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Sprühgeräte, 25.09.2012

VERLUSTARM SPRÜHEN

Beim Ausbringen der Pflanzenschutzmittel in Raumkulturen, zu denen auch die Obst- und Rebanlagen gehören, entsteht mehr Abdrift als im Ackerbau.
Beim Ausbringen der Pflanzenschutzmittel in Raumkulturen, zu denen auch die Obst- und Rebanlagen gehören, entsteht mehr Abdrift als im Ackerbau. Stand in Vergangenheit beim Pflanzenschutz fast ausschließlich die biologische Wirkung im Vordergrund, so ist gegenwärtig und in Zukunft noch viel stärker, der Aspekt der Abdrift zu beachten. Eine Möglichkeit die Abdrift zu reduzieren und die biologische Wirkung der Pflanzenschutzmittel zu verbessern ist das Verlustarm Sprühen.
 

Gesetzliche Forderungen

Die Südtiroler Obst- und Weinbauern müssen bezüglich Abdrift mehrere gesetzliche Anforderungen beachten:
  • die EU-Richtlinie zum nachhaltigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln,
  • die provinziale Leitlinie für eine Abstandsregelung bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln auf landwirtschaftlichen Flächen, die an Gebäude oder öffentliche Einrichtungen sowie Straßen und nicht landwirtschaftlich genutzte Grundstücke angrenzen,
  • die Anwendungsvorschriften auf den Etiketten bezüglich der Abstände zu Gewässern.

Gesellschaftliche Erwartungen

Ein sensibles Thema ist das Ausbringen der Pflanzenschutzmittel in Siedlungsnähe und in Tourismusgemeinden. Besorgte Bürger wenden sich an die Behörden und an die Medien, die mit diesem Thema nicht immer sachlich umgehen und Ängste schüren. Mit dem „Verlustarm Sprühen" kann die Abdrift und der sichtbare Spritznebel deutlich reduziert werden. Voraussetzungen für diese Art der Ausbringung sind ein Querstromaufsatz, Injektordüsen, eine optimale Luftverteilung und eine an die Baumhöhe angepasste Luftmenge.
 

Höhere Bäume - höhere Anforderungen

Die Apfelbäume werden in Südtirol seit 15 Jahren nicht mehr als 2,0 bis 2,5 m hohe Schlanke Spindeln nach niederländischem Vorbild, sondern als Große Schlanke Spindeln erzogen. Die Umrisse der Großen Schlanken Spindel entsprechen, geometrisch gesehen, eher einer Säule. Damit ist es schwieriger geworden, die Gipfelpartie dieser 3,5 bis 4,0 m hohen Bäume ausreichend mit Spritzbrühe zu benetzen. Wie in Grafik 1 dargestellt, wird mit Sprühgeräten ohne Querstromaufsatz im unteren Baumbereich zuviel und im oberen zu wenig Brühe ausgebracht.
 

Ein Gemeinschaftsprojekt

Verlustarm Sprühen ist ein Gemeinschaftsprojekt, an dem der Verband der Steirischen Erwerbsobstbauern, die Marktgemeinschaft Bodenseeobst und der Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau beteiligt sind. Es wurden gemeinsame Richtlinien erstellt, die auf der Homepage www. obstbau.at hinterlegt sind. Für eine erfolgreiche Umsetzung des Verlustarmen Sprühens braucht es 4 Voraussetzungen:
Voraussetzung 1 ist eine gleichmäßige Luftverteilung.
Mit Hilfe des Luftprüfstands kann diese beim Sprühgerät gemessen und eventuell optimiert werden. Gemessen werden die Luftgeschwindigkeit, die Luftmenge und die Strömungsrichtung. Am Luftprüfstand wird die Luftmenge bis zu maximal 5 m Höhe gemessen. Die Luftmenge wird in vier Bereiche geteilt und im sogenannten Quadrantenvergleich dargestellt. Dabei wird die Summe der austretenden Luftmenge des Gebläses in den beiden Quadranten auf der rechten Seite mit jener auf der linken Seite verglichen. Wie das untere grüne Kästchen in Grafik 2 zeigt, unterscheiden sich die beiden Luftmengen nur um 2,9%. Im dargestellten Beispiel ist die Luftmenge im rechten unteren Quadranten um 26,2% größer als im rechten oberen (rechtes rotes Kästchen). Im linken unteren Quadranten ist die Luftmenge um 21% höher als im linken oberen. Das bedeutet, dass dieses Sprühgerät zuviel Luft in die untere Baumhälfte und zu wenig in die obere Baumhälfte bläst. Die Luftmengen zwischen den beiden unteren Quadranten unterscheiden sich nur um 5,7%, jene zwischen den beiden oberen um 0,9%.
Nach dem Einbau und der Einstellung der Luftleitbleche dürfen sich nur zwei Messwerte um bis zu 20% unterscheiden, die restlichen drei müssen innerhalb 10% liegen (grüne Kästchen auf dem rechten Prüfprotokoll). Wie im rechten Prüfprotokoll (Grafik 2) ersichtlich ist, wurde im dargestellten Beispiel eine gleichmäßige Luftverteilung erreicht, alle Abweichungen sind kleiner als 10%.
Weiters wird am Luftprüfstand die Luftgeschwindigkeit und die Luftrichtung gemessen und dargestellt (Grafik 3). Im dargestellten Beispiel hatte das Sprühgerät vor der Überprüfung eine zu hohe Luftgeschwindigkeit im unteren Bereich und eine ausreichende bis auf 3,5 m Höhe. Durch den Einbau und die Adjustierung von Luftleitblechen wurde eine gleichmäßigere Luftverteilung bis auf 4 m Höhe erreicht.
Voraussetzung 2 ist eine gemischte Düsenbestückung.
Die untere Teilbreite des Düsenkranzes wird mit Hohlkegeldüsen, die letzten drei Düsen der oberen Teilbreite mit Injektordüsen bestückt. In unseren Apfelanlagen verursachen in erster Linie die obersten Düsen Abdrift und den Sprühnebel. Thermische Abdrift entsteht an sonnigen Tagen bei Aufwind. Die kleinsten und somit leichtesten Tropfen steigen auf und können auch über 100 m weit verfrachtet werden. Auch dies kann mit der gemischten Düsenbestückung vermindert werden. Unabhängig davon, sollten Pflanzenschutzmittel nie in der heißesten Tageszeit ausgebracht werden. Mit der gemischten Düsenbestückung versuchen wir die Vor- und Nachteile der Hohl- und Injektordüsen zu kombinieren. Der untere Baumbereich wird mit den Hohlkegeldüsen besprüht. Da diese kleinere Tropfen erzeugen, ist die Bedeckung (Belagsbildung) besser und die Abtropfverluste geringer als bei Injektordüsen, die bekanntlich größere Tropfen ausstoßen. Durch eine verbesserte Luftführung spielt die Abdrift im unteren Baumbereich eine untergeordnete Rolle. Der Gipfelbereich hingegen wird mit Injektordüsen besprüht. Der Nachteil der schlechteren Bedeckung (Belagsbildung) wird durch eine ausreichende Gebläseluft zur oberen Baumkrone hin ausgeglichen. Die größeren Tropfen aus den Injektordüsen werden weniger weit abgedriftet, fallen auf die Obstbäume bzw. auf den Boden. Zudem wird die weithin sichtbare Sprühwolke vermieden.
Voraussetzung 3 ist ein gutes Filtersystem.
Da die Injektordüsen für Verstopfungen anfällig sind, ist ein gutes Filtersystem eine weitere Voraussetzung, damit ein einwandfreies Arbeiten möglich ist.
Die 4. Voraussetzung ist die genaue Kenntnis der Mittel- und Brühemenge, der erforderliche Druck und die Fahrgeschwindigkeit für die Ausbringung in den eigenen Obstanlagen.
Der Beratungsring erarbeitet dafür mit jedem interessierten Mitglied eine Tabelle, in der die erforderlichen Liter pro Hektar, der notwendige Druck und die Fahrgeschwindigkeit berechnet werden.
Die Marktgemeinschaft Bodenseeobst sowie der Verband der Steirischen Erwerbsobstbauern erarbeiten diese Angaben mit dem „Mabo-Dosiermodell".
 

Der Faktor Mensch

Auch mit einem überprüften und optimal eingestellten Sprühgerät werden die gesteckten Ziele nur dann erreicht, wenn der Obstbauer es richtig einsetzt. Daher muss das Sprühgerät nach der Luftmessung an die eigene Anlage angepasst werden. Die Sprühwolke ist während der Fahrt durch die Obstanlage von einer zweiten Person optisch zu beurteilen. Nur so können die Fahrgeschwindigkeit und die Flügeldrehzahl so abgestimmt werden, dass die Brühetropfen den Gipfel erreichen, die Baumkrone jedoch nur sanft durchdringen. Es sollte kein sichtbarer Sprühnebel auf die nächsten Baumreihen gelangen.
 

Luftprüfstand in Lana

Allen interessierten Obst- und Weinbauern sowie den Geräteherstellern steht ein Luftprüfstand für die Kontrolle der Luftverteilung am Sprühgerät mit Gebläseaufsatz zur Verfügung. Diese Überprüfung macht nur bei Geräten mit Gebläseaufsatz Sinn. Die Anmeldung für die Luftüberprüfung erfolgt beim Südtiroler Beratungsring, Bezirksbüro Lana (Tel. 0473/553455). Beim Kauf eines Neugerätes sollte man die Luftüberprüfung vertraglich vereinbaren. Bei Gebrauchtgeräten sollte man vorher mit dem Sprühgerätehersteller klären, ob ein Umbau des Schrägstromaufsatzes möglich ist. Am Luftprüfstand wird nur noch die Luftverteilung gemessen, das Gerät aber nicht umgebaut. Damit die Kontrolle des Sprühgeräts auf dem Prüfstand optimal erfolgen kann, sind für das Verlustarm Sprühen ein Prüfanschluss für die Manometer sowie für die Pumpenüberprüfung vorgesehen. Nachdem alle Anforderungen für das Verlustarm Sprühen erfüllt sind, wird am Sprühgerät ein Aufkleber angebracht.
 

Medium


Der Verband Streirischer Erwerbsobstbauern, der Südtiroler Beratungsring und die Marktgemeinschaft Bodenseeobst haben sich Zusammengeschlossen, um gemeinsam das Thema "Verlustarm Sprühen" in die Praxis einzuführen.
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