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Zubehör, 20.12.2013

HEISSWASSERDUSCHEN STATT HEISSWASSERTAUCHEN

Eine neue Methode zur Bekämpfung von Gloeosporium im Bioapfelanbau
Im biologischen Apfelanbau haben wir es im Sommer mit mehreren Krankheitserre­gern zu tun. Neben dem Apfelschorf sind vor allem noch die Regenfleckenkrankheit und die Gloeosporium Lagerfäule sowie neuerdings auch die Marssonina Blattfall­krankheit wichtige Erreger, welche be­kämpft werden müssen. Je nach Sorte ha­ben wir dabei Strategien und Mittel gegen mehrere Erreger gleichzeitig zu entwi­ckeln. Andererseits will man vielfach mit einer Tankfüllung alle Sorten behandeln. 'Topaz', die Hauptsorte schlechthin im Bio­anbau, gehört mit 'Pinova' zu den gloeo-sporiumempfindlichsten Sorten überhaupt. Die im Bioanbau zugelassenen Wirkstoffe sind nicht so breit wirksam wie die in der Integrierten Produktion zugelassenen und decken meist nur ein kleines Spektrum der zu behandelnden Krankheiten ab. Zudem sind viele der Mittel weder miteinander mischbar noch hintereinander einsetzbar, weil sie wegen komplett unterschiedlichen pH-Werten (von sehr sauer bis stark alka­lisch) zu Blattschäden führen.
Aufgrund dieser Eingangsvoraussetzungen ist es daher sinnvoll, sich im Sommer um Regenflecken und Marssonina zu kümmern und die Bekämpfung von Gloeosporium mit anderen Methoden durchzuführen.
 

DAS HEISSWASSERVERFAHREN

Bereits im Jahr 1964 veröffentlichte Bur-chill in East Malling(GB) einen ersten Bericht über die Möglichkeit der Bekämpfung von Gloeosporium mittels Heißwasser. Aber erst in den letzten 20 Jahren folgten dann weitere Arbeiten (Paris, Schirmer u. Trierweiler in Karlsruhe, Peter Maxin in Dänemark, u. a.). Dabei wurden u. a. auch sogenannte Standardrezepte für das Heißwassertauchen entwickelt. So taucht man 'Topaz' bei etwas höherer Temperatur etwas kürzer als die eher hitzeempfindliche 'Pinova', die bei niedrigerer Temperatur etwas länger getaucht wird.
In der Steiermark hat Dr. Gottfried Lafer die ersten Versuche unternommen, welche vom Autor weitergeführt und ausgebaut wurden.
In den Versuchsjahren 2009 und 2010 konnten in einem sehr umfangreichen Versuch mit verschiedenen Behandlungen im Feld und anschließend unterschiedlichen Lagerungsmethoden kein Effekt von DCA Lagerung auf das Auftreten von Gloeosporium nachgewiesen werden. Nach Shelf-Life wiesen die DCA-gelagerten Äpfel genauso viel Gloeosporium auf wie die CA-gelagerten Früchte.
Nachdem die Gloeosporium-Probleme mit 'Topaz' infolge längerer Lagerdauer stark zugenommen haben, wurde im Jahr 2011 mit der Fa. Möstl Anlagenbau eine neue Heißwasserdusch-Versuchsanlage gebaut.
 

VORTEILE DES DUSCHENS

Beim Duschen arbeitet man mit sehr großen Wassermengen. Dadurch erfolgt der Wärmetransport sofort, d. h. innerhalb von einer Sekunde ist die gewünschte Temperatur im Inneren der Kiste. Außerdem ist hier die Steuerungsmöglichkeit der Temperatur viel exakter möglich.
Im Jahr 2011 wurde dann ein Großversuch mit den Sorten 'Pinova' und 'Topaz' gefahren. Insgesamt wurden 70.000 Äpfel aus zwei kritischen Anlagen heißwassergeduscht und teilweise auch anschließend rückgekühlt. Nach Lagerung im Kühllager bis März wurde dann auf Gloeosporium-Befall bonitiert (s. Abb. 1). Die Duschtemperaturen und Duschzeiten waren wie folgt:
• 'Topaz': 52 °C und 120 sec.
• 'Pinova': 50 °C und 150 sec. Zusätzlich zur Heißwasserdusche wurden zwecks Qualitätsverbesserung auch Versuche zur Rückkühlung der Äpfel durchgeführt. Die Äpfel wurden mit der gleichen Zeitspanne rückgekühlt (s. Abb. 2).
 

NEUE HEISSWASSER-DUSCHANLAGE

Aufgrund dieser sehr guten Ergebnisse des Heißwasserduschverfahrens wurde 2012 von den Von Herzen Biobauern bei der Fa. Möstl Anlagenbau eine Heißwasserduschanlage mit Rückkühlung in Auftrag gegeben (s. Foto 3).
Die Versuchsarbeiten 2012 waren dem Schwerpunkt Einfluss der Heißwasserbehandlung auf Qualität und Effizienzsteigerung gewidmet, dazu wurde von der Fa. Möstl eine eigene Kleinversuchsanlage für 20 kg Plastikkisten konstruiert. Während jede Erhöhung der Temperatur klarerweise eine Erhöhung der Schalentemperatur (gemessen 1 cm unter der Schale eine Minute nach Behandlung) als auch der Kerntemperatur zur Folge hatte, brachte eine Verkürzung der Zeit lediglich ein Absinken der Schalentemperatur, während die Kerntemperatur weitgehend gleich blieb. Die Rückkühlung der Früchte nach der Heißwasserbehandlung brachte einen gleich hohen Wirkungsgrad wie die Behandlung ohne Rückkühlung. Die Qualität der heißwasserbehandelten Früchte war gleich wie in der unbehandelten Kontrolle.
 

FAZIT UND AUSSICHTEN

Heißwasserduschen hat sich als Alternative zu Heißwassertauchen etabliert. Sowohl in den Versuchen als auch in der Praxis zeigt sich, dass diese Art der Behandlung sehr effizient ist. Die erzielten Wirkungsgrade liegen mit ca. 80 % ähnlich mit dem der besten Fungizide in der IP.
Rückkühlung nach der Behandlung mindert nicht den Wirkungsgrad. Diese kann in weiterer Folge eine Möglichkeit sein, um leichte optische Aufhellungen bzw. doch in der Praxis auftretende geringere Lagerfähigkeit der Ware zu kompensieren. Die in der Praxis heißwassergeduschten Äpfel der Sorte 'Topaz' zeigten sowohl nach der Auslagerung Mitte Mai als auch nach Shelf-Life eine hervorragende Qualität. Bezüglich des Einflusses von Heißwasserbehandlungen auf die Qualität der Früchte konnten keine messbaren Unterschiede festgestellt werden. Diese Untersuchungen werden jedoch in den folgenden Jahren fortgesetzt.
Bezüglich der Temperatur/Zeit-Kombinationen gibt es sicherlich noch einigen Spielraum. Während bei manchen Sorten wie 'Topaz' eine Effizienzsteigerung der Anlage möglich sein sollte (Verkürzung der Zeit), muss die Arbeit bei 'Pinova' in Richtung Verhinderung von Schalenverbräunungen gehen.
Heißwasserbehandlung kann jedoch niemals den optimalen Erntetermin ersetzen. Verspätet gepflückte Äpfel weisen einen ungleich höheren Befall mit Gloeosporium auf. Unsachgemäß gepflückte Früchte (Verletzungen durch Stiele oder Fingernägel) werden nach Heißwasserbehandlung verstärkt von Monilia bzw. Botrytis befallen. Bei ordnungsgemäß geernteten Früchten konnte jedoch kein Befall mit diesen Fäulen festgestellt werden.

Medium

1975 hat der Vorstand der Fachgruppe Obstbau den Beschluß gefaßt, ab Januar 1976 eine Verbandseigene Fachzeitschrift herauszugeben. OBSTBAU hat sich seitdem zu einer renommierten Fachzeitschrift entwickelt, auf die kein zukunftsgerichteter Betriebsleiter/ Betriebsleiterin verzichten kann. Mit einer Auflage von über 7000 Exemplaren ist OBSTBAU heute die größte überregionale Fachzeitschrift für Obstbau im deutschsprachigen Raum.

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