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Streifenpflegegeräte, 10.03.2012

MASCHINELLE STOCKPUTZER IM VERGLEICH

Beim „Fußschabigen“ werden die Schosse am Rebstamm entfernt bzw. ausgebrochen, da diese die Gefahr von Pilzkrankheiten erhöhen, den Rebschnitt im Winter erschweren und zudem in direkter Konkurrenz zu den Trieben der Fruchtrute stehen.

FUSSSCHABIGEN KOSTET ZEIT

Das „Fußschabigen“ ist eine äußerst mühsame Arbeit in gebückter Haltung, welche einfach, schnell und beinahe risikolos maschinell durchgeführt werden kann, ohne die Qualität der Trauben zu beeinflussen. Durch die Mechanisierung dieses Arbeitsschritts kann sich der Weinbauer auf das zeitgleich durchzuführende und wesentlich die Qualität beeinflussende „Schabigen“ (Ausbrechen) der überzähligen Triebe der Fruchtrute konzentrieren.
In den meisten Südtiroler Weinbaubetrieben erfolgt das Fußschabigen noch von Hand, wofür jährlich je nach Sorte, Alter der Rebanlage und Stockdichte zwischen 8 und 20 Arbeitsstunden pro Hektar aufgewendet werden. Nur wenige Betriebe setzen Stockputzer ein, obwohl diese den Arbeitsaufwand deutlich verringern würden.





 

ZUM VERSUCH

Im Rahmen eines einjährigen Versuchs wurden gängige Stockputzer mit rotierenden Gummilappen oder Kunststoffschnüren mit verschiedenem Durchmesser auf Unterschiede in der Arbeitsqualität, verbliebene Triebe bzw. Triebstummel am Stamm, entstandene Schäden an den Rebstämmen, Arbeitszeitbedarf und Kosten verglichen und zudem dem manuellen Fußschabigen gegenübergestellt.
Des Weiteren wurden die Arbeitsqualität der Stockputzer als Unterstockgerät und die Häufigkeit an verbleibenden Grashorsten im unmittelbaren Stammbereich beurteilt.



Als Versuchsanlage für sieben von acht Geräten diente eine Blauburgunder-Anlage mit homogenem Stammaustrieb, mit praxisüblicher, etwas wenig stabiler Stammunterstützung und mit einem leicht durchhängenden Tropfschlauch auf etwa 60 cm Höhe. Das Gerät Hermes wurde etwas später in einer anderen Blauburgunderanlage mit ähnlicher Anzahl an Stammaustrieben und vergleichbarem Entwicklungsstadium eingesetzt. Die Versuchsgeräte wurden von unterschiedlichen Fahrern bedient, wobei darauf geachtet wurde, dass jede Person mit dem eigenen Gerät entsprechende Arbeitserfahrung hat und so das Gerät optimal einsetzen konnte. Alle Geräte vom selben Fahrer bedienen zu lassen, um eine gemeinsame Ausgangsposition für alle Geräte zu schaffen, hätte den großen Nachteil,
dass der Fahrer keine Arbeitserfahrung mit den einzelnen Geräten hat und diese so nicht optimal genutzt werden können.



 

ZUM EINSATZ VON STOCKPUTZERN

Stockputzer sollten dann eingesetzt werden, sobald die Triebe eine maximale Länge von 15 bis 20 cm erreicht haben und noch nicht an der Triebbasis verholzen. Erfolgt das Stockputzen zu spät, entstehen je nach Gerätetyp entweder zu große Wunden am Stamm, welche Eintrittspforten für diverse Pilze sind oder es bleiben Triebstummel am Stamm zurück. Über mehrere Jahre betrachtet, könnte sich eine Vielzahl an verholzten Triebstummeln bilden, welche das maschinelle Stockputzen immer weiter erschweren. Für eine optimale Arbeitsqualität sind gerade Rebstämme mit einer Mindesthöhe von 60 cm und ein stabiler Pflanzstab nötig, empfohlen ist ein Torstahl-Pflanzstab von 8 mm Durchmesser, mit guter Fixierung des Stamms und straff gezogenem Tropfschlauch auf mindestens 60 cm Höhe.
 


Die am Markt erhältlichen Stockputzer arbeiten mehr oder weniger nach demselben Prinzip. Jeder besteht aus einer horizontalen Welle mit vertikaler Drehrichtung, auf welcher sich Gummilappen, Kunststoffschnüre mit einem Durchmesser von 6 bis 8 mm oder dünnere Schnüre, ähnlich denen des Fadenmähers befinden. Bei einigen Geräten können Gummilappen und Schnüre flexibel ausgetauscht werden, sodass das Gerät unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden kann, z.B. Gummilappen für das Stockputzen und die Schnüre zum Sauberhalten des Unterstockbereiches. Die Geräte haben je nach Modell eine Arbeitsbreite zwischen 50 und 60 cm, meist einen mechanischen Feintaster sowie ein Schutzblech, welches vor herumschleuderndem Erdreich und Steinen schützen soll. Horizontal rotierende Stockputzer haben sich aufgrund der sehr hohen Staubentwicklung im Weinbau nicht bewährt und werden deshalb nicht mehr angeboten.
Der Stockputzer kann an der Front oder an Traktoren mit Drehsitz am Heck, bei Traktoren mit entsprechendem Abstand zwischen den beiden Achsen auch im Zwischenachsbereich angebaut werden. Wichtig ist allein die gute Übersichtlichkeit, da das Gerät im Fall von nachgepflanzten oder zur Verjüngung zurückgeschnittenen Reben unmittelbar abgeschaltet oder an den Traktor herangezogen werden muss. Am häufigsten sind einseitig arbeitende Geräte im Einsatz. Die beste Arbeitsqualität garantiert jedoch ein beidseitiges Stockputzen mit einem Überzeilengerät. Mit diesem werden alle Triebe erfasst und die Anzahl der nötigen Durchfahrten halbiert. Ein solches Gerät erfordert erhöhte Aufmerksamkeit des Fahrers und höhere Wendezeiten bei meist etwas verringerter Fahrgeschwindigkeit. 
Stockputzer können mit Mulchgeräten und Geräten zur Fahrgassenbearbeitung kombiniert werden.
 

VERSUCHSERGEBNISSE

Die verglichenen Geräte sind in den Bildern dargestellt. Es handelte sich jeweils um einseitig arbeitende Geräte für den Front- oder  Heckanbau mit Ausnahme des Stockputzers von Braun, welcher im Zwischenachsbereich angebaut war. Der Stockputzer Hermes war am Mulchgerät Hermes Castor angebaut, kann aber auch mit speziellem Fußteil als Stockputzer allein eingesetzt werden.
In der Tabelle sind das eingesetzte Material, die Länge der rotierenden Welle, der Durchmesser des Arbeitselementes, die maximale Arbeitshöhe am Rebstamm sowie die Arbeitsbreite im Unterstockbereich, die Fahrgeschwindigkeit und die Kosten für einen Satz Bänder bzw. Gummilappen beschrieben.



Die Arbeitsqualität der Stockputzer wurde in drei Klassen bewertet (Grafik 1). Zur Klasse 1 zählten Rebstämme, bei welchen die Stockputzer alle Triebe sauber entfernen konnten (sehr gute Arbeitsqualität), zur Klasse 2 jene Stämme, an denen nach dem Stockputzen noch einige Triebe oder kurze Triebstummel verblieben (mittelmäßige Arbeitsqualität), zur Klasse 3 jene Stämme mit vielen verbliebenen Trieben und nur teilweise abgebrochenen Trieben (schlechte Arbeitsqualität). Die Geräte Braun und Röll unterscheiden sich kaum in der Arbeitsqualität (zwischen 80 und 90% der Rebstöcke gehören der Klasse 1 an), die Geräte von VBC und Rinieri liegen etwas tiefer (60 bis 65%). Auffallend ist die schlechtere Arbeitsqualität der Stockputzer von Olmi und Hermes.
Sie kommen nur auf 30 bis 40% an Rebstöcken mit vollständig entfernten Trieben und sogar auf 10 bzw. 20% an Rebstämmen, welche nicht zufrieden stellend geputzt wurden. Die Ursache hierfür liegt in dem für diese Geräte bereits zu späten Einsatzzeitpunkt. Je dünner die Kunststoffbänder, desto früher in der Entwicklungsphase muss das Stockputzen erfolgen. Geräte mit Gummilappen hingegen entfernen die Triebe über einen längeren Zeitraum zufriedenstellend.
Weiters wurde die Anzahl der verbliebenen Triebe und Triebstummel am Stamm in der bearbeiteten Arbeitshöhe gezählt. Hier schneidet das Gerät von Olmi schlechter ab, da die beginnende Verholzung an der Triebbasis häufig Triebstummel vor allem an der Veredelungsstelle des Rebstockes verursacht. Im Allgemeinen hinterlassen Bürsten mehr Triebstummel als Geräte mit Gummilappen.
Die Schäden an den Rebstämmen wurden in 5 Stufen eingeteilt. Unterschieden wurde zwischen Rebstämmen ohne Schaden, mit oberflächlich abgeschälter Rinde, mit leichter Wunde, mit tiefer Wunde und abgetrennten Rebstämmen. Aus der Grafik 2 ist ersichtlich, dass Bürsten schonender arbeiten als Gummilappengeräte. So bleiben bei Bürsten zwischen 40 und 55% der Rebstämme unbeschadet, während dies bei Geräten mit rotierenden Gummilappen nur etwa 10% sind.
Hinsichtlich der Arbeitsqualität im Unterstockbereich, beurteilt über die Häufigkeit an Grashorsten um den Rebstock und die Arbeitsbreite der Geräte sind keine Unterschiede zwischen den Stockputzern erkennbar. Die geringen festgestellten Unterschiede sind von der Einsatzhöhe des Stockputzers und dem Durchmesser des Arbeitselements, aber vor allem von der Arbeitserfahrung der Bedienungsperson abhängig. Natürlich spielen für die Arbeitsqualität auch die Eigenschaften der Rebanlage eine beträchtliche Rolle. Im Versuch wurde nur eine kurzfristige Unterdrückung des Unterbewuchses erzielt, da mit den Stockputzern kein Eingriff in den Boden stattfindet. Insbesondere schmalblättrige Gräser waren schwierig niedrig zu halten, breitblättriger Unterbewuchs hingegen wurde zufriedenstellend abgeschlagen. 
Der Arbeitsaufwand für das Fußschabigen kann durch den Einsatz eines einseitigen Stockputzers je nach möglicher Fahrgeschwindigkeit und Stärke des Austriebes um 40 bis 70% reduziert werden. Fahrgeschwindigkeiten zwischen 5 km/h und 2 km/h erfordern zwischen 2,5 und 6 Stunden Arbeit pro Hektar.
Berechnet man die Kosten des maschinellen Stockputzens und vergleicht sie mit der Handarbeit, so ist nur in wenigen Fällen eine Mechanisierung wirtschaftlich sinnvoll. Beim Stockputzen spielen jedoch weniger die Kosten selbst, sondern vielmehr die freiwerdende Zeit für qualitätsfördernde Arbeiten, wie zum Beispiel das Schabigen der Fruchtrute und die Vermeidung des anstrengenden Bückens, eine entscheidende Rolle.
Für die Erneuerung schnell abnutzender Materialien, wie Gummilappen und Kunststoffbänder, müssen zwischen 35 und 130 € ausgegeben werden. Das Besondere am Gerät Olmi ist die Möglichkeit, die Bänder auf die Welle aufzuwickeln und bei Notwendigkeit entsprechend nachzuziehen. Nach Auskunft der Bedienungsperson ist ein Nachziehen von 5 cm nach einem knappen Hektar Rebfläche notwendig.


ZUSAMMENFASSUNG

Stockputzer mit Gummilappen haben ein längeres Einsatzfenster, entfernen sehr gut die Triebe am Stamm, verursachen jedoch mehr Verletzungen. Hingegen müssen Stockbürsten vor beginnender Verholzung der Triebe eingesetzt werden. Sie hinterlassen etwas mehr Triebstummel, verursachen dafür aber weniger Schäden am Stamm. Bei Stockputzern mit dünnen Fäden liegt der optimale Einsatzzeitpunkt sehr eng. Die Arbeitsqualität der Stockputzer im Unterstockbereich unterscheidet sich kaum und hängt in erster Linie von der Einsatzhöhe des Gerätes und der Arbeitserfahrung der Bedienungsperson ab. Nachteilig ist, dass im oberen Stammbereich weiterhin von Hand geschabigt werden muss und dass der Stockputzer in Junganlagen und bei geplantem Rückschnitt der Rebstöcke nicht eingesetzt werden kann.
 

TIPPS FÜR DIE PRAXIS

Beim Einsatz auf trockenen Böden lässt sich eine gewisse Staubentwicklung nicht vermeiden. Um sie jedoch in Grenzen zu halten, sollten Stockputzer nicht zu tief, am frühen Morgen bei Taunässe oder bei oberflächlich angefeuchtetem Boden eingesetzt werden. Alternativ könnte der Unterstockbereich mit Wasser befeuchtet werden. Möglich wären eine Wasserausbringung über eine Düse im unmittelbaren Arbeitsbereich und ein umfunktioniertes Herbizidfass als Wasserbehälter.
Stockputzer können in Rebanlagen mit krummen Rebstöcken zur Unterstockpflege eingesetzt werden. Wichtig dabei ist ein Gerät mit sensiblem Taster und entsprechend weiter Seitenauslegung.
Sie eignen sich weiters für die Bewirtschaftung der Böschungen bei Rebanlagen im leichten Hang und für die Pflege des Unterstockbereiches bei hohem Steingehalt. Zudem ebnen sie Erdanhäufungen im Unterstockbereich ein. Aus diesem Grund ist der Einsatz eines Stockputzers in Kombination mit bodenbearbeitenden Geräten ideal.
Stockputzer können als Unterstockgeräte eingesetzt werden. Umgekehrt verursacht jedoch der Einsatz einiger, speziell für den Unterstockbereich entwickelten Geräte mit Bürste oder Gummilappen aufgrund der hohen Umdrehungszahl der Welle vermehrt Verletzungen an den Rebstöcken.
Beim Kauf eines Unterstockgerätes für den kombinierten Einsatz ist deshalb auf einen stufenlosen Drehzahlregler Wert zu legen.

Medium


Obstbau Weinbau ist seit 1964 ein praxisorientiertes Fachmagazin des Südtiroler Beratungsrings für Obst- und Weinbau. Jährlich erscheinen 11 Ausgaben (Juli/August Doppelnummer) mit Fachartikel über Anbaumethoden, Versuche, Sorten, Forschungsergebnisse, Betriebswirtschaft, Statistiken, Züchtungsergebnisse, Pflanzenschutz, Vermarktung, Lagerung,  Studienreisen u.a. aus den Bereichen Obst-, Weinbau und Kellerwirtschaft.
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