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Erntemaschinen, 10.03.2012

TRAUBEN AUSDÜNNEN MIT DEM VOLLERNTER

Mit dem Traubenvollernter kann die Arbeitszeit für das Traubenausdünnen drastisch reduziert werden. Die passende Erziehungsform, der richtige Einsatzzeitpunkt sowie eine sorgfältige Einstellung des Vollernters bestimmen die Qualität der Durchführung.
Der Traubenvollernter gewinnt im Weinbau zunehmend an Bedeutung. Konzentrierte man sich zu Beginn der Entwicklung des Vollernters einzig auf die Erntetechnik, so versucht man heute diese Geräte möglichst vielseitig einzusetzen (Rebschnitt, Laubarbeit, Bodenpflege …). Dies wirkt sich sowohl betriebswirtschaftlich als auch von Seiten der Schlagkräftigkeit positiv aus.
 

OPTIMALER EINSATZZEITPUNKT

Die Weinbauschule Krems führte in Kooperation mit einem Winzer (Hermann Waltner aus Neudegg) eine Ausdünnung mit dem Vollernter bei der Sorte Zweigelt in den Jahren 2007 und 2008 jeweils in der ersten Juliwoche durch. Bei der Anlage handelte es sich um einen 12-jährigen Zweigeltweingarten mit Spaliererziehung. Der Schnitt erfolgte als Einstreckerschnitt mit Ersatzzapfen und wurde als Halbbogen formiert. Die Schnittstärke betrug ca. 4 Augen pro m2 bei einem Standraum von 3 m2 pro Stock.
Die Rebentwicklung war in den Jahren der Versuchsdurchführung unterschiedlich. Im Jahr 2007 erfolgte der Einsatz zu Beginn des Traubenschlusses und im Jahr 2008 bei Erbsengröße der Beeren. Dabei konnte man beobachten, dass bei der Sorte Zweigelt der Einsatzzeitpunkt „Erbsengröße“ (durchschnittlicher Beerendurchmesser von 7 mm) einem späteren Ausdünnungszeitpunkt vorzuziehen
sei. Das steigende Traubengewicht durch die fortschreitende Entwicklung führt zu einem vermehrten Anstieg an verletzten Traubenstielen (siehe Abb. 1).


Abb. 1: Abgedrehter Traubenstiel und gequetschte Beeren durch ungünstige Anwendungsbedingungen wie nasse
Trauben und zu später Einsatzzeitpunkt


Abb. 3: Behandelte Zweigelttraube ohne Beitraube mit relativ kleinen Beeren und in lockerer Traubenstruktur; Traubendichtegrad 3

Zum Einsatz kam ein Selbstfahrer der Firma Gregoire. Für die Ausdünnung wurden keine Rüttelstäbe ausgebaut. Die Rüttelfrequenz betrug 320 Schläge pro Minute. Für das Herantasten der richtigen Rüttelfrequenz stand eine Probereihe zur Verfügung. Die Fahrgeschwindigkeit betrug 3 km/h.
 

ERGEBNISSE

Ertrag – Mostgewicht
Der Ertrag pro Stock in der Kontrollvariante war sehr hoch und lag bei 5,5 bzw. 4,8 kg in den Versuchsjahren. Im Mittel der beiden Jahre wurden diese Erträge um 35 % bei der Vollernterausdünnung reduziert. Der Stockertrag der ausgedünnten Stöcke war in beiden Jahren fast ident und lag bei 3,3 bzw. 3,4 kg (Abb. 2). Dieses Ertragsniveau würde in etwa dem geforderten Bereich für Qualitätsweinproduktion von 9.000 kg Trauben pro ha entsprechen.
Die Ertragsreduktion bewirkte einen deutlichen Anstieg im Mostgewicht: 19,2 °KMW ausgedünnt gegenüber 17,1 °KMW nicht ausgedünnt im Jahr 2007; Säurewerte von 7,4 ausgedünnt gegenüber 8,4 g/l nicht ausgedünnt im Jahr 2008.


Abb. 2: Deutliche Ertragsreduktion durch die Vollernterausdünnung mit einem Stockertrag im Bereich der gesetzlichen Qualitätsweinproduktion

Traubengewicht/Beerengröße-Beerengewicht
Die Vollernterausdünnung führte zu einer rund 40%igen Reduktion des Traubengewichts. So konnte das durchschnittliche Traubengwicht von 290 g in der Kontrolle auf 170 g vermindert werden. Eine Besonderheit dieses Verfahrens sind auch der
kleinere Beerendurchmesser und das geringere Beerengewicht. Dieser geringere Beerendurchmesser wird durch einen kurzfristigen Wachstumsstillstand der Beeren nach der Behandlung verursacht. Die geringeren Beerendurchmesser führen zu einem positiven Einfluss auf das Beerenhaut-Fruchtfleisch-Verhältnis, welches besonders bei Rotweinsorten von besonderer Bedeutung ist. So zeigten die Versuchsweine der Behandlung in beiden Jahren eine wesentlich intensivere Farbausbeute als die Kontrolle (siehe Abb. 6; Farbintensität).

Traubengesundheit
Ausdünnungsverfahren werden nicht nur durchgeführt, um den Ertrag zu reduzieren oder die Reife zu fördern, sondern auch um die Traubengesundheit zu sichern. In beiden Versuchsjahren konnte eine Reduktion des Botrytisbefalls in der Ausdünnungsvariante beobachtet werden. Im Jahr 2007 betrug die Reduktion 10 % (siehe Abb. 4). Dieser positive Effekt wird von folgenden Faktoren beeinflusst: Es konnten die kompakten Trauben (Traubendichtegrad 5,5) durch die Vollernterausdünnung deutlich aufgelockert werden (Traubendichtegrad 3,7). Der Traubendichtegrad von 3 wäre dabei als Wunschvorstellung des Winzers in Bezug auf die Traubenstruktur zu sehen (Abb. 3). Die lockereren Trauben werden durch das Abschlagen einzelner Beeren bzw. Traubenteile als auch durch die kleineren Beerengrößen ermöglicht. Damit kann dieses Traubenmaterial wesentlich länger am Rebstock verbleiben und eine entsprechende höhere physiologische Reife erzielen. Der Unterschied im Botrytisbefall wäre noch gravierender, würde man den unterschiedlichen Reifegrad des Traubenmaterials zwischen Behandlung und Kontrolle mit berücksichtigen. Immerhin lag die Zuckergradation des ausgedünnten Traubenmaterials rund 2 °KMW höher und die Säurewerte waren deutlich niedriger als bei der Kontrolle.


Abb. 4: Deutlich geringerer Botrytisbefall des deutlich reiferen Traubenmaterials der Vollernterausdünnung

Traubenwelke
In beiden Jahren wurden die Trauben auf Traubenwelkebefall kontrolliert und ein überaus positives Ergebnis wurde erzielt (Abb. 5). So konnten in den Ausdünnungsvarianten keine Trauben mit Traubenwelkesymptomen beobachtet werden. Jedoch lag der Befall in der Kontrolle im Jahr 2007 auch nur bei 3 % Schadausmaß und es waren nur knapp 9 % der ausgewerteten Trauben von Welkeerscheinungen betroffen.
Im Jahr 2008 konnte allgemein ein höheres Schadauftreten durch Traubenwelke beobachtet werden. So auch in unserer Versuchsfläche. Jede vierte Traube in der Kontrolle wies eine Schädigung auf und das Schadausmaß betrug 20 %. Demgegenüber stand die Ausdünnung ohne sichtbaren Befall. Es konnten somit alle Trauben für die Weinproduktion genutzt werden. Die Ursachen können vielseitig sein wie z. B. frühzeitige Entlastung der Rebstöcke, geringeres Traubengewicht, Beeinflussung physiologischer Vorgänge usw.


Abb. 5: Kein Traubenwelkebefall in der Variante „Ausdünnung“; mögliche Einflussfaktoren: eine frühzeitige Ertragsreduktion, ein geringeres Traubengewicht sowie die Beeinflussung physiologischer Vorgänge

Sensorische Merkmale
Die Trauben wurden auch in beiden Jahren mikrovinifiziert. Die Varianten mit Ausdünnung schnitten in den gedeckten Verkostungen sowohl nach Gesamtpunkten als auch nach Einzelkomponenten in beiden Jahren eindeutig besser ab (Abb. 6).


Abb. 6: Einzelkomponentenbewertung der mikrovinifizierten Weinproben; je weiter außen sich der Datenpunkt befindet, desto intensiver wurde diese Komponente von den Kostern wahrgenommen
 

FAZIT

Die Ausdünnungsmaßnahmen mit dem Vollernter in den Jahren 2007 und 2008 bei der Sorte Zweigelt lieferten durchwegs positive Ergebnisse. Der Ertrag wurde um ca. 40 % reduziert und erreichte in beiden Jahren ein sehr gleichmäßiges Niveau von ca. 3 kg pro Stock. Diese Reduktion führte zu einem Anstieg im Mostgewicht und zu einer Reduktion der Säurewerte. Die Weine wurden in beiden Jahren sensorisch besser bewertet. Besonders erfreulich war, dass in der Versuchsanlage der Traubenwelkebefall jeder vierten Traube durch die frühzeitige Ausdünnung ausgeschaltet werden konnte. Der Botrytisbefall konnte in der Behandlung trotz höherer Reife um 10 % gesenkt werden.
Eine Probeeinstellung ist unumgänglich und soll die Eignung der Anlage, Sorte usw. testen. Auch die Rüttelfrequenz muss an die Situation angepasst und sollte in kleinen Schritten an die gewünschten Bedingungen herangeführt werden. Den geeigneten Einsatzbedingungen inkl. des richtigen Einstzzeitpunktes ist größte Aufmerksamkeit zu schenken. Im beschriebenen Versuch führte trockene Witterung bei der Durchführung der Maßnahmen und das Entwicklungsstadium „Erbsengröße“ zu guten Ergebnissen. In der Saison 2009 werden die Versuche an der Weinbauschule Krems fortgesetzt. Eine Übertragung der Erkenntnisse auf andere Sorten ist nur bedingt möglich. Die Vollernterausdünnung könnte aufgrund der nötigen Schlagkraft und der geringen Arbeitszeit des maschinellen Einsatzes in manchen Weinbauregionen in Zukunft durchwegs an Bedeutung gewinnen.
 

Medium

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