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Laubschneider, 10.03.2012

MECHANISIERUNG BEIM REBSCHNITT

Der Winterschnitt der Reben ist sehr aufwendig. Im Erwerbsrebbau wird deshalb intensiv nach Möglichkeiten zur Mechanisierung und damit einer Reduktion der Handarbeitszeit gesucht.
Problematisch dabei ist, dass neben der Art des Erziehungssystems auch die Wuchskraft sowie die Tendenz der Rebsorte zur Rankenbildung eine wesentliche Rolle spielen. Also Elemente, die nicht von heute auf morgen verändert werden können. Der Beitrag zeigt auf, wann sich der Einsatz von Vorschneide- und Entranker-Geräten lohnt und unter welchen Voraussetzungen sie kaum Zeitgewinn bringen.

Der Winterschnitt erfordert – abgesehen von der Handlese – den grössten Arbeitsaufwand im Erwerbsrebbau (Tab. 1). Der Wunsch nach einer Mechanisierung der Schnittarbeiten ist daher verständlich. Für einen herkömmlichen Rebschnitt werden 55 bis 100 Akh/ha veranschlagt. Dies sind 15bis 25% (Seilzug) oder sogar 30 bis 40% (Direktzug mit Vollernterlese) des rebbaulichen Gesamtaufwands. Eine Zeitersparnis ist mit Vorschneidern und Vorschneider-Entranker-Kombinationen möglich. Je nach Typ sind solche Geräte in der Lage, die einjährigen Triebe in der gewünschten Höhe auf längere Zapfen, Strecker oder Ruten zu schneiden. Voraussetzung für einen störungsfreien Einsatz ist ein stabiler, gut gespannter Drahtrahmen. 


 
                                                                                                              Abb. 1:Das Freischneiden des oberen Drahtbereichs mit einem Vorschneider führte beim Einbogenschnitt zu einer kurzen Rute. Es wurde dadurch Raum und Ertrag verschenkt.

GENÜGEND LANGE RUTEN?
Beim mechanischen Vorschnitt werden die einjährigen Ruten aus dem oberen Drahtbereich herausgeschnitten. Das Entfernen des Altholzes wird dadurch erleichtert.  Für Erziehungssysteme mit  zwei Streckern oder Halbbogen ist dieser Ansatz gut geeignet. Für eine Einbogenerziehung ist bei einem solchen Schnitt die erforderliche Rutenlänge oft nicht gegeben. Die zu kurze Tragrute füllt dann die Distanz bis zum nächsten Stock nicht aus (Abb. 1). Deshalb vom Ein- zum Zweibogenschnitt zu wechseln ist aber gemäss Tabelle 2 ökonomisch nicht sinnvoll.
Entranker-Vorschneider-Kombinationsgeräte ermöglichen den Schnitt langer Ruten und ein vereinfachtes Entfernen des Altholzes (Abb. 8).Dabei laufen die Messer über dem obersten Draht und schneiden das Holz auf die nötige Länge. Der Entranker streift dann die Ranken im oberen Drahtbereich ab, wodurch das Ausheben erleichtert wird.

MÜHSAMES ENTFERNEN VON ALTHOLZ
Vergleiche haben gezeigt, dass es grosse Schwankungen bezüglich der Arbeitszeitersparnis durch den maschinellen Vorschnitt gibt. Sie sind abhängig von der Rebsorte, der Art des Drahtrahmens, der Wüchsigkeit der Reben und nicht zuletzt auch von der Person, die das Altholz entfernt. Bei Leuten, die wenig geübt und/oder nicht kräftig genug sind, bringt jede Erleichterung meist einen deutlichen Zeitgewinn. 



Bei stark rankenden Sorten ermöglicht der maschinelle Vorschnitt Arbeitszeitreduktionen, die über 20 Akh/ha liegen können. Schwach rankende Rebsorten lassen sich dagegen auch ohne Vorschnitt gut ausheben. Wenn die Einsparungen unter 10 Akh/ha liegen, rechnet sich ein maschineller Vorschnitt meist nicht.  Allerdings gibt es auch so eine Entlastung von harter körperlicher Arbeit. Betriebe, die einen Vorschneider oder Entranker besitzen, setzen ihn deshalb oft bei allen Sorten ein.



Abb. 2: BingerVorschneiderVS 98 S.   Abb. 3: PellencVorschneider TCV.

NICHT IMMER BRAUCHT'S DIEMASCHINE
Ein wichtiger Einflussfaktor ist die Art des Drahtrahmens (Tab. 3). Bei Anlagen mit nur zwei Heftdrahtpaaren, von denen eines vor dem Rebschnitt abgelegt wird, stellt das Ausheben keine so grosse Arbeitsbelastung dar. In diesem Fall bringt das maschinelle Freischneiden des oberen Heftdrahtpaares einen geringeren Zeitgewinn. 
Auch die Wuchskraft der Reben spielt eine Rolle. Schwach wüchsige Anlagen mit geringen Schnittholzmengen erlauben verständlicherweise kaum grosse Einsparungen durch Vorschnitt oder Entranken mit der Maschine.

Zeitersparnis
Wird für das Ausheben des Altholzes pro Stock durchschnittlich mehr als eine halbe Minute benötigt, bringen Vorschnitt oder Entranken des oberen Drahtbereichs meist erhebliche Zeiteinsparungen.

Bei der Kordonerziehung sind durch den maschinellen Vorschnitt grosse Zeiteinsparungen möglich. Für den Nachschnitt auf Zapfen, der aber oft als sehr monoton empfunden wird, werden nur 40 bis 50 Akh/ha benötigt. Ausserdem entfallen das Anbinden und die Rebholzzerkleinerung. Dafür sind aber später intensivere Ausbrecharbeiten erforderlich, da sich mehr Doppel- und Achseltriebe bilden.

AM ANFANG WAREN BINGER SEILZUG UND PELLENC
Die ersten Vorschneider kamen bereits Anfan gder 1980er- Jahre auf den deutschen Markt, ohne jedoch grössere Verbreitung zu finden. Neben dem hohen Anschaffungspreis war das beträchtliche Gewicht nachteilig.
Das Rebholz wird heute wie damals mit Sägeblättern (Binger Seilzug) oder Häckslerscheiben (Pellenc) zerkleinert. Der Standardtyp (S) von Binger Seilzug hat nur eine Schneidewalze, die drei bis sieben Sägeblätter aufnehmen kann (Abb. 2). Der Korbabstand beträgt wahlweise 9 oder 12 cm.Daraus ergibt sich eine Schneidelänge von 18 bis 72 cm bei einem Gewicht von 175 bis 260 kg. Für sehr starkes Holz bietet Binger auch eine Ausführung mit zwei Schneidewalzen (Typ D) an. Über einen Mengenteiler wird die Umdrehungsgeschwindigkeit den Vorbedingungen und der Fahrgeschwindigkeit angepasst. Zum Einfahren in die Zeile oder an den Pfählenwird der Vorschneider geöffnet.
Im Gegensatz  zum Standardtyp von Binger Seilzug arbeitet Pellenc mit zwei Schneidewalzen (Abb. 3). Jede Walze besteht aus drei bis acht Schneidepaaren, die als Häckslerscheiben oder Feinschnittmesser ausgebildet sind. Die technische Ausführung entspricht sonst weitgehend dem Binger Vorschneider. Eine besondere Option von Pellenc ist das optische Erkennungssystem «Visio». Mit Visio 1 werden die Pfähle erkannt und das Öffnen und Schliessen der Schneidwalzen automatisiert und bei Visio 2 der Schnitt unabhängig von der Beschaffenheit desBodens immer auf einer fixenHöhe über dem Kordonarm gehalten. 

NEUE VORSCHNEIDER-MODELLE
Bei neueren Vorschneidern wird nicht mehr mit Sägeblättern oder Häckselscheiben gearbeitet, sondern mit gezahnten Scherscheiben (Abb. 4 und 5). Das Rebholz wird in den Öffnungen der rotierenden Zahnscheibenpaare abgedrückt. Obwohl die Schnittwirkung mehr quetschend als schneidend ist, ergeben sich recht saubere Schnittkanten. Die Drähte laufen zwischen den Zahnscheibenpaaren. Ein Drahtschutz ist nicht erforderlich. Auch bei neueren Geräten können die Zahnscheibenpaare individuellen Anwenderwünschen angepasst werden. Die neuen Vorschneidertypen sind leichter und in der Anschaffung günstiger. Wohl auch aus diesem Grund ist die Nachfrage in den letzten Jahren gestiegen, was mehr Anbieter auf den Plan gerufen hat.  Angeboten werden in Deutschland derzeit Vorschneider mit Zahnscheiben von den Firmen Binger Seilzug (Typ VSL07P), KMS-Rinklin, Freilauber und Pellenc (TypDisco).


Abb. 4: KMS Vorschneider.                   Abb. 5:Neuer Vorschneider von Freilauber

Anders konzipiert ist der Vorschneider der österreichischen Firma Sattler (Abb. 6). Das Gerät verfügt nur über eine Schneidewalze mit Antrieb. Das Rebholz wird durch eine gezahnte Platte an die rotierende Schneidetrommel gedrückt. Diese gezahnte Platte entrankt auch gleichzeitig.

Einsatz von Rebenvorschneidern
Rebenvorschneider sind geeignet für den Vorschnitt bei der Doppelstrecker-, Doppelbogen und Kordon-Erziehung. Ihr Einsatz wird besonders bei stark rankenden Rebsorten empfohlen. Nachteilig ist, dass beim Freischneiden des oberen Drahtbereichs die Rutenlänge für eine Einbogenerziehung oft nicht mehr ausreicht. Deshalb auf Doppelstrecker umzustellen ist jedoch arbeitswirtschaftlich nicht sinnvoll.

ENTRANKER-VORSCHNEIDER-KOMBINATIONEN
Der erste Entranker wurde Anfang der 90er-Jahre von Marcel Barbey aus Godramstein in der Pfalz gebaut. Die Firma Ero erwarb das Patent und stattete die Erfindung zusätzlich mit einem Messerbalken aus.Dadurch wurde ein gleichzeitiges Entranken  und Vorschneiden möglich. Der Entrankerteil besteht aus einem drehbaren Rechen mit Metallstäben, der in den Drahtrahmen geschwenkt wird. Davor befindet sich ein waagrechtes Doppelmesserschneidwerk, das die Rebtriebe in der gewünschten Höhe abschneidet.


Abb. 6:Vorschneider von Sattler.
Abb. 7:Werden beim Ero Entranker mehrere Stäbe durch den Drahtrahmen gezogen, kommt es leicht zum Abreissen von Trieben und Verziehen von Stöcken.

Nach dem Schnitt werden die Rutenstücke durch die Stäbe entrankt und fallen zu Boden oder werden bis vor den nächsten Pfahl geschoben, wo sie von Hand entfernt werden müssen. Das Ein- und Ausschwenken erfolgt über einen Hydraulikschalter. Vorteilhaft ist, dass auch unterhalb des Schneidewerks noch Stäbe installiert werden können, um Ranken an den unteren Drähten zu lösen. Für den Vorschnitt auf Kordon und das Abräumen von Altanlagen gibt es eine Version mit  zwei Schneidewerken.

FAHRT IN BIEGERICHTUNG
Nachteilig beim Ero-Entranker ist, dass der Rechen starken Zug auf die Rebtriebe ausübt. Das kann zum Abreissen von Trieben und zum Verziehen von Rebstämmen führen (Abb. 7).Wenn man nur einen Stab zum Entranken unter dem obersten Draht(paar) einschiebt und darüber mit dem Messerbalken schneidet (Abb. 8), sind die Zugbelastungen viel geringer. Diese Anordnung hat ausserdem den Vorteil,dass keine Holzbündel entstehen, die manuell entfernt werden müssen und zudem die Rutenlänge für den Einbogenschnitt reicht. Will man kein Abreissen riskieren, so empfiehlt es sich bei Einbogenerziehung nur in Biegerichtung zu fahren. Dies bedeutet allerdings Leerfahrten, wenn nicht die Biegerichtung in jeder Zeile wechselt.


Abb. 8: Schonendes Entranken und Vorschneiden
mit dem Ero Gerät. Das Messer läuft über demDraht
und ein Stab entrankt den oberen Drahtbereich. 
Die Rutenlänge ist auch für Einbogenschnitt ausreichend 


Abb. 9: Entranker von Schott,Wallhausen.

SPEZIALKONSTRUKTIONEN
Das Schott-System benutzt ebenfalls das Balkenmesser von Ero, um die Ruten abzuschneiden. Unter dem Messer befindet sich ein Entrankerstab, der durch einen Hydraulikzylinder unter den obersten Draht eingefahren wird (Abb. 9). Bei Vorwärtsfahrt werden so die Ruten entrankt. Vor den Pfählen wird der Stab zurückgezogen.

Entranker-Vorschneider-Kombination
Der Vorteil von Entranker-Vorschneider-Kombinationen besteht darin, dass der Vorschnitt über dem oberen Draht(paar) erfolgen ann und der obere Drahtbereich trotzdem entrankt wird. Dadurch sind lange Ruten für den Einbogenschnitt möglich. Nachteilig bei den Stab-Entrankern ist, dass starke Zugkräfte auf die Tragrute wirken, die zum Abreissen führen können. Vermeiden lässt sich dies, indem man immer in Biegerichtung fährt.


Abb. 10: Entranker vonHundinger,Gerolsheim.

Etwas anders im Aufbau is tder Hundinger-Entranker. Die Konstruktion verfügt über ein speziell geformtes Schieberelement, das unter dem obersten Draht läuft (Abb. 10). Beim Vorwärtsfahren gleiten die Ruten am «Schieber» entlang, werden entrankt und seitlich von den Drähten weggedrückt. Das Ein- und Ausfahren des Einsatz von Rebenvorschneidern Schieberelements vor den Pfählen erfolgt per Knopfdruck vom Traktor aus. Über dem obersten Draht schneiden rotierende Laubschneidemesser die Ruten. Das Gerät entrankt recht schonend. Auch für dieses Modell ist ein Erziehungssystem von Vorteil, bei dem nur ein Draht beziehungsweise ein Heftdrahtpaar entrankt werden muss.
 

Medium

Die Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau (SZOW) verbreitet die Forschungsresultate von Agroscope, der deutschsprachigen Forschungsinstitute und der Fachorganisationen im Reb- und Obstbaubereich. Die wissenschaftlichen Artikel behandeln Themen im Bereich Rebbau, Önologie, Obstbau, Obstverarbeitung sowie Lebensmittelqualität und -sicherheit.
Die in deutscher Sprache erscheinende Zeitschrift enthält französischsprachige Zusammenfassungen der Fachbeiträge. Sie erscheint zweimal pro Monat und richtet sich vor allem an Produzenten, Berater, Lehrpersonen, Bibliotheken, Handelsunternehmen sowie interessierte Laien. Herausgeber der SZOW ist der Verein Publikationen Spezialkulturen (VPS) mit Sitz in Wädenswil, Schweiz.
 
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