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Zubehör, 26.05.2013

ENTWÄSSERUNGSSYSTEME IN DER KELLERWIRTSCHAFT

Bei der großen Anzahl der Varianten bei den heute angebotenen Entwässerungssystemen sollte bei Neubauten frühzeitig in die Planung eingestiegen werden.

Marktüberblick

In allen Kellereibereichen, wo größere Abwassermengen anfallen, muss für eine schnelle und geordnete Abführung gesorgt werden. Dadurch werden Reinigungsmaßnahmen minimiert und ein Maximum an Arbeitssicherheit wird gewährleistet. Ziel der geordneten Abwasserabfuhr ist, mit geringem Zeitaufwand die Flächen zu reinigen und die anfallenden Abwässer schnell und unter Rückhaltung von groben Schmutzstoffen abzuführen. Dies wird heute in der Regel durch den Einbau von Entwässerungssystemen erreicht.
 

Planung

Für die Planung von Entwässerungssystemen ist von Bedeutung: ob es sich um Schmutzwasser mit oder ohne grobe Verunreinigungen handelt, wie groß die zu entwässernde Fläche ist, welches Gefälle vorhanden ist und welche Menge Schmutzwasser innerhalb einer Sekunde (l/sec) anfallen kann. Aus diesen Angaben kann bei Bedarf mittels einer hydraulischen Berechnung die notwendige Entwässerungsleistung eines Rinnensystems ermittelt werden. Diese gibt an, wie viel Wasser am offenen Ende einer Rinne abfließen kann, beziehungsweise welches Maß für die Rinne gewählt werden muss.

Die Planung des Entwässerungs­systems hängt grundsätzlich von der Raumgeometrie und der daraus resultierenden Aufstellung der Behälter ab. Je nach Aufstellungsplan der Behälter und ihrer Zuordnung zu den Arbeitsbereichen kann entweder eine Punktentwässerung oder eine Linienent­wässerung günstiger sein.
 
Punktentwässerung
Von einer Punktentwässerung spricht man, wenn das Schmutz­wasser durch Abläufe an einzelnen bestimmten einzelnen Punkten im Raum gesammelt wird, die wegen des vorhandenen ­Gefälles von 1 bis 2% den jeweils tiefsten Punkt im Entwässerungsabschnitt bilden. Die Punktentwässerung wird meistens dort eingesetzt, wo wenig Wasser anfällt oder die zu entwässernden Flächen nicht zu groß sind.
 

Linienentwässerung

Unter Linienentwässerung versteht man (im Gegensatz zur Punktent­wässerung), dass ein Strang aus Entwässerungsrinnen auf seiner gesamten Länge das anfallende Abwasser aufnimmt und der Grundleitung zuführt. Da die zu entwässernden Oberflächen dieser Entwässerungslinie ­zugeneigt sein müssen, entsteht zwischen den Rinnensträngen in der ­Regel ein Dachprofil. Die Linienentwässerung mittels Schlitz-, Kasten- oder Kombirinnen kommt überall da zum Einsatz, wo eine schnelle Abführung der anfallenden Reinigungs­wasser oder Anlagenwasser erfolgen soll – wo die Wege also eher kurz sind. Zum Einbau von Schlitzrinnen mit Innengefälle muss ein entsprechend hoher Bodenaufbau von mindesten 15 bis 20 cm eingeplant werden.
 

Rinnensysteme

Die abdeckungslose Schlitzrinne ist leicht zu reinigen, hygienisch, tot­raumfrei und meist in Edelstahl erhältlich. Die Schlitzrinnen wurden hinsichtlich der hygienischen Bedingungen und der Stabilität immer wieder verbessert. Das große Seitengefälle sichert die Schmutzabfuhr auch bei wenig Wasseransammlung. Edelstahl-Randverstärkungen machen die Schlitzrinne mit Stapler befahrbar. Meist weisen Schlitzrinnen ein Innengefälle von 0,5 bis 1% auf, wodurch bei langen Rinnen meist der Einbau eines Siphons notwendig wird. Die Schlitzweite, die Art des Randprofils, die Materialstärke und die Ausführung des Anschlussprofils (Standard-, Estrich-, Fliesenanschluss) können den Anforderungen entsprechend verändert werden.

Die breitere und besser einsehbare Kombirinne (etwa von Aschl) ist eine Kombination von Schlitz- und Kastenrinne, die aber bereits eine Ab­deckung benötigt. Sie ist breiter geschlitzt und weist eine geringere Steilheit der seitlichen Flanken auf, wodurch sie besser einsehbar und optimaler zu reinigen ist. Somit eignet sich die Rinne für Bereiche mit erhöhtem Grobschmutzanteil.

Die Kastenrinne ist deutlich breiter – mit einer entsprechend vergrößerten Wassereinlaufbreite. Die Nennweite beläuft sich hier meist auf 100 bis 300 mm, das Gefälle auf 0,5%. Die geringe Einbautiefe von 100mm und zahlreiche variable Abflüsse (einteilig und zweiteilig) machen die Kastenrinne vielseitig einsetzbar. Spezial­ausführungen wie Randverstärkung (Edelstahl, Kunstharz), Klebeflansch, Fliesenanschlusswinkel, 2-mm-Wandstärke und Sonderlängen werden speziell nach den Anforderungen gefertigt (etwa Birco). Für Kastenrinnen ist eine große Zahl von Ab­deckungen erhältlich, entweder als Gitter­rost, Dreikantrost, Stegrost Mittelstegrost, Mittelstegwellenrost u. a. Als Materialien finden sich schwarz-tauch­lackierter oder verzinkter Guss, verzinkter Stahl, in der Kellerwirtschaft oft Edelstahl oder Kunststoff. Im Kelter­haus werden Kastenrinnen mit einem Lochrost mit 8mm Durchmesser zur Rückhaltung des Grobschmutzes gewählt.
 

Befahrbarkeit

In vielen Betriebsräumen wird das Entwässerungssystem nicht nur begangen, sondern auch mit Lasten befahren. Hierzu ist eine hohe Rand­stabilität notwendig, um kleinste Bewegungen von Rinnen oder Ab­läufen zu vermeiden. Oft verwendete Maueranker sind hier nicht ausreichend genug. Sie lassen immer noch zu viel Bewegungen der Rinne zu, was letztlich eine frühzeitige Sanierung des Bodens notwendig machen kann. Werkseitig bereits verfüllte Randkanten und fachgerechtes Eingießen verbessern den Einbau.

Entwässerungsrinnen gibt es in den genormten Belastungsklassen A 15 bis F 900 von Fußgänger- bis Schwerlastverkehr. Die Wahl der Rinne richtet sich nach der Belastungsklasse (z. B.: Belastungsklasse D bei Staplerverkehr). Die Belastungsklassen sind in der DIN EN 1433 beschrieben. Rinnen, die dieser Norm entsprechen, müssen außerdem ein CE-Zeichen ­besitzen.
 

Belastungsklassen bei Rinnen

A 15   Fußgänger, Radfahrer, Grünflächen
B 125Fußgänger, Parkplätze, Lieferwagen
C 250Bordsteine, Seitenstreifen, Parkplätze
D 400Fahrbahnen, Fußgänger­zonen, Parkplätze
E 600Industrie, Militär, hohe Radlasten
F 900Flugbetriebsflächen, Häfen
 

Verlegung

Rinnen werden wahlweise verschweißt oder im modularen Bau­kastensystem mit Schraubflansch und Dichtung geliefert. Am einfachsten sind Baukastensysteme mit vorgefertigten Rinnen in 3 m Länge mit den entsprechenden Passstücken zu verlegen. Mit Hilfe der im Abstand von einem Meter angebrachten Justierschrauben kann die Rinne stufenlos in der Höhe verstellt und dem Bodenverlauf angepasst werden. Alle angrenzenden Belagsoberflächen müssen dauerhaft ca. 3 bis 5 mm höher als die Oberkante der Rinne verlaufen. Beim Einbau in Betonflächen bzw. bei Stahlbetonkonstruktionen müssen zum Ausgleich auftretender Horizontalkräfte beidseitig verlaufende Raumfugen vorgesehen werden. Diese Fugen sollten im Abstand von etwa 0,2 bis 0,3 m von der Rinne ausgeführt werden. Die Kontaktflächen der Aussparungen in den Betondecken müssen mit einer Haftbrücke vorbereitet werden (Birco, Technische Information, 2005). Je nach Bodenausführung werden die Rinnen mit unterschiedlichen Bodenanschlüssen geliefert.

Bei erhöhten Anforderungen an die Dichtigkeit wird empfohlen, die Rinnenstöße zu verschweißen und die Arbeitsfugen entsprechend abzudichten. Beim Betoniervorgang muss das Rinnenelement gegen Aufschwimmen gesichert werden.

Bodenabläufe werden bei der linearen Entwässerung ab bestimmten Längen als Ableitung und generell als Schmutzfänger benötigt. Bei einem Gefälle von 1% verändert sich die notwendige Einbautiefe um immerhin 1 cm pro laufendem Meter. Meist wird nach 12 Metern ein Ablauf be­nötigt. Der Einbau von Abläufen mit Siphon als Geruchsverschluss gilt als selbstverständlich.

Beim Neueinbau von Wasserrinnen und Abläufen ist darauf zu achten, dass diese bündig mit dem vorhandenen Unterboden eingebaut werden. Die Anbindungen an Wasserläufe, Rinnen und Schächte erfolgen wasserdicht. Rinnenanschlüsse und -verfugungen können auch mit weichen Kunststoffen, z. B. mit Polyurethan, erfolgen. Als Bodenabläufe mit Geruchsverschluss werden überwiegend senkrecht entwässernde Glockenverschlüsse mit integriertem Schmutz­eimer eingebaut, da diese sehr preiswert sind.
 

Fazit

Bei der großen Anzahl der Varianten bei den heute angebotenen Entwässerungssystemen sollte bei Neubauten frühzeitig in die Planung eingestiegen werden, um am Ende Rinnensysteme entsprechend den Anforderungen und Gegebenheiten installieren zu können.
 

Medium

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