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Gerätereinigung, 10.03.2012

REINIGUNG DES SPRÜHGERÄTES - WIE GEHT ES RICHTIG?

Wasser ist lebenswichtig. Deshalb ist ein „Reinheitsgebot“ eigentlich selbstverständlich. Gesetze, Verordnungen, Auflagen und Richtlinien regeln den Umgang mit Gewässern und dem Pflanzenschutz in Gewässernähe.
Der Eintrag von Chemikalien soll dadurch generell vermieden werden. Darüber hinaus setzt die EU Wasserrahmenrichtlinie
neue Maßstäbe. Sie befasst sich nicht nur mit der Vermeidung von Einträgen sondern fordert eine Verbesserung der
Gewässergüte. Diese Forderung wäre zwar nicht notwendig, wenn die bestehenden Regelungen alle befolgt würden. Wie aber eine Bestandesaufnahme belegt, sind Oberflächengewässer häufig auch mit Pflanzenschutzmitteln belastet. In Rheinland Pfalz sind Flüsse und Bäche im Rheingraben, dort, wo sehr intensiv Wein- und Obstbau betrieben wird, besonders stark betroffen.
Als Eintragspfade werden verschiedene diffuse Quellen (wie z. B. Abdrift oder Abschwemmung im Feld) gesehen und – als
wesentlich bedeutsamer – die Punktquellen. Hierunter versteht man insbesondere die Flüssigkeitsmengen, die von Fehlanwendungen wie z. B. Unkraubekämpfung auf einem befestigten Hof oder einer unsachgemäßen Reinigung auf dem Hof stammen. Da hierbei die größten Frachten anfallen und über Abwasserkanal und Kläranlage letztlich im Bach landen, kann eine Verhaltensänderung in diesem Bereich auch die schnellste Verbesserung bringen.
 

RESTMENGEN VERMEIDEN HAT OBERSTE PRIORITÄT

Es gibt zwei verschiedene Arten von Restmengen. Einmal entstehen Restmengen, wenn die Berechnung der Dosierung und
die Geräteeinstellung nicht gestimmt hat und nach der Pflanzenschutzmaßnahme noch Spritzflüssigkeit im Behälter zurück
bleibt. Und zum anderen gibt es Restmengen in Leitungen, Pumpe und Armatur, die nicht mehr ausgebracht werden können,
wenn der Behälter leer ist und die Pumpe Luft zieht. Folgende Maßnahmen zur Reduzierung der Restmenge sollten nicht vernachlässigt werden.
– Berechnung der notwendigen Menge
Unter Berechnung ist zu verstehen, dass vor der Spritzmaßnahme exakt der erforderliche Flüssigkeitsbedarf für die zu behandelnden Flächen ausgerechnet wird. Dies ist noch recht einfach, da die Aufwandmenge in l/ha vom Anwender nur festgelegt und mit der zu behandelnden Fläche multipliziert werden muss.
– Richtige Geräteeinstellung
Die Geräteeinstellung erfordert dann in Abhängigkeit von der Fahrgeschwindigkeit, der Reihenbreite und den eingesetzten Düsen einen bestimmten Arbeitsdruck. Hierfür gibt es eine Hilfestellung auf der Homepage des Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum, Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, Bad Kreuznach (www.pflanzenschutz.rlp.de / Applikationstechnik / Obstbau / Dosierrechner).
Außerdem können die Werte auch in Düsentabellen nachgelesen werden. Da sich aber alle Angaben nur auf den Druck an der Düse beziehen, der jedoch i. d. R. nicht bekannt ist, müssen die Daten durch Auslitern des Pflanzenschutzgerätes noch zusätzlich überprüft werden.
– Technisch bedingte Restmenge minimieren
Hat man auf diesem Weg schon größere Restmengen vermieden, dann bleibt immer noch die technisch bedingte Restmenge.
Sie ist abhängig von Gerätekonstruktion und Gerätegröße und schwankt deshalb von Hersteller zu Hersteller. Bei einer Neuanschaffung sollte man sich das Pflanzenschutzgerät auch auf diesen Aspekt hin genau ansehen. Wichtig ist neben den
Schlauchquerschnitten und -längen z. B. ein tiefer Auslaufsumpf des Behälters, an dem dann aber auch der Saugschlauch von unten und nicht seitlich angeschlossen sein muss. 


Wenn der Saugschlauch nicht von unten am Behältersumpf abgeht lässt sich der Behälter nicht richtig leer saugen

Die Innengestaltung des Behälters weist gerade bei Sprühgeräten oft sehr viele Einbuchtungen und Ecken auf, die vom Rührwerk und der Reinigungsdüse schlecht bzw. nicht erreicht wird. Außerdem ist eine Rührwerksabschaltung für eine weitgehend restefreie Entleerung des Behälters erforderlich. Ältere Pflanzenschutzgeräte
ohne diese Schaltung lassen sich mit relativ geringen Kosten umrüsten.


Mit Hilfe der Innenreinigungsdüse werden die Schaumreste im Behälter abgespült.


Bei Behälter mit vielen Einbuchtungen kann sich Pflanzenschutzmittel leicht absetzen und lässt sich dann nicht mehr durch Reinigungseinrichtungen beseitigen. (Fotos: Knewitz)
 

NACH DER SPRITZARBEIT KOMMT ZUERST DIE INNENREINIGUNG

Soll die Gerätereinigung erfolgreich sein, dann muss sie sofort nach der letzten Spritzung erfolgen. Sobald der Belag auf oder in dem Pflanzenschutzgerät angetrocknet ist, lässt er sich mit den im Feld verfügbaren technischen Möglichkeiten kaum noch beseitigen.
Für die Reinigung ist vor allen Dingen Klarwasser erforderlich. Neue Sprühgeräte mit einem Fassungsvermögen von mehr als
400 l müssen bereits seit etlichen Jahren mit einem Zusatztank ausgestattet sein, der es ermöglicht, die technische Restmenge im Verhältnis 1:10 zu verdünnen. Am effektivsten ist es, wenn das Wasser über Innenreinigungsdüsen im Behälter versprüht wird, weil dann gleich alle Schaumreste von der Behälterwand abgespült werden. Diese Reinigungs- bzw. Verdünnungsflüssigkeit wird dann in der zuletzt behandelten Anlage – möglichst mit erhöhter Geschwindigkeit – ausgebracht. Für ältere Geräte, die serienmäßig noch keinen Klarwassertank besitzen, gibt es im Zubehörhandel sowohl Frischwasserbehälter wie auch Innenreinigungsdüsen als Nachrüstsatz.
– Stufenweises ausspülen
Es werden wohl wenige Anbauer ihr Sprühgerät ausschließlich in nur einer Obstart einsetzen. Viele werden mehrere Arten im
Betrieb anbauen, die sie mit dem gleichen Gerät behandeln. Dann reicht das Verdünnen alleine nicht mehr aus. Es muss unbedingt sichergestellt werden, dass keine Wirkstoffe in Kulturen verschleppt werden, die dort nicht zugelassen sind. Obst
wird immer öfter auf Pflanzenschutzmittelrückstände untersucht – und wenn dabei nicht zugelassene Mittel auftauchen, dann
ist die Ware unverkäuflich. In solchen Fällen hat es sich bewährt, das Wasser in mehreren Stufen in den Tank zu geben.
Zwischendurch wird die verdünnte Flüssigkeit jeweils ausgebracht. Mit diesem stufenweisen Verfahren ist die Reinigungsleistung gegenüber einer Einmalgabe deutlich gesteigert.
– Kontinuierliche Wassereinspeisung
Die Erfahrung zeigt aber, dass der Mensch bequem ist und nicht gern mehrfach vom Schlepper absteigt um Schalter zu bedienen. Im Rahmen eines EU Projektes wurde deshalb ein einfacherer Weg gesucht und auch gefunden. Statt die zur Verfügung stehende Menge an Frischwasser in Stufen in den Tank zu geben wird sie – ebenfalls über Innenreinigungsdüsen – kontinuierlich eingespült. Die Idee ist, dass das Klarwasser die letzten Reste an Spritzbrühe bis zu den Düsen vor sich her schiebt, statt sie stufenweise zu verdünnen. Das geht jedoch nur mit einer zweiten Pumpe, die das Frischwasser einspült, während die Pflanzenschutzpumpe die Flüssigkeit über die Düsen ausbringt. Damit sich im Tank nicht erneut ein Depot aufbaut, darf nicht mehr Frischwasser in den Tank gegeben werden wie gleichzeitig verspritzt wird. Zur Sicherheit sollten maximal 90 % des Düsenausstoßes zugegeben werden, aber nicht weniger als 70 %, damit auch wirklich alle Düsen in Betrieb genommen werden.
Dieses kontinuierliche Verfahren kann sowohl bei Geräten installiert werden, die schon über einen Frischwassertank verfügen
als auch bei älteren Geräten, die dann aber noch zusätzlich mit einem solchen Behälter nachgerüstet werden müssen. Da
der Düsenausstoß bei Sprühgeräten i. d. R. < 35 l/min liegt, kann die Zusatzpumpe recht preisgünstig elektrisch betrieben
werden. Neben der zweiten Pumpe muss noch eine (bei größeren Behältern auch mehrere) Innenreinigungsdüse angebracht
werden, die bezüglich des Ausstoßes die o. g. Anforderungen erfüllen muss.
Wichtig ist außerdem, dass auch nach dem Umbau noch die Spülung der Leitungen und der Armatur bei gefülltem Gerät möglich ist, falls man für längere Zeit die Arbeit unterbrechen muss. Die vom Klarwasserbehälter kommende Schlauchleitung darf also nicht einfach abgeklemmt werden, sondern die zusätzliche, für die kontinuierliche Reinigung erforderliche Pumpe muss über einen Dreiwegehahn in diese Leitung integriert werden.
Weil die Methode noch recht neu ist wird sie derzeit von Pflanzenschutzgerät-Herstellern weder serienmäßig noch als Zusatzausrüstung angeboten. Drei Firmen, die im Zubehörbereich tätig sind, haben aber Nachrüstsätze entwickelt und bieten sie für alle gängigen Behältergrößen an:
● Fa. Herbst, Tel.: 09665 91540;
● Fa. AAMS, Tel.: 32476976560;
● Fa. Agrotop, Tel.: 09453/9938-0.
Sie geben auch gerne Auskunft über die passende Pumpe und die richtige Innenreinigungsdüse
 

WAS IST BEI DER INNENREINIGUNG SONST NOCH ZU BEACHTEN?

Sprühgeräte haben zwar nicht so viele Schalter, Leitungen und Zusatzaggregate wie Feldspritzgeräte, aber an einige Bauteile
muss man bei der Reinigung doch denken. Es müssen z. B. bei dem Reinigungsvorgang alle Schalter mehrfach geöffnet
und geschlossen werden, damit auch der Rücklaufschlauch bis zum Rührwerk (Rührwerksabschaltung wieder öffnen!) sauber
wird. Schläuche eines Druckrührwerkes müssen gut durchgespült werden. Spätestens bei Kulturwechsel müssen außerdem
alle Filter ausgebaut und gereinigt werden. Wenn sich nicht vollständig aufgelöste Pulver dort abgesetzt haben, ist die beste Innenreinigung erfolglos. Auch an Schmutzpartikel, die vor dem Filtergewebe sitzen, lagern sich manche Wirkstoffe leicht an
und bilden ein Depot das später wieder aufgelöst wird.
Für die Intensivreinigung nach Herbizideinsatz oder bei Kulturwechsel reicht das mitgeführte Klarwasser oft nicht aus. Hierfür
muss Wasser nachgetankt und ein Spezialreiniger nach Vorschrift des Pflanzenschutzmittelherstellers zugegeben werden.
Die mit dem Reiniger versehene Restbrühe muss ebenfalls im Weinberg ausgebracht werden. Die früher übliche Aktivkohle ist
bei den heute gebräuchlichen Wirkstoffen i. d. R. nicht ausreichend.
 

AUSSENREINIGUNG

Sprühgeräte sind stark der Spritzflüssigkeit ausgesetzt. Besonders wenn noch feintropfig zerstäubende Düsen verwendet
werden, findet sich viel Belag auf der Oberfläche, der keinesfalls in Gewässer oder Kanal gelangen darf. Das bedeutet,
auch die Außenreinigung muss im Feld erfolgen!


Die Außenreinigung muss im Feld erfolgen damit keine Wirkstoffe in den Abwasserkanal gelangen 
Weiterhin bedeutet es, das ungereinigte Pflanzenschutzgerät darf keinesfalls im Freien abgestellt werden, weil Regen dort
Belag abwaschen und in ein Gewässer einleiten könnte.


Wenn verdreckte Geräte im Freien abgestellt werden, kann Niederschlag den Belag abwaschen und in Gewässer einleiten.

An neuen Sprühgeräten muss seit mehreren Jahren ein Anschluss für Außenreinigungseinrichtungen wie Spritzlanze oder
Autowaschbürste vorhanden sein. Fehlt diese Anschlussmöglichkeit, so kann ein Teilbreitenschlauch abgenommen und der
für die Reinigung vorgesehene Schlauch angekoppelt werden. Das Waschwasser kommt ebenfalls aus dem Frischwassertank.
Ist dies schon für die Innenreinigung aufgebraucht worden, muss nachgetankt werden.
 

BESEITIGUNG VON REINIGUNGSFLÜSSIGKEITEN

Eine kostengünstige, legale Möglichkeit zur Entsorgung von Reinigungsflüssigkeiten gibt es derzeit in Rheinland-Pfalz nicht. Deshalb bleibt dem Anwender nichts als die Feldreinigung, wie oben beschrieben. Wenn Wirkstoffe über den Kanal in die Kläranlage gelangen, so werden sie in der kurzen Verweilzeit dort nicht abgebaut und fließen weiter in Bäche und Flüsse.
Anders sieht es auf bewachsenen Flächen aus. Selbst wenn bei der Außenreinigung der Wirkstoff sehr punktuell auf eine Stelle gelangt, so wird er dort doch recht zuverlässig abgebaut. Die heutigen Präparate neigen nicht mehr zur Versickerung, wie dies früher manchmal der Fall war. Die Moleküle sind aber so gebaut, dass sie durch die im Feld herrschenden Verhältnisse recht bald in ihre Ausgangsbestandteile zerlegt werden. Begünstigen kann man den schnellen Abbau noch dadurch, dass man den Reinigungsplatz im Feld jedes Mal wechselt.
Wichtig ist auf jeden Fall: Wer sein Pflanzenschutzgerät nicht auf dem Feld reinigt – sowohl innen wie außen – hat ein Problem! 

Medium

1975 hat der Vorstand der Fachgruppe Obstbau den Beschluß gefaßt, ab Januar 1976 eine Verbandseigene Fachzeitschrift herauszugeben. OBSTBAU hat sich seitdem zu einer renommierten Fachzeitschrift entwickelt, auf die kein zukunftsgerichteter Betriebsleiter/ Betriebsleiterin verzichten kann. Mit einer Auflage von über 7000 Exemplaren ist OBSTBAU heute die größte überregionale Fachzeitschrift für Obstbau im deutschsprachigen Raum.
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