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Düngungestreuer, 10.03.2012

BODENAKTIVIERUNG MIT ORGANISCHEM MATERIAL

Bei Neupflanzungen kann mit Zusatz von Pflanzerden, Mist und Langzeitdünger ein positiver Effekt erzielt werden kann, und zwar insbesondere bei der Bildung von Blütenknospen.
Bodenfruchtbarkeit ist eine Voraussetzung für eine nachhaltige Apfelproduktion. Gute Humuswirtschaft und Komposteinsatz leisten dabei einen wichtigen Beitrag. Der Einsatz von Kompost ist aber durch die «Chemikalien-Risikoreduktionsverordnung» begrenzt. Versuche des Bildungs- und Beratungszentrums BBZ Arenenberg zeigen, dass bei Neupflanzungen auch mit Zusatz von  Pflanzerden, Mist und Langzeitdünger ein positiver Effekt erzielt werden kann, und zwar insbesondere bei der Bildung von  Blütenknospen.
 

TEIL I: KOMPOSTEINSATZ IM OBSTBAU

Guthygienisierter, genügend ausgereifter und biologisch stabiler Kompost fördert die Bodenstruktur. Er leistet einen Beitrag  zur Pflanzengesundheit durch die im Kompost enthaltenen Antagonisten, die schädliche Wurzelpilze wie Phytophthora und Thielaviopsis unterdrücken.
Der Einsatz ist aber begrenzt durch die Vorgaben der Chemikalien-Risikoreduktionsverordnung (ChemRRV, 814.81) und den  geringen Nährstoffbedarf der Obstkulturen.


Abb. 1:Qualitätskompost wird durch intensive Umarbeitung unter optimalen Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen hergestellt

Qualitätskompost
Die Bodenfruchtbarkeit ist das Allerwichtigste, wenn man umweltschonend produzieren will. Um aber die Bodenfruchtbarkeit zu  verbessern und langfristig zu sichern, muss Humuswirtschaft betrieben werden. Und dies geht nicht ohne Kompostwirtschaft.  Kompost wird als ein Düngemittel betrachtet, das als physikalischer Bodenverbesserer wirken kann. Ein wichtiger Bestandteil ist das Leben im Kompost. Qualitätskompost wird aus Grünabfällen und eventuell einem geringen Anteil Mist hergestellt, die durch intensive Umarbeitung (Abb. 1) unter Berücksichtigung der optimalen Temperaturen und Feuchtigkeit während drei oder mehr Monaten zu  einem Bodenverbesserer heranreift (Qualitätssicherungsdokument vom Lieferanten verlangen). Bei einem nicht fachgerecht erzeugten Kompost (Fäulnisgeruch) besteht die Gefahr, dass Krankheitserreger überleben und später die Pflanzen angreifen. Kompost verbessert die Durchlüftung des Bodens und fördert einen ausgeglichenen Wasserhaushalt, steigert die Bodenaktivität und erhöht die Krümelstabilität.
Neben dem Qualitätskompost besteht auch ein möglicher Einsatz von festem Gärgut aus Vergärungsanlagen. Gärgut hat von den  allgemeinen Eigenschaften her viele Ähnlichkeiten mit frischem Mist. Es empfiehlt sich, das Gärgut nachzurotten, damit der  ammoniumhaltige Stickstoff in Nitrat umgewandelt wird und nicht gasförmig in die Atmosphäre entweicht. Bei nicht nachbearbeitetem Gärgut kommt es zu Stickstofffestlegungen im Boden und dadurch zu mangelhafter Entwicklung der Pflanzenkulturen. Nebenbei kannmit der Nachbehandlung des Gärguts auch eine bodenverbessernde Wirkung erreicht werden.

Verbesserung der physikalischen und biologischen Bodeneigenschaften
Beim Obstbau handelt es sich um Dauerkulturen mit rund 15 Kulturjahren. Bereits ab der zweiten Generation entstehen Bodenmüdigkeitserscheinungen, die das Pflanzenwachstum reduzieren. Die Fahrgassen werden durch die vielen Durchfahrten in der gleichen Spur ziemlich stark strapaziert, wodurch Bodenverdichtungen entstehen. Biologisch aktive Böden überwinden  Stresssituationen wie Trockenheit und Nässeperioden viel besser als wenig aktive Böden. Komposte leisten für die Erhaltung und  Verbesserung der aktiven Böden einen wertvollen Beitrag, was für die Ertragssicherheit und Baumgesundheit förderlich ist. Auf  humusarmen Böden macht es Sinn, mit Kompost den Humusgehalt auf zwei bis vier Prozent zu erhöhen. Zu hohe Humusgehalte führen aber zu unkontrollierter Nährstofffreisetzung (Stickstoff).

Kompost fördert die Baumgesundheit
Die günstige Wirkung auf die Pflanzengesundheit beruht auf den mikrobiologischen Aktivitäten des Qualitätskomposts. Im  Himbeeranbau wird bereits seit vielen Jahren Kompost erfolgreich gegen das weitverbreitete Wurzelsterben eingesetzt.  Kompostdämme verbessern Wasserführung und Wachstumsbedingungen (Erwärmung, Bodenstruktur, Luft). Ebenso treten die  sogenannten Antagonisten den Schadpilzen (Phytophthora) entgegen.
Das Phänomen des in den letzten Jahren aufgetretenen Steinobststerbens beruht vermutlich auch auf den Pilzen Phytophthora und  Thielaviopsis basicola, die sich in schwereren, kalten und nassen Böden gut verbreiten können. Daher werden in der Praxis  verschiedentlich Versuche mit Dammpflanzungen beim Steinobst durchgeführt. Hier erhofft man sich, mit eingearbeitetem Qualitätskompost ähnliche Ergebnisse wie im Himbeeranbau zu erreichen. In bestehenden Anlagen versucht man ebenfalls mit  Kompostgaben auf den Baumstreifen die Baumgesundheit zu fördern.


Abb. 2: Je nach Art des Kompoststreuers ist eine breite Ausbringung oder ein gezielter Einsatz auf den Baumstreifen möglich.

Begrenzte Einsatzmengen
Aufgrund des relativ geringen Nährstoffbedarfs von Obstkulturen (N60 kg, P2O5 20 kg, K75 kg,Mg 10 kg, bei 40 t Ertrag) sind die Einsatzmengen von Kompost ziemlich beschränkt. Gemäss Chemikalien-Risikoreduktionsverordnung dürfen innerhalb von drei  Jahren bis zu 25 tTrockensubstanz pro Hektare verabreicht werden, sofern der Nährstoffbedarf der Pflanzen nicht überschritten wird. Als Bodenverbesserer sind innerhalb von zehn Jahren maximal 100 t Trockensubstanz erlaubt. Regelmässige Bodenanalysen geben Auskunft über die Entwicklung der Bodengehalte. Eine mineralische Düngung ist dementsprechend zu reduzieren oder sogar wegzulassen. Je nach Nährstoffgehalt des Komposts können zur Bodenverbesserung alle drei Jahre 35 bis 40 m3 oder jährlich  11 bis 13 m3 pro Hektare ausgebracht werden. Je nachdem, ob der Kompost lediglich auf den Baumstreifen oder auch auf die  Fahrgasse ausgebracht wird, muss der Kompoststreuer gewählt werden (Abb. 2). 
Für die Erstellung von Pflanzdämmen im Steinobst werden etwa 100 Liter Kompost pro Laufmeter in den Damm eingearbeitet.  In diesem Falle werden die Höchstmengen überschritten, was nach den SAIO-Richtlinien eine Sonderbewilligung der kantonalen  Fachstelle für Obst nötig macht.
 

TEIL II: ZUSATZ VON PFLANZBEIHILFEN BEI NEUPFLANZUNGEN

Auf vielen Obstbaubetrieben wird heute die dritte oder vierte Baumgeneration gepflanzt. Ein Wechsel der Parzellen oder der Obstart  ist infolge der engen Betriebsstrukturen kaum möglich. Der Bodenmüdigkeit auf Wiederbepflanzungsböden entgegenzuwirken, wird infolge des hohen wirtschaftlichen Drucks kaum Beachtung geschenkt. Meistens wird nach der Rodung sofort wieder gepflanzt.  Unter Hagelnetzen sind die Möglichkeiten zur Bodenregeneration zudem beschränkt. Obwohl bekannt ist, dass mit einem  Zwischenjahr und Gründüngung bereits einiges erreicht werden kann, wird diese Möglichkeit kaum genutzt. In diesem Umfeld stellt sich die Frage, mit welchen Massnahmen Jungbäumen ein optimaler Start zur raschen Erreichung eines grossen Baumvolumens bei gleichzeitig früh einsetzender Blütenknospenbildung ermöglicht werden kann.
In einem Versuch sollte deshalb geklärt werden, ob Pflanzerden, die Beigabe von Osmocote ins Pflanzloch oder eine Mistscheibe  das Wachstum neu gepflanzter Bäume verbessert und ob es Unterschiede beim Einsatz verschiedener Pflanzerden gibt. Bonitiert  wurde die Zunahme des Stammumfangs, die Wuchsstärke des Mitteltriebs, die Ausbildung von Seitenästen und die Bildung von Blütenknospen.

Versuche in der dritten Baumgeneration
Auf dem Schulbetrieb des BBZ Arenenberg wurde eine Pflanzung mit der Sorte Julired als dritte Baumgeneration im Herbst angelegt. Vorgängig wurden im Frühjahr Ölrettich und im August eine Mulchmischung eingesät. Um zu vergleichen, ob Auswirkungen  unabhängig vom Pflanzmaterial feststellbar sind, wurden die Pflanzung auf einjähriges, unverzweigtes Baummaterial auf den Unterlagen M9 vf und M9 vt aufgeteilt sowie je eine Kontrollparzelle im oberen und im unteren Bereich der Pflanzung angelegt. Die Pflanzdistanzen wurden dem Virusstatus angepasst: Die virusgetesteten (vt) Bäume wurden auf 3.5m x 1.2m, die virusfreien (vf ) Bäume auf 3.5 m x 1.3 m gepflanzt. Bei der Pflanzung mit vf-Bäumen standen 15, bei der Pflanzung mit vt-Bäumen je 30 Bäume  pro  Variante zurVerfügung.
Die Versuchsvarianten bestanden aus drei verschiedenenPflanzerden, wovon eine Variante mit zusätzlicher Fertigation (2 L  Wasser pro Baum und Tag sowie total 15 g Stickstoff pro Baumund Saison) geprüft wurde und zwei Pflanzerden einen geringen  Anteil Grunddünger in Form von Kunstdünger oder Osmocote enthielten. Die Anteile der einzelnen Komponenten variierten neben den genannten Düngerbeigaben. Neben dem Torfanteil (Schwarz- oder Weisstorf ), der auch den pH-Wert der Erden unterschiedlich beeinflusste und Werte zwischen 5.8 und 6.8 ergab, variierte derTonanteil sehr stark in der Grössenordnung von 15 bis 50%. Ein  Substrat enthielt markant weniger Ton, dafür 30% Rindenhumus und 20% Holzfaser.Von allen Pflanzerden wurden 10 L ins Pflanzloch gegeben. Hinzu kamen zwei Kontrollblöcke, eine Variante mit dem Langzeitdünger Osmocote mit drei bis vier Monaten  Wirkungsdauer sowie eine Parzelle mit einer Mistscheibe mit angerottetem Kuhmist. In der Variante Osmocote wurden 70  g pro Baum ins Pflanzloch gegeben, was einer Nährstoffmenge von 11 g Stickstoff, 7 g Phosphor und 9 g Kali pro Baum entspricht. Die Auswertungen erfolgten bis ins dritte Standjahr. Bonitiert wurde der Stammumfang mittels speziellen Messbändchen, die Anzahl  Triebe wurde ausgezählt und die Trieblänge gemessen und in sieben Längenklassen eingeteilt. Die End- und Nebenknospen wurden ebenfalls ausgezählt.

Unterschiede in der Blütenbildung
In den ersten beiden Versuchsjahren wurden hauptsächlich die Entwicklung derTrieb- und Knospenbildung sowie die Entwicklung  des Mitteltriebs erfasst. Der Wuchs des Mitteltriebs variierte am stärksten (Abb. 3). Die Anzahlder Seitentriebe zeigte  zwar  Unterschiede; diese waren im Vergleich mit den Kontrollblöcken jedoch nicht so gross und vermutlich auch nicht signifikant.  Keine  Variante war deutlich besser als die Kontrollbäume. Dieses Bild liesse den Schluss zu, das Pflanzerden oder Langzeitdünger gar keine Vorteile bringen.Vergleicht man jedoch die Anzahl der Blütenbüschel, sind deutliche Unterschiede auszumachen (Abb. 3 und 4) .Die Kontrollblöcke wiesen eine deutlich geringere Zahl an Blütenbüscheln auf als die Varianten mit Langzeitdünger, Mist oder Pflanzerden. Innerhalb der verschiedenen Varianten konnte man feststellen, dass Langzeitdünger (Osmocote) und Mist gerade so gut waren wie Pflanzerde. Innerhalb der Pflanzerden zeigte sich allerdings ein leichtes Gefälle: Die «schlechteste» Pflanzerde war  diejenige und die einzige, die einen hohen Anteil (20%) an Holzfasern enthielt.


Abb. 3: Einfluss der Pflanzbeihilfen auf das Längenwachstum und den Blütenansatz im 3. Standjahr
(Mittelwert aus zwei Wiederholungen à 15 Bäume).

Die Unterschiede im Wachstum zwischen den virusfreien und den virusgetesteten Bäumen zeigte sich erst im dritten Standjahr  deutlich. Markant schwächeren Wuchs zeigte nur die Variante mit der Mistscheibe. Dies kann damit erklärt werden, dass  im tendenziell zu Staunässe neigenden Boden (Seekreide im Untergrund) durch die Abdeckung mit Mist die Wachstumsbedingungen eher verschlechtert (Vernässung) als verbessert wurden. In einem trockenen Boden wäre dieses Resultat wohl anders ausgefallen. Die Unterschiede im Stammumfang zeigten innerhalb des gleichen Virusstatus keine grossen Unterschiede. Nicht bei allen Varianten war der Stammumfang der virusfreien Bäume grösser als bei den virusgetesteten Bäumen.


Abb. 4:Vergleich des Blütenansatzes bei den Kontrollbäumen (links) und bei Bäumen mit Zusatz von Pflanzerden (rechts).

Alle Pflanzbeihilfen haben die Blütenknospenbildung also positiv beeinflusst. Tendenzmässig zeigte sich, dass für einen guten Bodenschluss ein Tonanteil von 30% in den Pflanzerden vorhanden sein sollte. Der pH-Wert wird durch den Torfanteil stark beeinflusst; zuviel Torf ist ehernegativ. Eine Mistscheibe bringt den gleichen Effekt wie Pflanzerden. Grundsätzlich muss beachtet werden, dass Pflanzbeihilfen in einem schlechten Boden den grösseren Effekt haben als in einem guten.

Medium

Die Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau (SZOW) verbreitet die Forschungsresultate von Agroscope, der deutschsprachigen Forschungsinstitute und der Fachorganisationen im Reb- und Obstbaubereich. Die wissenschaftlichen Artikel behandeln Themen im Bereich Rebbau, Önologie, Obstbau, Obstverarbeitung sowie Lebensmittelqualität und -sicherheit.
Die in deutscher Sprache erscheinende Zeitschrift enthält französischsprachige Zusammenfassungen der Fachbeiträge. Sie erscheint zweimal pro Monat und richtet sich vor allem an Produzenten, Berater, Lehrpersonen, Bibliotheken, Handelsunternehmen sowie interessierte Laien. Herausgeber der SZOW ist der Verein Publikationen Spezialkulturen (VPS) mit Sitz in Wädenswil, Schweiz.
 
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