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Sonstiges 1, 07.02.2012

VIELSEITIGES PROGRAMM BEI APFELTAG IN KLEIN-ALTENDORF

Themen waren unter anderem Hagelnetze, technische Hilfsmittel für die Ernte, neue Mutanten von Elstar und Gala und der mechanische Schnitt in allen seinen Facetten.
Der alljährliche Apfeltag im Versuchsbetrieb im deutschen Klein-Altendorf bot auch in die­sem Jahr ein vielseitiges Programm. Themen waren unter anderem Hagelnetze, technische Hilfsmittel für die Ernte, neue Mutanten von Elstar und Gala und der mechanische Schnitt in allen seinen Facetten. Dieser Artikel bietet einen kurzen Überblick.
 
Der mechanische Schnitt und das dazugehörige Anbausystem Mur Fruitier stehen in ganz Europa im Brennpunkt des Interesses. In den meisten Fäl­len werden bestehende Obstanlagen in eine Mur Fruitier umgewandelt. Allgemein geht man jedoch davon aus, dass es besser ist, die Bäume schon von Anfang an als Mur Fruitier zu erziehen. Die italie­nische Baumschule Mazzoni bietet speziell für das Mur Fruitier-System sogenannte Bi-Bäume an. In der Baumschule werden auf die Unterlage zwei Augen statt einem okuliert, wodurch ein Baum mit zwei Stammverlängerungen mit drei bis vier kurzen, 15 bis 20 cm langen Seitentrieben entsteht. Mazzoni empfiehlt, die Bäume mit 20 % mehr Abstand an­zupflanzen als traditionelle Bäume, die als Spindel erzogen werden. Wenn bei Spindeln zum Beispiel 1,00 Meter Abstand in der Reihe gehalten wird, be­trägt der Abstand bei Bi-Bäumen 1,20 Meter. So entsteht eine schmale Hecke mit nach jeweils 60 cm einer Stammverlängerung. Da das Wachstum auf zwei Stammverlängerungen statt auf einer verteilt wird, wächst der Baum schwächer und ist produktiver, so der italienische Lieferant der Bäu­me. Alternanzanfällige Sorten wie Fuji könnten dadurch weniger unter Alternanz leiden. Beim Bi-Baum ist nahezu das gesamte fruchttragende Holz gleich stark. Dadurch haben auch die Früchte eine gleichmäßigere Größe, meint Mazzoni. Die italienische Baumschule bietet ein umfangrei­ches Sorten- und Mutantensortiment als Bi-Baum an. Der Preis für die Bäume ist um ungefähr 25 % höher als bei traditionellem Pflanzmaterial.
 

Topper* gegen Vorerntefruchtfall

In Deutschland sind zur Vorbeugung von Vorern­tefruchtfall bei Apfel oder Birne kurz vor der Ernte keine Mittel auf NAA- oder NAAm-Basis zugelas­sen. Seit diesem Jahr ist jedoch in Form des Mittels Topper eine Alternative verfügbar. Das Mittel hat eine temporäre Zulassung für den Einsatz zwischen 1. August und 28. November 2011. Topper ist ein synthetisches Auxin mit dem Wirkstoff 3,5,6-Tri-chlor-2-Pyridyloxy-Essigsäure (3,5,6-TPA). Es ist in verschiedenen Ländern als Mittel zur Bekämpfung von Vorerntefruchtfall bei Apfel, Birne und Zitrus­früchten zugelassen.
In den Versuchen des DLR Rheinpfalz führte Topper zu einem signifikanten Rückgang des Vorernte-fruchtfalls bei der Birnensorte Williams. Die Wirkung war jedoch weniger gut als jene der Mittel auf NAA-oder NAAm-Basis. Topper kann Vorerntefruchtfall verringern, aber nicht völlig verhindern.
 

Neue Version des Frostguard

Die belgische Firma Agrofrost präsentierte auf dem Apfeltag in Klein-Altendorf den neuen Frostguard.
Der Frostguard ist im Gegensatz zum Frostbuster ein stationäres Gerät. Er bläst warme Luft mit einer Temperatur von 100 °C zwischen die Bäume. Beim vorherigen Modell drehte sich ein Rohr unter dem Gerät im Kreis. In der neuen Ausführung dreht sich der Frostguard selbst. In 8 Minuten hat sich das Ge­rät um 360° gedreht. Mit dem ,alten'Typ konnte mit einem Gerät ein % Hektar vor Blütenfrost geschützt werden. Der neue Typ schützt einen Hektar vor Blütenfrost. An Stellen, an denen keine Bäume in der Bahn des Luftstroms stehen, wirft das Gerät die warme Luft 70 Meter weit. Zwischen den Bäumen sind es 50 Meter. Mit dem Frostguard ist es nach Angaben von Marc Polleunis, dem Gründer von Agrofrost, möglich, die Blüten bis zu einer Tempe­ratur von -5,5 °C vor Blütenfrost zu schützen. Der genaue Preis ist noch nicht bekannt, er wird aber laut Polleunis um die 5.750 € betragen. Der Frost­guard verbraucht 10 Liter Propangas pro Stunde.
 

Gala-Mutanten

„Hier in der Region ist die Mutante Galaxy der am häufigsten angepflanzte Gala-Typ", berichtete Ger­hard Baab. Galaxy ist eine dunkelrot gestreifte Mu­tante. Der Handel bevorzugt gestreifte Mutanten. Das Problem ist jedoch, dass sie nicht stabil sind. Aus diesem Grund akzeptiert der Handel heutzuta­ge auch mehr und mehr die flächig roten Mutanten. Die flächig dunkelrote Simmons (Buckeye Gala) ist nach Angaben von Baab sogar die am häufigsten vermehrte Mutante in Europa.
 

Kronen mit dem Erntezug ernten

Die deutsche Firma Metasa aus Gladbeckzeigte einige interessante Hilfsmittel für die Ernte von Äpfeln und Birnen. Das Unternehmen liefert hauptsächlich Erntehelfer für Himbeeren, baut aber seit Kurzem auch Erntezüge. Sie sind mit einem Pflückaufsatz, auf dem 4 Personen stehen können, um die Baumkronen bei der Ernte leichter zu erreichen, lieferbar. Der Arbeitsbereich dieses Aufsatzes ist 100 cm hoch und die Podeste sind ausfahrbar.
Ein Erntewagen mit Vorderrad für eine Kiste, gedacht als ,Vorläufer' hinter dem Traktor, kostet rund 1.200 €. Die nächsten Wagen des Zugs, die ,Nachläufer' ohne Vorderrad, kosten 950 €. Ein Pflückauf­satz kostet ungefähr 2.200 € (Preise exkl. MwSt.).
Der Aufsatz ist nicht nur für die Ernte praktisch, sondern zum Beispiel auch bei Ausdünnung oder Schnitt einsetzbar.
 

Erntewagen mit fünf Kisten in drei Höhen

Die österreichische Firma Lindner zeigte einen Obsterntewagen für 5 Großkisten mitSelbstfahreinrichtung.
Das Besondere an diesem Obsterntewagen ist, dass auf 3 Ebenen geerntet werden kann. Die Ernt­ehelfer können vom Boden aus pflücken und auf zwei Arbeitsbühnen in verschiedenen Höhen die Baumkronen erreichen.
Auf Wunsch ist eine Selbstfahreinrichtung erhältlich. Mit dieser Ausrüstung ist kein eigener Traktor­fahrer mehr erforderlich. Der Erntehelfer, der am nächsten am Traktor erntet, bedient den Schaltkas­ten, der sowohl das Gaspedal als auch die Lenkung des Traktors betätigt. Die Selbstfahreinrichtung ist nur für New Holland-Traktoren lieferbar und kostet 5.000 € exklusive MwSt. Der Obsterntewagen selbst kostet einschließlich zwei höhenverstellbarer Bühnen und einer hydraulisch gebremsten Ach­serund 10.000€(exkl.MwSt).
 
Info
Schalenflecken
Eines der Kriterien, die bei der Beurteilung von Elstar-Mutanten eine Rolle spielen, ist die Anfälligkeit für Schalenflecken.Von verschiedenen Mu­tanten behauptetder Inhaber, dass ,seine' Mutante weniger an­fällig dafür ist. Nach Meinung von Gerhard Baab sind die Bäume jedoch nochzujung, um darüber etwas Zu­verlässiges sagen zu können
 
Bildtext zu Whailex - Foto
Die deutsche Firma Wagner war in den letzten Monaten auf vielen Messen und Obstbauveranstaltun­gen vertreten, um ihr Whailex-Hagelnetz-system vorzustellen. Das Besondere ist, dass jede Reihe ein­zeln mit einem Hagel­netz versehen wird. Das Netz kann außer­dem sehr schnell auf- und abgerollt werden, wenn zum Beispiel Arbeiten in der Kultur nötig sind. Wagner arbeitet an einer Maschine, mit der das Netzblitz-schnell montiert werden kann. Für den Weinbau hat Wagner bereits eine solche Maschine, mit der 5.000 laufende Meter Hagelnetz pro Tag montiert werden können. Wagner geht davon aus, bei Apfel und Birne 3.000 Meter pro Tag montieren zu können.
 
 

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