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Beregnung & Bewässerung, 10.03.2012

BEWÄSSERUNGSSTEUERUNG UND FERTIGATION BEI SÜSSKIRSCHEN

Versuchsergebnisse der Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau Erfurt im Jahr 2009
In den vergangenen Jahren ist deutlich geworden, dass auch beim Steinobst Versuche zur Optimierung der Bewässerung erforderlich sind. Dabei geht es zum einen um den Einsatz wassersparender Verfahren wie der Tropfbewässerung und zum
anderen um Untersuchungen zur praktikablen Bewässerungssteuerung. Gleichzeitig ist eine Bewertung von geeigneter
Messtechnik erforderlich, um der Praxis eine Grundlage zur Bewässerungssteuerung an die Hand zu geben.
Ziel bei Süßkirschen ist die Sicherung hoher und regelmäßiger Erträge in Verbindung mit einer hohen Fruchtqualität. Um dies zu erreichen, ist, abgesehen von einer Tropfbewässerung mit Fertigation während der Hauptwachstumszeit der Früchte, auch eine gezielte Bewässerung im Nacherntebereich (z. B. August 2009) erforderlich.

 

VERSUCHSAUFBAU

Der Versuch wurde mit den Sorten ‘Satin’ und ‘H209’ auf der Unterlage Gisela 3 im Abstand von 4,5 m x 2,4 m gepflanzt. Im Jahr 2009 war der Bestand im vierten Standjahr.
Für die Tropfbewässerung ist jeder Baum mit einem Einzeltropfer ausgestattet worden.
Die Tropfleitung wurde für die Möglichkeit der mechanischen Baumstreifenpflege an einem Spanndraht angehängt. Als Erziehungssystem wurde die Spindel gewählt, mit einer für die Einnetzung begrenzten Baumhöhe von vier Metern.
Zur Sicherung der unteren Gerüstäste wurde ein Jochsystem mit doppeltem Spanndraht erstellt. Auf demselben wurden die
frühzeitig mit Kirschen behangenen Gerüstäste festgebunden, um einvorzeitiges Ausbrechen zu vermeiden.
Die Düngermengen richteten sich nach der im Frühjahr durchgeführten N-min-Analyse. Die Hälfte des Düngers wurde
als Bodendüngung verabreicht, während die andere Hälfte regelmäßig in das Bewässerungswasser eingespeist wurde. Der
verwendete Dünger war ein Mehrnährstoffdünger mit den Anteilen 15-5-30-3-2 (N-P-K-Mg-S) plus Mikronährstoffe B, Cu, Mo, Mn, Zn, Fe. Die Versuchsvarianten zeigt Abbildung 1.


Fruchtqualität der Sorte ‘Satin’ im 4. Standjahr auf der Unterlage Gisela 3. 


 

ERGEBNISSE

- Baumertrag
Auch in Jahren mit günstiger Niederschlagsverteilung während des Fruchtwachstums der Süßkirschen, wie es im Jahr 2009 in Thüringen der Fall war, konnte in allen Fertigationsvarianten mit über 80 kg/Variante ein deutlich höheres Ertragsniveau gegenüber der unbewässerten, stroh-abgedeckten Kontrollvariante (50 kg/Variante) erzielt werden werden. Das entspricht bei der Sorte ‘Satin’ auf der Unterlage Gisela 3 im vierten Standjahr Baumerträgen von 6,76 bis 6,89 kg je Baum in den Fertigationsvarianten und 4,18 kg je Baum in der Kontrollvariante.
– Fruchtgröße
Die größten Früchte (im Mittel 13,51 g/Frucht) gab es dementsprechend in der Variante, die zweimal in der Woche mit sieben
Litern je Baum fertigiert wurde und auf einem kleinen Damm steht. Mit 13,03 g/Frucht folgten die Tensiometergesteuerten Variante. Tägliche Fertigation und Strohabdeckung lieferten gleiche Fruchtgrößen (s. Abb.2).


– Wasserverbrauch
Beachtlich war in der Erntesaison 2009 der Sachverhalt, dass mit der tensiometergesteuerten Variante bei gleichem Ergebnis
nur die Hälfte des Wassers benötigt wurde. So waren für die dargestellten Erträge und Qualitäten in den Varianten „tägliche Fertigation“ und „2 x wöchentliche Fertigation“ ca. 96 Liter Wasser/Baum/Jahr nötig. In der nach Bodenfeuchtemessung durch das Tensiometer gesteuerten Variante hingegen wurden nur 43,5 Liter/Baum/Jahr ausgebracht, d. h. weniger als die Hälfte.


– Geplatzte Früchte
Abbildung 7 zeigt den Ertrag je Wiederholung im Verhältnis zur Anzahl geplatzter Früchte in Prozent bei der Sorte ‘Satin’.
Während der Anteil geplatzter Früchte in den Fertigationsvarianten bei ca. 7 % lag, erreichte er bei der nicht bewässerten Kontrolle bis zu 24 %, das ist mehr als das Dreifache.
– Fruchtgrößenzuwachs
Wöchentliche Messungen des Fruchtgrößenzuwachses bei beiden untersuchten Sorten bestätigten den S-förmigen Verlauf
der Zunahme der Fruchtgröße bei Süßkirschen. Der Hauptzuwachs beginnt 40 Tage nach Vollblüte (nach Prof. Knoche, Universität Hannover) mit einem steilen Anstieg in den darauf folgenden drei Wochen. Betrachtet man die wöchentliche Zuwachsrate (s. Abb. 4), so findet der größte Zuwachs drei und fünf Wochen vor der Ernte statt (bis 4 mm/Woche). Am Standort Erfurt ist das Anfang bis Mitte Juni. Zur Ernte hin nimmt der wöchentliche Fruchtzuwachs dann wieder ab. Besonders deutlich wird bei ‘Satin’ auch die Einschränkung des Fruchtgrößenzuwachses bei plötzlichen Temperaturrückgängen wie in der 23. KW, d. h. Anfang Juni 2009, von 18,9 °C auf 8,8 °C. Die beste Fruchtgrößenverteilung bei Baumerträgen um 20 kg/Baum wurden mit der Sorte ‘Giorgia’ auf den Unterlagen Gisela 5, Victor und Piku 1 ermittelt.


 

STRESSZUSTÄNDE IM BAUM VERMEIDEN

Die Abbildung 6 zeigt die Ergebnisse einer zeitabhängigen, regelmäßigen Bewässerungssteuerung. Durch die regelmäßige
Zugabe von Wasser und die geringen Düngermengen werden Stresszustände im Baum vermieden. Ertrags- und Qualitätsbildung können ebenso wie die Entwicklung des gewünschten Kronenvolumens optimiert werden. Das bedeutet, der Anbauer kann die Bestandsentwicklung steuern. In Jahren mit geringem Ertragspotential kann er Wasser- und Düngerzufuhr
rechtzeitig ausschalten, wenn genügend Neutriebleistung vorhanden ist. Dies wurde im Jahr 2009 im Unterlagenversuch
mit der Sorte ‘Regina’ infolge des niedrigen Ertragsniveaus genutzt.


BEFRUCHTUNGSVORAUSSETZUNGEN SCHAFFEN

Auch im Jahr 2009 wurde wieder deutlich, dass bei der Kombination von ‘Regina’ mit der Unterlage Gisela 5 bei der Ertragsentwicklung ein enger Zusammenhang besteht
  • zur Anzahl und Entfernung geeigneter Befruchtersorten,
  • zur Anzahl vorhandener Bienen und Wildbienen zur Bestäubung und
  • zur Schnittintensität.
So ergab sich am Standort LVG Erfurt in Abhängigkeit von diesen Faktoren ein weit gefächertes Ertragsniveau bei der gleichen
Sorten-Unterlagen-Kombination (‘Regina’- Gisela 5):
  • Pro Baum wurden im Unterlagenversuch bei starkem Schnitt und wenig Befruchtern im Mittel 6,94 kg ‘Regina’ geerntet 
   – bei  besten Fruchtqualitäten mit 30+ mm Fruchtgröße.
  • 12,80 kg/Baum wurden im Unterlagenversuch bei guter Befruchterverteilung und mittelstarkem Schnitt bonitiert.
  • Beste Erträge (18,34 kg/Baum) wurden in der Süßkirschsorten-Sichtung bei schwachem Schnitt und allerbesten  Befruchtungsbedingungen geerntet. Die Fruchtgrößen lagen dort bei 29 bis 30 mm bei nur 5 % geplatzten Früchten.

BEWÄSSERUNGSSTEUERUNG

Es zeigte sich, dass die zeitabhängige Bewässerungssteuerung eine preiswerte und einfache Methode ist, die gut  automatisierbar und gut überschaubar ist, besonders im Hinblick auf die regelmäßige Düngereinspeisung. Allerdings
kann es in Jahren mit günstiger Wasserverteilung zur Überversorgung der Bäume kommen. Durch den Einsatz geeigneter Tensiometer zur Bewässerungssteuerung bekommt der Anbauer ein Gefühl dafür, was eine bestimmte Wasser- oder Regenmenge für den Bodenfeuchteverlauf bewirken kann. Die Wassermenge kann optimiert werden, wenn der richtige Schaltpunkt am Tensiometer bekannt ist. Auf diese Weise kann Wasser eingespart werden. Dazu ist aber eine ständige Wartung des Tensiometers nötig.


Die Bewässerungssteuerung nach klimatischer Wasserbilanz ermöglicht eine sehr genaue Bestimmung des Wasserdefizites und damit einer optimierten Wassermenge im entsprechenden Entwicklungszustand der jeweiligen Obstart. Dazu ist eine ständige Verfügbarkeit der Daten zu Niederschlagsmengen und Verdunstungswerten für den Obststandort erforderlich. Entsprechend des obstartenspezifischen Korrekturwertes (Kc), des Entwicklungszustandes, dem Alter der Anlage, der Bestandsdichte und der Behangstärke kann daraus die benötigte Zusatzwassermenge errechnet werden. In Abbildung 7 ist eine solche Berechnung für Kirschen dargestellt.

Medium

1975 hat der Vorstand der Fachgruppe Obstbau den Beschluß gefaßt, ab Januar 1976 eine Verbandseigene Fachzeitschrift herauszugeben. OBSTBAU hat sich seitdem zu einer renommierten Fachzeitschrift entwickelt, auf die kein zukunftsgerichteter Betriebsleiter/ Betriebsleiterin verzichten kann. Mit einer Auflage von über 7000 Exemplaren ist OBSTBAU heute die größte überregionale Fachzeitschrift für Obstbau im deutschsprachigen Raum.
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