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Pfähle & Säulen, 10.03.2012

BEPFLANZUNG UND UNTERHALT VON REBTERRASSEN

Bei der Neu- oder Umgestaltung einer Rebterrassenanlage dürfen auch Fragen der Bepflanzung und des Unterhalts in der Planung nicht vernachlässigt werden.
 
Neben den rein baulichen Überlegungen, die bei der Neu- oder Umgestaltung einer Rebterrassen­anlage zum Tragen kommen, dürfen auch Fragen der Bepflanzung und des Unterhalts in der Planung nicht vernachlässigt werden. In diesem zweiten Beitrag zum Thema Terrassenbau werden solche Gesichtspunkte, insbesondere Aspekte der Mechanisierung, der Bodenpflege und des Pflanzenschutzes angesprochen.
 
In einem vorangehenden Beitrag (SZOW 5/2011) wurden die Strategien und Richtlinien für den Erfolg verspre­chenden Bau einer Terrassenanlage dargestellt. Nun geht es darum, der neuen Anlage durch Bepflanzung und Pflege gewissermassen «Leben einzuhauchen». Die folgenden Überlegungen und Ratschläge basieren auf dem persönlichen Erfahrungsschatz, den die Autoren bei Neuerstellungen der Rebanlagen der Forschungsan­stalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW an der Ster­nenhalde in Stäfa (ZH) gewonnen und erweitert haben.
 
Unterlagenwahl
Bei der Unterlagenwahl im Terrassenbau müssen wie in den Direktzuglagen Bodeneigenschaften, Wüchsigkeit, Niederschlagsverhältnisse sowie die vorhandenen Erfah­rungen berücksichtigt werden. In flachgründigen, sehr einem durchlässigen Böden und in niederschlagsarmen Gebieten sind vor allem die Unterlagen 5 C und 5 BB ge­eignet. In mittel- bis tiefgründigen und mittelschweren Böden 3309, 8 B, 5 C und 5 BB. Dabei ist 3309 schwach- bis mittelwüchsig, 8 B und 5 C sind mittel- und 5 BB ist stark-wüchsig. In nährstoffreichen, tiefgründigen Böden kann 5 BB zu starkwüchsig sein und Verrieselung begünstigen. Für schwere und kalkhaltige Böden eignen sich 8 B, Fercal und SO4. SO4 neigt zu Magnesiummangel und zeigt bei gewissen Blauburgunder-Klonen vermehrt Stiellähme.
 
Pflanzung
Beim Pflanzen der Reben ist auf den richtigen Abstand zur Böschungskante zu achten (Abb.1). Ganz aussen ge­pflanzt kann die Rebe bei der Böschungspflege verletzt werden. Zudem kann die Kante im ersten Jahr etwas ero­dieren, wodurch die Reben dann in der Böschung stehen. Zu grosse Abstände zur Böschungskante fördern den Graswuchs an Orten, wo die Pflege durch Mulcher und Herbizide schwierig ist. Auch auf Terrassen ist das Pflan­zen mit Hilfe von Zusatzgeräten möglich. Es gibt Klein­bagger und Traktoren mit entsprechend angebauten Bohrern und Grabgabeln, aber auch mit anderen Hilfs­mitteln wie Pfahlrammen (Abb. 2).
An den meisten Orten wird heute für den einfachen Streckbogen ein Pflanzabstand zwischen 80 und 90 cm gewählt, abhängig von der Wuchsstärke der Unterlage und den Sorteneigenschaften. Grössere Stockabstände bringen in der Regel nichts: Einerseits steigt die Einzel­stockbelastung und andererseits nimmt beim Doppel­strecker der Handarbeitsaufwand zu.
 
Schutzhüllen und Pflanzenschutz
Die Vor- und Nachteile von Pflanzschutzhüllen in Terras­senanlagen sind etwa gleich wie in Direktzuglagen.
 
Sprühgeräte
In Terrassenanlagen, die für den leichten Traktoreinsatz gebaut wurden, sind die Böschungen in den meisten Fäl­len sehr hoch. Der Pflanzenschutz ist dort technisch nicht einfach. Je höher die Böschungen, desto grösser ist die Distanz der Düsen zu den obersten Blättern der Laubwand. Die gezielte Behandlung der Traubenzone ist praktisch nur von der Bergseite her möglich. Das betrifft den Einsatz von Mitteln gegen Botrytis, Sauerwurm und Stiellähme. Meist wird zudem an der Aussenseite weni­ger Laub entfernt, sodass die Wirkstoffanlagerung an die Trauben zusätzlich erschwert wird ( Abb. 2).
Es ist eine hohe Gebläse-Luftleistung anzustreben. Die Leitbleche sind so zu stellen, dass der Luftstrom die Laubwand auch von unten noch trifft. Das funktioniert nur bei hochgezogenen Gebläsegehäusen. Bei Kleinrau­pen ist die Luftleistung oft zu gering und der Anström­winkel ungünstig, sodass der obere Teil der Laubwand kaum erreicht wird. Im Terrasseneinsatz ist die beidseitige Aufteilung der Düsen in je zwei Sektoren wichtig. Der untere Düsenkranz auf der Bergseite wird immer abge­stellt, damit die Böschung nicht unnötig behandelt wird. Bei einer Spritzung der ganzen Laubwand werden nach unten vier (bis fünf) Düsen und bergseitig in der Regel zwei Düsengeöffnet. Diese sechs Düsen bringen die er­forderliche Ausbringmenge von 400 L/ha. Der meist hö­here Zeilenabstand in den Terrassen (2.4 bis 2.6 m) ge­genüber einer normalen Anlage (1.8 bis 2.0 m) und die kleinere Düsenzahl sind bei der Berechnung zu berück­sichtigen. Für Direktzug- und Terrassenanlagen können selten die gleichen Düsentypen und Druckeinstellungen verwendet werden. Zur Kontrolle empfiehlt es sich, Strei­fen aus wassersensitivem Papier zu verwenden. Mängel an der Technik und der Einstellung werden so sichtbar. Der empfohlene Druckbereich einer Düse darf nicht über- oder unterschritten werden. Die Berechnung ist in den Pflanzenschutzempfehlungen für den Rebbau 2011/2012 von ACW genau beschrieben.
 
Tunnel-Recyclingtechnik
Mit der Überzeilen-Sprühtechnik (Abb. 3 und 4) können einige der genannten Probleme gelöst werden. Sie er­möglicht eine beidseitig gleichmässige Wirkstoffanlage­rung über die ganze Laubwandhöhe. Ein Teil der nicht angelagerten Spritzbrühe wird zudem aufgefangen, ge­filtert und zurückgeführt. Daraus resultiert eine Einspa­rung von zirka 25%.
Auch die Behandlung der Traubenzone ist wesentlich gezielter. Das auf dem ACW-Betrieb in Stäfa verwendete Einzeilengerät der Firma Lipco hat keine Gebläseunter­stützung (Abb. 3). Bei sehr dichter Laubwand und wenig ausgelaubter Traubenzone kann das zu geringerer Wirk­stoffanlagerung und einem ungenügenden Belag auf der Blattunterseite führen.
Nachteile des Tunnelgeräts sind sein Gewicht und die Grösse. Der Einsatz ist nur mit Rebbergtraktoren und aufsitzbaren Raupengeräten sinnvoll. Beim Bau von Terrassenanlagen muss für den Einsatz solcher Überzeilengeräte genügend Platz zum Wenden eingeplant werden.
 
Pflege der Böschungen
Schon bei der Planung von Terrassenanlagen muss die spätere Pflege der Fahrgassen und Böschungen berück­sichtigt werden. Bei kleinen Flächen und bei Böschun­gen bis rund 1.50 m Höhe reicht ein Fadenmäher aus. Unsorgfältiges Arbeiten kann jedoch zu Verletzungen an den Stämmen und zu Stockausfällen führen. Auf grösse­ren Flächen können Böschungen gut durch Mähmaschi­nen mit einer Balkenbreite von 1 m bearbeitet werden. Wenn die Benzinzufuhr gewährleistet ist und eine geeig­nete Bereifung gewählt wird, kann sehr steil gefahren werden. Nachteilig ist dabei das Zusammenrutschen des Grases am Böschungsfuss. Es muss anschliessend in der Gasse verteilt werden. Mähen fördert einen vielfältigen Pflanzenbestand.
Für Kleinraupen und Rebbergtraktoren gibt es aus­fahrbare Messerbalken, die bis zu 2 m Böschungshöhe gute Arb eit leisten. Effizienter sind Mulchgeräte am Tele­skoparm ( Abb. 5). Die Mulchmasse verrottet an Ort, be­einträchtigt aber die Artenvielfalt. Bei allen Systemen ist dem Bodenabstand des Mähwerks Beachtung zu schen­ken, damit bei Unebenheiten keine Löcher entstehen. Wegen Erosionsgefahr sind solche Schäden schnell wie­der zu beheben. Je häufiger gemulcht wird, desto mehr werden Gräser gefördert. Gräserbestände sind zwar gut befahrbar, können jedoch in Konkurrenz zu den Reben treten. Sie sind zudem für Nützlinge nicht attraktiv. Eine botanisch vielfältige Begrünung mit abwechselnd blü­henden Pflanzen ist diesbezüglich günstiger. Zur Förde­rung der Artenvielfalt werden Böschungen alternierend bearbeitet. Mit einem möglichst späten ersten Schnitt im Frühling und maximal zwei bis drei Schnitten pro Jahr kann die botanische Vielfalt erhalten werden.
Am Böschungsfuss muss von Zeit zu Zeit die ange­sammelte Erde abgeschält werden. Mit verschiedenen Geräten kann die Fahrgasse wieder auf das nötige Mass verbreitert werden.
 
... und Fahrgassen
Bei der Begrünung der Fahrgassen steht eine sichere und bodenschonende Bewirtschaftung im Vordergrund. Ökologische Aspekte treten zugunsten der Arbeitssi­cherheit und der arbeitswirtschaftlichen Erfordernisse etwas zurück. Ein Herbizideinsatz im Unterstockbereich erfolgt gleich wie im Direktzug. Das Verhältnis von Begrünung und Herbizidstreifen in den Fahrgassen ist so zu wählen, dass die Maschinen auf der Begrünung fah­ren. Der Herbizidstreifen ist 30 bis 40 cm breit. Bei der Böschungskante ist darauf zu achten, dass durch das Herbizid die Kante nicht tangiert wird, sonst droht sie abzurieseln. Die Fahrgasse wird häufiger gemäht oder gemulcht als die Böschung. Kommt es im Lauf der Jahre zu einem filzigen Gräserbestand oder treten Bodenver­dichtungen in den Fahrspuren auf, ist eine oberflächli­che Bodenbearbeitung im Frühjahr mit nachfolgender Einsaat angezeigt.
 
Wendeplatten
Bei häufigem Maschineneinsatz und bei ungünstiger Witterung leiden die Wendeplatten. Vor allem Raupen­schlepper hinterlassen Wannen und Erdwälle, die von Zeit zu Zeit wieder zugeschüttet werden müssen. Vor­richtungen zum Schutz der Wendeplatten zeigen bisher wenig Wirkung.
 
Weitere Mechanisierung
Der kombinierte Einsatz von Geräten für die Bodenbear­beitung im Direktzug und in einer Terrassenanlage ist selten möglich. Die Fahrgassenbreite der Terrassen er­laubt eine Arbeitsbreite von 1.10 m bis maximal 1.30 m.
Für die Laubarbeiten in den Terrassen sind durchaus Maschinen einsetzbar; sie müssen aber einige Bedingun­gen erfüllen: Laubhefter, Laubschneider und Vorschnei­der müssen schwenkbare Überzeilengeräte sein. Damit kann am Ende der Terrassen einfach gewendet werden. Auch der Rollenentlauber muss schwenkbar und über die eigene Achse drehbar sein. Auf Terrassen ist die gleich­zeitige Bearbeitung mehrerer Zeilen nicht möglich.
Die Kosten für die Anschaffung von Maschinen für den Terrasseneinsatz sind in der Regel höher als für den Direktzug.

Kostenvergleich pro Hektare für einen Mäh- oder Mulchdurchgang
Kleinterrassen: Böschungspflege mit Motorsense, Gassemulchen                  Fr. 1275.-                                                               
Kleinterrassen: Mähbalken an Kleinraupe, abrechen und Gasse mulchen        Fr. 1960.-                                                          
Breitterrassen: Mähbalken an Kleinraupe, abrechen, mulchen mit Traktor      Fr. 1520.-                                           
Breitterrassen: Böschungsmulcher und Mulchgerät für die Gasse                   Fr.   845.-                                                                        
Berechnungen aus Erfahrungen an ACW an der Sternenhalde in Stäfa. Pro Arbeits­stunde wurde ein Ansatz von Fr. 27.- eingesetzt. Die Kosten sind auch abhängig von der betrieblichen Gesamtverwendung der einzelnen Geräte.
 
Vogelschutz
Das Ausbringen des Netzes über Terrassen ist aufwendig und wegen der Höhendifferenzen kräfteraubend. Weiter kommt dem Abschluss der Netze über mehrere Wendeplatten grosse Bedeutung zu. Das Netz darf nirgends den Boden berühren. Dies wird erreicht durch Hilfsdrähte und den Abschluss mit engmaschigen Seitennetzen. Das Anbringen von Heuballennetzen zum Schutz der Traubenzone ist in Terrassenanlagen verbreitet. Eine gute Durchlüftung muss aber gewährleistet bleiben. Eine Montage auf kleinen Flächen ist sogar im Einmannbetrieb machbar. Auf Terrassen gelten die gleichen Regelnfür das korrekte Anbringen von Rebschutznetzen wie überall im Rebbau (vergleiche dazu das ACW-Merkblatt Nr. 404: «Alles vernetzt»).
 
 

Medium

Die Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau (SZOW) verbreitet die Forschungsresultate von Agroscope, der deutschsprachigen Forschungsinstitute und der Fachorganisationen im Reb- und Obstbaubereich. Die wissenschaftlichen Artikel behandeln Themen im Bereich Rebbau, Önologie, Obstbau, Obstverarbeitung sowie Lebensmittelqualität und -sicherheit.
Die in deutscher Sprache erscheinende Zeitschrift enthält französischsprachige Zusammenfassungen der Fachbeiträge. Sie erscheint zweimal pro Monat und richtet sich vor allem an Produzenten, Berater, Lehrpersonen, Bibliotheken, Handelsunternehmen sowie interessierte Laien. Herausgeber der SZOW ist der Verein Publikationen Spezialkulturen (VPS) mit Sitz in Wädenswil, Schweiz.
 
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