Technik Plattform der Fachgruppe Technik

Besucher: 200128
 

Einsatzbereich


Kategorien

Beregnung & Bewässerung, 09.03.2012

BEWÄSSERUNGSVERFAHREN BEI DER HIMBEERE

Die Anforderungen an Beerenbestände bezüglich Ertrag, Ertragssicherheit und Fruchtqualität sind hoch.
Die Anforderungen an Beerenbestände bezüglich Ertrag, Ertragssicherheit und Fruchtqualität sind hoch. Bei Himbeeren erwartet der Produzent über mindestens sechs Jahre hohe Erträge. Der Ertrag von Hauptsorten, wie beispielsweise ‘Tulameen’ und ‘Glen Ample’, die in der Hauptreifezeit reifen, sollte regelmäßig bei 100 kg/100 m2 liegen.
Voraussetzungen für einen hohen und regelmäßigen Ertrag sind, abgesehen von den genetischen Voraussetzungen, eine optimale Pflanzenvitalität (einheitlich wüchsige und gesunde Bestände) und große Früchte (durchschnittlich 4 g pro Frucht). Ein geeigneter Standort und optimale Kulturführung ermöglichen eine gute Ertragsleistung.



VERSUCHSAUFBAU
Aufgrund dieser hohen Anforderungen ist die Bewässerung ein wichtiges Element der Kulturführung. Standard als wassersparendstes Verfahren ist das Verlegen eines Tropfschlauchs mit einem Tropferabstand von 30 cm. Da die Himbeerwurzel einerseits sehr empfindlich gegenüber Vernässung bzw. Luftmangel ist und andererseits die Himbeerpflanzen zu einer Hecke verwachsen, wurden verschiedene Bewässerungsverfahren geprüft, mit dem Ziel ein gleichmäßiges Feuchteband zu erreichen. Der hier vorgestellte Versuch wurde auf dem Obstgut Heuchlingen der LVWO Weinsberg durchgeführt. Der Standort ist ein tiefgründiger Lehmboden mit 70 Bodenpunkten. Der pH-Wert liegt bei 6,2. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 9,2 °C, die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 647 mm. Tabelle 1 zeigt die Niederschlagsmengen und deren Verteilung in den Versuchsjahren 2004 bis 2010.



Foto 1: Zur Ermittlung der Bodenfeuchte wurden Tensiometer in der Tiefe 20 cm und 40 cm eingeschlämmt und wöchentlich abgelesen. (Fotos: Muster)

Rahmendaten des Versuchs
  • Sorte: ‘Tulameen’
  • Pflanzung: Juni 2004 auf kleinem Damm
  • Pflanzmaterial: Grünpflanzen
  • Anzahl Pflanzen: 25
  • Parzelle: 5 m
  • Anzahl Wiederholungen: 4
  • Pflanzabstand: 0,2 x 3,0 m
  • Erziehung: bewegliches V-System 
  • Kulturführung: betriebsüblich
  • Rutenmanagement: alle Jungruten Anfang Mai entfernt (2008–2010)
  • Düngung: 30 kg N/ha und Jahr als Borammonsulfat, Ausbringung von Grünkompost (5-10 cm) alle drei Jahre







Folgende Varianten im Bewässerungsverfahren wurden geprüft
  • Tropfschlauch einfach (30 cm) und Fertigation
  • Tropfschlauch einfach (30 cm)
  • Tropfschlauch doppelt (30 cm) und Fertigation
  • Tropfschlauch doppelt (30 cm)
  • Tropfschlauch subsoil (unterirdisch, doppelt, 30 cm)
  • Tropfschlauch doppelt 15 cm
  • Mikrosprüher
Zunächst erfolgte die Bewässerung bei Bedarf dreimal wöchentlich (Mo, Mi, Fr) nach Ablesen von Tensiometern (20/40 cm Tiefe, Reihenmitte und Randbereich – s. Foto 1).
In den Jahren 2008 bis 2010 wurden die Tensiometer einmal pro Woche abgelesen und der ermittelte Wasserbedarf wöchentlich zu drei Terminen (Mo, Mi, Fr) gegeben. Zielfeuchte war ein pF-Wert von 2,6 bis zur Blüte und pF 2,4 zwischen Blüte und Ernteende. So wurde bei allen Varianten in etwa die gleiche Wassermenge verabreicht, nur das Verfahren variierte.

Fertigation
Zusätzlich wurden zwei Varianten fertigiert. Im Jahr 2004 wurden 5 kg N/ha und Woche, in den Jahren 2005 bis 2008 4 kg N/ha und Woche mit Kristalon orange von Ende Mai bis Anfang/Mitte August fertigiert. In den Jahren 2009 und 2010 wurde nicht fertigiert.
 

ERGEBNISSE

Tabelle 2 zeigt den Ertragsverlauf im Versuchszeitraum (2005 bis 2010). Die mit dem gleichen Index gekennzeichneten Mittelwerte sind signifikant verschieden. In allen Varianten ist eine jährliche Ertragssteigerung bis hin zum Jahr 2008 zu beobachten. In den Jahren 2009 und 2010 fiel die Ertragsleistung ab. In der Summe der Jahre erzielten die Varianten „Mikrosprüher“ und „zwei Schläuche in der Erde“ den höchsten Gesamtertrag. In den Jahren 2005 und 2006 konnten aufgrund von zu großer Streuung innerhalb der Wiederholungen keine Signifikanzen errechnet werden.
Die Fruchtgewichte schwanken in den Jahren und Varianten zwischen 3,5 g pro Frucht und 5,0 g pro Frucht. Statistisch gesicherte Unterschiede wurden nicht gefunden. Tabelle 3 zeigt die Rutenlänge und dient als Maß für das vegetative Wachstum. Im Pflanzjahr 2004 erreichten die Ruten aus der Variante 1 (Schlauch, plus Fertigation) die größte Länge mit fast 150 cm. Die Ruten aller anderen Varianten waren signifikant kürzer. Dieses Ergebnis bestätigte sich im Jahr 2005. Bis zum Jahr 2007 war die oben genannte Fertigationsvariante diejenige mit den längsten Ruten. Die Ruten aus der Variante ‘Mikrosprüher’ waren in allen Jahren am kürzesten.
Im Mittel der Jahre lag die Rutenstärke zwischen 7,9 mm (Mikrosprüher) und 9,0 mm (zwei Tropferschläuche plus Fertigation, ein Tropferschlauch). Allerdings wurden in einzelnen Jahren bei verschiedenen Varianten auch durchschnittliche Rutenstärken von 10 bis 11 mm erreicht. Signifikanzen wurden nicht errechnet.
Die Zahl Ruten am Vegetationsende wurde nur in einzelnen Jahren erfasst. Im Jahr 2008 wurden in der Variante „Mikrosprüher“ signifikant mehr Ruten gezählt als in den übrigen Varianten. In den Jahren 2006, 2009 und 2010 wurden keine statistisch absicherbaren Unterschiede gefunden.
Um die Rutengesundheit festzustellen, wurden Rutenkrankheiten bonitiert. Dabei wurde nicht nach der Art der Rutenkrankheit unterschieden, sondern Größe und Anzahl der Verfärbungen nach dem Boniturschema 1–9 erfasst. Tabelle 4 gibt einen Überblick. Während im Jahr 2004 zum Vegetationsende in allen Varianten der Befall als gering eingestuft wurde, wurde im Folgejahr ein mittlerer bis stärkerer Befall bonitiert. Dabei war er in einer Fertigationsvariante signifikant stärker als in den übrigen Varianten. In den Jahren 2007 und 2009 wurde der Befallsgrad als „mittel“ eingestuft. Die im letzten Jahr gewachsenen Ruten zeigten einen mäßigen Befall (3,6 bis 5,5 – je nach Variante).
 

DISKUSSION UND SCHLUSSFOLGERUNGEN

Ertrag
Die anfangs aufgestellte Forderung, dass eine Hauptsorte der Hauptreifezeit 100 kg/100 m2 Ertrag über mehrere Jahre produzieren müsse, konnte die Sorte ‘Tulameen’ im Versuch der Jahre 2005 bis 2010 nicht erfüllen! Vielmehr lag der Durchschnittsertrag über alle Jahre und Varianten bei nur 83 kg/100m2. Lediglich in den Jahren 2007 bis 2009 wurde die 100 kg-Grenze in einzelnen Varianten erreicht beziehungsweise überschritten.
Da es keine signifikanten Unterschiede in der Fruchtgröße gab, kann die unterschiedliche Ertragsleistung nicht mit der Fruchtgröße erklärt werden.
Auffallend ist, dass die geringste Ertragsleistung die Fertigationsvariante mit einem Schlauch aufwies, wogegen die Variante „Mikrosprüher“ in der Summe der Jahre den höchsten Ertrag erbrachte.



Abb. 1: Verteilung der Bodenfeuchte nach Bewässerung am 28. 7. 2005 mit Mikrosprühern. Bewässerung ab 14.00 Uhr, Dauer 2 h,  Sprüher im Abstand von 1,5 m, Messung der Bodenfeuchte am 29.07.2005, 10.00 Uhr mit einer TDR Sonde

Vegetatives Wachstum
Die Betrachtung der vegetativen Leistung (Rutenstärke, Rutenlänge) ergibt folgendes Bild: Es wurde bis zum Jahr 2008 fertigiert und bis zu diesem Jahr waren die Ruten in diesen Varianten länger als in den Vergleichsvarianten. Dagegen waren die Ruten aus der Mikrosprüher Variante bis zum Jahr 2008 signifikant kürzer. Hier zeigt sich das Konkurrenzverhalten zwischen vegetativer und generativer Leistung, das heißt, umso wüchsiger, desto geringer der Ertrag. Die Ruten aus dem Jahr 2005 waren in allen Varianten am dünnsten (6,5–8,0 mm), der Anteil an Rutenkrankheiten in der Junganlage war am geringsten. Lediglich im Jahr 2006 wurde in einer Fertigationsvariante (zwei Schläuche) ein starker Befall mit Rutenkrankheiten (7,8) festgestellt, der, statistisch sicherbar, stärker war als in den Vergleichsvarianten.
Im Durchschnitt der Jahre lag die Rutenstärke in der Variante „Mikrosprüher“ nur bei 7,9 mm. Ein Zusammenhang zwischen Rutenstärke und Rutenkrankheiten konnte nicht direkt festgestellt werden. Jedoch fiel bei visuellen Bonituren immer auf, dass der Knospenaustrieb und die Einheitlichkeit des Bestandes in den Fertigationsvarianten deutlich schlechter waren als in anderen Varianten. Daraus lässt sich ableiten, dass die Fertigationsvarianten zu vegetativ waren und starke Knospenschäden auftraten, die zu einem unzureichendem Austrieb und zu kurzen Lateralen mit geringer Ertragsleistung führten. Auf dem Versuchsstandort war die Fertigation mit 5 kg N/ha und Woche überoptimal.


Foto 2: Mikrosprüher im Pflanzjahr. Wenn der Bestand etabliert ist, ergibt sich ein anderes „Sprühbild“

Bodenfeuchte
Geprüft wurden verschiedene Bewässerungsverfahren bei gleicher Bodenfeuchte. Im Jahr 2005 wurde einmalig mit einer TDR-Sonde (time domain reflectometry) der Wassergehalt im Boden erfasst. Die Ausbreitung der Feuchtigkeit im Boden erwies sich bei dieser Momentaufnahme als verschieden. Wird als Maß herangezogen, dass die nutzbare Feldkapazität (nFK) 60– 80 % betragen soll, zeigt sich in allen Varianten mit zwei Tropferschläuchen, dass die Vernässungszone (80–100% nFK) geringer ausgeprägt ist als in den Ein-Tropferschlauch-Varianten. Die Abbildung 1 zeigt beispielhaft die Bodenfeuchte der Variante „Mikrosprüher“. Direkt unterhalb des Sprühers ist der Boden relativ trocken, die angestrebte Bodenfeuchte (60–80% nFK) wird aber über die gesamte Pflanzreihenbreite erreicht. Diese Feuchteverteilung hat eine positive Auswirkung auf die Vitalität des Bestandes und die Ertragsleistung. Eine umfassende Darstellung dieser Ergebnisse erfolgt demnächst. Obwohl die Mikrosprüher (3x pro Woche, Ende Mai bis Mitte August) den unteren Rutenbereich befeuchten, konnte kein stärkerer Befall mit Rutenkrankheiten festgestellt werden.


Foto 3: Grünpflanzen im Juni 2004 mit zwei Tropferschläuchen. Die Bewässerungsschläuche müssen im ersten Jahr direkt neben der Pflanze liegen.
 

ZUSAMMENFASSUNG

Im Versuchsgut Heuchlingen wurde in den Jahren 2004 bis 2010 ein Versuch mit verschiedenen Bewässerungsverfahren bei der Sorte ‘Tulameen’ durchgeführt. Sie ergaben, dass Tensiometermessungen ein geeignetes Verfahren sind, um die Bodenfeuchte zu ermitteln. Es sollten mehrere Tensiometer in der Hauptwurzelzone in 2 Tiefen (20/40 cm) eingeschlämmt und regelmäßig kontrolliert werden. Als Richtwert ist eine Bodenfeuchte zwischen Blüte und Ernteende von pF 2,4 (~ 250 hPa) empfehlenswert. Die Bewässerung mit zwei druckkompensierten Tropferschläuchen (30 cm TA) oder Mikrosprühern hat im Versuch gute Ergebnisse erzielt.
Die Verdunstung bei der Verwendung von Tropfern ist geringer als bei Mikrosprühern. Die Verdunstung (Erhöhung der Luftfeuchte) hat möglicherweise aber auf trockenen Standorten bei Himbeeren positive Effekte. Positiv ist, dass bei Tropfschläuchen weniger Druck erforderlich ist als bei Mikro sprühern. Das Bewässerungsintervall sollte umso häufiger und kürzer sein, desto leichter der Boden. Auf einem Lößboden ist Fertigation nicht in jedem Fall notwendig.

Medium

1975 hat der Vorstand der Fachgruppe Obstbau den Beschluß gefaßt, ab Januar 1976 eine Verbandseigene Fachzeitschrift herauszugeben. OBSTBAU hat sich seitdem zu einer renommierten Fachzeitschrift entwickelt, auf die kein zukunftsgerichteter Betriebsleiter/ Betriebsleiterin verzichten kann. Mit einer Auflage von über 7000 Exemplaren ist OBSTBAU heute die größte überregionale Fachzeitschrift für Obstbau im deutschsprachigen Raum.
Werbung