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Streifenpflegegeräte, 06.11.2017

Alternativen in der Baumstreifenbehandlung

Die Baumstreifenpflege mittels Unterstockräumer, die dazu dient, Nährstoff- und Wasserkonkurrenz durch den unerwünschten Unkrautbewuchs zu unterbinden, ist mittlerweile eine praktikable Alternative zum Herbizideinsatz.

Im Vergleich zum Einsatz von Herbiziden entsteht jedoch ein deutlich höherer Zeitbedarf, der Arbeitskräfte bindet. Daher ist ein gutes Zeitmanagement notwendig.

Um die Weiterentwicklung und die verschiedenen Arbeitsweisen der Geräte zu demonstrieren, organisierte das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz, KoGa Klein-Altendorf eine Maschinenvorführung zur mechanischen Unkrautbekämpfung im Obstbau-Betrieb Briesch in Bekond. Es wurden verschiedene Fabrikate vorgeführt und aktuelle Optionen und Lösungen für die mechanische Unterstockbearbeitung aufgezeigt.

Maschinen im praktischen Einsatz

Die Aktualität des Themas „Alternativen in der Baumstreifenbehandlung“ zeigte sich in der guten Resonanz. Über 130 Teilnehmer waren zur Maschinenvorführung nach Bekond gekommen. Die vorgeführten Geräte und die nachfolgende Auflistung erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Neben den beschriebenen Maschinen gibt es noch eine Vielzahl weiterer Unterstockräumer.

Unterstockpflegesystem RADIUS SL

Die Firma Clemens, Wittlich, arbeitet seit Jahrzehnten an der Entwicklung von Unterstockräumern für den Wein- und Obstbau. Johannes Krütten von der Firma Clemens stellte verschiedene Geräte vor. Der Geräteträger SB stellt die Basis dar und ermöglicht den Aufbau verschiedener Anbaugeräte mit unterschiedlichen Werkzeugköpfen. Das Unterstockpflegesystem RADIUS SL besteht aus einem Flachschar und kann zum RADIUS SL PLUS erweitert werden. Dieser bietet die Basis für den Aufbau verschiedener Anbaugeräte, z. B. das Flachschar mit Zinkenkreisel, den Zinkenkreisel solo, angetriebene Scheiben oder Mulcher. Weitere Anbaugeräte, wie Rotorbürste, Rotorbürste Multi-Clean, Roll- und Fingerhacke oder GSP Scheibe, bieten zusätzliche Möglichkeiten der Bodenbearbeitung. Die Geräte können nach Bedarf für den Heck-, den Zwischenachs- oder Frontanbau an den Schlepper angebaut werden.

CLEMENS GMBH & CO. KG, Industriegebiet II, Rudolf-Diesel-Str. 8, 54516 Wittlich, Tel: 06571 929 00,
E-Mail: info@clemens-online.com, www.clemens-online.com

ALM Rollhacke

Jochen Adelhelm von der Firma Adelhelm Landtechnik aus Nordheim stellte die ALM Rollhacke vor. Der KVR-Geräterahmen bietet die Möglichkeit, verschiedene Werkzeugköpfe zu befestigen und somit die Bearbeitung flexibel an die jeweils vorhandenen Bodenbedingungen anzupassen. Vorgeführt wurde die Rollhacke im Rahmen SRN, die besonders durch die niedrige Bauform gut im Obstbau einsetzbar ist. Die Rollhacke ist in verschiedenen Breiten mit drei bis zehn Rollhacksternen erhältlich und kann somit an das jeweilige Anbausystem angepasst werden. Durch die Zahnscheiben oder über stufenloses Verstellen lässt sich die Rollhacke auf unterschiedliche Bodenstrukturen und Fahrgeschwindigkeiten einstellen.

Ein Vorteil der Rollhacke besteht darin, dass sie ohne Taster arbeitet und nahezu bei jeder Geschwindigkeit und in Kombination mit anderen Pflegearbeiten (z. B. Mulchen) eingesetzt werden kann. Somit werden Überfahrten und, vor allem, Zeit eingespart. Sie kann in flachen sowie steilen Anlagen eingesetzt werden. Durch die Möglichkeit der vertikalen Verstellung kann mit der Rollhacke auch angehäufelt werden. Da die Rollhacke nicht zwischen den Bäumen arbeitet, wird sie in Kombination mit einem Bodenbearbeitungsgerät mit Taster eingesetzt. Hierdurch werden die Bearbeitungsdurchgänge mit dem deutlich langsamer arbeitenden Tastengerät reduziert und die Bodenbearbeitung wird zeit- und kostengünstiger. Die Rollhacke kann wahlweise im Front-, Zwischenachs- oder Heckanbau einseitig- oder beidseitig angebaut werden.

Adelhelm Landtechnik Maschinenbau, Lerchenstraße 52, 74226 Nordheim, Tel.: 07133 204201,
E-Mail: info@j-adelhelm.de, www.j-adelhelm.de

Unterstockräumer NaturaGriff

Mathias Schülter von der RWZ-Agrartechnik Wintrich stellte den in Frankreich für den Wein- und Obstbau entwickelten Unterstockräumer NaturaGriff vor. Die Maschine besitzt Bürsten, die eine sehr flache Bearbeitung ermöglichen. Dadurch sind trotz des Tasters schnellere Geschwindigkeiten bis zu 8 km/h realisierbar. Auch unter feuchten Bedingungen ist eine gute Arbeitsqualität zu erzielen. Neben dem Arbeitskopf mit Taster kann eine zweite Bürste im Vorlauf angebaut werden. Dies ermöglicht die Bearbeitung von breiteren Baumstreifen. Bei stark verunkrauteten Beständen kann zusätzlich ein Messer im Inneren der Bürste angebaut werden, welches flach im Boden arbeitet und somit den Boden zusätzlich lockert. NaturaGriff ist als ein- oder zweiseitige Maschine wahlweise im Front-, Zwischenachs- oder Heckanbau erhältlich.

Hersteller: NaturaGriff, 31bis route de Larchey, 33650 Saint Medard d’Eyrans, Frankreich,

Tel.: +33 556/202320, E-Mail: naturagriff@gmail.com www.naturagriff.com

Vertrieb Deutschland: RWZ-Agrartechnik Wintrich, Mathias Schülter, Moselweinstr. 84a , 54487 Wintrich, Tel.: 06534/718 (Zentrale), E-Mail: mathias.schuelter@rwz.de, www.rwz.de/rwz-agrartechnik-wintrich

Krümler Ladurner Modell 7

Den im ökologischen Obstanbau sehr häufig eingesetzten KRÜMLER LADURNER stellte Johannes Nachtwey vor, der einen Bio-Obsthof in Grafschaft-Gelsdorf bewirtschaftet. Er tat dies in Vertretung für die Firma Karl Ladurner.

Das doppelseitig arbeitende Hackgerät der Krümler Ladurner Modell 7 ist mit jeweils zwei Kreiseln auf jeder Seite ausgerüstet und besitzt einen zusätzlichen Taster, der den Reihenabstand bei jedem Einfahren in die Reihe neu abtastet. Damit wird das Gerät immer wieder neu justiert. Dies ermöglicht eine einfache Bedienung. Der Anbau an den Schlepper kann im Front- oder Heckanbau erfolgen. Die Arbeitsbreite variiert beim Standardgerät zwischen 1,80 m bis 4,20 m. Außerdem wird ein Gerät mit einer Arbeitsbreite von 2,00 m bis 4,70 m angeboten. Auf Wunsch können auch andere Abstände realisiert werden, beispielsweise Sonderanfertigungen, die eine Arbeitsbreite bis 6,00 m ermöglichen.

Das vorgestellte doppelseitig arbeitende Gerät ist ein verbessertes Standardgerät mit exakter Arbeitsweise. Es ist auch bei sehr starker Verunkrautung oder feuchten Bedingungen einsetzbar. Eine flache Bearbeitung ist möglich und es findet kaum Bodenverlagerung statt. Zusatzwerkzeuge, z. B. ein Mähwerkzeug (Rotorbürste), sind erhältlich.

Ladurner Karl J. & Co. OHG, Schlosserei – Maschinenbau, Vinschgaustraße 7, 39023 Laas,

Südtirol, Italien, Tel. +39 0473/628104, E-Mail: info@ladurner.biz, www.ladurner.biz

Öko Cleaner der Firma Vimas

Neben den Hackgeräten gibt es eine Vielzahl an Fadengeräten mit unterschiedlichen Arbeitsweisen, z. B. den Öko Cleaner der Firma Vimas. Stefan Ippendorf vertritt die Firma im Rheinland und stellte das Gerät im Rahmen der Maschinenvorführung vor. Die Arbeitsweise des Öko Cleaners beruht auf dem Abschlagen des Bewuchses mittels Fäden. Es erfolgt eine oberflächige Bearbeitung des Baumstreifens, ohne dabei eine Bodenbewegung oder Bodenverlagerung zu verursachen. Das Gerät kann im Front-, Zwischenachs- oder Heckanbau an den Schlepper angebaut werden und ist für Reihenbreiten von 1,60 bis 4,00 m geeignet. Die Arbeitsgeschwindigkeit variiert zwischen drei und sechs km/h. Fadengeräte können aufgrund ihrer Arbeitsweise auch bei sehr starker Verunkrautung oder bei feuchten Bedingungen eingesetzt werden und sind auch für Hanglagen geeignet.

Hersteller: Vimas GmbH, Industriezone 4c – 39021, Latsch (BZ), Italien, Tel.: +39 0473/749545,
E-Mail: info@vimas.bz.it, www.vimas.bz.it

Vertrieb Rheinland: Stefan Ippendorf, Bergstr. 25, 53343 Wachtberg, Tel.: 0228 93799399,

E-Mail: info@obstbaugeraete.de, www.obstbaumaschinen.de

Zusammenfassung

Fazit

Durch die Weiterentwicklung des einseitigen Unterstockräumers zur zweiseitigen Ausführung ist eine enorme Zeitersparnis möglich. Die mechanische Bodenbearbeitung ist entsprechend leistungsfähiger und kostengünstiger geworden. Darüber hinaus führt die neue Generation der Geräte mit Bürsten, Faden- oder Lappentechnik oder mit Roll- und Fingerhacke zu einer größeren Variabilität bei der Pflege des Baumstreifens.

Bei den überwiegenden Bodenverhältnissen kann die Baumstreifenpflege durch eine Kombination der Standardhackgeräte mit einer Roll- und Fingerhacke oder einem Mähgerät optimiert werden. Auch wenn die Anschaffung von zwei Geräten zur Baumstreifenpflege eine höhere Investition darstellt, amortisiert sich diese Maßnahme, da neben der Zeitersparnis auch die Qualität der Bearbeitung deutlich verbessert wird. Generell können die höheren Anschaffungskosten für zweiseitig arbeitende Geräte aufgrund der gestiegenen Energie- und Lohnkosten sehr schnell eingespart werden.

Mit diesem technischen Fortschritt verbunden ist eine Zeit-, Energie- und Kostenersparnis, welche die Bodenbearbeitung im ökologischen Obstbau deutlich vereinfacht und sie auch für den Integrierten Anbau interessant macht.

Ausblick

Es sind neue Maschinen in der Entwicklung bzw. schon in der Praxiseinführung, die den Baumstreifen mit neuen Techniken bearbeiten.

Dazu gehört z. B. der GrassKiller vom italienischen Hersteller für Pflanzenschutzgeräte Caffini. Das Gerät sprüht über Düsen Wasser mit hohem Druck von bis zu 1.000 bar auf den Boden. Dadurch soll der unerwünschte Unkrautbewuchs dauerhafter entfernt werden. Auch das in Brasilien bereits in der Praxis eingesetzte Gerät Electroherb wird zurzeit für den europäischen Markt modifiziert. Mittels Hochspannung auf Gleichstrombasis oder mit hochfrequentem Wechselstrom werden bei diesem Gerät die krautigen Pflanzen durchströmt. Dies bewirkt ein Abtöten der Blätter durch Zerstörung der Pflanzenzellen und des Chlorophylls.

Ob diese neuen Entwicklungen Eingang in die Praxis finden können, bleibt abzuwarten. Erfahrungen und Versuchsergebnisse zum Einsatz der neuen Techniken liegen zurzeit noch nicht ausreichend vor.

Ein Dank geht an die Familie Briesch für die Bereitstellung der Obstanlage und an alle Aussteller.

 

Über den Autor

Jürgen Zimmer, DLR Rheinpfalz, Campus Klein-Altendorf 2, 53359 Rheinbach, Tel.: 02225 98087-31, E-Mail: juergen.zimmer@dlr.rlp.de

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1975 hat der Vorstand der Fachgruppe Obstbau den Beschluß gefaßt, ab Januar 1976 eine Verbandseigene Fachzeitschrift herauszugeben. OBSTBAU hat sich seitdem zu einer renommierten Fachzeitschrift entwickelt, auf die kein zukunftsgerichteter Betriebsleiter/ Betriebsleiterin verzichten kann. Mit einer Auflage von über 7000 Exemplaren ist OBSTBAU heute die größte überregionale Fachzeitschrift für Obstbau im deutschsprachigen Raum.
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