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Mulch - & Mähgeräte, 10.03.2012

MULCHEN UND SPRÜHEN - ALT UND DOCH GANZ NEU

Seit drei Jahren erprobt Markus Vöhringer auf seinem Obstbaubetrieb eine neue Sprüh- Mulchkombination, die er gemeinsam mit Jochen Kling entwickelt hat.


BITTE STELLEN SIE IHREN BETRIEB VOR!

Mein Vater, Bruno Vöhringer, hat 1969 begonnen, Erdbeerpflanzen zu vermehren. Später kam noch eine Obstbaumschule dazu.
Daraus hat sich ein Obstbaubetrieb entwickelt. Heute haben wir 17 ha Kernobst, 15 ha Erdbeerproduktion und 20 ha Erdbeerpflanzen-Produktion. Wir arbeiten weitgehend mit Pachtflächen, die wir mit Landwirten aus der Umgebung tauschen. Im ersten Jahr nutzen wir die Flächen zur Pflanzenvermehrung, im zweiten Jahr ernten wir die Früchte. Das Kernobst und die Erdbeeren vermarkten wir über den Großhandel. Die Erdbeerpflanzen gehen direkt an unsere Abnehmer. Da wir die Vermehrungsbestände für die Fruchtproduktion im Folgejahr nutzen, arbeiten wir nicht mit Dämmen.
 

WELCHE ERDBEERSORTEN HABEN SIE IM ANGEBOT?

Im frühen Bereich bieten wir unter anderem ‘Lambada’ und ‘Honeoye’, ‘Darselect’ und ‘Daroyal’, dazu kommen ‘Sonata’, ‘Salsa’ und ‘Elsanta’, sowie ‘Symphony’ und ‘Florence’. Für die Selbstpflücke bieten wir z. B. auch ‘Korona’, und ‘Elvira’. Viele Sorten werden von uns nicht nur vermehrt, sondern auch selber angebaut. Dies ermöglicht es uns, unseren Kunden umfangreiche Informationen zu den einzelnen Sorten zu geben.
WIE WAREN DIE AUSWIRKUNGEN DIESES UNGEWÖHNLICHEN FRÜHJAHRS AUF DIE ERDBEERPRODUKTION?
‘Lambada’ und ‘Honeoye’ haben von der kühlen Witterung im Mai profitiert. Die Früchte waren fest und ließen sich gut vermarkten. Die Ernte ging spät los, wir haben erst Anfang Juni die ersten Früchte pflücken können. Die Nachfrage nach ‘Elsanta’ als Hauptsorte hat nachgelassen, es werden häufig mehrere Sorten auch in großen Mengen nachgefragt. ‘Sonata’ und ‘Salsa’ haben mir dieses Jahr auch gut gefallen. Insbesondere ‘Salsa’ hat schöne große Früchte.


Mit dem Erdbeerspritzgerät kann der Betrieb Vöhringer 18 Reihen auf einmal behandeln. Das dreigabelige Spritzgestänge ist mit sechs Flachstrahldüsen pro Reihe ausgestattet. Es bläst die Spritzbrühe mit 17 bar Druck bis in die kleinste Blattachse der Erdbeerpflanzen. (Foto: Vöhringer) 


Erdbeerblütenstecher zum Saisonende hin stört Markus Vöhringer nicht die Früchte aus diesen Blüten wären ohnehin nicht vermarktbar.

 

WAR PFLANZENSCHUTZ BEI DEN DIESJÄHRIGEN WETTERVERHÄLTNISSEN EIN PROBLEM?

Nicht in unserem Betrieb. Wir fahren grundsätzlich mit 2.000 Litern Wasseraufwandmenge und 17 bar Druck. Das dreigabelige
Spritzgestänge ist für 18 Reihen ausgelegt und mit sechs Flachstrahldüsen pro Reihe ausgestattet. Es bläst die Spritzbrühe
bis in die kleinste Blattachsel der Erdbeerpflanzen. Denn wir sind der Meinung, das Mittel muss bis unter den Stock kommen,
dorthin, wo es länger feucht bleibt, um effektiv zu wirken. Dabei werden die Pflanzen ganz schön durcheinandergewirbelt.
Schäden an Blatt oder Früchten hatten wir deswegen aber noch nie. In Vermehrungsbeständen kann man mit dem Druck schon einmal auf 15 bis 16 bar runtergehen und dafür etwas schneller fahren.
Pflanzenschutz führen wir in den zu beerntenden Anlagen grundsätzlich erst dann durch, wenn das Vlies endgültig abgenommen wurde. Erst behandeln wir mit Sigum und später spritzen wir Switch mit einer Zumischung von 10 kg spritzfähigem Kalksalpeter in die Vollblüte. Das reicht in der Regel aus. Botrytis ist bei uns kein Problem.
Wir hatten dieses Jahr etwas Blütenstecher. Allerdings ist er so spät gekommen, dass er nur die späteren Blüten zerstört hat - was uns ganz recht war, denn die letzten kleinen Früchte vermarkten wir ohnehin nicht mehr.
 

ARBEITSEFFIZIENZ – FÜR SIE EIN WICHTIGES THEMA?

Auf jeden Fall. Die Kombination aus Erdbeeren und Kernobst verlangt eine sorgfältige Planung, denn alle Pflegearbeiten im
Kernobst müssen auch in der Hochsaison der Erdbeerernte und der Erdbeerpflanzzeit erledigt werden. Deshalb haben wir
vor drei Jahren die Idee gehabt, Spritzen und Mulchen in einem Arbeitsgang zu kombinieren.


Markus Vöhringer (re.) und Jochen Kling (li.) haben ein Mulchgerät für den Obstbau entwickelt, das unter die Spritze montiert wird. 
 

Eine Kombination, die es aber eigentlich schon länger gibt?

Ja, aber bisher gab es nur die Möglichkeit, kombiniert zu fahren. Das Mulchgerät kam an den Schlepper und die Obstbauspritze wurde zusätzlich hinten angehängt. Dies führt dazu, dass der Zug sehr lang ist und die Kombination nur bei sehr großzügigem Vorgewende gefahren werden kann. Wir jedoch haben das Mulchgerät unter die Spritze montiert, so dass der Wenderadius unverändert bleibt. Diese Innovation gab es bisher noch nicht, wir haben sie zum Patent angemeldet.
 

Wie kam es zu dieser Idee?

Die Idee entstand, wie gesagt, bereits vor drei Jahren. Im vergangenen Jahr haben wir uns dann endlich ans Werk gemacht.
Wir haben die Spritze ausgemessen, Zeichnungen gemacht und die Teile dann von Metallbauern anfertigen lassen.
Hydraulik, Motor und Messer sind zugekaufte Standard-Teile. Es ist quasi eine Art Baukasten-System, von der Hydraulik-Leistung her angelegt für einen Fendt 275 V.
 

Also ein Gerät, das flexibel unter jede Spritze montiert werden kann?

Es ist möglich, das Mulchgerät so zu modifizieren, dass es auch unter andere Spritzen passt als hier bei unserem Prototyp. Allerdings muss die Bodenfreiheit des Rahmens gegeben sein. Das Gerät muss ja auch auf die jeweilige Breite des Grünstreifens zugeschnitten sein. Durch das von uns konzipierte Baukastensystem sind wir da sehr flexibel.

Das Mulchgerät ist unter der Spritze hydraulisch gelagert. Es kann angehoben werden und geht bei Bodenunebenheiten mit.


Welche Reihe ist die Spritze schon gefahren? Die gemulchte!
 

Welche Vorteile bietet das Gerät?

Wir haben das Mulchgerät fest unter die Spritze montiert und lassen es immer mitlaufen, wenn wir zum Spritzen durch die
Anlagen fahren. Da unsere Spritzbrühe-Ausbringung computergesteuert auf die Fahrgeschwindigkeit abgestimmt wird,
können wir mit jeder Geschwindigkeit fahren. Mit dem Mulchgerät liegt die Geschwindigkeit zwischen sechs und sieben
Stundenkilometern. Bei höherem Gras können es auch schon einmal nur 3 km/h sein, das kommt mit diesem neuen System
aber eher selten vor.
Weil wir das Mulchgerät bei jeder Spritzung routinemäßig mitlaufen lassen, haben wir weniger Stress. Insbesondere zur Blütezeit, wo bienengefährliche Mittel zum Einsatz kommen, brauchen wir uns zu keinem Zeitpunkt Gedanken über den Zustand des Grünstreifens zu machen, da er bei der letzten Spritzung bereits gemulcht wurde. Der Grasschnitt wird seitlich in die Baumstreifen geblasen, sorgt dort für Humuseintrag und mindert die Verdunstung. Durch das häufige Mulchen entwickelt
sich außerdem eine stabile Grasnarbe. Ein spannender Nebeneffekt gerade für Betrieb die zweireihig spritzen: Durch das
Mulchen werden eindeutig die Reihen markiert, wo die letzte Spritzung gemacht wurde – ein Doppelt-Behandeln von einzelnen Reihen kann so auch bei weniger pfiffigen Helfern ausgeschlossen werden. Durch das untergebaute Mulchgerät hat die Spritze übrigens eine deutlich bessere Stabilität. Das Kippen in Hanglage, was bei uns immer mal wieder vorkam, gehört nun der Vergangenheit an.
 

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Bisher gibt es nur unseren Prototyp, der in unseren Anlagen sehr gut funktioniert. Nun suchen wir etwa zehn Betriebe, die die gleiche Spritze haben wie wir und die dieses Gerät testen möchten. Wir bieten ihnen an, dass sie ein Mulchgerät entsprechend dem Prototyp vergünstigt unter ihre Spritze montiert bekommen. Im Gegenzug erwarten wir, dass sie mit uns zusammenarbeiten, um Fehlerquellen aufzuspüren und das Gerät weiter zu optimieren. Am besten wäre es, wenn diese Betriebe aus ganz verschiedenen Regionen kommen und auch unterschiedliche Kulturen anbauen.
Später soll das Gerät dann auf Anfrage von uns auf Maß gefertigt werden.

Medium

1975 hat der Vorstand der Fachgruppe Obstbau den Beschluß gefaßt, ab Januar 1976 eine Verbandseigene Fachzeitschrift herauszugeben. OBSTBAU hat sich seitdem zu einer renommierten Fachzeitschrift entwickelt, auf die kein zukunftsgerichteter Betriebsleiter/ Betriebsleiterin verzichten kann. Mit einer Auflage von über 7000 Exemplaren ist OBSTBAU heute die größte überregionale Fachzeitschrift für Obstbau im deutschsprachigen Raum.
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