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Traktoren, 14.12.2013

OPTIMALE MASCHINEN- UND GERÄTEPFLEGE SENKT KOSTEN

Die Pflege der Maschinen und Geräte wird in der Praxis recht unterschiedlich durchgeführt.
Manche reinigen und warten diese nach der Ernte und wintern sie sorgfältig ein, prüfen sie vor Saisonbeginn und bereiten sie auf ihren Einsatz vor. Andere hingegen begnügen sich damit, vor dem ersten Einsatz nach der Winterpause zur Fettpresse zu greifen.
 

Hoher Kapitaleinsatz

Im Südtiroler Obst- und Weinbaugebiet sind rund 12.000 Traktoren, 6.000 Sprühgeräte, 8.000 Anhänger (mit Kippvorrichtung und Palettenanhänger), 8.000 Mulchgeräte sowie 3.000 Bühnenfahrzeuge unterwegs. Hinzu kommen noch Stapler, Herbizidfässer mit Balken, Laubschneider, Reisig-schwader, Boden- und Spatenfräsen und anderes Kleingerät. In Summe ergibt das rund 40.000 Maschinen und Geräte mit einem Gesamt-Neuwert von 550 bis 650 Millionen Euro. In einem durchschnittlichen Obstoder Weinbaubetrieb mit 3 bis 6 ha Anbaufläche stehen Maschinen und Geräte im Wert von rund 150.000 Euro. Der Aufwand für die Verzinsung (1,5%) und die Unterbringung macht 4.500 € pro Jahr aus. Die jährlichen Fixkosten betragen bei einer Abschreibungslaufzeit von 10 Jahren 19.500 Euro. Gelingt es, durch eine optimale Pflege die Laufzeit auf 15 oder sogar 20 Jahre anzuheben, so reduzieren sich die Fixkosten wesentlich. Ob eine so lange Abschreibungslaufzeit erreicht werden kann, hängt von der Betriebsgröße und der damit verbundenen Einsatzdauer sowie dem Umgang mit den Maschinen und Geräten ab.
Wir können davon ausgehen, dass mit einer optimalen Wartung die Abschreibungslaufzeiten bei allen Maschinen und Geräten wesentlich verlängert werden kann.
 

Wartungs- und Pflegetipps

Unterbringung: Alle Maschinen und Geräte sollten unter einem Dach Platz finden und nicht im Freien stehen. Regen, Frost sowie direkte Sonneneinstrahlung begünstigen die Rostbildung und die Korrosion der Metallteile, Gummiteile werden schneller spröde.
Betriebsanleitung: Mit jeder neuen Maschine und jedem Gerät wird eine Betriebsanleitung mitgeliefert. Bevor man die Maschine oder das Gerät in Betrieb nimmt, solle man diese auch lesen. Neben den technischen Daten beinhaltet sie die Sicherheitsmaßnahmen und den Wartungsplan, der einzuhalten ist.
Überwachung: In  modernen Traktoren sind Sensoren eingebaut, die z.B. das Motor- und Getriebeöl, die Kühlerflüssigkeit und die Schalt- und Hydraulikfunktionen überwachen. Die Sensoren zeigen beim Auftreten einer Störung, meist am Armaturenbrett, die fehlerhafte Funktion an. Warnsignale dürfen nicht ignoriert werden, da sie auf ein Problem hinweisen, das ehestens behoben werden muss.
Reinigung: Nach dem Gebrauch der Maschinen und Geräte sind diese mit einem Hochdruckreiniger zu säubern. Erdklumpen, Schlamm und Pflanzenschutzmittelreste müssen von Metalloder Kunststoffteilen entfernt werden. Nur bei sauberen Maschinen und Geräten erkennt man Leckstellen, Risse oder sonstige Schäden, die man unbedingt beheben muss.
Wartungsintervalle: In den Betriebsanleitungen findet man die Wartungspläne, sie sind einzuhalten und dürfen nicht überzogen werden. Einige Arbeitsgänge kann jeder selbst verrichten, wie Öl wechseln, Öl- und Treibstofffilter austauschen, Luftfilter säubern oder erneuern, Flüssigkeiten kontrollieren und eventuell nachfüllen. Besonders sauber müssen der Kühlergrill bei wassergekühlten und die Kühlerrippen bei luftgekühlten Motoren sein. Beim ersten Mulchgang der Saison setzen sich leicht die Samen vom Löwenzahn am Wasserkühler und an den Zylinderrippen fest und verhindern einen freien Luftdurchzug und können eine Überhitzung des Motors verursachen. Batterien sind sehr frostempfindlich, weshalb bei Bedarf destilliertes Wasser nachzufüllen ist. Falls erforderlich, sind sie aufzuladen. Mit dem Zuschalten eines Pulsgerätes säubert man die Bleiplatten vom Bleisulfat. So wird die Lebensdauer der Batterie wesentlich verlängert. Die elektrische Anlage ist immer wieder zu kontrollieren. Schmiernippel sind periodisch einzufetten, genauso wie der Luftdruck an den Reifen zu überprüfen ist. Ähnliche Handgriffe sind beim Anhänger oder Stapler notwendig.
Beim Sprühgerät ist der Saugfilter regelmäßig zu putzen und das Fass innen und außen zu säubern. Auch der Ölstand der Pumpe ist zu kontrollieren. Vor dem Überwintern muss ein Frostschutzmittel durch die Pumpe sowie Düsen geleitet werden, damit die Membrane nicht spröde werden. Diese Arbeit muss auch dann verrichtet werden, wenn das Gerät in einem frostsicheren Raum untergebracht ist.
Wie viel kann man einsparen?
Der Zeitaufwand für die Wartung und Pflege aller Maschinen und Geräte eines durchschnittlichen Obst- und Weinbaubetriebes beträgt rund 20 Stunden pro Jahr. Wer die gesamten Wartungen in einer spezialisierten Werkstätte durchführen lässt, muss bei einem Stundensatz von rund 50 € mit Kosten von 1.000 Euro pro Jahr rechnen. Hinzu kommen noch die Ausgaben für Filter, Öl, Frostschutzmittel u.a.m. Die Kosten, welche die spezialisierte Werkstätte dafür in Rechnung stellt, sind meist höher als jene, die bei einem Selbsteinkauf entstehen.
Die Einsparung dürfte pro Jahr rund 70 Euro betragen. Mehrausgaben entstehen hingegen durch den Ankauf eines entsprechenden Werkzeugsatzes. Die eigene Arbeitszeit für die Pflege und Wartung ist natürlich auch als Aufwand zu berechnen (12 Euro pro Stunde).
Wer seine Maschinen selbst wartet und pflegt, kann sich im Jahr rund 680 € sparen. Die Lebensdauer und der Wiederverkaufswert erhöhen sich durch eine gute Wartung wesentlich.

Medium


Obstbau Weinbau ist seit 1964 ein praxisorientiertes Fachmagazin des Südtiroler Beratungsrings für Obst- und Weinbau. Jährlich erscheinen 11 Ausgaben (Juli/August Doppelnummer) mit Fachartikel über Anbaumethoden, Versuche, Sorten, Forschungsergebnisse, Betriebswirtschaft, Statistiken, Züchtungsergebnisse, Pflanzenschutz, Vermarktung, Lagerung,  Studienreisen u.a. aus den Bereichen Obst-, Weinbau und Kellerwirtschaft.
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