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Mechanische Schnittgeräte , 01.09.2012

MECHANISIERTER REBSCHNITT: DER «VINE STRIPPER»

Seit etwa drei Jahren scheint Bewegung in die Mechanisierung des Rebschnitts gekommen zu sein.
Seit etwa drei Jahren scheint Bewegung in die Mechanisierung des Rebschnitts gekommen zu sein: Internetvideos aus Neuseeland zeigen völlig neue Geräte, mit denen das Entfernen des Altholzes maschinell erledigt wird. Fragen, wann diese Geräte nach Europa kommen, und ob sie bei uns einsetzbar sind, beschäftigen die Winzerschaft. In diesem Beitrag wird eine dieser neuen Techniken vorgestellt.
 
Bereits 2008 hat die neuseeländische Firma Langlois Aufnahmen eines Geräts zur mechanischen Entfernung des Altholzes mit der Bezeichnung «Vine Stripper» ins Internet gestellt. Diese Videos haben viele Winzer neugierig gemacht. Besonders Fragen, wann diese Geräte nach Europa kommen, und wie sie funktionieren, stehen im Raum. Derzeit hat die französische Firma Collard eine Lizenz für den Bau und Vertrieb von Vine Strippern in Europa.
Der Vine Stripper arbeitet mit zwei gegenüberliegenden, hydraulisch angetriebenen Reifen. Diese drehen gegenläufig über der Zeile und erfassen an ihrem Berührungspunkt die Triebspitzen. Daran ziehen sie die vorgängig am Strecker von Hand abgeschnittenen Triebe inklusive Streckerteile nach oben aus dem Drahtrahmen. Eine horizontale Stange zwischen den Reifen verhindert ein Erfassen der Drähte durch die rotierenden Teile. Über den Reifen ist entweder ein Führungsblech angebracht (Abb. oben), das die «gestrippten» Triebe in einer Schwade ablegt oder ein aufgebauter Häcksler zerkleinert das herausgezogene Holz (Abb. 2).
 

Welche Anlagen sind geeignet?

Aufgrund mangelnder Verfügbarkeit von Geräten gibt es auch in Deutschland bisher wenig praktische Erfahrung im Umgang mit Strippern. Sicher ist, dass für einen weitgehend störungsfreien Einsatz die Anlagen bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen:
  • Der Drahtrahmen muss stabil sein (feste Endpfähle, gute Anker, intakte Biegedrähte)
  • Gut gespannte und gut befestigte Drähte (ruckartige Arbeitsweise)
  • Tragruten sind nicht um den Biegedraht gewickelt
  • Ausreichende Trieblänge (30 bis 40 cm) über dem oberen Draht, damit die rotierenden Reifen die Triebspitzen erfassen
  • Triebe aufrecht gewachsen, ordentliche Heftarbeit ist Voraussetzung
  • Wenig Rankmöglichkeiten im Drahtrahmen (z.B. nur zwei bewegliche Heftdrahtpaare)
Darüber hinaus sind vor dem Einsatz des Vine Strippers verschiedene Vorarbeiten erforderlich, nämlich:
  • Ablegen des unteren Heftdrahtpaares
  • Anschnitt der Fruchtruten (Anschnittlänge nicht über dem oberen Draht)
  • Mehrmaliges Durchschneiden der alten Tragrute (vornehmlich an Astgabeln) oder
  • Tragrute ganz freischneiden (besonders empfehlenswert, wenn noch feste Drähte installiert sind und die Sorte stark rankt)
 

Systembeanspruchung

Da beim Entfernen verrankten Altholzes starke Zugkräfte wirken, werden die Biegedrähte und Endpfähle stark beansprucht. Zur Schonung der Unterstützungssystems müssen die Triebe möglichst frei sein. Im Extremfall sind alle Triebe am Strecker abzuschneiden und dieser wird vor dem Strippen entfernt (Abb. 3). Zu empfehlen ist dies bei Drahtrahmen mit zusätzlichen festen Rankdrähten und gut rankenden Rebsorten, will man Schäden vermeiden. Bei Anlagen mit beweglichen Heftdrahtpaaren kann ein mehrmaliges Durchschneiden der alten Tragrute ausreichen. Die Astgabeln müssen aber beseitigt werden, da die Biegedrähte sonst sogar reissen können (Abb. 4). Selbstverständlich spielt hier die sortenbedingte Rankenbildung eine wichtige Rolle.
 

Im Extremfall «Pfahlextraktion»

Bei langen Zeilen entsteht das Problem der ungleichmässigen Drahtbelastung. Der bearbeitete Teil ist von der Reblast befreit und die Drähte hängen weitgehend waagerecht, während im nicht «gestrippten» Teil der Anlage die Heftdrähte durch die Holzlast nach unten gezogen werden. Insbesondere zwischen den letzten Stickeln einer Zeile wird das obere Heftdrahtpaar stark nach unten gezogen (Abb. 5). Durch die ruckartige Arbeitsweise des Strippers entstehen starke Schläge auf die Heftdrähte. Ist die Spannung gering, so können sie beim Hochschnellen von den rotierenden Reifen erfasst und abgerissen werden, wenn nicht sogar die Pfähle mit hochgezogen werden.
 

Was bringt's?

Für das manuelle Ausheben des Altholzes werden in Abhängigkeit von Rebsorte, Standraum und Drahtrahmenart 25 bis 50 Akh/ha benötigt. Nach Einsatz des Vine Strippers entfällt die Handarbeit fast vollständig. Es sind nur geringfügige Nacharbeiten (Entfernen hängen gebliebener Holzreste) von 5 bis 9 Akh/ha nötig. Auch das Rebholzhäckseln kann eingespart werden, wenn man auf den Stripper einen Häcksler aufbaut oder einen Häcksler am Traktor anhängt.
Mehraufwand ergibt sich allerdings beim Rebschnitt, da die Tragrute mehrmals zerkleinert werden muss oder sogar alle Triebe am Strecker abgeschnitten werden müssen. Dies bedeutet in Abhängigkeit von der Intensität des Freischneidens Mehrarbeit von 10 bis 20 Akh/ha. Insgesamt ist beim Vine Stripper mit einer Arbeitszeitersparnis von 10 bis 30 Akh/ha zu rechnen. Es kommt aber auch zu einer Verlagerung der Arbeitslast. Das Ausheben, das in vielen Betrieben von Aushilfskräften vorgenommen wird, wird stark erleichtert und beschleunigt, während sich der Aufwand für den Schnitt erhöht. Da dieser von Facharbeitskräften durchgeführt wird, ist diese Umverteilung nicht unbedingt sinnvoll. Werden Aushilfs-kräfte zum Entfernen des Altholzes eingesetzt, so sollten sie - nachdem die Fruchtrute angeschnitten ist - auch das Freischneiden der Tragrute besorgen.
 

Medium

Die Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau (SZOW) verbreitet die Forschungsresultate von Agroscope, der deutschsprachigen Forschungsinstitute und der Fachorganisationen im Reb- und Obstbaubereich. Die wissenschaftlichen Artikel behandeln Themen im Bereich Rebbau, Önologie, Obstbau, Obstverarbeitung sowie Lebensmittelqualität und -sicherheit.
Die in deutscher Sprache erscheinende Zeitschrift enthält französischsprachige Zusammenfassungen der Fachbeiträge. Sie erscheint zweimal pro Monat und richtet sich vor allem an Produzenten, Berater, Lehrpersonen, Bibliotheken, Handelsunternehmen sowie interessierte Laien. Herausgeber der SZOW ist der Verein Publikationen Spezialkulturen (VPS) mit Sitz in Wädenswil, Schweiz.
 

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