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Traktoren, 08.11.2013

FÜR DEN FALL, DASS ES ERNST WIRD

Die Sicherheit hat beim Fahren in hängigem Gelände oberste Priorität. Bei Flächen mitentsprechender hangnegung sollte der Schlepper mit einer Nothalteeinrichtung ausgerüstet werden.
Auch bei den Reifen gilt es, den richtigen Kompromiss zwischen Preis, Traktion und Bodenschonung zu finden.
Meist mit Hilfe von Flur­neuordnungsverfahren wurde in den vergangenen Jahrzehnten die Möglichkeit eröffnet, auch sehr steile Lagen im Direktzug zu befah­ren und damit eine nachhaltige Bewirtschaftung zu ermögli­chen. Dabei wurde auch ver­sucht, die Hangneigung so weit wie möglich zu reduzieren. Die topografischen Gegebenheiten setzten dahingehend aber enge Grenzen. Je nach eingesetzter Technik, Schleppertyp, Boden­zustand und je nach der Risiko­bereitschaft des Winzers wer­den heute auch Grenzsteigun­gen um 50 Prozent befahren, das sind etwa 26,5 Grad Hangneigung.
Leider ist eS keine Seltenheit, daSS bei der Fahrt in steilem Gelände oft sehr schwere Un­fälle passieren. Die Dynamik ei­nes Schleppers, der die „Boden­haftung" verliert, ist gewaltig. Allzu oft sind dabei schwerste Verletzungen und immer wie­der auch Todesfälle zu bekla­gen. Gerade termingebundene Arbeiten wie Pflanzenschutz oder auch der Traubentrans­port im Herbst bergen große Abrutschgefahr, da nicht immer günstige Bodenverhältnisse ab­gewartet werden können. Wer steile Lagen befährt, muss da­her an die eigene Sicherheit größte Anforderungen stellen. Oft erwacht das Bewusstsein für Sicherungssysteme be­sonders in den Betrieben, bei denen die nachwachsende Ge­neration auf den Schlepper steigt.
 

Allrad muss sein

Ohne Vierradantrieb ist eine Bewirtschaftung von Hang­lagen mit dem Schmalspur­schlepper nicht möglich. Bei vielen älteren Schleppern sind bauartbedmgt der Allradan­trieb und damit auch der durch Allrad bedingte Bremseffekt unter Last nicht zuschaltbar. Die häufigste Ursache für „Ab­stürze" liegt darin, die Zuschaltung des Allrads bei der Ein­fahrt in steile Weinberge zu ver­gessen. Bei neueren Schleppermodeilen kann die Allradtechnik mitteis Knopfdruck in jeder Situation zu- oder abgeschalet werden.
Vor einem Schlepperkauf bietet es sich an, sich die Steigfähigkeit vorführen zu lassen. Die Investition für einen Schlepper ist beträchtlich, so das für den Be­trieb eine optimale Lösung ge­funden werden sollte. Schmalspurschlepper sind Spezialschlepper, die für den Einsatz in Sonderkuhuren mit geringen Zeilenbreiten geeignet sind. Durch die geringe Spurweite besteht besonders im hängigem Gelände leicht die Gefahr des Umstürzens. Durch die verschiedenen Anbaugeräte im Front-, Zwischenachs- oder Heckbereich kann es zu Gewichtsverlagerungen kommen, welche die Fahreigenschaften des Schleppers besonders auch bei unbeabsichtigtem Rutschen beeinflussen.
Beim Kauf eines Schleppers sollte aus Gründen der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes Wert darauf gelegt werden, dass eine geschlossene und klimatisierte Sicherheitskabine vorhanden ist. Sie schützt den Fahrer auch besser bei eventuellen Unfällen.
 

Nicht bei der Nothalteeinrichtung sparen

Bei der Neuanschaffung eines Schmalspurschleppers ist zu prüfen, ob die Ausstattung mit einer Nothalteeinrichtung Sinn macht. Wenn Steigungen von mehr als 30 Prozent befahren werden - und dies ist in Betrieben der Fall — sollte für den Notfall vorgesorgt werden. Auch bei den meisten Altschleppern ist ein nachträglicher Einbau möglich. Die Nothaltevorrichtung dient als Hilfe zum Abbremsen des Traktors beim Abrutschen in steilem Gelände. Die Nothalte-Vorrichtung kann auch zum Sichern des Traktors verwendet werden, wenn dieser zum Beispiel im abschüssigen Gelände abgestellt werden soll. Auf dem Markt sind Modelle der Firmen Huber (bis 2009 Firma Leible) aus Durbach sowie Maihöfer aus Fellbach. Auch die Baywa Werkstätten im Württenbergischen Brackenheim und in Franken bauen professionelle Nothaltesysteme ein. Die Firma Huber teilt mit, dass es für viele Schleppertypen vorgefertigte Bauteile gibt, die dann von einer Fachwerkstatt vor Ort eingebaut werden können. Bei der Firma Holder wird zum Beispiel eine Steilhang-Notbremse 0ptional beim Schlepperkauf angeboten. Neben professionellen Steillagensicherungen gibt es auch betriebliche Eigenkonstruktionen, bei denen hydraulisch oder auch nur ein mechanisch wirkende Zinken oder Dorne in den Boden eingelassen werden, wenn die Haftung verloren geht. Eine einwandfreie Funktionsweise ist dabei sicherzustellen, damit die möglicherweise höhere Risikobereitschaft nicht bestraft wird. Grundsätzüch sind rein hydraulische Systeme an das Laufen des Motors be! entsprechenden Drehzahlen gekoppelt. Dies ist dann ein Problem, wenn Drehzahl fehlt oder das Hydrauliksystem durch anderweitige Nutzungen am Schlepper „belastet" ist. Oft ist es so, dass bei Notsituationen als nartürliche Reaktion die Bremse betätigt wird, dadurch das Fußgas wegfällt und die Drehzahl zurückgeht. Auch bei noch so klaren Gedanken an die richtige Vorgehensweise bei Notsituationen ist im Ernstfall der Stressfaktor so groß, dass wider besseres Wissen gebremst anstatt Gas gegeben wird. Deshalb basiert die Funktion der professionellen Nothalteeinrichtungen auf dem Prinzip, dass Druckenergie in einem Speicher bevorratet und mitgeführt wird. Tritt eine gefähriiche Situation auf, kann ein Notschalter betätigt werden. Die Bremseinrichtungen drücken sich auch bei nicht laufendem Motor in den Boden und bringen den Traktor zum Anhalten. Eine noch nicht allgemein umgesetzte Forderung an die optimale Funktionsweise von Sicherungssystemen sollte auch sein, dass rückwärtiges Abrutschen bei der Bergauffahrt sicher abgefangen werden kann. Die Ausrüstung eines Schmalspurtraktors mit einer Druckspeicher- Nothalteeinrichtung kostet bis zu 6000 Euro. Wenn man bedenkt, welche gesundheitlichen und finanziellen Folgen ein Unfall nach sich ziehen kann, relativieren sich die Kosten für den Einbau eines Nothaltesystems schnell. Es gilt der Grundsatz Vorbeugen ist besseres hei(u)len.
 

Reifen: Den richtigen Kompromiss finden

Solange die hangabwärts gerichtete Kraft kleiner ist als die „festhaltende" Kraft: ist die Fährt noch kontrollierbar. Nicht zu unterschätzen ist deshalb der Einfluss des Reifenprofils und des Reifendrucks auf die Steig- und auch Bremsfähigkeil im Hang. Je geringer der Reifendruck ist, desto besser ist die Traktion, sprich Kraftübertragung vom Reifen auf den Boden. Der Nachteil von geringem Reifendruck ist aber auch ein größerer Verschleiß bei Straßenfahrten bzw. beim Wendevorgang. Deshalb wird man sich letztllch auf einen Kompromiss in Sachen Reifendruck festlegen müssen. Wer bei der Reifenauswahl die Begrünung so gut wie möglich schonen will, hat mit Terrareifen die richtige Wahl getroffen. Ist allerdings bei unbegrüntem Böden das Profil bei Terrareifen zugeschmiert, geht die Haftfähigkeit drastisch zurück. Ähnlich verhält es sich bei frisch gemulchtem, nassem Boden oder bei Strohauflage. Frisch aaugebrachtes Stroh wirkt wie eine Rutschbahn. Stollenreifen belasten die Begrünung stärker, verfügen aber bei weicherem Boden über mehr Eindringtiefe. Allein schon aus Gründen des Erosionsschutzes und aus Gründen eines größeren Zeitfensters bei der Befahrbarkeit sind begrünte  Böden heute Standard. Bei begrünten Böden gibt es in Bezug auf die Rutschgefahr Unterschiede, je nachdem, wie lang das Gras gewachsen ist, wann gemulcht wurde und besonders wie viel Mulchgut im Bereich der Schlepperspur abgelegt wurde. Ein Winzer hat berichtet, dass er beim Rebenhäckseln auf hart gefrorenem Boden rückkwärts abgerutscht ist. Die unterschiedlichen Einflussgrößen lassen auf keinen Fall pauschalierte Aussagen zu, bei welchen Bodenverhältnissen und bei welchem Reifen-und Schleppertyp entsprechende Steigungen befahrbar sind. Für die Steigfähigkeit spielt auch die Gewichtsverteilung am Schmalspurschlepper eine wichtige Rolle. Dies hängt neben dem Schleppertyp davon ab, welche Anbaugeräte benützt werden. Teilweise ist es daher notwendig, ein Gegengewicht anzubauen. Bei der Neuanschaffung von Reifen gilt es, den individuell richtigen Kompromiss zwischen Preis, Traktion und Bodenschonung zu finden. Das Fahren mit „Slicks" ist bei Formel-1-Rennen auf trockener und ebener Fahrbahn erfolgreich, im Weinberg ist das Gefahrenpotenzial durch abgefahrene Reifen enorm.
 

Querterrassierung: Eine Überlegung wert

Eine zunehmend gefragte Altemative zur Steilhangbewirtschaftung in der Falllinie sind Querterrassen. Die Ortenau ist dahinehend die führende Weinbauregion in Deutschland. Neben einer nahezu permanent möglichen Befahrbarkeit begrünter Querterrassen ist auch die körperliche Entlastung bd Handarbeiten nicht zu unterschätzen. Eine Umstellung auf dieses System bedingt aber wegen der Kleinparzellierung meist ein gemeinsames Handeln,  damit vernünftige Zeilenlängen erreicht werden können.
Technische Sonderausstellungen speziell für Steillagen werden zukünftig noch mehr an deren Wirtschaftlichkeit gemessen. Deshalb ist bei der Überlegung der Bewirtschaftung von Steillagenweinbergen grundsätzlich eine Systemumstellung in Form der Querterrassierung anzudenken. Da ab 35 Prozent Hangneigung auch in „normalen Steillagen" der Traubenvollernter an seine Grenzen kommt, ist das System Querterrassen in dieser Hinsicht kein Nachteil.
 

FAZIT

Die Gesundheit ist ein kostbares Gut  Wer steile Rebblächen bewirtschaftet, lebt ständig in der Gefahr dass erwas passiert. Nothalteeinrichtungen können hier helfen. Steilhangsicherungen lassen sich beiriebewirtschaftlich nicht rechnen. Wer wili schon schwere Verletzungen oder gar noch Schlimmeres monerär bewerten? Deshalb sollten sich die Bewirtschaffter von steilen Lagen informieren, weiche Möglichkeiten an Sicherungssystemen es für ihren Schmalspurschlepper gibt.  Mittel und langfristig ist bei alien Flächen mit mehr als 35-40 % Hangneigung darüber nachzudenken, diese auf Querterrassierung umzustellen. Das geht aber meist nur gemeinschaftlich.

Medium


„Der Badische Winzer“ ist die auflagenstärkste Monatsfachzeitschrift in Deutschland und wird vom  Badischen Weinbauverband mit Sitz in Freiburg herausgegeben. Die Leserinnen und Leser erfahren umfassend, praxisnah und kompetent die neuesten Trends in Anbau, Kellertechnik und Vermarktung. Aktuelle Brancheninformationen ergänzen den Fachteil. Ein kostenloses Probeheft oder ein Abonnement (Jahrespreis Deutschland: 40,80 Euro inklusive Porto, EU-Ausland: 66,60 Euro inklusive Porto) können Sie unter Tel. 0049 761 2713351, vertrieb@blv-freiburg.de (Sonja Wahl, Daniela Brandsch) anfordern. Oder online über die Webseite des Badischen Weinbauverbandes: www.badischer-weinbauverband.de
 
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