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Zubehör, 12.03.2013

DAS GEHT NICHT NUR BEI ÄPFELN!

Aktuelles zur Heißwasserbehandlung von Früchten als rückstandsfreie Maßnahme zur Pilzbekämpfung.
Die Heißwasserbehandlung wurde am Max Rubner-Institut (MRI/Karlsruhe) als eine rein physikalische Methode zur Reduzierung von Pilzwachstum auf bereits geernteten Früchten entwickelt und ist als beivöllig rückstandsfrei anzusehen. Da im ökologischen Anbau keinerlei chemischsynthetischen Fungizide eingesetzt werden dürfen, ist die Methode für solcherart wirtschaftende Betriebe eine hervorragende Alternative. Insbesondere lässt sich damit der gefährlichste Schadpilz im Apfelanbau, Gloeosporium album/perenanns [siehe Abbildung 1] (Fotos: Kulling), hervorragend bekämpfen.
 

IN DER PRAXIS ERFOLGREICH

Auf einigen größeren Bio-Apfelbaubetrieben in Deutschland und darüber hinaus sind bereits Tauchanlagen vorhanden, mit denen Großkisten mit 300 kg Äpfeln behandelt werden können[siehe Abbildung 2] - (Tauchmaschine für 300 kg Apfelkisten (Burg’s Machinenfabriek bv, Niederlande). Dabei werden die Früchte direkt nach der Ernte über einen Zeitraum von zwei Minuten in 50–53 °C temperiertes Wasser eingetaucht und danach (möglichst unter CA-Bedingungen) eingelagert. Durch das Verfahren werden die gegen höhere Temperaturen empfindlichen Pilzsporen bzw. deren Promycel abgetötet oder in ihrer Vitalität stark geschwächt. Die für verschiedene Schadpilze wirksamste Temperatur wurde in in vitro-Wachstumsversuchen auf synthetischen Nährböden nach Behandlung der Pilzsporen in entsprechend temperiertem Wasser ermittelt. Bemerkenswert ist, dass Gloeosporium sp. bei sämtlichen Apfelsorten gleichermaßen gut reduziert wird.
 

REDUZIERTER PSM-EINSATZ

Beobachtungen aus der Praxis ergaben, dass durch die Heißwasser-Methode auch Lagerschorf-Befall reduziert wurde. Bei in 2010 durchgeführten eigenen Versuchen mit der Sorte ‘Golden Delicious’ aus ökologischen Anbau konnten wir diese Beobachtung bestätigen [siehe Abbildung 3].
Durch den eingeschränkten Einsatz von Fungiziden im konventionellen/integrierten Apfelanbau ist in den nächsten Jahren vermehrt mit dem Auftreten der Gloeosporium- Fäule zu rechnen. So sind nach Aussagen von Gerhard Baab (DLR Rheinpfalz, KoGa Klein-Altendorf) bei der Sorte ‘Pinova’ bereits Lagerverluste von teilweise mehr als 10 %  aufgetreten. Möglicherweise könnte in Zukunft die Heißwasserbehandlung auch ein Thema im konventionellen/integrierten Anbau sein, auch unter dem Gesichtspunkt des reduzierten Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln und damit der Schonung der Umwelt.
 

ANWENDUNG BEI ZWETSCHEN?

Durch den eingeschränkten Fungizideinsatz auch bei anderen Früchten, wie beispielsweise im Zwetschenanbau, hat der Befall an Monilia-Fruchtfäule stark zugenommen, sodass der Handel oftmals nicht mehr bereit ist, Früchte aus heimischem Anbau aufzunehmen und zu vermarkten. Daher stellte sich die Frage nach alternativen Möglichkeiten der Bekämpfung dieser Fruchtfäule. Durch die Methode der Heißwasser-Tauchbehandlung konnten wir bei der Sorte ‘Hanita’ eine hervorragende Reduzierung der Monilia-Fäule erzielen. Die Früchte dieser Sorte hatten nach fünftägiger Aufbewahrung bei einer Temperatur von 20 °C, wie sie oftmals in Verkaufsräumen anzutreffen ist, einen extrem hohen Befall (über 70 %) mit dem Schadpilz Monilia, der durch eine vorherige vierminütige Tauchbehandlung mit 49 °C heißem Wasser nahezu verhindert werden konnte [siehe Abbildung 4].
Nach unseren Untersuchungen lässt sich dieses gute Ergebnis jedoch nicht auf alle Zwetschensorten übertragen. Zu unterschiedlich sind die einzelnen Sorten bezüglich
ihrer Anfälligkeit gegenüber dem Schadpilz Monilia und zu verschieden reagieren sie auf Faktoren wie Pflückzeitpunkt sowie Tauchwassertemperatur, Tauchzeitlänge usw. Eine Anwendung dieser Methode ist daher für die Praxis noch viel zu kompliziert und kann somit noch nicht empfohlen werden.
 

VIELSEITIG EINSETZBAR

Aber nicht nur im Obstbau, sondern auch am Beispiel von Meerrettich konnten wir am MRI feststellen, dass durch die Thermobehandlung mit heißem Wasser Schadpilze erfolgreich bekämpft werden können.
Meerrettich wird je nach Einfluss von Standort und Witterung häufig durch den Pilz Verticillium armoraciae oder dahliae (Meerrettich-Schwärze) befallen. Der Erreger wird durch die vegetative Vermehrung ständig weiter verbreitet. Als Folge davon gehen nicht nur die Erträge zurück, sondern ein Großteil der geernteten Stangen ist oftmals so stark von der „Schwärze“ [siehe Abbildung 5] - (Links gesunde Meerrettich-Stange, rechts mit Schwärzepilz (Verticillum sp.)) befallen, dass die verarbeitende Industrie die Rohware wegen der minderwertigen Qualität der Endprodukte nicht mehr annimmt.
Da eine Bekämpfung des Pilzes mit systemischen Fungiziden nicht möglich ist, wurden die Pflanzorgane des Meerrettichs, so genannte Fechser, mit Heißwasser behandelt. Der Pilzbefall in den geernteten Meerrettichstangen konnte so deutlich reduziert werden. Die besten Ergebnisse wurden durch eine Tauchbehandlung der Fechser vor dem Pflanzen, bei einer Wassertemperatur von 46 °C und einer Tauchzeit von 10 Minuten, erzielt.
Da die Heißwasserbehandlung von Meerrettich-Fechsern noch einige Schwierigkeiten bezüglich der Umsetzung in die betriebliche Praxis bereitet, wird am MRI weiter nach Methoden gesucht, um Verticillium sp. bekämpfen zu können. Nicht zuletzt soll damit garantiert werden, den Verbraucher auch in Zukunft mit qualitativ hochwertigen Meerrettichprodukten zu versorgen.
 

FAZIT

Die Heißwasserbehandlung findet bei Äpfeln bereits im ökologischen Anbau Einsatz in der Praxis. Auch bei Mangos wird in verschiedenen Produktionsländern die Heißwasserbehandlung zur Qualitätserhaltung nach der Ernte eingesetzt. Denkbar ist auch ein Einsatz bei anderen Früchten oder Gemüsearten, jedoch müssen für jedes Produkt die optimalen Temperaturen und Behandlungszeiten ermittelt werden.
 

Medium

1975 hat der Vorstand der Fachgruppe Obstbau den Beschluß gefaßt, ab Januar 1976 eine Verbandseigene Fachzeitschrift herauszugeben. OBSTBAU hat sich seitdem zu einer renommierten Fachzeitschrift entwickelt, auf die kein zukunftsgerichteter Betriebsleiter/ Betriebsleiterin verzichten kann. Mit einer Auflage von über 7000 Exemplaren ist OBSTBAU heute die größte überregionale Fachzeitschrift für Obstbau im deutschsprachigen Raum.

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