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Streifenpflegegeräte, 10.03.2012

RATIONELLE BODENBEARBEITUNG MIT UNTERSTOCKRÄUMERN

Die Umstellung auf ökologische Wirtschaftsweise führt zu einer Reihe gravierender Veränderungen in den Produktions- und Betriebsabläufen. Besonders schwerwiegend im Hinblick auf das Zeitmanagement wirkt sich die Bearbeitung des Baumstreifens aus. 
Da durch die EG-Öko-Basisverordnung (EG) Nr. 834 / 2007 und Durchführungsverordnung (EG) Nr. 889 / 2008 der Einsatz von Herbiziden untersagt ist, müssen andere geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um die Nährstoff- und Wasserkonkurrenz durch den unerwünschten Unkrautbewuchs zu unterbinden. Dies erfolgt in der Regel durch den Einsatz von mechanisch arbeitenden Maschinen, den so genannten Unterstockräumern.


Durch zweiseitig arbeitende Maschinen – auf dem Foto der Ladurner Krümler Modell 7 als Beispiel – kann die Arbeitszeit für die mechanische Bodenbearbeitung erheblich reduziert werden

Je nach Standort und Bodenbedingungen sind bis zu acht Bearbeitungsdurchgänge im Jahr erforderlich, um den Baumstreifen unkrautfrei zu halten. Pro Bearbeitungsgang mit einem einseitig arbeitenden Unterstockräumer werden im Durchschnitt drei 
Stunden je Hektar (Bearbeitungsgerät mit Taster 3,5 bis 4,0 h / ha, ohne Taster 1,0 bis 1,5 h / ha) benötigt. Somit beläuft sich der Arbeitsbedarf für die mechanische Unkrautbekämpfung pro Hektar auf 18 bis 24 h / ha im Jahr. Hinzu kommen noch jährlich ca. 
15 h / ha um den Unkrautbewuchs in der Problemzone an der Stammbasis mittels Handhacke zu entfernen. In der Summe entfallen alleine für die Baumstreifenpflege pro Jahr zwischen 33 und 39 Stunden pro Hektar. Im Vergleich hierzu werden bei der Bekämpfung des Unkrauts mittels Herbiziden durchschnittlich zwei Behandlungen pro Hektar und Jahr mit jeweils einer Stunde Arbeitsaufwand benötigt.


Ladurner Krümler Modell 7 – Werkzeugkopf mit Vortaster und Einzugsraster                                                                                   Fotos: Zimmer

Die Arbeitsweisen der Unterstockräumer, die sich zurzeit auf dem Markt befinden, sind sehr unterschiedlich. Neben den Standardgeräten, die durch rotierende Werkzeuge den Boden bearbeiten, werden in den letzten Jahren zunehmend Geräte angeboten, die durch eine Faden- oder Lappentechnik zu einem Abschlagen des Unkrautbewuchses führen und somit oberflächig arbeiten, ohne den Boden zu bewegen. Eine Problemzone bei der mechanischen Bodenbearbeitung stellt der Bereich rund um den Stamm und zwischen Stamm und Pfahl / Tonkinstab dar. Je nach Arbeitsqualität der eingesetzten Geräte entsteht ein mehr oder weniger hoher zusätzlicher Bedarf an Handarbeit. Durch die Feineinstellung des Tasters, der die Arbeitswerkzeuge um das Hindernis herumführt, fällt dieser Bereich kleiner oder größer aus.


Pro Bearbeitungsgang mit einem einseitig arbeitenden Unterstockräumer werden im Durchschnitt drei Stunden je Hektar(Bearbeitungsgerät mit Taster 3,5 bis 4,0 h / ha, ohne Taster 1,0 bis 1,5 h / ha) benötigt 

In einem mehrjährigen Verbundprojekt wurden Unterstockräumer (Ladurner Kreiselkrümler, Pellenc Tournesol, Spedo- Scheibenegge, Aedes, Müller-Schar, Öko-Mower) auf ihre Arbeitsweise überprüft. Dabei erzielte der Ladurner Krümler Modell 5 das beste Ergebnis. Bei ihm wurde u. a. der geringste zusätzliche Zeitaufwand zur Beseitigung des Unkrautbewuchses im Stammbereich mittels Handhacke ermittelt, danach folgte das Tournesolgerät.


Einseitig arbeitender Pellenc Tournesol

Die mechanische Bodenbearbeitung kann sich auch negativ auf das generative und vegetative Wachstum auswirken. Besonders ausgeprägt tritt dieser Effekt bei Umstellungsparzellen im ersten Jahr auf. Durch die erstmals durchgeführte mechanische Bodenbearbeitung werden im oberen Wurzelbereich viele Feinwurzeln gekappt und es kommt im Laufe des Sommers besonders bei heißer, trockener Witterung zu deutlich sichtbaren Symptomen. Das Triebwachstum wird reduziert und das Blatt hellt sich deutlich auf, ähnlich wie bei einem Wurzelschnitt. Daher ist es wichtig, dass die Geräte möglichst flach arbeitende Werkzeuge besitzen, um eine wurzelschonende Bodenbearbeitung durchführen zu können. Auch hierbei zeichnen sich die beiden eingesetzten Geräte durch eine sehr flache Bearbeitung aus.
Weitere Verfahren, bei denen keine Bodenverlagerung stattfindet, können über thermische Geräte, wie das InfraPlus – Gerät oder über das Abdecken des Baumstreifens mit einer Mulchfolie wie z. B. mit einem Bändchengewebe der Mypexfolie oder mit einer Miscanthus- bzw. Kompostabdeckung erfolgen. Das thermische Verfahren ist jedoch aufgrund der geringen Flächenleistung und hohen Energie-, Maschinen- und Lohnkosten sowie der schnellen Regenerierung der abgeflammten Pflanzen zurzeit nicht praxisrelevant. Auch bei der temporären Abdeckung von April bis Oktober mittels der Mypexfolie traten immer wieder Probleme mit Mäusen auf, die unter der Folie gute Rückzugsmöglichkeiten fanden. Ebenso erbrachte die Abdeckung mit organischer Substanz zur Unkrautunterdrückung aufgrund des schnellen Durchwuchses der Unkräuter und der Mäusegefahr nur unzureichende Ergebnisse und kann deshalb nicht empfohlen werden.


In den letzten Jahren wurden zunehmend Geräte angeboten, die durch eine Faden- oder Lappentechnik den Unkrautbewuchs abschlagen

Diese zusätzlichen Arbeitsstunden, die alleine für die Bodenbearbeitung bei der Umstellung auf die ökologische Wirtschaftsweise anfallen, sind für viele Betriebsleiter ein unüberbrückbares Hindernis. Durch die Weiterentwicklung der Bodenbearbeitungsgeräte werden nunmehr auch zweiseitig arbeitende Maschinen, wie der Ladurner Krümler Modell 7 angeboten. Mit diesem Gerät ist es möglich, die anfallende Arbeitszeit für die mechanische Bodenbearbeitung annähernd zu halbieren. Die bereits gesammelten Erfahrungen mit diesem zweiseitigen Gerät sind durchweg positiv. Die Arbeitsweise ist identisch mit dem einseitigen Ladurner Krümler Modell 5. Durch einen zusätzlichen Taster, der bei jedem Einfahren in die Reihe den Reihenabstand neu abtastet, wird das Gerät immer wieder genau justiert. Mit diesem verbesserten Standardgerät ist eine exakte Arbeitsweise auch bei sehr starker Verunkrautung oder feuchten Bedingungen auf allen Böden möglich. Aufgrund der flachen Bearbeitung entsteht kaum eine Bodenverlagerung.
Durch diesen technischen Fortschritt mit der verbundenen Zeit-, Energie- und Kostenersparnis wird die Bodenbearbeitung im ökologischen Obstbau deutlich vereinfacht. Am 15. August 2011 wird zwischen 15.30 und 17.30 Uhr im Rahmen der Föko-Lehrfahrt 2011 vom DLR Rheinpfalz eine Maschinenvorführung Unterstockräumer in Grafschaft-Gelsdorf in einem Praxisbetrieb stattfinden. Hierbei werden die zurzeit interessantesten zweiseitigen Unterstockräumer vorgeführt. Bei Interesse kann der genaue Treffpunkt am DLR Rheinpfalz, KoGa Klein-Altendorf, erfragt werden.

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