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Beregnung & Bewässerung, 10.03.2012

KLIMATISIERENDE BEWÄSSERUNG AUCH MIT KALKHALTIGEM WASSER?

Die meisten Obstkulturen leiden unter Temperaturen über 30°C im Schatten und schließen ab einer Blattemperatur von etwa 28°C ihre Spaltöffnungen, um sich vor Austrocknung zu schützen.
Dadurch kommt die Assimilation und damit auch das Fruchtwachstum zum Stillstand, gefolgt von Sonnenbrand an Früchten und Blättern. In dem heissen Sommer 2003 mit ca. 14 Tagen mit über 40 °C im Schatten haben wir in Mittelbaden mit klimatisierender Bewässerung bei Apfel begonnen, d.h. wo es möglich war, wurde die Bewässerung etwa um 12 Uhr eingeschaltet und durchgehend oder auch in Intervallen von ca. 15 Minuten pro Stunde bis ca. 18 Uhr beregnet. Damit gelang es, die Temperatur in der Obstanlage von 40°C auf 28°C zu senken, was sich positiv auf Fruchtwachstum und Sonnenbrand ausgewirkt hat. Allerdings war dies bisher nur möglich, wo das verwendete Beregnungswasser einen geringen Gehalt an Mineralien, speziell wenig Kalk oder auch wenig Eisen hat, da sich besonders bei kalkhaltigem Wasser nach Verdunstung der Wassertropfen ein Kalkbelag auf Blatt und Frucht bildet, der normalerweise nicht mehr entfernt werden kann.
In 2005 ergab sich in einer Himbeeranlage (Tulameen), die mit Mikrosprinklern zur Überkronenbewässerung und Kühlung ausgestattet war, durch das verwendete Brunnenwasser mit 20°dH (Deutsche Härte) sehr schnell ein weißer Kalkbelag auf Blättern und Früchten, der die Assimilation drastisch einschränkte und die Früchte verunreinigte. Auf der Suche nach Abhilfe stießen wir auf die Carborain®-Technik:
 

WIRKUNG DER CARBORAIN®-TECHNIK

Die Carborain®-Technik wurde vor etwa 15 Jahren von der Firma Technica, Ratzeburg entwickelt zur Düngung von Kulturpflanzen mit CO² und zur Behandlung von Spritzwasser, um Pflanzenschutzmittel einzusparen.
Dabei wird dem Beregnungswasser mit Hilfe des Carborain®-Gerät  CO² zugeführt, dadurch bildet sich im Wasser Kohlensäure (=“Sprudelwasser“), der pH-Wert des Wassers wird je nach Dosierung bis maximal pH 5,0 gesenkt. Da die Kohlensäure zu den schwachen Säuren zählt, kann es - anders als bei den Mineralsäuren (z.B. Salpetersäure, Phosphorsäure u.a.) - keine Überdosierung geben, die Handhabung ist wesentlich unproblematischer und es gibt keine Rückstandsprobleme.
Die Kohlensäure (H²CO³) im Wasser reagiert mit den vorhandenen Karbonaten und hält diese in Lösung, so daß sie nicht ausfallen und kristallisieren können. Damit wird die Lösungsfähigkeit des Wassers für Calcium erheblich gesteigert – von 14 mg in CO²-freiem Wasser auf bis 1.086 mg CaCO³ pro Liter.
Um den Kalk bei einem pH-Wert von pH 7  und einer Karbonathärte von 22°dH in Lösung zu halten, also ein Ausfällen zu verhindern, sind etwa 0,2g CO² pro Liter Wasser (0,2g/l) erforderlich.
Dieser Lösungseffekt führt nicht nur dazu, daß keine „Kalktropfen“ mehr entstehen, sondern vorhandener Kalkbelag wird sogar schonend wieder abgelöst! Dies wäre auch eine hervorragende Möglichkeit, verkalkte Rohrleitungen bzw. Tropfer auf schonende Weise wieder zu entkalken!
 

EINSATZ EVTL. AUCH BEI EISENHALTIGEM WASSER

Eisen-II-hydroxid lässt sich wie Calciumhydroxid durch Kohlensäure auflösen, weniger jedoch Eisen-III-hydroxid oder Rost. Rost- und Kalkausfällung finden jedoch gleichzeitig statt, so daß bei der Lösung des Kalkes auch gleichzeitig der Rost mit abgespült wird. Beim permanenten Zusatz von CO² wird durch Oxidationsschutz der Übergang von Eisen-II zu Eisen-III erschwert. Laut Dr. Stefan Pust, Firma STP-Biotec Freiburg ist  deshalb ein Einsatz von CO² zur Vermeidung von Rostbelägen bei Eisen- und Calcium haltigem Beregungswasser vielversprechend.
 

PROBEEINSATZ IN EINER HIMBEERANLAGE

Beim Probeeinsatz in der „verkalkten“ Himbeeranlage konnte schon nach 30 Minuten Beregnen mit Carborain®-Wasser das schonende Ablösen des Kalkbelags beobachtet werden, Blätter und auch Früchte sahen danach sehr viel frischer aus und waren in keinster Weise beeinträchtigt!
 

KOSTEN

Die Kosten für ein Carborain®-Gerät inkl. erforderlichem Zubehör liegen je nach Leistungsbereich zwischen EURO 1.985,- (bis zu 12.000 l/h) und EURO 2.685,- (bis zu 30.000 l/h). Die Geräte können auch im Bypass betrieben und so auch für größere Leistungen eingesetzt werden.
Der CO²-Verbrauch ist von der Wasserqualität abhängig und liegt etwa zwischen 0,2 bis 0,3 Gramm CO² pro Liter Wasser.Für einen m³ Wasser werden also 0,3 kg benötigt. Wenn bereits Ablagerungen auf Früchten und Blättern vorhanden sind, ist zunächst eine höhere Dosierung von 0,5 Gramm pro Liter zu empfehlen, um die Beläge schneller zu lösen.
Die Kosten sind abhängig von der Gebindegröße zwischen 1,50 €/kg (Einzelflasche) bis 0,50 €/kg (Großtank). Die Kosten für behandeltes Wasser liegen demnach zwischen 1,50 bis 0,45 € pro m³. Um den CO²-Verbrauch möglichst gering zu halten, sollte deshalb nur zu Beginn und zum Ende der Bewässerung für jeweils 20 – 30 Minuten mit CO²-haltigem Wasser bewässert werden.
 

FAZIT

Die Behandlung von kalkhaltigem Beregnungswasser mit CO² zur Vermeidung von Kalkflecken ist eine genial einfache und umweltfreundliche Methode, die neue Perspektiven im Gartenbau ermöglicht und die weiterentwickelt werden sollte. 
 
Kontaktadresse für technische Fragen:
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Internet: www.technica-gmbh.de
 

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