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Zubehör, 12.02.2012

FRUCHTQUALITÄT VON ÄPFELN - FORTSCHRITT BEI DER ERKENNUNG

Der Gartenbauingenieur Gerhard Thinnes verantwortet bei der MaBo das Qualitätsmanagement
Infrarotlicht macht es möglich: Im Logistikzentrum für Obst aus der Region Bodensee der Unternehmensgruppe Salem-Frucht Großmarkt GmbH in Salem-Neufrach unter dem Dach der Marktgemeinschaft Bodenseeobst eG (MaBo) gibt es seit Herbst 2011 eine Anlage, womit sich innere Qualitätsmerkmale eines Apfels feststellen lassen. Die GmbH ist in Baden-Württemberg das erste Unternehmen, dass dieses Zusatzmodul der Herstellerfirma Greefa einsetzt.
Auslöser war das witterungsbedingt relativ häufige Vorkommen von Fruchtfleischverbräunungen bei Äpfeln der Sorte `Braeburn´ in den Vorjahren. Ebenso wie `Elstar´-Äpfel sind Früchte dieser Sorte besonders anfällig für diese physiologische Lagerkrankheit, wobei sich bei ungünstigen Bedingungen schon nach einem Monat Lagerdauer – von außen nicht sichtbar - im inneren Bereich der Äpfel hell- bis mittelbraune, weiche Stellen bilden und sich über die zentrale Leitbündelzone ausweiten. Studien am Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee in Bavendorf haben gezeigt, dass die Kombination von später Ernte und relativ hoher Kohlendioxidkonzentration im CA-Lager ungünstig ist und dass sich die Fruchtfleischverbräunung abschwächen lässt, wenn die Äpfel nach der Ernte zunächst in ein normales Kühllager ohne kontrollierte Atmosphäre kommen. Es ist jedoch schwer abzuschätzen, bei welchem Erntezeitpunkt die schädigende Konstellation eintrifft. „Daher ist das zusätzliche Sortiermodul sinnvoll“, erklärt Gerhard Thinnes, Gartenbauingenieur und bei der MaBo für Qualitätssicherung und -management verantwortlich. „Auch wenn wir noch Erfahrungen sammeln müssen und nach wie vor an der Optimierung der Einstellung des neuen Moduls arbeiten, ist die Wirkung überzeugend, weil die Salem-Frucht Großmarkt GmbH so gut wie keinen Rücklauf mehr wegen innerer Qualitätsmängel hatte.“
Im Leben eines Apfels ist die Passage durch die Sortieranlage nur ein winziger Moment. Es entscheidet sich hier jedoch, welchen Weg die Frucht zum Verbraucher einschlägt. Dafür wird der Apfel für den Bruchteil einer Sekunde aus der Masse der Gleichförmigen zu einem Individuum erhoben, indem digitale Kameras Umriss, Durchmesser, Farbe und die äußere Beschaffenheit ermitteln, er gewogen und mit einer Nummer versehen wird. Ausgestattet mit diesen Informationen geht seine Reise weiter, wobei er bei der Salem-Frucht in eine der 45 Wasserbahnen der Sortiermaschine und letztlich in eine der orangefarbenen 300 kg-Großkisten und per führerlosem Stapelautomat weiter transportiert wird, wo andere Kisten mit Äpfeln seiner Größe und Farbausprägung stehen.
Neu bei der Salem-Frucht Großmarkt GmbH ist die Durchleuchtung mittels Infrarotlicht unmittelbar nach der fotografischen Erfassung. Die Lampen über den acht Spuren weisen eine Leistung von jeweils 1 000 W auf. Angeregt von diesem starken Nah-Infrarotlicht, strahlen die Zellen des Fruchtfleisches Licht aus. Das heißt, sie fluoreszieren. Die Sortierung beruht darauf, dass durch Verbräunung geschädigtes Gewebe anders als intaktes fluoresziert. Verbreitet ist dieses bildgebende Verfahren in der medizinischen Diagnostik.
Abgesehen von der Fruchtfleischverbräunung macht die unterschiedliche Intensität der Fluoreszenz auch den Grad der Glasigkeit sichtbar. Demnach kann die Salem-Frucht Großmarkt GmbH glasige Äpfel nun aussortieren und bei speziellen Bedingungen weiter lagern, um die Glasigkeit abzubauen. Weiter lässt sich mit dem neuen Modul der Brix-Wert ermitteln, denn auch der Gehalt an löslicher Trockensubstanz im Zellsaft, der annähernd dem Zuckergehalt entspricht, beeinflusst die Intensität der Fluoreszenz. Ein weiterer Wert, der sich am Monitor der computergesteuerten Anlage ablesen lässt, ist die Festigkeit des Fruchtfleisches in kg/cm².
Die Sortierschärfe hängt von der Programmierung der Anlage ab. Um diese zu verfeinern, untersucht Gerhard Thinnes Stichproben mit herkömmlichen Methoden und vergleicht diese Ergebnisse dann mit dem Sortierergebnis der Fluoreszenz-Anlage. Beispielsweise bestimmt er die Druckfestigkeit des Fruchtfleisches mit einem Penetrometer, wobei sich mittels eines Stempels, der unter Federspannung steht, auf eine Skala übertragen lässt, wie tief dieser sich bei einer bestimmten Krafteinwirkung in die Frucht eindrücken lässt. Das Logistikzentrum für Obst aus der Region Bodensee in Salem besteht seit 2001 als Kooperationsbetrieb der drei MaBo-Vertragsvermarkter Obstgroßmarkt Beuren Wielatt & Co. KG, Salem, Früchtegroßhandel Eugen Hund/Ehrlinspiel GmbH, Hagnau und  Obstgroßmarkt Georg Veeser GmbH & Co. KG, Meckenbeuren, firmiert als Salem-Frucht Großmarkt GmbH und ist eine von derzeit fünf Packstationen unter dem Dach der Marktgemeinschaft. Jährlich durchlaufen 40 000 bis 50 000 t Äpfel die Sortieranlagen,  Kühllager und Packstraßen, was fast 40 % des Marktvolumens der insgesamt neun MaBo-Vertragsvermarkter entspricht.
 

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