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Streifenpflegegeräte, 12.03.2012

UNTERBAUMBODENPFLEGE

Wenn es um die Bewirtschaftung der Obstbauflächen mit eingeschränktem Pflanzenschutzmitteleinsatz geht, stellt die Unterbaumbodenpflege immer noch eine große Herausforderung dar.
Unterbaumbodenpflege - welche Lösungsmöglichkeiten stehen der Praxis zur Verfügung
 
Wenn es um die Bewirtschaftung der Obstbauflächen mit eingeschränktem Pflanzenschutzmitteleinsatz geht, stellt die Unterbaumbodenpflege immer noch eine große Herausforderung dar. Die speziellen Anforderungen an die Technik und die Gestaltung der Geräte haben in vielen Fällen zu sehr individuellen Lösungen geführt. Hier muss man insbesondere die Kreativität vieler technisch begabter Praktiker hervorheben, in deren Reihen die brauchbarsten Lösungen entwickelt wurden.
 
Anforderungen
Möglichst flach sollten die Geräte gebaut sein. Das ist eine Grundvoraussetzung für den sinnvollen Einsatz. Bei den ersten Einsätzen im Frühjahr würde dies noch keine ausschlaggebende Rolle spielen. Aber sobald die Früchte am Baum hängen, senken sich die Äste, und wenn die unteren Früchte alle geschädigt wären oder sogar abgeschlagen würden, wäre niemand zufrieden.
 
Bei allen Forderungen nach Exaktheit der Arbeitsausführung, steht eine akzeptable Fahrgeschwindigkeit über 3 km/h, wenn möglich erheblich mehr im Raum. Bei entsprechender Betriebsgröße kann es nicht angehen, dass man tagelang im Schritttempo durch die Anlagen fährt. Die Arbeitszeit beträgt bei 3,5 m Gassenbreite, ca. 3 km/h und zweimaligem Durchfahren (einseitiger Anbau) mit Wendezeit ca. 2,5 Std./ha. Das entspricht 25 Stunden bei 10 Hektar. Das sind immerhin 3 Tage.
 
Die Kombination mit anderen Arbeitsgängen, außer Mulchen, ist nur begrenzt möglich.

Streifenpflegegerät der Fa. Ladurner Karl, Südtirol (Fotos Hauser)
 
Neben der Rebe stellt der Obstbaum höhere Ansprüche an die Exaktheit der Steuerung. In jedem Betrieb gibt es unterschiedliche Baumtypen. Alter und starke Wuchsunterschiede bei Unterlagen und Edelsorten erfordern individuelle Einstellungen. Der Taster sollte gerade bei jüngeren Anlagen mit einem weichen Kunststoff überzogen sein, um Platzwunden an der Rinde zu vermeiden.
 
Entscheidend ist das schadenfreie Umfahren des Baumes ohne Verletzungen des Wurzelhalses, der Veredlungsstelle oder des Stammes. Es ist wenig befriedigend, wenn nach wenigen Jahren Geräteeinsatz Krebs und Wurzelfäule verstärkt auftreten.
 
Auf der anderen Seite sollte so wenig wie möglich Restfläche unbearbeitet um den Stamm zurückbleiben. Diese Restfläche muss früher oder später von Hand mit der Hacke bearbeitet werden. Es geht leichter und schneller, wenn dies in engem zeitlichem Zusammenhang geschieht. Ansonsten etabliert sich um den Stamm eine Bewuchsinsel, die immer schwerer zu beseitigen ist. Der Aufwand mit der Handhacke muss dem Verfahren Unterbaumbodenpflege hinzugerechnet werden.


Unterbaumpflegegerät der Fa. Föll im Einsatz bei hohem Gras
 
Eine letzte Forderung ist die exakte Abtrennung von bearbeiteter - und Grasfläche. Mit entsprechenden Bauteilen ‑ Scheibensech oder Prallblech ‑ muss dafür gesorgt werden, dass kein frischer Boden in die Grasfläche hineinfällt, damit es keine Fehlstellen in der Begrünung gibt.
 
Geräte
 
Ein Standardgerät für den Wein- und Obstbau ist das Flachschar, das eine relativ hohe Fahrgeschwindigkeit und eventuell bei exakter Anlage auch den beidseitigen Einsatz ermöglicht. Die Steuerung erfolgt in der Regel noch über die Hydraulik des Schleppers ohne Zusatzaggregat.
 
Kreiselnde, fräsende oder mulchende Unterbaumpflegegeräte erfordern normalerweise eine hydraulische Zusatzeinrichtung. Der hohe Ölbedarf und Druck machen größere Vorräte und Zusatzkühler erforderlich. Um den Zwischenbaumbereich zufriedenstellend zu bearbeiten, müssen die Geräte kombiniert sein, d. h. sie bestehen aus einer Geräteeinheit, die den Streifen zwischen Gras und Baum bearbeitet und einer Schwenkeinheit, die zwischen den Stämmen arbeitet.
 
Eine Zwischenlösung zwischen Flachschar und Kreisel bilden die Scheibengeräte, die mit einer starken Verlagerung des Bodens nach innen unter die Baumreihe und einem nachfolgenden Abpflügen arbeiten. Regelmäßige Bewirtschaftung verbessert die Arbeitsqualität wesentlich. Die Inselbildung um den Stamm ist trotzdem nicht zu vermeiden.
 
Reine Stammputzgeräte mit Fäden oder Gummilappen sind nur bedingt über die ganze Vegetationszeit einsetzbar und nur dann, wenn tatsächlich ein dichter Bewuchs vorhanden ist. Ansonsten ist die Staubaufwirbelung und Bodenverlagerung nicht akzeptabel.


Verletzungen am Wurzelhals sind nicht akzeptabel
 
Wie immer, gibt es auch beim Einsatz dieser Geräte gewisse Zielkonflikte. Auf der einen Seite will man die Einsatzzeit so gering wie möglich halten, um den Humusabbau und die Erosionsgefahr insbesondere in Hanglagen zu reduzieren. Auf der anderen Seite erschweren verhärteter abgesetzter Boden und auch starker Bewuchs den Einsatz.
 
Bei zunehmender Betriebsgröße ist eine beidseitige Ausführung zwingend. Dies setzt entsprechende Breitenverstellmöglichkeiten voraus. Der Anbau im Frontbereich ermöglicht einen guten Überblick und gute Ansteuerung an die Kulturen. Bei der Kombination mit dem Mulchgerät muss auch ein ausreichendes Vorgewende vorgesehen werde, um nicht durch mehrmaliges Rangieren Zeit zu verlieren.

 
Zusätzliche Bürsten auf den Kreiseln unterstützen die Freihaltung des Stammes
 
Allerdings kann der Betrieb, der auf das Herbizid verzichtet, nicht für sich in Anspruch nehmen, dass er umweltverträglicher produzieren würde. Denn eines ist sicher: obstbauliche Produktion ist nicht umweltneutral zu machen. Es geht letztendlich nur um die Frage, auf welche Weise der Betrieb die Umwelt stärker beeinträchtigt ‑ durch das Herbizid oder den verbrannten Dieselkraftstoff-. Im Moment kann das noch jeder für sich selbst entscheiden.


Der Scheibenpflug bekämpft den Bewuchs durch die regelmäßige Bodenverlagerung
 
Im Internet bei „you tube“ sind unter dem Stichwort Obstbau oder unter den Herstellernamen etliche Videos eingestellt, die Geräte bei der Arbeit zeigen.
 

Medium


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