Technik Plattform der Fachgruppe Technik

Besucher: 184253
 

Einsatzbereich


Kategorien

Streifenpflegegeräte, 12.03.2014

DIE PFLEGE DES BAUMSTREIFENS - ALTERNATIVEN ZUM HERBIZID

Zusammenfassung des Referats über Baumstreifenpflege, das auf der 61. Südtiroler Obstbautagung in Meran vorgetragen wurde.
In den Medien und beim Konsumenten hat der Pflanzenschutz keinen guten Ruf. Das gilt besonders für die Herbizide. Man verbindet sie häufig mit Problemen im Bereich des Boden- und Wasserschutzes. Dazu kommt noch, dass auch der Laie den Einsatz von Herbiziden lange optisch wahrnehmen kann.
Nachfolgend die Zusammenfassung des Referats, das auf der 61. Südtiroler Obstbautagung in Meran vorgetragen wurde.
 

Herbizidverzicht im Integrierten Anbau?

Produktionszweige, welche besonderen Wert auf Image und Reputation legen, wie zum Beispiel der Qualitätsweinbau, versuchen seit einigen Jahren Herbizide zu meiden. Im Ökologischen Obstbau sind Herbizide selbstverständlich nicht erlaubt. Es stellt sich nun die Frage, ob auch im Integrierten Anbau ein gänzlicher oder vielleicht auch nur teilweiser Verzicht möglich und sinnvoll wäre. Die Beantwortung dieser Frage hängt auch davon ab, ob und welche Herbizide den Obstbauern in Zukunft noch zur Verfügung stehen. Zurzeit sind in der EU 133 Wirkstoffe als Herbizide zugelassen, 7 weitere sind in Prüfung. Die europäischen Zulassungen für die derzeit wichtigsten Wirkstoffe in Herbiziden für den Obstbau, Glyphosat und MCPA, verfallen 2015 bzw. 2017. Die Firmen bemühen sich diese zu erhalten. Kritik an diesen Wirkstoffen gibt es von Seiten der Organisationen Greenpace, Friends of the Earth und Naturschutzbund. Sie sind der Meinung, dass vor allem das Glyphosat erhebliche Gesundheits- und Umweltrisiken in sich birgt.
Seit den 80er Jahren bemühen sich verschiedene Forschungsanstalten, Alternativen zu den Herbiziden zu entwickeln bzw. solche, die von Firmen entwickelt wurden, im Obstbau zu testen. Am Versuchszentrum Laimburg haben sich in den 80er Jahren und zu Beginn der 90er Jahre vor allem der vormalige Direktor Hermann Mantin-ger und sein Mitarbeiter Hans Gasser mit diesem Thema beschäftigt. Die Ergebnisse dieser Versuche haben auch heute noch Gültigkeit (Tabelle). Wenn man von Alternativen zu Herbiziden spricht, muss man grundsätzlich zwischen Neuanlagen und Ertragsanlagen unterscheiden. Die Versuche von Mantinger zeigen, dass in Ertragsanlagen der Herbizideinsatz eingeschränkt und der Baumstreifen zeitweise begrünt werden kann, ohne große Ertragseinbußen hinnehmen zu müssen. Im Schattenbereich vermehren sich niederwachsende Pflanzenarten (z.B. die Gundelrebe), welche den Boden bedecken und den Apfelbäumen wenig Konkurrenz machen. In Junganlagen ist die Situation anders. Ohne Beschattung durch die Baumkrone wächst der Bodenbewuchs unbehindert. Je nach Bodenart und Feuchtigkeit des Standorts kommen Süßgräser, Brennnesseln, Hirse, Gänsefuß, Wilder Wermut usw. auf. Diese Gräser und Kräuter hemmen die Entwicklung der Jungbäume und beeinflussen langfristig die Erträge. Die alternativen Methoden zur Regulierung des Beikrautes am Baumstreifen lassen sich in folgende Gruppen unterteilen:
 

Abdeckung des Baumstreifens

Dafür können verschiedene organische Materialien (Stroh, Kompost, Rindenabfälle, usw.), aber auch Folien bzw. Matten verwendet werden. Das Abdecken mit organischen Materialien ist sehr arbeitsaufwändig und der Transport ist sehr teuer. Je nach Dicke der Auflage müssen sie häufig erneuert werden. Das Festlegen von Stickstoff kann außerdem die Nährstoffversorgung beeinträchtigen. Auch das Abdecken mit Folien ist arbeitsaufwändig und teuer. Man unterscheidet zwischen solchen, die sich natürlich abbauen (z.B. auf Basis von pflanzlicher Stärke) und solchen, die viele Jahre in der Anlage verbleiben. Das Abdecken hat in den Versuchen oft sehr positive Ergebnisse gebracht. In vielen Teilen unseres Anbaugebietes besteht allerdings die Gefahr, dass sich Mäuse ungestört ansiedeln, was zu katastrophalen Baumausfällen führen kann. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Folien und Matten beschädigt werden, bzw. dass Samen auf den verschmutzten Folien zu keimen beginnen.
 

Einsaaten mit schwach-wüchsigen Pflanzen

In Ertragsanlagen ist normalerweise die Beschattung zu groß, sodass die Einsaaten nicht aufkommen. In Junganlagen wurden am VZ Laimburg verschiedene Kräuter und Gräser verglichen. Am besten schnitt dabei der Weißklee ab. Die Winterfestigkeit ließ allerdings zu wünschen übrig, sodass bereits im zweiten Standjahr Unkraut aufkam. Auch bei diesem Verfahren darf die Gefahr der Ansiedlung von Nagern nicht unterschätzt werden.
 

Thermische Regulierung des Beikrautes

Ursprünglich wurden dafür Gasflammenwerfer verwendet. Häufig waren Schäden an den Blättern der Apfelbäume die Folge. In den letzten Jahren wurde diese Technologie durch den Einbau von Gebläsen verbessert. Interessante Erfolge zeigt auch das Heißwasserverfahren, welches mit Schaumabdeckungen kombiniert wird. Bei den thermischen Verfahren ist der Energieaufwand groß, zum Teil besteht die Gefahr, dass sich trockene Gräser entzünden, die Dauerwirkung ist gering (Grafik, S. 11) und bestimmte Problemunkäuter werden nicht beeinträchtigt.
 

Bioherbizide

In einigen englischsprachigen Ländern sind auch im Ökologischen Anbau sogenannte Bioherbizide zugelassen. Es handelt sich dabei um natürliche Substanzen (Essigsäure, Zitronensäure, Eugenol usw.), die allein oder in Mischung eine gewisse herbizide Kontaktwirkung zeigen. Für den Erwerbsobstbau sind die benötigten Aufwandmengen zu groß und die Wirkung ist zu gering. Es stellt sich auch die Frage, wie der Konsument unterscheiden soll, ob es sich um einen „Bioherbizidstreifen" oder um einen chemischen Herbizidstreifen handelt. In Europa sind Bioherbizide auch aus diesem Grund im Ökologischen Anbau nicht zugelassen.
 

Mechanische Geräte

Im Ökologischen Obstbau haben sich fast ausschließlich mechanische Geräte durchgesetzt. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen verschiedenen Fräsen, Scheibenpflügen, Unterschneidegeräten, Kreiseleggen, Bürsten- und Lappengeräten. Die meisten davon sind mit Feintastern versehen. Welches Gerät sich am besten eignet, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Lage und die Bodenbeschaffenheit der zu bearbeitenden Parzelle und schlussendlich auch der Anschaffungspreis der Geräte. Anker und Stützsäulen von Hagelnetzen erschweren die Arbeit mit solchen Geräten beträchtlich. Viele Geräte wurden in Südtirol konzipiert oder zumindest bis zur Praxisreife weiterentwickelt. Einige davon werden in Südtirol hergestellt und auch im Ausland erfolgreich abgesetzt. Ein Meilenstein in der Baumstreifenpflege im Ökologischen Obstbau stellt die Entwicklung des „Ladurnerkrümlers" (Bild 1) in den 90er Jahren dar. Vor etwas mehr als 10 Jahren wurden die ersten brauchbaren Bürstengeräte auf den Markt gebracht (Bild 2). Diese wurden häufig alternierend mit dem Scheibenpflug (Bild 3) eingesetzt. In den letzten Jahren wurden neue Bürstenmodelle entwickelt, die sich z.T. auch im Weinbau bewährt haben (Bild 4). Jedes dieser Geräte hat seine Vor- und Nachteile, welche in Anbetracht der jeweiligen Betriebssituation vor dem Ankauf genau abgewogen werden müssen.
Die Kreiselegge (auch Krümler genannt) lüftet den Boden und regt damit die Mineralisierung, aber auch den Humusabbau an. Sie eignet sich auch dazu, organische Dünger und Bodenverbesserer oberflächlich in den Boden einzuarbeiten. Der Einsatz im Spätherbst kurz vor Gefrieren des Bodens kann die Mäuse von den Bäumen abhalten. Schwierig ist der Einsatz in Hanglagen und bei steinigen Böden. Auch die Arbeit um den Baumstamm ist trotz Feintaster nicht bei allen Geräten zufriedenstellend. In Junganlagen darf nur sehr oberflächlich gekrümelt werden, um Schäden an den Wurzeln zu verhindern. Die Bearbeitung sollte außerdem nur bei optimaler Bodenfeuchte durchgeführt werden. Die Fahrgeschwindigkeit ist mit 3 bis maximal 4 km/h gering, der Ankaufspreis beträchtlich, Wartung und Reparaturen sind häufig erforderlich. Die Bürstengeräte sind im Ankauf günstiger und im Allgemeinen etwas weniger wartungsintensiv. Die Arbeitsgeschwindigkeit ist höher als bei den Krümlern, sie lassen sich leichter im Hang und bei Böden mit hohem Steinanteil einsetzen. Die Dauerwirkung gegen das Beikraut ist allerdings etwas geringer. Die neueren Modelle bewegen den Boden nicht, was je nach Situation ein Vor- oder Nachteil sein kann.
 

Schlussfolgerungen

In den letzten 20 Jahren wurden auf 1.400 ha Ökologischem Obstbau viele Erfahrungen mit dem Einsatz von mechanischen Geräten zur Regulierung der Beikräuter gesammelt. Rein technisch ist ein gänzlicher Verzicht auf Herbizide im Apfelanbau möglich. Von der wirtschaftlichen Seite aus betrachtet, kann die mechanische Unkrautregulierung allerdings nicht mit den Herbiziden mithalten. Der Ankauf der Geräte ist teuer, die Fahrgeschwindigkeit geringer, die Wartung aufwändig, tiefhängende Äste müssen entfernt werden. Die geringere Dauerwirkung erfordert außerdem einen häufigeren Einsatz im Vergleich zu Herbiziden. Anker und Stützsäulen der Hagelnetze erschweren zudem den Einsatz der mechanischen Geräte beträchtlich. Um den unterschiedlichen Situationen im Betrieb gerecht zu werden, ist ein einziger Maschinentyp häufig nicht ausreichend. Das könnte allerdings mit einem überbetrieblichen Einsatz der Geräte überwunden werden. Eine teilweise, freiwillige Einschränkung (z.B. in Ertragsanlagen) wäre hingegen durchwegs möglich und würde die derzeit etwas angeschlagene Reputation des Südtiroler Obstbaus sicher verbessern.
 

Medium


Obstbau Weinbau ist seit 1964 ein praxisorientiertes Fachmagazin des Südtiroler Beratungsrings für Obst- und Weinbau. Jährlich erscheinen 11 Ausgaben (Juli/August Doppelnummer) mit Fachartikel über Anbaumethoden, Versuche, Sorten, Forschungsergebnisse, Betriebswirtschaft, Statistiken, Züchtungsergebnisse, Pflanzenschutz, Vermarktung, Lagerung,  Studienreisen u.a. aus den Bereichen Obst-, Weinbau und Kellerwirtschaft.
Werbung