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Streifenpflegegeräte, 09.03.2012

BODENPFLEGE IM WEINBAU - NEUE HERAUSFORDERUNGEN

In Südtirol ist die Dauerbegrünung in Verbindung mit dem Herbizideinsatz im Unterstockbereich und dem Mulchen in der Fahrgasse das vorherrschende Bodenpflegesystem.
In Südtirol ist die Dauerbegrünung in Verbindung mit dem Herbizideinsatz im Unterstockbereich und dem Mulchen in der Fahrgasse das vorherrschende Bodenpflegesystem. Die Forderung nach einer „naturnahen“ Bodenpflege und die damit verbundene kritische Hinterfragung des Herbizideinsatzes im Unterstockbereich regen zu neuen Überlegungen an.
 

ZIELE UND ENTWICKLUNG DER BODENPFLEGE

Ziele der Bodenpflege sind die nachhaltige Sicherung der Bodenfruchtbarkeit; auch die Erosion und Bodenverdichtung soll vermieden und die Bodenstruktur und der Humusgehalt verbessert werden.
In Südtirol war bis Mitte des vorigen Jahrhunderts die reine Bodenbearbeitung ohne Begrünung üblich. Ende der fünfziger Jahre starteten die ersten Begrünungsversuche und Ende der siebziger Jahre war bereits rund 80 Prozent der Weinbaufläche dauerbegrünt. 
Der Herbizideinsatz und das Mähen im Unterstockbereich sowie das Mulchen der Fahrgasse sind derzeit der Standard bei der Bodenpflege in den Südtiroler Rebanlagen.
Seit einiger Zeit stehen die aktuellen Bodenpflegemaßnahmen in Diskussion: eine „naturnahe“ Bodenpflege in Verbindung mit einer herbizidfreien Unterstockpflege und neue anbautechnische Überlegungen aus dem biologisch-dynamischen Weinbau, wie zum Beispiel die „Bodenaktivierung“, gewinnen an Bedeutung.

                    

Standard in Südtirol - Dauerbegrünung mit Herbizidstreifen


Nach vielen Jahren Dauerbegrünung kann eine Bodenbearbeitung sinnvoll sein
 

HERBIZIDANWENDUNG IM WEINBAU

Der Herbizideinsatz ermöglicht eine rasche Beseitigung von Unkräutern bei gleichzeitig geringem Energieaufwand. Ein andauernder und häufiger Einsatz von Herbiziden führt jedoch zur Etablierung bestimmter Problemunkräuter wie Ackerwinde, Kanadisches Berufskraut, Amaranth (Steirer), Weißer Gänsefuß, Glaskraut (Schneckengras) und Gemeiner Beifuß (Wilder Wermuth). Die Entscheidung für eine Herbizidbehandlung sollte nach pflanzenphysiologischen und nicht nach arbeitstechnischen Überlegungen erfolgen. Durch die chemische Unkrautbekämpfung wird die Wasser und Nährstoffversorgung begünstigt und die Reben entwickeln sich kräftiger.
In den meisten Rebenlagen sollte eine Behandlung pro Jahr mit einem systemischen Wirkstoff ausreichen. Die Breite des Herbizidstreifens soll nicht mehr als 30 cm betragen. Bei extremen Trockenperioden und in Junganlagen kann eine zweite Behandlung im Sommer notwendig sein, um größeren Stress für die Pflanzen zu vermeiden. Günstige Einsatzzeitpunkte sind der Herbst oder das zeitige Frühjahr. In Anlagen, wo man das Rebwachstum reduzieren will, ist ein Herbizidverzicht sinnvoll.
Mittlerweile gibt es einige mechanische Alternativen zur Unterstockpflege mit Herbiziden. So werden z.B. Stockbürsten mit Gummilappen, ursprünglich für das Ausbrechen der Stockausschläge entwickelt, auch zum „Abschlagen“ des Unterbewuchses verwendet. Das Flachschar-Gerät führt eine leichte Bodenbearbeitung durch und entfernt ebenfalls den Grasbewuchs im Unterstockbereich. In trockenen Jahren ist es auch möglich, das Gras im Unterstockbereich stehen zu lassen. Der Fadenmäher wird vor allem in Hanglagen in Südtirol angewendet. Die Abgasbelastung für den Anwender und die Gefahr von Rebstockverletzungen sind jedoch problematisch.
 

„BODENAKTIVIERUNG“ – ANSÄTZE AUS DEM BIOLOGISCHEN WEINBAU

Auch im integrierten Weinbau stellt man sich die Frage, wie man die Wasser- und Nährstoffressourcen des Bodens
effizienter nutzen kann. Damit verbunden ist eine Diskussion der aktuellen Bodenpflegemaßnahmen und ein verstärktes Interesse an Pflegemaßnahmen aus dem biologischorganischen bzw. dem biologisch-dynamischen Weinbau.
Die Dauerbegrünung der Südtiroler Weinbauböden führte in den letzten 30 Jahren zu einem kontinuierlichen Anstieg der Humusgehalte in der Oberschicht der Böden. Nach vielen Jahren Dauerbegrünung kann eine Bodenlockerung sinnvoll sein. Damit gelangt Nährhumus aus der oberen in die unteren Schichten. Auch das Bodenleben wird damit aktiviert. Ideal sind nachfolgende Einsaaten zur Stabilisierung des Bodengefüges, der Biomassebildung und der Steigerung der Artenvielfalt. Dafür sollten vorwiegend Leguminosen (Luzerne, Weißklee), Kreuzblütler (Raps, Senf), Kräuter, Gräser (Deutsches Weidelgras, Wiesenrispe) und Getreidepflanzen (z.B. Glatthafer) verwendet werden.


Einsaaten steigern die Artenvielfalt 


Das Offenhalten des Bodens im Unterstockbereich bis nach der Blüte fördert bei Weißweinsorten die Aromabildung
 

ANGEPASSTE BODENPFLEGE

Die Bodenpflegemaßnahmen müssen an den Standort, die Rebsorte, den anzustrebenden Weintyp, das Rebwachstum, das Alter der Reben und an das Produktionsziel angepasst werden. Veränderungen im Bodenpflegesystem wirken sich oft erst mittelfristig aus und können vor allem bei extremen klimatischen Verhältnissen verstärkt das Wachstum der Reben beeinflussen.
Die Dauerbegrünung sollte wegen ihrer Vorteile als Basis des Bodenpflegesystems in Südtirol beibehalten werden: gute Mechanisierung, Erosionsschutz, geringere Bodenverdichtung und Nitratauswaschung, weniger Chlorose, gute Humuswerte und stabiler Wasserhaushalt sprechen dafür. Die Nachteile einer erhöhten Nährstoff- und Wasserkonkurrenz werden bei Vorhandensein einer Zusatzbewässerung ausgeglichen.
Die Bodenpflegemaßnahmen sind in erster Linie dem Rebwachstum und dem anzustrebenden Weintyp anzupassen.
So erfordert eine schwere Rotweinsorte, wie z.B. Lagrein oder Cabernet, ein schwaches bis mittleres Rebwachstum, damit sich die Inhaltsstoffe optimal ausbilden können. Die Bodenpflegemaßnahmen sollten in diesem Fall darauf ausgerichtet sein, wenig Stickstoff freizusetzen und die Reben nur mäßig mit Wasser zu versorgen. Bei einer starkwüchsigen Rotweinanlage muss man deshalb in erster Linie das Wachstum reduzieren; die Begrünung im Unterstockbereich ohne Herbizideinsatz ist in diesem Fall vorteilhaft.
Um einen fruchtig, frischen Weißwein zu produzieren, benötigt es hingegen ein mittelstarkes Rebwachstum. Das Offenhalten des Bodens im Unterstockbereich bis nach der Blüte ist daher bei Weißweinsorten an vielen Standorten erforderlich. Zu geringes Wachstum führt zu Ertragsproblemen und wirkt sich bei Weißweinsorten unter Umständen negativ auf die Weinqualität aus.
Die unterdurchschnittlichen Niederschläge in den Jahren 2003 bis 2007 haben in Einzelfällen bei dauerbegrünten Anlagen zu Wuchsdepressionen geführt, wobei auch die Traubenqualität abnahm. In solchen Fällen bringt eine Störung der Dauerbegrünung durch oberflächliches Bearbeiten der Fahrgasse Abhilfe. Geeignete Geräte hierfür sind die Kreiselegge oder die Spatenmaschine.


Bei Rotweinsorten, im Bild Cabernet, kann die Unterstockbegrünung die Ausbildung der Inhaltsstoffe fördern 
 

SCHLUSS

Die Bodenpflege ist zusammen mit der Wasser- und Nährstoffversorgung hauptverantwortlich für das Rebwachstum und beeinflusst somit indirekt die Weinqualität. Die unterschiedlichen Standortbedingungen im Südtiroler Weinbau erfordern unterschiedliche Bodenpflegemaßnahmen. Starre Bewirtschaftungssysteme sind deshalb im Zuge einer weiteren Qualitätsverbesserung nicht erstrebenswert. 
In Zukunft sind die verschiedenen Maßnahmen, wie Herbizideinsatz, Unterstockbegrünung, Fahrgassenbearbeitung, Einsaaten usw., überlegt miteinander zu verbinden, um das bestmöglichste Ergebnis zu erzielen.

Medium


Obstbau Weinbau ist seit 1964 ein praxisorientiertes Fachmagazin des Südtiroler Beratungsrings für Obst- und Weinbau. Jährlich erscheinen 11 Ausgaben (Juli/August Doppelnummer) mit Fachartikel über Anbaumethoden, Versuche, Sorten, Forschungsergebnisse, Betriebswirtschaft, Statistiken, Züchtungsergebnisse, Pflanzenschutz, Vermarktung, Lagerung,  Studienreisen u.a. aus den Bereichen Obst-, Weinbau und Kellerwirtschaft.
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