden in den beiden vergangenen Jahren 145 Anwender trainiert. Zur Trainingsbestätigung bekamen die Teilnehmer auch ein „Verlustarm-Pickerl“ für ihr kontrolliertes Verlustarm Sprühgerät.
 
Abbildung 1 zeigt das „Pickerl“ der Sprüherkontrolle für Neu- und Gebrauchtgeräte,zum „Lochen“ der jeweiligen Jahreszahl 
 

Training Gerätetechnik

Zu jedem der 8 Trainingsterminen mit jeweils ca. 18 Teilnehmern wurden nur Anwender mit gleichen Sprühgeräten eingeladen, z.B. Besitzer von Lochmann-, Mitterer-, Steiner- oder Waibl-Geräten. Zum Training wurde der Hersteller oder Händler eingeladen, der jeweils von „seinem Gerät“ die Bauteile, deren Funktion und Wartung erklärte. Die Anwender hatten mit ihren Geräten bereits Praxiserfahrungen aus der vergangenen Pflanzenschutzsaison. (Der Kauf der Verlustarm Sprühgeräte erfolgte vor, das Anwendertraining  nach der Pflanzenschutzsaison). Damit konnten von den Anwendern viele Probleme angesprochen werden, die bei der Arbeit aufgetaucht waren. Die Gelegenheit, einen Firmen-Verantwortlichen vor Ort zu haben, gab den Trainingsteilnehmern auch die Gelegenheit, ihre Wünsche an den Gerätehersteller zu äußern. Es war erstaunlich, wie viele Anregungen und Verbesserungsvorschläge von den Praktikern vorgebracht wurden. Diese Anregungen sind zu wertvoll um sie zu vergessen, daher wurden sie in das Internet-Forum auf der Technik-Plattform aufgenommen, wo darüber hinaus noch ein weiterer Erfahrungsaustausch möglich ist.
Abgerundet wurde dieser Trainingsteil mit Praxishinweisen zur Anpassung der Gebläseluft an die Kultur, Verminderung der Abdrift, Vermeidung von PSM-Einträgen ins Gewässer (Punkteinträge), sowie Innen- und Außenreinigung von Sprühgeräten.
Das Training wurde auch zum Anlass genommen, um eine Aktion zur Nachrüstung von kontinuierlichen Innenreinigungsanlagen zu starten – (siehe Beitrag "Nachrüstaktion")
 
Abbildung 2 und Abbildung 3 zeigt, wie jeder Hersteller bzw. Händler  an „seinem Gerät“ die Teilnehmer am OPST-Förderprogramm trainierte
 

Training Online-Betriebsheft „XComply“

Die Rückmeldungen der Obstbauern waren überwiegend positiv. Als sehr angenehm wurde die Online-Version empfunden, die ein sofortiges Einsteigen in das Programm ermöglicht. Es wurde als einfach und selbsterklärend in der Bedienung empfunden, das auch für Anwender mit wenigen PC-Kenntnissen geeignet ist.
Es kam auch eine Fülle von praktischen Hinweisen zur Verbesserung der Praxistauglichkeit, die selbstverständlich Eingang in die Programmentwicklung gefunden haben.
 

Ablauf und Zuständigkeiten

Die Abb. 4 zeigt den Ablauf und die Zuständigkeiten, so wie die Umsetzung des Gesamtkonzeptes „Verlustarmer Pflanzenschutz“ im steirischen Erwerbsobstbau erfolgte.
 
Abbildung 4 zeigt die Etappen der Umsetzung des Gesamtkonzeptes „VaPs“ in der Steiermark
 

Bemerkungen zum Gesamtkonzept

Die Auswahl eines Sprühgerätes aus der Positiv-Liste war für die Anwender nur eine Orientierungshilfe. Beim „Kauf auf Überprüfung“ stimmte das Ergebnis der Luftmessung von der Typenprüfung selten mit dem Ergebnis des ausgelieferten Gerätes zusammen. Daher ersetzt die Typenprüfung nicht die Einzelgeräte-Überprüfung (Luftmessung, Brüheverteilung, etc.). Konnten die Gebläsekriterien nicht erfüllt werden (symmetrische Luftverteilung, sichtbar im Quadrantenvergleich) - was in einigen Fällen der Fall war - dann wurde das Gerät an die Firma zurückgegeben. Die Vorgabe „Kein Kauf ohne zufrieden stellendes Messergebnis“, wurde ohne Probleme erfüllt!
Dank der guten Zusammenarbeit mit den Geräteherstellern und Vertriebsfirmen konnten diese Anforderungen an die Verlustarm-Sprühgeräte - wenn auch nicht immer auf Anhieb – schlussendlich doch für alle bisherigen Teilnehmer am OPST- Förderprogramm erfüllt werden.

Medium


Die Fachgruppe Technik ist Teil des Verbandes Steirischer Erwerbsobstbauern, des Steirischen Weinbauverbandes und des Verbandes Bio Ernte Steiermark.
Werbung