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Beregnung & Bewässerung, 12.03.2012

SPRITZEN MIT STATIONÄREN ANLAGEN ZUR AUSBRINGUNG VON SCHWEFELKALKBRÜHE

Erfahrungen mit einer stationären Spritzanlage im Bioobstbau zur Ausbringung von Schwefelkalk
Eine der großen Herausforderungen neben der Umstellung der Humifizierungsprozesse im Boden auf die organische Düngung ist imBio-Apfelanbau die zeit- und kostenaufwändige Regulierung des Apfelschorfes. In einem gemeinsamen Projekt mit der Obstbaufachschule Gleisdorf haben Biobetriebe stationäre Spritzanlagen installiert, um den Kosten- und Zeitaufwand zu reduzieren und sich das Leben zu erleichtern.

Außer der resistenten Sorte Topaz stehen im Bio-Apfelanbau noch schorfempfindliche Sorten wie Gala, Golden, Braeburn, Idared oder Jonagold sowie andere Sorten in der Produktion. Diese Obstgärten stehen meist auf mehr oder weniger steilen Hanglagen.  Bisher war es notwendig, vor jeder Schlechtwetterprognose einen Schutzbelag in der Bioobstanlage aus zu bringen, was sowohl sehr zeit- als auch kostenaufwändig ist (im Anhang der EU-Bioverordnung ist Schwefelkalk zur Schorfbekämpfung zugelassen und  in der Bioobstproduktion ein sehr brauchbares Produkt zur Regulierung von Schorf).
In der Steiermark wurde deshalb vor 3 Jahren ein wissenschaftlich begleitetes Versuchsprojekt zum Thema „Spritzen mit einer stationären Anlage“ in der Versuchsanlage der Obstbaufachschule Gleisdorf gestartet. Im Anschluss daran wurden auf mehreren Biobetrieben knapp 200 Hektar bei Bioäpfeln für den praktischen Betrieb installiert.


Für das stationäre Spritzsystem wurde eine Bewässerungsanlage auf die speziellen Anforderungen hin adaptiert

Die Innovation als Weiterentwicklung einer Beregnungsanlage besteht in folgenden Punkten:
a) Ausbringdüsenabstände im Dreiecksverband von 13–15 m
b) Düsenöffnungen von 3–4 mm
c) Druck an der Düse von 3–4 bar
d) Regnerumdrehung max. 30–60 sec.
e) Regnerwurfweite von 11–14 m
f) Abgestufte Rohrleitungsquerschnitte
g) Ausbau der Rohrleitungen im H-System, um die Zeit zwischen erstem und letztem Regner zu minimieren
h) Druckdifferenz im Sektor kleiner 1 bar
i) Angemessene Abgrenzung zu Nebengrundstücken
j) Rohrleitungen und Formstücke in Kunststoff
k) Zentrale Filtrierung des Wassers
l) genormte Einspeisung des Pflanzenschutzmittels



Der Dreiecksverband ist meist enger als bei Frostberegnungen. Es gibt mehr Regner je Hektar, dies erhöht die Überlappung und damit die Verteilgenauigkeit. Die Düsenöffnungen bringen in dieser Größe und mit dem vorgegebenen Druck ein gleichmäßigeres Tropfenspektrum, das wenig vom Seitenwind und damit von einer Abdrift gefährdet ist.
Mit einer eher raschen Drehung der Regner ist mit etwa 6 Umdrehungen je Ausbringzeit eine gute Überlappung gegeben.
Die richtige Abstufung der Rohrleitungsquerschnitte hat mit dem Rohrinhalt und mit dem gleichzeitigen Beginn und Ende der  Pflanzenschutzmittelausbringung zu tun. Ebenfalls ist die Anspeisung im H-System für die Verteilgenauigkeit wichtig.
Für die Einspeisung des Pflanzenschutzmittels gibt es verschiedene Möglichkeiten:
Bei einer dezentralen Anlage wird mit der Pflanzenschutzmittelspritze unmittelbar vor dem Sektor in die Hauptleitung das  Pflanzenschutzmittel eingepumpt.
Bei einer zentralen Einspeisung wird an der Schaltzentrale das Pflanzenschutzmittel mit einer Pumpe in die Leitung eingebracht. Für das Bio-Pflanzenschutzmittel Schwefelkalk gab es bei der Zulassung eine Indikation für das Spritzen mit einer stationären Anlage. In der Liste der abdriftmindernden Pflanzenschutzgeräte ist die stationäre Spritzanlage ebenfalls aufgenommen. Somit wurden alle rechtlichen Anforderungen erfüllt.
In der Praxis wurde auch Vitisan mit der stationären Spritzanlage ausgebracht. Vitisan ist in Österreich als Bodenhilfsstoff  zugelassen und wird z. B. in den Aufzeichnungen für GLOBALGAP in der Spalte für Düngemaßnahmen eingetragen. Da es kein Pflanzenschutzmittel ist, kann es mit der stationären Spritzanlage wie ein Düngemittel ausgebracht werden.


 

VIELVERSPRECHENDE ERGEBNISSE

Die zweijährigen Erfahrungen in unserem Betrieb sind sehr vielversprechend. Es wurden etwa 20 % weniger Applikationen gemacht, da vor einer angekündigten Schlechtwetterperiode nie auf Verdacht ein Pflanzenschutzmittel ausgebracht wurde. Die Anwendung konnte eingespart werden, wenn die prognostizierte Schlechtwetterfront gar nicht oder zeitverzögert gekommen ist. Bei der Regulierung des Schorfs wurde immer in das Keimungsfenster behandelt. Da das Pilzgeflecht in dieser Phase am  empfindlichsten ist, sind wir mit den zugelassenen Mittelmengen ohne weiteres ausgekommen. Schorfempfindliche Sorten wie Gala, Jonagold oder Braeburn sind damit gut durch die Extremschorfphasen der letzten zwei Jahre gekommen. Der Energieaufwand für  die Ausbringung liegt nach ersten Erfahrungen bei etwa einem Drittel des bisherigen Aufwandes, da wir mit einer größeren  Elektropumpe arbeiten.




 

FAZIT

Zusammenfassend von den zweijährigen Erfahrungen auf unserem Betrieb gibt es folgendes fest zu halten:
Als erste positive Auswirkung ist dieSteigerung der Lebensqualität zu nennen.Früher dauerte eine Schorfbekämpfungin allen  Anlagen etwa einenTag, jetzt ist diese Arbeit nach 2 Stundenerledigt.
Ein genauer Spritztermin ist möglich(Keimungsfenster des Pilzes).
Nach jedem noch so niederschlagsreichenWetter konnte die Anlage behandeltwerden, da kein Befahren notwendigwar.
Die Dieselrechnung ist spürbar niedriger.
Die biologische Wirksamkeit dieserApplikationstechnik ist gegeben.
Für die Versuchstätigkeit bieten sich noch Verbesserungspotenziale an. Die Vor- und Nachspülzeit könnte wahrscheinlich je nach Mittel noch optimiert werden. Es könnten auch noch mit anderen Bio-Pflanzenschutzmitteln (z. B. Netzschwefel) Versuche hinsichtlich der Wirkung durchgeführt werden. Der erste Eindruck ergibt, dass es sich gelohnt hat, auf unseren gesamten Flächen in diese Technologie zu investieren.

 

Medium


„Besseres Obst“  ist die Fachzeitschrift für Erwerbsobstbauern und alle am Obstbau Interessierten. Neben Beiträgen zur Technik bringt das Fachmagazin zielgerichtete Informationen und Fachartikel zu Produktion, Pflanzenschutz, Sorten, Ernte, Lagerung und Vermarktung von Tafelobst sowie zur Obstverarbeitung.
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