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Hagelschutz, 15.07.2013

HAGELNETZE GEGEN HAGEL UND SONNENBRAND IN ERDBEEREN

Die jährlichen Kosten für das Hagelnetz inklusive dem Arbeitsaufwand für Ausbringung und das Ab- und Aufdecken bei Erdbeeren liegen unter den Kosten für eine Hagelversicherung.

Hagelnetze gegen Hagel und Sonnenbrand in Erdbeeren

 
2008 wurden von der Anbauberatung des Obstgroßmarktes Mittelbaden die ersten Versuche mit Hagelnetzen in Erdbeeren durchgeführt. Hierbei stand der Schutz vor Sonnenbrand in den empfindlichen Sorten Darselect und Alba im Vordergrund. Da die Hagelereignisse in Mittelbaden ab 2008 jährlich zunehmend starke Schäden in Erdbeeren verursachen, liegt der Focus jetzt beim Hagelschutz.
 

Versuche 2008-2011

Hagelschutz: Bereits im ersten Versuchsjahr 2008 konnte die Wirkung bei Hagel getestet werden.  Der Schutz gegen Hagel zeigte sich am 30.5.2008 bei einem starken Hagelschauer. Zu diesem Zeitpunkt waren in den verfrühten Beständen je nach Sorte 40-50 Prozent der Früchte bereits gepflückt. Während die Früchte ohne Netz Hagelschäden von 50-60 Prozent aufwiesen, waren die Früchte unter Hagelnetz fast unbeschädigt.
In der Saison 2010 zeigte sich die Wirkung des Hagelnetzes in der Sorte Alba sehr deutlich (Tab. 1). Das frühe Hagelereignis am 11.05.2010 traf die Region um Oberkirch sehr früh in der Saison, noch bevor die ersten Früchte geerntet wurden. Die Versuchsparzellen wurden exakt beerntet und ausgewertet. Es wurden alle Früchte mit Hagelschaden gezählt. Eine Unterscheidung nach Schadensklasse wurde nicht durchgeführt. In der nicht geschützten Parzelle lag der Hagelschaden, bezogen auf die gesamte Ernte, bei 52 Prozent. In der Parzelle mit Hagelnetz entstand ein Schaden von nur 2 Prozent. Bei Hagelereignissen mit mehr bzw. größeren Hagelkörnern kann der Schaden unter dem Hagelnetz durchaus höher liegen.
Bei verschiedenen Hagelereignissen in den Jahren 2011 (22.05.) und 2012 (15.05., 19.05., 30.05.) konnte auf vielen Flächen in Mittelbaden die gute Schutzwirkung des Hagelnetzes bestätigt werden. Eine exakte Auswertung wurde jedoch nicht mehr vorgenommen.
Bei der Bewertung von Hagelschäden muss neben dem Fruchtschaden an den Früchten auch die Mehrarbeit für die Sortierung während der Ernte und die Ertragsminderung durch den Schaden am Laub berücksichtigt werden.
 
Sonnenbrandschutz: Im Versuch 2010 konnte zusätzlich die Wirkung gegen Sonnenbrandermittelt werden. Im Gesamtergebnis (Tab. 1) sieht der Schaden durch Sonnenbrand sehr gering aus. An den einzelnen Tagen mit Sonnenbrand wird der Schaden und der Unterschied zwischen den Varianten mit und ohne Hagelnetz deutlicher. So konnte in der Sorte Darselect (Abb. 1) der Schaden durch Sonnenbrand an den kritischen Terminen zwischen 85 und 100 Prozent reduziert werden. In der Sorte Alba trat unter dem Hagelnetz zwischen 37 und 73 Prozent weniger Sonnenbrand auf. In der Saison 2011 wurde bei der Ernte am 20. Mai die Schutzwirkung des schwarzen Hagelnetzes nochmals bestätigt. Durch die hohe Sonneneinstrahlung und Tageshöchsttemperarturen von 28°C vor und zur Ernte wurde in der Parzelle ohne Hagelnetz ein Schaden durch Sonnenbrand von 10 Prozent bonitiert, während in der Parzelle mit Hagelnetz nur 1 Prozent Schaden ermittelt wurde. Sonnenbrand empfindliche Sorten (Darselect, Alba u.a.) sollten außerdem möglichst mit Reihenrichtung Nord-Süd gepflanzt werden. Die Ergebnisse der Versuche bestätigen die Wirkung des Hagelnetzes und die Beobachtungen der Vorjahre.
 

Weitere Erfahrungen

Fruchtfäulen: Bei permanenter Abdeckung kann es durch das veränderte Mikroklima zu höherer Luftfeuchte und verlängerter Blatt- bzw. Fruchtnassdauer kommen. Ein Anstieg der Fruchtfäulen konnte bisher nicht beobachtet werden. Durch die relativ große Maschenweite des Hagelnetzes findet ein Luftaustausch und ein schnelles Abtrocknen statt.
 
Reifeverzögerung: Die Frage nach einer Verspätung der Ernte durch die Abdeckung mit Hagelnetzen wird in Frühgebieten häufig diskutiert. Aus dem Apfelanbau ist bekannt, dass Hagelnetze durch die Beschattung die Reife verzögern. In den Versuchen konnte eine Verzögerung von 1-3 Tagen, d.h. einer Pflücke, beobachtet werden.
 
Welche Maße für die Netze sind sinnvoll? Die Breite der Netzbahn in Erdbeeren errechnet sich aus der Nettofläche plus 15-20 Prozent. Für die Abdeckung von Erdbeeren hat sich eine Breite der Hagelnetzbahnen von 12 m bewährt. Damit können, bei 1 m Reihenabstand, 11 Reihen abgedeckt werden. Liegen Beregnungsrohre in der Anlage, sollte die Netzbreite entsprechend angepasst werden. Bei Netzbreiten über 15 m wird das Handling beim Auf- und Abdecken schwierig. Die Länge der Netzbahnen sollte nicht über 200 m betragen, damit die Rollen zum Aufwickeln und Lagern nicht zu schwer werden und das Volumen nicht zu groß wird. Bei einem Gewicht von 45g/m² wiegt eine Netzbahn von 12x100 m ca. 55 kg. Für das Aufwickeln können Folienwickelmaschinen verwendet werden.
 
Termin und Dauer der Abdeckung mit Hagelnetz: Die Erdbeerbestände werden am Ende der Blüte, wenn sich die meisten Blüten/Früchte bereits abgesenkt haben und die Pflanzenschutzbehandlungen abgeschlossen sind, abgedeckt. Eine frühere Abdeckung kann eventuell zu mechanischen Schäden führen, z.B. wenn Blüten bzw. Früchte am Netz anstehen. Die Bestände werden während der Reife nur zu den Pflückterminen aufgedeckt, damit sie bei den genannten Witterungsereignissen auch tatsächlich geschützt sind.
 
Arbeitsaufwand: Das Ab- bzw. Aufdecken des Hagelnetzes kann mit 2 Personen durchgeführt werden. Pro Arbeitsgang sind pro Person ca. 30 Minuten pro Hektar notwendig. Da das Hagelnetz sehr leicht ist und bei Feuchtigkeit nicht wie bei Folie bzw. Vlies  zusammenklebt, geht dieser Arbeitsgang sehr einfach.
 
Befestigung: Das Hagelnetzwird mit Sandsäcken befestigt. Ein Abstand der Sandsäcke von ca. 15-20 m reicht aus. Alternativ können auch selbst hergestellte Erdhaken (Baustahl, ca. 50 cm, mit Öse) verwendet werden. Dank des niedrigen Eigengewichts und dem geringen Luftwiderstand ist die Windanfälligkeit des Hagelnetzes gering. Während der Ernte wird das Hagelnetz in eine Gasse gelegt oder über den angrenzenden Block gezogen. Das Hagelnetz nimmt bei der Ablage in eine Gasse ein recht großes Volumen ein und kann die Ernte mit Erntewagen behindern.
 
Schäden an den Kulturen:Bisher wurden durch das Ab- bzw. Aufdecken weder an Pflanzen noch an Früchten Schäden beobachtet. Auch bei Clery, deren Blattstängel leicht brechen, gab es keine Schäden.
 
Kosten: Das Hagelnetz muss mit ca. 0,30 – 0,33 €/m² zuzüglich Mehrwertsteuer kalkuliert werden. Pro Hektar werden 11.500 – 12.000 m² Netz benötigt. Damit entstehen Kosten von 3.500 – 4.000 € pro Hektar. Die Haltbarkeit wird mit 15 bis 20 Jahren angegeben. Für das Ab- und Aufdecken muss bei 12 Pflückterminen mit ca. 24 Arbeitsstunden kalkuliert werden.
 
Weitere Funktionen des Hagelnetzes: Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt,dass bei Starkregen die großen Tropfen durch die Hagelnetze gesplittet werden und dadurch weniger Wasserschäden an den Früchten entstehen.
Außerdem wird durch das Hagelnetz der Vogelfraß an Beeren verhindert. Stärker zunehmend sind auch Schäden durch Rabenvögel während bzw. nach der Pflanzung von Grünpflanzen. Die Krähen ziehen bereits gepflanzte Erdbeerpflanzen aus der Erde und die Pflanzen vertrocknen. Durch eine Abdeckung mit Hagelnetz sind die Pflanzen in der Anwachsphase geschützt. Das Netz sollte nach dem Anwachsen wieder abgenommen werden. Wird das Hagelnetz länger belassen, kommt es durch die Beschattung zu einer verzögerten Pflanzenentwicklung. Im Winter kann das Hagelnetz auch zum Schutz vor Fraß durch Rehe eingesetzt werden.
Ein weiterer Aspekt, der noch nicht vollständig geprüft ist, ist eine mögliche Verlängerung der Pflückabstände. Wenn das Hagelnetz, wie empfohlen, während der gesamten Ernteperiode auf den Beständen liegt, können die Pflückabstände nach bisheriger Beobachtung um 1 bis 2 Tage erweitert werden. Durch die Schattierung zeigen die Früchte eine langsamere Entwicklung. Hintergrund sind Überlegungen, Arbeitsspitzen in der Ernte bei nicht ausreichenden Arbeitskräften bzw. schneller Reifeentwicklung abzupuffern.
Bedenken verschiedener Produzenten, dass die Früchte in Hagelnetz gedeckten Beständen, die während der Pflücke hoher Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind,  empfindlicher gegen Sonnenbrand als nicht schattierte Früchte sind, konnte bisher nicht bestätigt werden.
 
Kälteschäden bei starkem Hagel in 2011: Bei einem starken Hagelereignis 2011 waren die Hagelnetze teilweise gut mit Hagelkörnern gefüllt. Bei Früchten, auf denen sich Hagel angehäuft hatte, kam es beim Abtauen durch den Wärmeentzug zu  Kälteschäden. Dies kann bei extremen Hagelereignissen durchaus vorkommen. Allerdings waren die Kälteschäden im Vergleich zu den Hagelschäden nicht gedeckter Flächen deutlich geringer.
 

Zusammenfassung

In Mittelbaden wird seit 2008 der Einsatz von schwarzen Hagelnetzen in den Erdbeeren getestet. Aufgrund der zunehmenden Hagelereignisse werden im Gebiet mittlerweile über 100 ha mit Hagelnetzen geschützt. Die Schutzwirkung gegen Hagel lag an zwei Hagelereignissen bei über 95 Prozent. In den empfindlichen Sorten Darselect und Alba konnte Sonnenbrand an kritischen Terminen um 37 bis 100 Prozent reduziert werden. Unter dem Hagelnetz wurde eine Reifeverzögerung von 1 bis 3 Tagen durch die Beschattung festgestellt. Positive Nebeneffekte wie Schutz bei Starkregen oder Vogel- und Wildschutz wurden beobachtet. Die jährlichen Kosten für das Hagelnetz inklusive dem Arbeitsaufwand für Ausbringung und das Ab- und Aufdecken liegen unter den Kosten für eine Hagelversicherung.
 

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„Besseres Obst“  ist die Fachzeitschrift für Erwerbsobstbauern und alle am Obstbau Interessierten. Neben Beiträgen zur Technik bringt das Fachmagazin zielgerichtete Informationen und Fachartikel zu Produktion, Pflanzenschutz, Sorten, Ernte, Lagerung und Vermarktung von Tafelobst sowie zur Obstverarbeitung.
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