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Pflanztechnik, 10.03.2012

SUBSTRATRINNENANBAU VON ERDBEEREN

Eine elegante Möglichkeit, die Vorteile von Substrat- und Dammkultur miteinander zu kombinieren
Der Betrieb Axel Hochstädter baut auf 15 ha Erdbeeren an, seit vier Jahren auch im Tunnel. Um die Flächen am Hofgelände langfristigfür Erdbeeren zu nutzen und gleichzeitig die Vorteile der Dammkultur nicht aufgeben zu müssen, hat Axel Hofstädter vor knapp drei Jahren auf ein neues System gesetzt: den Substratrinnenanbau. 
Ziel war ein bezahlbares, lange nutzbares System im Tunnel, ohne an Frühzeitigkeit zu verlieren. Dafür wird ein stabiler Damm erstellt, der mit Folie abgedeckt wird und der eine Rinne zum Einfüllen von Kultursubstrat enthält. Dort hinein werden dann die Erdbeeren gepflanzt und, entsprechend der Stellagenkultur, bewässert und fertigiert. Ein Drainrohr im unteren Bereich der Substratrinne fängt überschüssiges Bewässerungswasser ab und leitet es aus dem Damm heraus. Und das Ganze wird dann mit einem Folientunnel überdacht. Das System funktioniert im Betrieb Hochstädter mittlerweile so gut, dass er solche Dämme auch in anderen Betrieben erstellt. Am 13. April 2011stellte er sein System im Rahmen einer Betriebsbesichtigung vor. Mehr als 70 Erdbeeranbauer, Berater und Versuchsansteller waren der Einladung gefolgt – und waren beeindruckt.


Auf großes Interesse stieß die Einladung der Beratung für den geschützten Erdbeeranbau der Landwirtschaftskammer NRW, den Substratrinnenanbau im Betrieb Hochstädter anzuschauen. Betriebsleiter Axel Hochstädter (am Mikrofon) gab einen umfassenden Überblick.
 

DAMMAUFBAU

Doch zunächst zum Aufbau eines solchen Dammes: Das Gelände sollte eine natürliche Neigung von etwa 0,8–1 % besitzen, damit Drainwasser aus den Dämmen abfließen kann. Zur Dammerstellung ist eine gewisse Bodenfeuchte wichtig, damit die Modellierung gut gelingt und der Damm hält. Wie viel Bodenfeuchte notwendig ist, hängt ganz von der Bodenart vor Ort ab. „Wir haben hierbei mittlerweile einen gewissen Erfahrungsschatz“, berichtete Axel Hochstädter. „Aber trotzdem müssen wir gemeinsam mit dem Betriebsleiter vor Ort immer wieder neu austesten und entscheiden.“ Ansonsten stellen sich keine Ansprüche an den Boden. Eine Bodentiefe von 20 cm reicht aus. „Je nach Bodenart werden 10–13 t/ha Konverterkalk zugesetzt“, berichtete Axel Hochstädter. „Das verbessert die Klebfähigkeit des Bodens und hilft dabei, dass einmal erstellte Dämme etwa 7–10 Jahre für den Erdbeeranbau genutzt werden können.“


Die etwa 7–10 Jahre haltenden Dämme werden mit einer speziellen Maschine erstellt, die den Boden fräst und in Form drückt.Fachkundig inspizierten die Besucher die blühenden Erdbeerbestände in denSubstratdämmen.

Die Dämme werden mit einer speziellen Maschine erstellt, die den Boden fräst und in Form drückt. Dann werden die Dämme mit Mypex-Folie abgedeckt und das Drainrohr wird in die dafür vorgesehene Aussparung gedrückt. Anschließend muss noch das Substrat eingefüllt werden. „Dafür brauchen Sie viele fleißige Hände und Schubkarren“, erklärte Axel Hochstädter. „In größeren Anlagen lohnt es sich auch, einen Hänger zum Substrateinfüllen umzurüsten.“


Drainrohr und Tropfbewässerung mit Fertigation sind bei der Substratrinnenkultur unabdingbar.

IN TUNNEL INVESTIEREN
„Weil wir den Tunnel nicht jedes Jahr aufund wieder abbauen, lohnt es sich, einen Teil der dadurch gesparten Kosten in Stabilität des Tunnels umzulegen“, stellte Axel Hochstädter fest. So hat er zum Beispiel den Schnitt der Tunnel verändert, dass sie Schneelast und Stürmen viel besser standhalten. Auch an Ankern und sonstigem Befestigungsmaterial wird nicht gespart. Beim Lüften ist die Giebellüftung oft schon ausreichend, da durch die Neigung des Geländes ein natürlicher Schornsteineffekt entsteht.
Die Gänge zwischen den Dämmen werden ebenfalls mit Mypex-Folie ausgelegt. Einen zusätzlichen Einfluss auf die Frühzeitigkeit konnte er bei dieser Maßnahme nicht feststellen.

ERDBEEREN PFLANZEN
Die Pflanzen werden in Doppelreihen versetzt ins Substrat gedrückt. Der Schlauch für die Tropfbewässerung wird in die Mitte dazwischen verlegt. „Am Anfang haben wir, analog zur normalen Dammkultur, ein einfaches T-Tape benutzt. Wir mussten aber feststellen, dass dieses System in einer längerfristigen Kultur sehr störanfällig wird“, berichtete Axel Hochstädter. „Deshalb rüsten wir nun nach und nach in qualitativ hochwertigere Tropfsysteme um.“ Denn eines hat er sehr schnell erkennen müssen: Die Substratkultur bei Erdbeeren erfordert eine äußerst exakte Kulturführung, Fehler münden schnell in Mindererträgen.
Die Dämme werden über den Winter bis zur Blüte einzeln mit Vliesbahnen abgedeckt, denn bei einer flächigen Abdeckung kam es immer wieder zu mechanischen Schäden an den Pflanzen.
Um die beste Sorte für dieses Kulturverfahren zu finden, wurde in Abstimmung mit den Beratern der Landwirtschaftskammer NRW ein Sortenversuch gestartet. Von folgenden Sorten wurde jeweils eine Reihe gesetzt: ‘Clery’, ‘Flair’, ‘Darselect’, ‘Darroyal’, ‘Sonata’ und ‘Elsanta’. Zusätzlich werden verschiedene Pflanztermine mit einzelnen Sorten geprüft. Das Ergebnis wird sich am Ende der Saison zeigen. 

Medium

1975 hat der Vorstand der Fachgruppe Obstbau den Beschluß gefaßt, ab Januar 1976 eine Verbandseigene Fachzeitschrift herauszugeben. OBSTBAU hat sich seitdem zu einer renommierten Fachzeitschrift entwickelt, auf die kein zukunftsgerichteter Betriebsleiter/ Betriebsleiterin verzichten kann. Mit einer Auflage von über 7000 Exemplaren ist OBSTBAU heute die größte überregionale Fachzeitschrift für Obstbau im deutschsprachigen Raum.
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