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Sonstiges 1, 08.11.2014

MODERNE APPLIKATIONSTECHNIK IM FOKUS

Ein Schwerpunkt beim Tag der Technik im Obst- und Weinbau auf dem Versuchsgut der LVWO Weinsberg in Heuchlingen war die Vorführung verschiedener Pflanzenschutzgeräte.
Ein Schwerpunkt beim Tag der Technik im Obst- und Weinbau auf dem Versuchsgut der LVWO Weinsberg in Heuchlingen war die Vorführung verschiedener Pflanzenschutzgeräte
Der Pflanzenschutz stellt für Obst- und Weinbaubetriebe ein wichtiges Element zur Sicherung der Ernte dar. Daraus ergibt sich ein großes Interesse am aktuellen Stand der Applikationstechnik. Grundsätzlich ist ein Verfahren umso günstiger, je gleichmä­ßiger ein Pflanzenschutzmittel in gleichbleibender Konzen­tration bei geringster Umweltbelastung auf die Zielfläche gelangt. Vor dem Hintergrund der vielen verschiedenen Anwendungsbestimmungen ist die Eintragung in die Liste verlustmindernder Geräte von besonderer Bedeutung. Seit dem Jahr 2008 ist diese Liste um den Abschnitt „Pflanzen­schutzmitteleinsparung" erweitert worden. Vor allem in größeren Betrieben ist die höhere Investitionssumme durch die Einsparung bald wieder ausgeglichen.
 
Beim Tag der Technik im Obst- und Weinbau am 9. Mai 2014 auf dem Versuchsgut der LVWO Weinsberg in Heuchlingen wurde jedem Hersteller die Möglichkeit geboten, ein Pflanzenschutzgerät in der Anlage vorzuführen. Im Folgenden werden die bei der Vorführung gezeigten Pflanzenschutzgeräte, die teils für den Obstbau, teils für den Weinbau oder für beides bestimmt sind, ausführlich beschrieben. Die Beschreibung erfolgt in alphabetischer Reihenfolge.
 

FREILAUBER

Pflanzenschutzgeräte der Firma Freilauber fallen durch den Behälter in Edelstahl auf. Der Behälter verfügt zur Erhöhung der Fahrsicherheit über eine Schwallwand. Die Behältergrößen reichen von 800 bis 2.000 Liter. Als Serienausstattung wäre das verzinkte Fahrgestell, die hydraulisch angetriebenen Tangetialgebläse sowie der gesetzlich vorgeschriebene Frischwassertank und die Einspühlvorrichtung zu nennen. Optional kann das Fahrwerk mit einer gebremsten Tandemachse bestellt werden. Auch ein Zweistoffsystem ist erhältlich. Für den Spritzcomputer wird dann auch ein Durchflussmesser am Pflanzenschutzgerät verbaut. In der gezeigten Variante war über der Schlepperhaube der linear verstellbare Überzeilensprayer angebaut. Zur Steigerung der Schlagkraft eine gute Lösung. Auch ist die Gewichtsverteilung bei dieser Anbauvariante positiv zu bewerten.
 

SYSTEMFAHRZEUG VON HOLDER

Holder hat beim Tag der Technik einmal mehr gezeigt, welches Potenzial in den Systemfahrzeugen der Baureihen C, M und S liegt. An einem C 270 war in der Front ein Mulchgerät angebaut. Die Möglichkeit, verschiedene Arbeitsgänge zu kombinieren war jedermann ersichtlich. Hinter der Kabine aufgebaut war ein 500-Literbehälter. In der C-Baureihe kann auch ein 800-Literbehälter gewählt werden. In der Baureihe S sind bis zu 1.000 Liter möglich. Im Heck der Maschine fanden sich zwei hydraulisch angetriebene Tangentiallüfter. Zulieferer der Pflanzenschutztechnik ist die bekannte Firma Lipco. Hier wurde das GSG an den Systemschlepper adaptiert und um eine Einspülschleuse ergänzt. Zu Lipco später mehr.
 

EC-NIEDERDRUCK-TURM-SPRITZE VON KWH

Aus Holland angereist stellte die Firma KWH ihre EC-Niederdruck-Turm-Spritze vor. Ein Gerät, welches in ähnlicher Weise bereits seit Jahrzehnten bekannt ist. Der Luftstrom wird durch ein Radialgebläse erzeugt. Über insgesamt vier Düsenfächer wird der Trägerluftstrom auf die Anlage ausgerichtet. Ein Düsenfächer bläst von unten in den Bestand, der andere Düsenfächer von oben. Der Begriff „Niederdruck" kommt daher, dass die Tropfenaufbereitung pneumatisch erfolgt. Für den Transport der Spritzbrühe ist also eine weniger leistungsstarke Pumpe erforderlich. Auf Wunsch kann auch eine Hochdruckpumpe geordert werden. In der Folge kann die Tropfenaufbereitung dann auch hydraulisch erfolgen. Hinsichtlich des Tropfenspektrums sicher eine wünschenswerte Option. Weitere Option am Gerät war die Ausstattung mit elektrostatischer Tropfenaufladung. Die Behältergröße beim vorgestellten Gerät lag bei 1.750 Litern.
 

ZWEIZEILIGES GEBLÄSESPRÜHGERÄT VON LIPCO

Von Lipco konnte ein zweizeiliges Gebläsesprühgerät (Typ GSG) gezeigt werden. Der Grundaufbau ist mit dem Pflanzenschutzgerät am Holder vergleichbar. Allerdings konnte durch die Ausstattung mit vier Teilbreiten das Gerät mit Recyclingtechnik ausgestattet werden. Des Weiteren ist die Anordnung der Gebläse überarbeitet. Jetzt liegen sich Saug- und Druckseite gegenüber. Laut Hersteller sind 40 % Pflanzenschutzmittel einzusparen. Auch die Eintragung in die 95 %-Klasse hinsichtlich der Abdrift wirkt überzeugend. Das GSG ist vom JKI (Julius Kühn Institut) im Verzeichnis mittelreduzierender und verlustmindernder Geräte eingetragen.
 

APS 3 VON LOCHMANN

Aus Italien gekommen war die Firma Lochmann mit einem APS 3. Dieses Pflanzenschutzgerät kann im Obst- und Weinbau eingesetzt werden. Der Axiallüfter mit 600 mm Durchmesser ist in einem Querstromaufsatz „hoch" eingebaut. Dieser Aufsatz soll eine optimale Luftverteilung auch in Obstanlagen sicherstellen. Mit maximal 30.000 m/m Luftleistung ist dieser Einsatz denkbar. Aufgefallen ist der clevere Anbau des Hand- und Spülwasserbehälters um das Axialgebläse herum. Eine Ausstattung für Zweistoffapplikation hat das Bild abgerundet. Vor allem für Botrytizideinsätze im Weinbau ist diese Technik auf dem Vormarsch. Das in Heulingen gezeigte Gerät ist als 75 % verlustmindernd anerkannt.
 

AXIALSPRÜHGERÄT DER FIRMASTEINER

Auch aus Italien konnte ein 1.600-Liter-Gerät der Firma Steiner vorgestellt werden. Die Firma Steiner ist eventuell noch unter dem vorher verwendeten Namen „Sorarui" in der Praxis bekannt. Der Durchmesser des Axialgebläses beträgt 33 Zoll (entspricht etwa 840 mm) und leistet in der ersten Gebläsestufe 45.000 m/h und in der zweiten Gebläsestufe bis zu 60.000 m/h. Durch die Fliehkraftkupplung im Gebläseantriebsstrang ist ein sanfter Anlauf sichergestellt. Mit der einseitigen Gebläseabdeckung konnte die Einstufung beim JKI in die 90 %-Klasse erfolgen. Die vorgestellte Ausführung war mit einem Spritzcomputer von Arag ausgestattet. Da der Rechner GPS-fähig ist, steht eine Vielzahl an Möglichkeiten offen, man denke nur an die Aufzeichnungspflicht. Der Hersteller legt besonderen Wert darauf, dass in seinem Gerät eine Pumpe der Firma Catterin (viel Messing -wenig Kunststoff) verbaut ist.
 

COMPACT 1.200 VON VICAR

Von Vicar wurde das compact 1.200 mit der Turbine 456 vorgestellt. Die Turbine 456 ist eine Weiterentwicklung der Turbine 450 Maxi. Konzipiert ist das Pflanzenschutzgerät im Weinbau ab 1,80 m Zeilenbreite und im Obstbau für Reihenbreiten bis 7 m. Bekannterweise ist bei Radialgebläsen die Lufüeistung deutlich geringer als bei vergleichbaren Axial- oder Tangentialgebläsen. Beim vorgestellten Gerät liegt in der ersten Getriebestufe die Luftleistung bei 14.500 m/h, in der zweiten bei 18.000 m/h. Dieser Umstand wird durch höhere Luftgeschwindigkeiten - hier zwischen 60 und 75 m/s - ausgeglichen. Bei allen Düsenfächergeräten ist die Ausrichtung der Fächer auf die Zielfläche unbedingt erforderlich. Hinsichtlich der Abdriftminderung ist das Pflanzenschutzgerät von Vicar in der 75 %-Klasse eingestuft.
 

WANNER KA 32/1000

Firma Wanner aus Wangen im Allgäu zeigte das KA 32/1000. Bei der K-Baureihe handelt es sich um kompakt gebaute Pflanzenschutzgeräte. Mit dem 32-Zoll-Gebläse (entspricht ungefähr 810 mm) handelt es sich um ein reines Obstbaugerät. In der ersten Getriebestufe werden 33.000 m/h und in der zweiten Getriebestufe 45.000 m/h erreicht. Lange eine Besonderheit der Gebläse bei Wanner war der mittige Einbau des Lüfters in den Gebläseaufbau. Damit kann der Drall des Axialgebläses etwas reduziert werden. Mittlerweile sind auch andere Hersteller diesem Muster gefolgt. Des Weiteren sind am Vorführgerät viele Funktionen elektrisch schaltbar; dies betrifft die hydraulische Rühreinrichtung, die Tankreinigung und die Einspüldüse. Das Pflanzenschutzgerät war mit einem hydraulisch angetriebenen Unterflurmulcher ausgestattet. Der Mulcher ist bis maximal 2,25 m erhältlich. Die Führung erfolgt vorne über Stützräder und hinten über eine Walze. Selbstverständlich kann der komplette Unterflurmulcher hydraulisch ausgehoben werden. Bei engen Vorgewenden sind andere Spritz-Mulch-Kombinationen zu lang und können nicht eingesetzt werden.
 

TANGENTI ALGEBLÄSEGERÄT VON DER FIRMA WEBER

Von der Firma Weber konnte ein 300-Liter-Gerät mit Tangentialgebläse gezeigt werden. Was die Gebläsehöhe anbetrifft, kann zwischen 3 Varianten gewählt werden. Der hydraulische Antrieb ist ebenso selbstverständlich wie die stufenlose Schwenkbarkeit des Gebläses nach hinten. Trifft der Luftstrom nicht senkrecht auf die Zielfläche, verlängert sich der Weg durch die Laubwand, in der Folge verbleibt auch mehr Brühe in der Laubwand. Die Geräte sind in der Vergangenheit auch an Holder vertrieben worden. Herr Weber von der gleichnamigen Firma macht immer wieder von sich reden. Bereits vor 10 Jahren hat er einen Innovationspreis auf der Intervitis erhalten. Mit seinem EOL-System wird die Richtung und die Intensität der Gebläseluft den Umweltbedingungen angepasst. An der Zielfläche sind so immer konstante Anlagerungsbedingungen. Mit dem ASDDA-System kann von Weber noch weit mehr geboten werden. Mittels GPS und einer Vielzahl von Sensoren kann an jedem Ort der Applikation die Windrichtung, die Wind- und Fahrgeschwindigkeit, die Ausbringmenge, die Teilbreitenschaltung und optional der Anlagendruck dokumentiert werden. Mit dieser Datenfülle steht nicht nur ein Instrument für die Aufzeichnungspflicht zur Verfügung, sondern es können auch betriebs- und arbeitswirtschaftliche Auswertungen angefertigt werden.
 

GERÄT MIT GEGENLÄUFIGEM AXIALGEBLÄSE VON DER FIRMA ZUPAN

Mit Zupan hatte der Tag der Technik erstmals einen Aussteller aus Slowenien zu Gast. Das vorgestellte Gerät war mit einem 1.000-Liter-Behälter ausgestattet. Ein gegenläufiges Axialgebläse stellt den Trägerluftstrom zur Verfügung. Mit der einzigartigen Luftaustrittssteuerung kann der Anwender die Luftmenge für jede Teilbreite anpassen. Mit elektrischen Stellmotoren wird jede Luftauslassseite linear verstellt bzw. angepasst. Allerdings wird bei der Verengung nicht die Luftgeschwindigkeit erhöht, sondern ein Teil der „überschüssigen" Gebläseluft nach hinten aus dem Gebläsekasten geleitet. Dieser Verstellmechanismus ist so bei keinem anderen Hersteller anzutreffen. Dank einer Steuerbox ist die Einstellung nach dem Wendevorgang per Knopfdruck spiegelbar - eine anwenderfreundliche Lösung! Mit dem 600 mm-Gebläse können nach Herstellerangaben Reihenbreiten bis 4 m und Anlagen bis 3,5 m sicher behandelt werden. Auch dieses Gerät war mit elektrostatischer Tropfenaufladung ausgestattet. Nach den Düsen fliegen die Tropfen durch ein elektrisches Feld, welches von einer Spannungsquelle, die 12.000 Volt liefert, erzeugt wird. Weitere Kleinigkeiten sind am Pflanzenschutzgerät von Zupan positiv aufgefallen. Die Radaufhängung ist so gestaltet, dass durch einfaches Umstecken der Achse die Räder 10 cm nach vorne und hinten sowie nach oben und unten positioniert werden können. Muss am Getriebe des Lüfters Öl nachgefüllt werden, sind am Einfüllstutzen Ölschläuche angebracht und leicht - ohne etwas zu demonstrieren - erreichbar. Kleinigkeiten machen das Leben leichter.
 

GROSSE SPANNBREITE VON GERÄTEN

Beim Tag der Technik im Obst- und Weinbau waren Geräte für vielerlei Einsätze zu sehen. Wer heute als Betriebsleiter in neue Applikationstechnik investiert, sollte auf viele Dinge achten. Selbstverständlich sind hier auch die Eintragungen in die Liste der verlustmindernden und evtl. mitteleinsparenden Geräte ein wichtiger Hinweis für Praktiker. Diese Eintragungen setzen eine positive Prüfung durch das JKI voraus. Um auch in Zukunft Anwendungsreserven realisieren zu können, sollte keine Anschaffung getätigt werden, die nicht mindestens eine 90 %-Eintragung erhalten hat.
 

Medium

1975 hat der Vorstand der Fachgruppe Obstbau den Beschluß gefaßt, ab Januar 1976 eine Verbandseigene Fachzeitschrift herauszugeben. OBSTBAU hat sich seitdem zu einer renommierten Fachzeitschrift entwickelt, auf die kein zukunftsgerichteter Betriebsleiter/ Betriebsleiterin verzichten kann. Mit einer Auflage von über 7000 Exemplaren ist OBSTBAU heute die größte überregionale Fachzeitschrift für Obstbau im deutschsprachigen Raum.

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