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Erntemaschinen, 10.03.2012

TRAUBENVOLLERNTER AM PRÜFSTAND

Die maschinelle Lese hat in Österreich in den letzten Jahren stark zugenommen aufgrund umfangreicher technischer Entwicklungen.
Laut Firmenangaben sind derzeit über 250 Traubenvollernter in Österreich in Betrieb. Im Mittelpunkt der technischen Weiterentwicklung steht die Qualität des Lesegutes.
 

ANFORDERUNGEN AN TRAUBENVOLLERNTER

Schonende Abtrennung
Beeren sollen, im Idealfall ohne aufgequetscht zu werden, von den Kämmen gerüttelt werden. Meist jedoch ist die Reife der einzelnen Trauben oder Traubenteile nicht immer gleich weit fortgeschritten, sodass für ein verlustfreies Ernteergebnis höhere Rüttelfrequenzen angewendet werden müssen. Der Saftanteil liegt bei optimal geerntetem Lesegut bei 5 %. Bei weichschaligen oder überreifen Trauben kann der Saftanteil wesentlich höher sein.
Bei hohem Saftanteil bzw. bei einem hohen Anteil von gequetschten Beeren ist ein vorzeitiger Pektinabbau zu erwarten, und das Lesegut wird dann sehr empfindlich auf weiteres Bewegen durch Pumpen. Daher haben sich vor allem im Bereich Traubenvollernterlese in den letzten Jahren pumpenlose Verarbeitungssysteme verbreitet: Förder- oder Sortierbänder bzw. ein Abladen in Lesewägen mit langsam drehenden Schnecken mit großem Durchmesser oder die Pressbeschickung im Gefälletransport.

Schonung der Triebe
Das Abschütteln der Beeren bei hohen Rüttelfrequenzen stellt auch eine Belastung für das im nächsten Jahr anzuschneidende Fruchtholz dar. So kann es leicht passieren, dass ein Strecker in Idealposition im nächsten Winter nicht angeschnitten werden kann, da er an der Basis Verletzungen aufweist und daher leicht abbricht. Natürlich können auch einzelne Augen eines Streckers verletzt sein und dadurch im nächsten Jahr zu Ernteverlusten führen.
Stabilität von Stecken und Befestigungsmaterial
Der Weinstock kann durch starke Rüttelwirkung beschädigt werden. Es können einzelne Kordonteile abbrechen oder auch Einzelstöcke durch Fahrfehler in Mitleidenschaft gezogen werden. In neuen Anlagen sollten ausschließlich vollerntertaugliche Materialien verwendet werden. Wird darauf nicht geachtet, können im Lesegut sehr oft U-Haken, Drahtspanner, Steckenfixiermaterial etc. gefunden werden. Starke Magnete zwischen Transportband und Vorratsbehälter können Metallteile weitestgehend anziehen und verhindern, dass es bei Pumpen, eventuell nachgeschalteten Reblern und Pressen zu Störungen kommt. Plastikstecken sind völlig ungeeignet, da sie vor allem im Alter sehr spröde werden und daher leicht ins Lesegut gelangen können.

Schonende Unterstützung
Die heute hauptsächlich eingesetzten verzinkten Stahlsteher sind sehr tolerant gegenüber Schwingungen und daher kaum gefährdet. Holzsteher können etwas empfindlicher auf hohe Schwingungen reagieren. Betonsteher sind eigentlich ungeeignet für die maschinelle Lese. Sie können abbrechen bzw. werden die Rüttelstäbe der Maschine sehr stark abgenützt.
Automatische Schüttelwerkabschaltung: Die automatische Schüttel-werkabschaltung am Pfahl empfiehlt sich insbesondere bei Anlagen mit Betonpfählen oder dicken Holzstehern. Pfähle und Schüttelstäbe werden so vor übermäßigem Verschleiß geschützt, jedoch bleiben im Bereich der Steher einzelne Trauben hängen.
 
Schwefelung im Weingarten
Je nach Verarbeitungsdauer und -temperatur können frei gewordene Mostanteile einer Oxidation unterliegen bzw. vor allem durch Essigsäurebakterien qualitativ verschlechtert werden. Einen gewissen Schutz kann dabei die Schwefelung des Erntegutes bzw. der Mostanteile durch Vorlage einer Lösung mit Kaliumpyrosulfit (5-10 g KPS/100 kg) bringen. Ein bloßes Bestreuen der Beeren ist nur bedingt wirksam, da KPS erst im säurereichen Most zum antibakteriell wirkenden SO2 wird. Eine vollständige Homogenisierung der Schwefelung wird erst nach weiterer Verarbeitung zu erreichen sein.
 
Optimale Bedienung
Der Fahrer kann durch Optimieren von Fahrtgeschwindigkeit, Schlagzahl des Schüttelsystems und Einstellung der Saugsysteme Einfluss nehmen. Auffang-, Förder- und Entleerungssysteme wirken ebenfalls sehr wesentlich auf die Qualität des Erntegutes ein.
  • Die Einstellungsmöglichkeiten sollten dem Erntegut und dem Zustand des Weingartens  gut anpassbar sein. So soll die Verletzungsgefahr verringert werden.
  • Einstellung der Rüttelfrequenz: Je höher die Frequenz der Rüttelbewegung eingestellt wird, desto eher werden Beeren abgeschüttelt. Leicht abzubeerende Sorten können mit niedriger Frequenz geerntet werden.
  • Einstellung der Fahrgeschwindigkeit: Die Rüttelfrequenz hängt direkt mit der Fahrgeschwindigkeit zusammen: höhere Fahrgeschwindigkeit bei leicht abzubeerenden Sorten.
  • Einstellung der Amplitude: Das Ausschwenken der Rüttelstäbe, zu starkes Ausschwenken kann bei empfindlichen Sorten den Holzbruch verstärken.
  • Rüttelfrequenz beim Steher: Je nach Steherart können Einstellungen auf die jeweilige Steherart geändert werden; im Bereich von Holzstehern kann die Frequenz unter Umständen höher gewählt werden,   während Betonsteher äußerst empfindlich auf zu hohe Schwingungen sind.

ABBEER- UND SORTIERSYSTEME

Selectiv-Prozess von Pellenc
Wie in der schematischen Abbildung ersichtlich, handelt es sich bei Pellenc um ein Reinigungssystem, das sich aus zwei Teilen zusammensetzt: Die Abbeerfinger einer linearen Hochfrequenzabbeermaschine schütteln die auf einem Lochband befindlichen Traubenteile, und die Einzelbeeren fallen auf den darunter liegenden Sortiertisch. Die gerippten Walzen lassen Einzelbeeren in den Traubensammelbehälter durchfallen und sondern Blätter, Blattstiele, Kämme, Triebe, altes Holz etc. ab. Das Erntegut weist somit kaum mehr Fremdteile auf (unter 0,2 %).

Cleantech vario von Gregoire
Das Erntegut wird auf ein rotierendes Gitterband aufgebracht und mit elastischen Zinken bearbeitet. Dadurch können Fremdkörper regelmäßig entfernt werden. Danach werden die Beeren über ein variabel einstellbares Rollensystem von verbleibenden Blättern, Kämmen, Stielen und anderen Fremdanteilen befreit. Mit der variablen Einstellbarkeit kann auf die jeweiligen Sorten- und/oder Jahrgangsunterschiede bei der Beerengröße eingegangen werden.

Abbeermaschine Evolution von Braud
Auch hier ist ein Lochbandsystem mit Stachelwalzen installiert. Dieses Reinigungssystem kann durch Umkehrung der Drehrichtung weggeschaltet werden. Um zu verhindern, dass das Reinigungssieb verstopft wird, kann ein Siebreiniger eingebaut werden.

Trommelrebler-Blatt-Trennsystem bei Ero
Die unabhängige, stufenlose Drehzahlverstellung für Korb und Dornwelle erlaubt die Anpassung der Entrapperleistung an den Reifegrad der Trauben. Die elektrische Neigungsverstellung gewährleistet die optimale Funktion des Entrappers auch in Hanglagen. Für eine noch schonendere Entrappung kann die Korb- und Dornwellendrehung gleichläufig eingestellt werden. Drei voneinander unabhängige Blatt-Trennsysteme gewährleisten nahezu blattfreies Erntegut mit und ohne Entrapper.
 

REINIGUNG VON TRAUBENVOLLERNTERN

Erfahrungsgemäß genügt normalerweise eine abendlich vorgenommene intensive Maschinensäuberung. Bei hohen Temperaturen, längeren Standzeiten oder Wechsel von Rot- auf Weißweinsorten ist auch eine Zwischendurchreinigung zu empfehlen.
Die Reinigung von Traubenvollerntern ist ein wesentlicher Faktor für das Erreichen hoher Qualitäten. Man kann kaum genug reinigen. Most und damit Zucker, Säuren und andere organische Bestandteile des Traubengutes verschmutzen beinahe alle Teile des Traubenvollernters. Zur effektiven Reinigung wird Wasser in großen Mengen mit dickem Strahl über die Maschine gespült. Dabei sollen Rüttelelemente, Transportbänder und Gebläse von organischer Substanz befreit werden. Mit großen Wassermengen ist man imstande, vor allem frische, noch nicht angetrocknete Verschmutzungen effektiv abzuspülen. Problematisch und teilweise auch gefährlich ist dabei das Besteigen des Vollernters. Ideal sind Waschplätze mit einem entsprechend hohen Gerüst. Von gleicher Höhe aus kann die Reinigung leichter und sicherer erfolgen. Die routinemäßige, tägliche Grobreinigung kann im Regelfall innerhalb einer Stunde bewältigt werden. Traubenmaterialverluste durch Reinigung liegen im Bereich von 30 bis 50 kg je Reinigungsvorgang. Vor längeren Standzeiten sollte eine chemische Reinigung mit Reinigungsmitteln auf Laugen- und Säurebasis erfolgen.
 

FAZIT

Durch Einsatz von modernen Sortier- und Reinigungssystemen kann der Anteil von Fremdteilen deutlich reduziert werden. Dadurch wird die Qualität von Weinen direkt verbessert. Die Einstellungsmöglichkeiten sind bei heutigen Traubenvollerntern vielfältig.
Dem Fahrer obliegt die Feineinstellung, dadurch kann ein optimales Ernteergebnis erreicht werden.
 
 

Medium

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