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Zubehör, 19.01.2012

TRAKTORREIFEN MIT VIELEN ANFORDERUNGEN

Traktoren sind Allroundfahrzeuge, sie müssen auf der trockenen und nassen Grasnarbe, am Hang und in der Ebene, aber auch auf asphaltierten Straßen einsatzbereit sein.
Traktoren sind Allroundfahrzeuge, sie müssen auf der trockenen und nassen Grasnarbe, am Hang und in der Ebene, aber auch auf asphaltierten Straßen einsatzbereit sein. Die Reifen spielen dabei eine entscheidende Rolle für die Sicherheit und das Fortkommen.
 
Traktoren sind Universalfahrzeuge für die verschiedensten Arbeiten in den Obst- und Rebanlagen sowie auf den Straßen. Die Räder und somit der Reifen bildet den Kontakt zwischen Maschine und Boden. Auf der einen Seite sollte der Reifen in den Anlagen einen geringen Bodendruck ausüben, aber trotzdem einen guten Halt und wenig Schlupf verursachen. Das ist besonders wichtig, wenn sich die Anlage am Hang befindet und das Gras nass ist. Zudem sollte das Profil über eine gute Selbstreinigung verfügen. Gleichzeitig ist eine Bodenverdichtung zu vermeiden. Da aber Reifeninnendruck und Bodendruck in direktem Verhältnis zueinander stehen, muss der Reifen ein großes Luftvolumen haben, um mit wenig Druck fahren zu können. Auf der anderen Seite ist die Asphaltstraße; dort sollte der Traktor ruhig, rund, mit hohen Geschwindigkeiten zu fahren sein, eine hohe Fahrstabilität aufweisen und der Reifenverschleiß minimal sein. Damit sind wir bei den Kriterien für die Auswahl der richtigen Reifen.
 

Tragfähigkeit und Höchstgeschwindigkeit

An erster Stelle steht die Tragfähigkeit des Traktorreifens, der sogenannte „LI" Load Index. Diese Kennzahl ist als Zahlencode auf der Reifenflanke angegeben. Er kann bei Reifen der gleichen Größe, aber von verschiedenen Herstellern durchaus unterschiedlich sein. Dabei ist nicht das Leergewicht des Schleppers entscheidend, sondern die Höchstbelastung mit einem Anbaugerät oder Anhänger (Tabelle 1). Erst an zweiter Stelle stehen die Reifenbreite, der Querschnitt sowie die Felgengröße am Reifen. Die Breite ist meist in Millimetern angegeben, z.B. 360/65-24. Das bedeutet, der Reifen ist 360 mm breit, das Verhältnis von Reifenhöhe zur Reifenbreite beträgt 65:100 und die 24 steht für den Durchmesser der Felge, in Zoll ausgedrückt.
 
Tabelle 1: Load Index-Geschwindigkeit in kg für Reifen                                                                             
045
50190
100800
1201.400
1402.500
1604.500
1808.000
20014.000

Tabelle 2: Speed Index und maximale Tragfähigkeitskennzahlen
A420 km/h
A630 km/h
A840 km/h
B50 km/h
D65 km/h
F80 km/h
 
Hinzu kommt die maximale Fahrgeschwindigkeit, mit dem ein Reifen gefahren werden darf. Der „SI" Speed Index (Geschwindigkeitskennzahl) ist unterhalb von 50 km/h alphanumerisch, darüber alphabetisch angegeben. Der Geschwindigkeitsindex ist an der Reifenflanke nachzulesen (Tabelle 2). Da in Italien Traktoren zurzeit nicht über 40 km/h fahren dürfen, genügt ein Speed Index von A8.
 Mittellinie, von Reifenwulst zu Reifenwulst. Dabei sind die einzelnen Gewebelagen im Kreuzmuster angelegt. Lauffläche und Flanke bilden eine Einheit. Sämtliche Bewegungen der Flanke werden bis in die Lauffläche weitergeleitet.
Bei Radialreifen verlaufen die Karkassenfäden in einem 90° Winkel zur Mittellinie von Wulst zu Wulst. Über den Gewebelagen und unter der Lauffläche ist ein mehrlagiger Gürtel eingebettet, dessen Fäden in einem Winkel von 15 bis 25° angeordnet sind. Die Radialtechnik ermöglicht es den einzelnen Reifenzonen, wie Flanke und Lauffläche, unabhängig voneinander zu arbeiten. So kann der Radialreifen im Gegensatz zum Diagonalreifen bei Belastung stärker einfedern, was den Fahrkomfort erhöht. Der Diagonalreifen bietet mehr Halt bei Schräghangfahrten und ist unempfindlicher für Verletzungen im Flankenbereich.
 

Reifenprofile

Auf dem Reifenmarkt dominiert gegenwärtig eindeutig das AS-Ackerschlepperprofil. Besonders bei der 24er Zoll-Felge gibt es kaum Alternativen dazu. Falls sich jemand für AS-Profil entscheidet, sollte dieses so eng und die Stollen so breit wie möglich angelegt sein, damit die Auflagefläche am Boden so groß wie möglich ist. Wichtig ist auch, dass der Reifen viel Luftmenge enthält. So ist es möglich, in den Anlagen mit relativ geringem Luftdruck zu fahren, was den Bodendruck verringert.
 

Radial- oder Diagonalreifen

Nun ist zu entscheiden, ob es Radial- oder Diagonal-Reifen sein sollen. Bei den konventionellen Diagonalreifen laufen die Karkassenfäden diagonal in einem Winkel von 30 bis 40° zur In Hanglagen bieten die AS-Profile mehr Sicherheit, weil sie eine gute Traktion bilden. Anders auf der Ebene, dort sind Reifenprofile vorteilhaft, welche die Grasnarbe schonen.
Die Firma Nokian hat ein Reifenprofil für die Grünlandwirtschaft konzipiert. Es schont die Grasnarbe und eignet sich hervorragend auch für Fahrten auf Straßen, da die Abnutzung dabei sehr gering ist. Der Reifen heißt Nokian Industrie 2 oder TRI und die Maße sind 300/80-R24, 340/80-R24, 360/80-R24 oder 400/80-R24. Dieselben Maße stehen auch für die 20 Zoll-Felge zur Verfügung. Eine weitere Alternative ist der Trelleborg Reifen mit dem Profil T404 und den Maßen 400/55-22,5 oder 400/60-26,5. Bei den meisten Traktorherstellern passt dieser Reifen, ohne irgendwas umzurüsten, unter den Kotflügel, weil der Querschnitt des Trelleborg-Reifens etwas niederer ist als bei anderen. Auch im Fahrtenbrief sind diese Art Reifen meist eingetragen.
Weiters gibt es den Trelleborg-Reifen 420/70-R24 mit dem Profil T-459HD. Leider hat Trelleborg meist eine eigene Felge mit dem Maß 22,5 Zoll. Ebenso gut für Obst- und Weinbautraktoren geeignet ist der Reifen von Mitas mit dem Profil UK05 und den Maßen 14,9-24. 14,9 ist die Breite in Zoll angegeben. Er ist 378 mm breit und hat ein Noppenprofil, das die Grasnarbe schont. Für die Straße ist es bestens geeignet. Auf der Strecke bleibt in diesem Fall die Traktion. Nicht im Fahrtenbrief eingetragene Reifenmaße sind auf der Straße nicht zulässig und können unter Umständen juridische und versicherungstechnische Probleme mit sich bringen. Wer einen Allradschlepper fährt und sich für alternative Reifenprofile entscheidet, soll sich unbedingt beim zuständigen Schlepperhersteller informieren, ob der Vorlauf für die Vor- und Hinterräder der zulässigen Toleranz entspricht.
Ganz anders verhält sich die Lage bei Reifen für die 20 Zoll-Felge. Da gibt es viele verschiedene Hersteller mit unterschiedlichen Profilen. Die Universität Hohenheim (D) hat mehrere Profile getestet, wobei zwei grundverschiedene Arten von Reifen geprüft wurden.
Zum einen waren es agro-industrielle Profile mit den Maßen 405/70-R20 mit AS-Profil, zum anderen kamen Reifen der Maße 400/70-R20 mit Bauprofil zum Test. Dabei kamen die Tester zum Schluss, dass die Bauprofile generell ein härteres Fahrverhalten vermittelten. Dies ist ein klares Indiz für hohe Beschleunigungswerte. Die klassischen AS-Profile, ausgerüstet mit weicheren Flanken, vermittelten auf hartem Untergrund wie Asphalt, ein indirektes, bzw. ein schwimmendes Fahrverhalten. Betrachtet man alle Reifen, so die Tester, sticht der Michelin XZLS mit Bauprofil und der Alliance Agro-Industrial 580, mit AS-Profil in ihrem Segment hervor.
 

Herstellung

Für die erforderliche Festigkeit des Reifens werden, je nach Verwendungszweck, Textilfäden verwebt und anschließend beidseitig mit einer Gummimischung beschichtet, Kalandierung genannt. Weiters werden die endlosen Cordstreifen in die für den jeweiligen Reifen passende Länge geschnitten. Bei der Fertigung von Pkw- oder Lkw-Reifen wird eine Stahl-cord-Kalandierung verwendet. Beim Schlepperreifen ist das nur selten der Fall, um die höhere Flexibilität zu gewährleisten.
Nun werden die Komponenten zusammengefügt. Hier unterscheidet man zwei Phasen. Die erste ist die Karkassenherstellung, die zweite ist die Begürtelung. In diesem Abschnitt nimmt die Karkasse erstmals die Gestalt eines Reifens an. Nun erst kommt es zur endgültigen Form, der Vulkanisation. Hier trägt der Hersteller das Profil auf, das im sogenannten Backofen, bzw. der Heizpresse, je nach Größe, 30 bis 150 Minuten, gebacken wird. Die Zutaten sind natürlicher Kautschuk, synthetischer Kautschuk, Öl und Füllstoffe wie Ruß und Silicat sowie weitere chemische Substanzen. Je nach Verwendung (Lauffläche, Gürtellage, Karkasse, Seitenwand Innenschicht, Kern- und Hornprofil) werden pro Reifen bis zu zwölf verschiedene Mischungen benötigt. Zum Schluss der Reifenproduktion steht die Qualitätskontrolle. Jeder Reifen wird dabei sowohl visuell als auch mittels einer Rundlaufmessung überprüft. Stichprobenartig werden einzelne Reifen sogar mit einem Röntgengerät untersucht, um etwaige Schwachstellen oder innere Fehler in der Produktion auszuschließen. Welches Profil jeder Einzelne wählt ist seine eigene Sache, nur schade, dass es für die 24 Zoll-Felge nur wenige Alternativen zum AS-Profil gibt. In vielen Fällen können wir Obst- und Weinbauern auf eine starke Traktion verzichten. Was viele bräuchten, ist ein Reifenprofil, das die Grasnarbe schont, der Traktor auf Asphalt rund läuft, wenig Verschleiß hat und somit langlebig ist. Deshalb sollten wir die wenigen Alternativen, die uns zur Verfügung stehen, nützen.
 

Medium


Obstbau Weinbau ist seit 1964 ein praxisorientiertes Fachmagazin des Südtiroler Beratungsrings für Obst- und Weinbau. Jährlich erscheinen 11 Ausgaben (Juli/August Doppelnummer) mit Fachartikel über Anbaumethoden, Versuche, Sorten, Forschungsergebnisse, Betriebswirtschaft, Statistiken, Züchtungsergebnisse, Pflanzenschutz, Vermarktung, Lagerung,  Studienreisen u.a. aus den Bereichen Obst-, Weinbau und Kellerwirtschaft.
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