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Traktoren, 04.01.2013

KRITERIEN BEIM TRAKTOR-KAUF

Für die Mechanisierung im Weingarten ist der Schmalspurtraktor die zentrale Maschine. Nach welchen Kriterien soll die Schlüsselmaschine ausgewählt werden?
Viele Winzer beschäftigen sich gerne mit technischen Herausforderungen auf dem Betrieb. Je nach Betriebsstruktur ist das auch mehr oder weniger erforderlich. 
Um sich ein umfassendes Bild über einen zu testenden Schmalspurschlepper zu machen, müssen einzelne Baugruppen einer gesonderten Bewertung unterzogen werden. Im Anschluss daran, muss eine persönliche Gewichtung vorgenommen werden. Nicht auf jedem Betrieb wird die Maschine unter denselben Umständen eingesetzt. Auch legen manche Betriebsleiter auf ergonomische Gesichtspunkte mehr Wert als andere. Beim Nächsten sind besondere Anforderungen an die Getriebeabstufung oder hydraulische Anforderungen vorhanden.
 

DER ARBEITSPLATZ

Die Kabine stellt den Arbeitsplatz für den Schlepperfahrer. Aus gutem Grund ist hierauf ein besonderer Blick notwendig. Leider stehen für Weinbautraktoren nicht immer Messergebnisse bezüglich der Geräuschbelastung zur Verfügung. Allerdings hat jeder Fahrer schnell einen subjektiven Eindruck, ob der Lärmpegel höher oder geringer als beim vorhandenen Traktor auf dem Betrieb ist. Werden viele verschiedene Maschinen getestet, kann die Urteilfindung schwer werden, da die Erinnerung an den vorletzten Kandidaten eventuell schon verblasst ist. Um nicht schädlichen Schwingungen ausgesetzt zu sein, ist es notwendig, dass die Kabine vibrationsgedämpft auf den Schlepper montiert wird. Ein Sitz, der sich auf die Körpermaße und -masse einstellen lässt, muss eine Selbstverständlichkeit sein. Die mittlerweile verfügbare Vorderachsfederung kann auch ihren Beitrag zum Komfortgewinn leisten. Die meisten Winzer empfinden eine Klimaanlage nicht mehr als Luxus – eher als ein Muss. Bei den kleinen Kabinen auf Weinbauschleppern, ist die Kühlleistung unbedingt an das kleine Kabinenvolumen anzupassen. Auch namhafte Hersteller haben hier noch Defizite. Eine gute Be- und Entlüftung der Kabine muss auf jeden Fall gegeben sein.
Des Weiteren ist auf die Filterung der Kabinenluft zu achten. Staub bzw. Schadstofffilter sind unbedingt erforderlich. Um einen Eindruck über die Bedienbarkeit zu gewinnen, sollten auch schwer zu fahrende Kombinationen angebaut werden. Nur so ist es möglich, die Anordnung der Bedienelemente auf die persönlichen ergonomischen Anforderungen hin zu prüfen. Speziell im Weinbaubetrieb ist es teilweise erforderlich, alle Anbauräume einsehen zu können, also einen Blick auf Geräte in der Front, im Zwischenachsbereich und am Schlepperheck werfen. Wie viel wird verdeckt? Ist ein sicheres Fahren und An- bzw. Abhängen möglich? Um all die Erfordernisse prüfen zu können, muss zuerst in die Kabine gestiegen werden. Das kann gerne auch ein paar mal geschehen. Schnell kann dann ein Eindruck über den Ein- und Ausstieg gewonnen werden.
 

DER LEISTUNGSBEDARF

Bei einer Neuanschaffung will niemand einen Rückschritt machen – erst recht nicht hinsichtlich der Leistungsfähigkeit des Motors. Diesem Gedanken ist unter einigen Gesichtspunkten etwas abzugewinnen. Der zu ersetzende Traktor war vermutlich mit einer kleineren Hydraulikpumpe ausgestattet, eine Klimaanlage gab es vielleicht gar nicht. Und die Betrachtung des Gewichts bringt häufig die Erkenntnis, der alte Schlepper war leichter. Allein diese Umstände erfordern mindestens 10 bis 20 PS extra. Wird das nicht berücksichtigt, wirkt der neu (für hart verdientes Geld) gekaufte Schlepper schnell lahm. Wie bei der Kabine bereits beschrieben, sind auch hinsichtlich der Motorbeurteilung mehrere Testfahrten erforderlich, um sich ein abschließendes Urteil erlauben zu können.
Wer mit dem Gedanken spielt, in Zukunft auf alternative Kraftstoffe umzusteigen, muss die Eignung des Motors sowie die Freigaben des Herstellers berücksichtigen. Um den Kraftstoffverbrauch zu prüfen, kann ein Rundkurs mit den potenziellen Kandidaten abgefahren werden. Damit die Aussagekraft steigt, wird am besten ein schwerer Anhänger mitgezogen, die Zeit gestoppt und der Kraftstoffverbrauch ermittelt. Nicht der lauteste Motor ist als erster den Berg hochgefahren.
 

GANGABSTUFUNG UND ZAPFWELLE

Um für den eigenen Anspruch die richtige Getriebevariante auswählen zu können, muss sich der Winzer Gedanken über die verschiedenen im Betrieb anfallenden Arbeiten machen. Bei welchen Geschwindigkeiten sollen welche Geräte (Tiefenlockerer, Stockräumer, Pflanzenschutzgeräte, Laubschneider, gezogener Vollernter etc.) eingesetzt werden? Für die meisten wird der Hauptarbeitsbereich zwischen 2 und 9 km/h liegen. In diesem Bereich ist nicht der absolute Geschwindigkeitssprung von einem Gang zum nächsten entscheidend, sondern vielmehr die relative Geschwindigkeitsänderung. Der Geschwindigkeitsunterschied zum nächsthöheren Gang sollte zwischen 20 und 25 % betragen. Sprünge unter 10 % sind so gering, dass sie als Überschneidung betrachtet werden müssen. Um also ein passendes Getriebe auszuwählen, sind im Geschwindigkeitsbereich zwischen 2 und 9 km/h ca. 7 bis 9 Gänge erforderlich. In Einzelfällen ist der Hauptarbeitsbereich noch weiter gestreckt, was bei der Ge triebebewertung dementsprechend berücksichtigt werden muss.
Seit knapp 10 Jahren stehen auch Schmalspurschlepper mit unter Last schaltbaren Getrieben zur Verfügung. Eine Untersuchung der Forschungsanstalt Geisenheim, Fachgebiet Technik, kommt zu folgendem Ergebnis: Durch den Einsatz eines Lastschaltgetriebes kann der Arbeitszeitbedarf zwischen 9 und 31 % gesenkt werden. Im direkten Zusammenhang dazu war eine Reduktion des Kraftstoffverbrauchs von 5,5 bis 29 % gemessen worden. Die Vorteile von Lastschaltgetrieben nehmen mit steigender Motorauslastung zu.
Des Weiteren ergeben sich bei schwankenden Belastungen, wie beispielsweise unterschiedlich hoch gewachsenes Gras beim Mulchen, inhomogene Böden bei der Bodenbearbeitung etc., eine höhere Anzahl an Ganganpassungen. Sind diese unter Last schaltbar, wird viel Zeit und Kraftstoff gespart. Auch stufenlose Getriebe werden mittlerweile in Schmalspurtraktoren verbaut. Eine Betrachtung der Gangabstufung ist bei diesen Traktoren hinfällig.
Bei Schmalspurschleppern wird immer mehr Wert auf ein Wendegetriebe gelegt. Enge Vorgewende, häufiges Rangieren oder auch in seltenen Fällen Frontladerarbeiten, sprechen für Getriebevarianten mit Wendeschaltung. Während bei normalen Schaltgetrieben in der Schaltkulisse des Wechselgetriebes der Rückwärtsgang angeordnet ist, wird der Fahrtrichtungswechsel durch das Wendegetriebe wesentlich beschleunigt. Als besonders komfortabel und verschleißarm sind unter Last schaltbare Wendegetriebe mit Lamellenkupplung anzusehen. Beim Fahrtrichtungswechsel entfällt die Betätigung des Kupplungspedals.
Moderne Schmalspurschlepper verfügen in der Regel über mehrere Zapfwellengeschwindigkeiten. Die Zapfwellennenndrehzahl wird im abgebildeten Beispiel (siehe Abbildung Zapfwellendrehzahl) nicht bei Motornenndrehzahl erreicht, sondern ca. 10 % darunter. Aufgrund der Motorcharakteristik ist die Leistung ausreichend, und die Arbeit kann mit reduzierter Motordrehzahl erfolgen. Leichtere Arbeiten können mit einer 750er- bzw. 540E-Zapfwelle erledigt werden. Ziel ist auch hier die Kraftstoffeinsparung. In der Abbildung sind die Zapfwellendrehzahlen in Abhängigkeit der Motordrehzahl abzulesen (Firmeninformation Massey Ferguson). Die schwarze Linie steht für 540 Umdrehungen der Zapfwelle. Bei eingeschalteter 540er-Getriebestufe (siehe blaue Linie) liegt der Schnittpunkt bei 1.967 Motorumdrehungen. Wird die Getriebestufe 540E (siehe rote Linie) gewählt, liegt der Schnittpunkt bei 1.560 Motorumdrehungen. Im Weinberg stehen durchaus Arbeiten an, die so kraftstoffsparend erledigt werden können. Für die 1.000er Getriebestufe (siehe grüne Linie) ergibt sich die Zapfwellendrehzahl von 540 U/min bei 1.100 Motorumdrehungen (kurz über Standgas). Dies ist sicherlich ein Punkt auf der Motorkennlinie, dem kaum positive Aspekte abgerungen werden können.
 

HYDRAULIKANSCHLÜSSE

Bei der Beschaffung eines neuen Traktors können die Weichen für die Zukunft gestellt werden. In Abhängigkeit davon, welche Anbaugeräte vorhanden sind, kann die Mindestanzahl von Hydraulikanschlüssen festgelegt werden. Mindestanzahl deshalb, weil es sinnvoll ist, für die mögliche Mechanisierung in der Zukunft Reserven vorzuhalten. Generell sollte sich jeder Betriebsleiter Gedanken darüber machen, wo die Hydraulikausstattung eingebaut werden soll. In Deutschland ist es durchaus üblich, die erforderliche Hydraulik schlepperseitig einzubauen. Unsere Nachbarn in Frankreich und Italien gehen zum Teil einen anderen Weg. Am Schlepper sind nur ein oder zwei einfachwirkende Ventile sowie ein druckloser Rücklauf installiert. So wird vom Anbieter der Zusatzgeräte die optimale Ventilausstattung ausgewählt. Diese Variante hat den Nachteil, dass manche Hydraulikventile auf verschiedenen Anbaugeräten, also mehrfach, auf dem Betrieb vorhanden sind. Im Gegenzug wird natürlich bei der Schlepperinvestition gespart. Die teuerste Variante ist sicher die, bei der ein sehr gut ausgestatteter Schlepper zum Beispiel einen Laubschneider mit eigener Hydraulikausstattung betreibt.
Von den Schlepperfirmen werden als Maximalausstattung zwischen 4 und 6 Hydraulikventile angeboten. Um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, haben viele Händler Erweiterungsmöglichkeiten für bestehende Hydraulikanlagen im Angebot. Was die Pumpenleistung angeht, wird mit zum Teil verwirrenden Angaben gearbeitet. Hat die Hydraulikpumpe für die Lenkung eine Leistung von 30 l/min und die Hauptpumpe eine maximale Förderleistung von 70 l/min wird gerne die Angabe 100 l/min gemacht. Selbstverständlich ist das nicht falsch – aber eben auch nicht richtig. Nur die Ölmenge, die für die Lenkung nicht benötigt wird, steht nachrangigen Steuergeräten zur Verfügung. Die Ölmenge ist in den häufigsten Fällen nicht der begrenzende Faktor. Vielmehr ist der optimale Einsatz von Bedeutung. Nimmt beispielsweise der Ölmotor eines Entlaubers 20 l/min (bei einem Druck von 180 bar) auf, sollte diese Maschine nicht mit 40 l/min versorgt werden. Im Bereich von 170 bis 200 bar sprechen die Druckbegrenzungsventile in  Schmalspurschleppern an. Im Beispiel würden 20 l/min über das Druckbegrenzungsventil in den Rücklauf geleitet. Muss Öl den Weg über das Druckbegrenzungsventil nehmen, kommt es zu starken Ölerwärmungen. Nicht nur bei sommerlichen Einsatzbedingungen ist in der Folge mit Problemen zu rechnen. Diesem Umstand kann mit Stromregelventilen wirkungsvoll begegnet werden. Die Öltemperatur im Öltank sollte 60 °C nicht wesentlich übersteigen.
 

RÜCKFAHREINRICHTUNG

Im Weinbau, stellt die Ernte eine Arbeitsspitze dar. Das Erntegut wird bei Handernteverfahren häufig mit dem Traktor von der Anlage zum Transportfahrzeug gefahren. Der Transporttraktor verfügt über einen Stapler, der häufig im Fahrzeugheck angebaut ist. Die Sicht auf die Gabeln des Staplers ist im Frontanbau, egal ob der Traktor achsschenkelgelenkt oder knickgelenkt ist, eher schlecht. Mit der Rückfahreinrichtung ist der Stapler hervorragend zur Transportkiste manövrierbar. Dasselbe gilt beim Verladen auf die Transportanhänger. Wer in der Ernte wochenlang mit verdrehtem Oberkörper Kisten aus der Anlage gefahren hat, kann die Erleichterung sehr gut nachempfinden. Im Weinbau sind die Gassen häufig eng. Deshalb ist es viel einfacher, die Rebholzzerkleinerung in Schubfahrt zu erledigen. Da die eingesetzten Schlepper einen tiefen Schwerpunkt haben sollen, ist die Bodenfreiheit nicht groß. Muss erst der Traktor über den Holzschwad fahren, wird immer wieder Holz an Leitungen und Schläuchen eingeklemmt. Nicht selten sind Reparaturen mit langer Fehlersuche die Folge. Wird erst gehäckselt und anschließend überfahren, ist das nicht der Fall. Bei knickgelenkten Schmalspurtraktoren im Weinbau sind in Schubfahrt, die sonst an der Front angebauten Geräte, näher an der Achse des Schleppers angebaut und unterliegen deshalb weniger Schwankungen. Ein weiterer Vorteil: Die entfernten Blätter und Triebe aus der Laubwand können nicht so leicht vom Kühlgebläse des Motors angesaugt werden. Ob es sich um Laubhefter, Laubschneider oder Entlaubungsgeräte handelt, dieser Vorteil gilt in jedem Fall. Auch bei Arbeiten mit der Rodezange ist der Blick auf das Arbeitsgerät und den zurodenden Stock hervorragend – ohne sich dabei verrenken zu müssen.
 

RAUPENLAUFWERKE

Schon immer sind Raupen in der Mechanisierung von Steillagen im Einsatz. Das Spektrum geht von einfachen Aufstehraupen über Aufsitzraupen mittlerweile hin bis zu Schmalspurschleppern mit vier Raupenlaufwerken. In Kombination mit Hangelwinden sind extreme Steigungen befahrbar. Bei Schmalspurschleppern mit Raupenlaufwerken sind die Zugkräfte höher als bei den etablierten Raupenfahrzeugen. Auch die Bodenanpassung gelingt besser. In der Folge ist mit weniger Schlupf ein höherer Wirkungsgrad im Weinberg zu realisieren.
 

FAZIT

Bei der Kaufentscheidung für einen Schmalspurtraktor spielen viele Faktoren eine Rolle. Da mittlerweile auch stufenlose Fahrantriebe erhältlich sind, bleibt deren Erfolg in der weinbaulichen Praxis abzuwarten. Vorteile, die bereits durch eine Lastschaltung vorhanden sind, können so eventuell noch weiter ausgebaut werden. Letztendlich muss der Traktor von innen und außen gefallen – sonst habe ich keine Freude daran.

[siehe Abbildung 1] Der Schalthebel muss ergonomisch angeordnet sein. Das gilt auch für vorhandene Druckknöpfe für die Lastschaltung.
 
[siehe Abbildung 2] Häufig sind alle Hydraulikfunktionen auf einem Joystick zusammen-gefasst. Dieser muss bequem den ganzen Tag zu bedienen sein.
 
[siehe Abbildung 3] Sich auf seinem Traktor wohlfühlen – eine Selbstverständlichkeit!

[siehe Abbildung 4] Bevor die Kaufentscheidung fällt, ist gründliches Testen auf dem eigenen Betrieb unumgänglich
 
[siehe Abbildung 5] Die Hydraulikanschlüsse müssen gut erreichbar sein. Des  Weiteren ist eine dauerhafte Kennzeichnung von Vorteil.
 
[siehe Abbildung 6] Ein Traktor – zwei Laufwerkkonzepte

[siehe Abbildung 7] Tabelle
 

Medium

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