Technik Plattform

Besucher: 142789
 

Einsatzbereich


Kategorien

CA- & Kältetechnik, 10.03.2012

OBSTEINLAGERUNG 2010

Wartung von CA-Einrichtungen, ein wichtiges Thema, wenn die Lagerung optimal gestaltet werden soll.
 
Wir gehen im vorliegenden «Herbstbrief» auf die spezifischen Probleme mit der Sorte Gala aus dem Wallis ein. Zudem werden die Lagerbedingungen für die zwei Sorten Golden Orange und Cripps Pink® vorgestellt. Schliesslich wird die Wartung von CA-Einrichtungen behandelt, ein wichtiges Thema, wenn die Lagerung optimal gestaltet werden soll.

In Tabelle 1 sind die empfohlenen Lagerbedingungen für ausgewählte Kernobstsorten aufgeführt. Aus der Tabelle entfernt wurden die Empfehlungen für die Sorten Kanada Reinette und Cox Orange, neu aufgenommen wurden die Sorten Golden Orange und Cripps Pink®. Bei Golden Orange sei darauf hingewiesen, dass diese Sorte bei Lagerung unter CA-Bedingung mit Smart Fresh®  (1-MCP) behandelt werden sollte, da sonst erhöhte Gefahr für Schalenbräune besteht. Wird die Sorte unter ULO-Bedingungen gelagert, ist die Behandlung mit Smart Fresh®  nicht notwendig, da der tiefe Sauerstoffgehalt das Auftreten der Schalenbräune stark reduziert oder sogar verhindert.  In Tabelle 1wurden ferner folgende Werte angepasst: Lagertemperatur für Gala unter CA-Bedingungen neu bei 0.5°C (vorher0°C), Lagertemperatur für Braeburn bei normaler Kühllagerung neu bei 0.5 °C (vorher 0 °C) und bei CA-Bedingungen bei 0.5 bis 1 °C (vorher 0.5 °C).
 

ERNTE-RICHTWERTE

Die empfohlenen Ernterichtwerte sind in Tabelle 2 aufgeführt. Gegenüber demVorjahr hat sich nichts geändert. 

Gala
Bei der Sorte Gala ergaben sich − zumindest bei Äpfeln, die in der Westschweiz angebaut wurden − in der vergangenen  Lagersaison viele Probleme. Die warme Witterung im Jahr 2009 und insbesondere der Hitzemonat August mit warmen Nächten verzögerten die genügende Färbung der Früchte. Die Produzenten waren deshalb gezwungen, die Früchte später zu ernten. Andererseits war das optimale Erntefenster im Jahr 2009 extrem kurz und die meisten Produzenten verfügten nicht über das notwendige Personal, um die Ernte in der geforderten kurzen Zeit durchzuführen. Als Folge dieser Umstände war ein Teil der Gala-Ernte zu reif, um unter CA-Bedingungen und über längere Zeit gelagert werden zu können.
Es ist wichtig, dass die Lagerhalter vor der Einlagerung der Früchte aufgrund der Reifewerte entscheiden, unter welchen Bedingungen und wie lange die Ware gelagert werden kann. Viele Gala-Äpfel haben denn auch die Lagerung nicht gut überstanden,da sie schon zu Beginn der Lagerung gespalten waren beziehungsweise nahe dem Stiel Risse aufwiesen oder schlichtweg einfach zu reif waren. Solche Ware darf nicht lange gelagert werden oder muss schon im Herbst verkauft werden.
Die aktuellen Anbauflächen von Gala ergeben in gewissen Jahren Mengen, die das Aufnahmevermögen des Markts übersteigen. Diese Situation wird noch dadurch verschärft, dass Gala nicht länger als neun Monate gelagert werden sollte. Die Probleme mit dieser Sorte werden sich in Zukunft aus den oben erwähnten Gründen möglicherweise fortsetzen, wobei sowohl Produzenten als auch Lagerhalter betroffen sein werden. Gala könnte in diesem Sinne Opfer des eigenen Erfolgs werden, weil die Fruchtqualität, insbesondere am Ende der Lagersaison, nicht mehr den Anforderungen der Konsumenten genügt.
Cripps Pink®/Pink Lady®
Seit drei Jahren werden mit dieser Sorte an der Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil ACW am Standort Conthey Lagerversuche durchgeführt. Die Ergebnisse der letzten Lagersaison waren sehr zufriedenstellend und ermöglichten es, diese Sorte in die Liste der Lagerempfehlungen 2010/2011 aufzunehmen. Die Sorte ist kälteempfindlich und anfällig auf Schalenbräune. Eine Lagertemperatur im Bereich von 3.5 °C bis 4 °C verhindert das Auftreten von Fleischbräune. Die Schalenbräune entwickelt sich auf der Frucht erst nach der Auslagerung, wenn die Früchte bei Raumtemperatur gehalten werden. ULO-Bedingungen von 3% CO2 und 1%O2 reduzierendie Schalenbräune und ergeben zudem eine gute Fruchtfleischfestigkeit nach der Auslagerung. Wir werden in der nächsten Lagersaison die Anwendung von Smart Fresh®  im Vergleich zur ULO-Lagerung testen.

 
Pink Lady® ist die Marke für Äpfel I.         Golden Orange
Qualität der Clubsorte Cripps  Pink®.           

Golden Orange
Diese neue Sorte wurde seit 2007 in Lagerversuchen getestet. Die daraus folgenden Lagerempfehlungen finden sich neu in Tabelle 1 der vorliegenden Publikation. Die Sorte ist kälteempfindlich und relativ stark anfällig auf weiche (soft scald) und normale Schalenbräune. Da der Abbau der Fruchtfleischfestigkeit während der Lagerung relativ ausgeprägt ist, empfehlen wir, für die Lagerung ULO-Bedingungen anzuwenden, um den Festigkeitsabbau zu reduzieren. Die Anwendung von 1-MCP reduziert den Festigkeitsabbau zudem weiter, sei es unter CA- oder ULO- Bedingungen. Die Behandlung mit 1-MCP ist natürlich nur für Früchte aus integriertem Anbau machbar und nicht für solche aus biologischem Anbau. Hinzuweisen wäre ferner darauf, dass ein guter Qualitätserhalt während der Lagerung nur dann gewährleistet ist,wenn das optimale Erntefenster für diese neue Sorte eingehalten wird. Die detaillierten Ergebnisse der Lagerversuche der oben erwähnten Sorten sind auf unserer Website www.acw.admin.ch abrufbar.




WARTUNG VON CA-EINRICHTUNGEN

Die periodische Wartung von Einrichtungen und Anlagen ist eine der Voraussetzung für einen störungsfreien und optimalen Lagerbetrieb. Wir gehen nachfolgend auf die Wartung von CA-Einrichtungen ein. Sie sind mindestens einmal im Jahr auf ihre Funktionsfähigkeit zu kontrollieren. Die Arbeiten beginnen mit der Überprüfung der Dichtigkeit der CA-Räume. Vorher müssen Gummidichtungen an Türen, Silikonfugen und -anstriche an Wänden und bei Wanddurchführungen auf Beschädigungen untersucht und gegebenenfalls ausgetauscht oder repariert werden.
Wie bei der Kälteanlage gilt auch für die CA-Anlage, dass der Lagerhausbetreiber nur Kontrollen vornimmt; die Wartung der Anlage beziehungsweise Eingriffe sollten jedoch dem Lieferanten überlassen werden. Die Wartung der CA-Einrichtungen sollte zusammen mit derjenigen der Kälteanlage in der Sommerpause stattfinden und folgende Punkte umfassen:
  • Überprüfung der gesamten Anlage auf mechanische Schäden
  • Überprüfung der CA- und Maschinenraumparameter
  • Überprüfung der Verbindungsleitungen auf Dichtigkeit: Leitungen von und zu Stickstoffgenerator und Kohlendioxidabsorber (Scrubber), Leitungen zu Druckausgleichsbeuteln beziehungsweise Ausgleichs-Lungen
  • Überprüfung der Druckausgleichsbeutel beziehungsweise Ausgleichs-Lungen auf Dichtigkeit
  • Filterwechsel bei den Pumpen, die Messproben aus den Räumen ansaugen
  • Funktionsprüfung des Stickstoffgenerators und Kohlendioxidabsorbers (Scrubber)
  • Wechsel der Ansaugfilter beim Kohlendioxidabsorber (Scrubber)
  • Überprüfung der Schaltfunktionen der Raumklappen
  • Reinigung und Kontrolle der Drucksicherheitsventile (Überdruckventile) auf Funktionsweise (kein Festkleben des Ventils) und korrekten Auslösedruck
  • Funktionskontrolle der pneumatisch oder elektrisch betriebenen Ventile (kein Festkleben der Ventile im Ventilsitz)
  • Funktionsüberprüfung elektrischer Anlagenteile und Steuerungseinrichtungen (SPS, PC)
  • Funktionsüberprüfung der Notrufanlage und externer Bedien- und Meldeeinrichtungen
  • Kalibrierung der Kohlendioxid- (CO2) und Sauerstoff (O2)-Messanlage beziehungsweise -Messgeräte
Die letztgenannten Messgeräte sind nicht nur vor der Lagersaison, sondern auchwährend der Lagersaison periodisch zu überprüfen. Die korrekte Funktionsweise der Messgeräte hängt jedoch nicht nur vom Gerät selbst ab, sondern von den damit zusammenhängenden Einrichtungen:
a) DieZuleitungen zu den Geräten (Absaugen von Messgas aus den CA-Räumen) müssen dicht sein. Bei Undichtigkeit wird Luft angesogen und so ein höherer Sauerstoffgehalt im CA-Raum vorgetäuscht, als die effektive Raumkonzentration ist. Dieser Fehler kann dazu führen, dass der CA-Raum zu wenig Sauerstoff enthält und die Früchte zu gären beginnen.
b) Knicke in den Zufuhrleitungen können das Absaugen von Messgas ebenso behindern und dazu führen, dass bei starkem Unterdruck wiederum Luft in das System eingebracht wird.
c) Die Pumpe zum Ansaugen der Messgase muss einwandfrei funktionieren. Bei fehlender Förderleistung wird eine nicht repräsentative Probe gemessen.
d) Verschmutzungen oder Kondenswasser in den Zuleitungen können die Messung beeinträchtigen.

 

Medium

Die Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau (SZOW) verbreitet die Forschungsresultate von Agroscope, der deutschsprachigen Forschungsinstitute und der Fachorganisationen im Reb- und Obstbaubereich. Die wissenschaftlichen Artikel behandeln Themen im Bereich Rebbau, Önologie, Obstbau, Obstverarbeitung sowie Lebensmittelqualität und -sicherheit.
Die in deutscher Sprache erscheinende Zeitschrift enthält französischsprachige Zusammenfassungen der Fachbeiträge. Sie erscheint zweimal pro Monat und richtet sich vor allem an Produzenten, Berater, Lehrpersonen, Bibliotheken, Handelsunternehmen sowie interessierte Laien. Herausgeber der SZOW ist der Verein Publikationen Spezialkulturen (VPS) mit Sitz in Wädenswil, Schweiz.
 
Werbung