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Zubehör, 03.12.2013

REBTERRASSEN: REPARATUREN VON BÖSCHUNGEN

In den teilweise kritisch steilen Böschungen von Rebterrassen-Anlagen besteht bei besonders trockener oder extrem nasser Witterung die Gefahr von Abrieselungen oder Abbruchen
Die Reparaturmassnahmen reichen - je nach Schaden - vom einfachen Flickwerk bis zur baulich anspruchsvollen Sanierung mit Steinkörben. Der folgende Beitrag (bei dem der Autor auf eigene Erfahrungen zurückgreift) geht auf den unterschiedlichen Aufwand an Geld und Infrastruktur solcher Wiederherstellungen ein, die in der Praxis oft in Eigenregie durchgeführt werden.
 
Für den Aufbau steiler Böschungen in Rebterrassen-Anlagen braucht es einen Untergrund, der wenig zur Rieselung neigt. Böden mit hohem Lehmgehalt sind besser geeignet als solche mit hohem Skelettanteil. Nach dem Bau ist eine rasche Begrünung unabdingbar (Abb. 1). Nicht immer sind jedoch die klimatischen Bedingungen ideal für ein schnelles Durchwurzeln und Zusammenhalten der Böschungsstruktur. Intensive Regenfälle oder lange Trockenperioden verhindern eine zügige Entwicklung der stabilisierenden Vegetation.
Es kann zu Abrieselungen oder sogar zu Abbruchen der Böschungskante kommen (Abb. 2).
 

Schnellreparaturen schwierig

Ein einfaches Wieder-Aufeinanderschichten der Erde und Zurückformen der Böschung sind nur selten von Dauer. Hier müssten genügend bewachsene Rasenstücke aufeinandergeschichtet werden können. In Neuanlagen fehlen meist solche bewachsenen Rasenziegel.
Mit Schwartenbrettern kann die Erdmasse stabilisiert werden. Bei den natürlichen Bewegungen einer Böschungwerden die entstehenden Etagen aber ständig gefüllt. Es entstehen überhängende Stufen, die nach dem Verfaulen der stabilisierenden Bretter wieder zu erneuten Rutschungen führen können. Die Schwartenbretter können zudem bei der maschinellen Mulch- oder Mäharbeit leicht losgerissen werden (Abb. 3 und 4).
 

Rasengittersteine

Wenn Böschungskanten im Bereich der Wendeplatten abrutschen oder mitten in den Terrassen grössere Abbruche zu reparieren sind, bringt ein Aufbau mit Rasengittersteinen die besten und stabilsten Resultate. Mit eingeschraubten Ankern und Kupferdrähten oder sonst rostfreien Drähten werden die Elemente in der Böschungsneigung zum Beispiel mit Wasserrohren befestigt (Abb. 5). Die Böschungen wachsen mit der Zeit ein und heben sich von den normal verwachsenen Terrassen kaum noch ab. Bei der Bearbeitung der Böschung mit Mulchgeräten oder Mähmessern stellen die Rohre im Bereich der ro tierenden Geräteteile oft eine Gefahrenquelle dar (Abb. 6). Andererseits sind die Aufbauarbeiten mit Rasengittersteinen schnell erledigt. Die gewichtigen Steine, die zur Befestigung der Böschungen in den Rebberg gekarrt werden, müssen nach Ende der Lebensdauer aber auch wieder entfernt werden. Mit den Jahren werden die Steine mürbe.
 

Armierungseisen mit Jutenetz

Massive Rutschungenin einer Neuanlage vonAgroscope an der Sternenhalde in Stäfa, wo wegen intensiven Regenfällen und teilweise ungünstigen Bodenverhältnissen (steinig, grosser Skelettanteil) der Hang instabil wurde, haben die Verantwortlichen bewogen, nach alternativen Stabilisierungsmethoden zu suchen. Neue Techniken zum Aufbau steiler, bewachsener Böschungen entlang von Autobahnen standen der Idee zu einer schnelleren und günstigeren Reparaturmethode Pate: Stabiles Drahtgeflecht wird mit einer Folie hinterlegt, durch die die Begrünung wachsen kann (Abb. 7 und 8). Das im Strassenbau professionell zur Anwendung gelangende Verfahren darf aus Haftpflichtgründen bezüglich Stabilität laut Angaben des Herstellers nur unter Beizug eines Ingenieurs zur Anwendung gelangen. In dieser Situation entstand der Gedanke, stabile Armierungseisengitter auf die erforderliche Länge und Breite zuzuschneiden und mit Jutenetzen zu hinterlegen. Das Tuch wird zur Montage mit Kabelbindern am Eisengitter befestigt.
 

Montage leicht gemacht

Mit dem Kleinbagger wird dann am Böschungsfuss ein kleiner Graben geöffnet (Abb. 9) und das Gitter in der vorgegebenen Flucht eingelassen. Mit eingeschraubten Ankern kann die Steilheit der Böschung eingestellt werden (Abb. 10). Je nach Beschaffenheit des Bodens werden Telleranker, Spiralanker oder Fenox Erdanker verwendet. Auch gebrauchte Anker leisten hier oft noch wertvolle Dienste. Mit dem Kleinbagger wird dann das Gitter mit dem Jutetuch hinterfüllt (Abb. 11). Schon bald wird sich diese Abbruchsteile neu verwachsen. Gut verlegte Gitter sind beim Mulchen kaum spürbar und halten über Jahre. Auf den Einbau von gelochter Pflanzfolie aus Kunststoff wurde bewusst verzichtet. Das nicht verrottende Material kann kaum mehr entfernt werden.
 

Steinkörbe

Bei grossen Abbruchen in der Nähe von Wendeplatten oder bei massiven Einschnitten in die bestehende Bodenstruktur kann die Reparatur auch mit dem Aufbau von Steinkörben erfolgen. Das Gewicht der Steine bringt es mit sich, dass zuerst eine stabile Auflage, ein haltbares Fundament hergestellt werden muss. Für den Transport der eingebauten Steine, die Erdbewegungen und das arbeitsaufwendige Schichten der Steine im Korb ist intensiver Maschineneinsatz notwendig. Die Zugänglichkeit der Reparaturstelle für einen Kleinbagger, eine Kleinraupe oder Traktor muss gewährleistet sein. Es braucht zudem genügend Platz für die Deponie von Erde und Baumaterial. Da es sich hier, wie die Abbildungen 12 und 13 zeigen, um eigentliche gartenbauliche Geländeveränderungen mit landschaftsgestalterischem Anspruch handeln kann, sind die gesetzlichen Vorgaben der geltenden Bauordnungen zu prüfen. In der Regel sind solche Vorhaben bewilligungspflichtig und es muss vor Arbeitsbeginn eine Baueingabe an die Standortgemeinde erfolgen.
 

Medium

Die Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau (SZOW) verbreitet die Forschungsresultate von Agroscope, der deutschsprachigen Forschungsinstitute und der Fachorganisationen im Reb- und Obstbaubereich. Die wissenschaftlichen Artikel behandeln Themen im Bereich Rebbau, Önologie, Obstbau, Obstverarbeitung sowie Lebensmittelqualität und -sicherheit.
Die in deutscher Sprache erscheinende Zeitschrift enthält französischsprachige Zusammenfassungen der Fachbeiträge. Sie erscheint zweimal pro Monat und richtet sich vor allem an Produzenten, Berater, Lehrpersonen, Bibliotheken, Handelsunternehmen sowie interessierte Laien. Herausgeber der SZOW ist der Verein Publikationen Spezialkulturen (VPS) mit Sitz in Wädenswil, Schweiz.
 
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