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Traktoren, 30.06.2013

INNOVATIONEN IN DER OBST- UND WEINBAUTECHNIK

Die Zukunft liegt in der Agrarelektronik

Was sind Innovationen?

Unter Innovationen werden gemeinhin neue Ideen, Entwicklungen bzw. Erfindungen verstanden, die mit der Technik in Zusammenhang gebracht werden. Dabei kann es sich um eine technische Neuheit u/o um Verfahrensinnovationen handeln, bei denen Betriebsabläufe effektiver (d.h. ressourcen-, kosten- und zeitsparender) ablaufen können.
Innovationen spielen im heutigen Wirtschaftsleben eine zentrale Rolle. Sie bringen für Gewerbe, Industrie und auch Landwirtschaft Wettbewerbsvorteile und Standortsicherung. Darum gibt es auch die Möglichkeit an Fachhochschulen Innovationsmanagement zu studieren. Die Absolventen dieser Studienrichtung haben in den Unternehmen die Aufgabe, kreative Ideen durch systematische Planung, Steuerung und Kontrolle in erfolgreiche Produkte am Markt umzusetzen.
 

Agrarelektronik – Fluch oder Segen?

Auch in der Landtechnik ist die Elektronik der Motor für viele Innovationen. Angetrieben wird diese Entwicklung von elektronischen Komponenten in Verbindung mit Steuerungseinheiten (Funk- oder GPS), die immer mehr können und stets weniger kosten. So klopfen bereits Roboter für Sprüh-, Mulch- und Bodenpflegearbeiten, voll bepackt mit Elektronik, an die Türen der Landwirte. Wie alles im Leben hat auch die Agrarelektronik ihre Vor- und Nachteile.
Die Vorteile sind in vielen Bereichen mehr Komfort beim Einsatz der Maschinen und neue Möglichkeiten zur Erledigung von Arbeitsabläufen, die von der Teil- bis zur Vollautomatisierung reichen können.
Nachteilig wird die Agrarelektronik von jenen Landwirten empfunden, die bei Reparaturen selbst Hand anlegen möchten und mit der Elektronik nicht vertraut sind.
Eine ähnliche Situation gab es auch am Beginn der Mechanisierung in der Landwirtschaft. Damals erkannte man, dass die Landwirte eine landtechnische Ausbildung benötigen, um sich selbst helfen zu können. So wurden (von der  öffentlichen Hand finanziert) landauf, landab Maschinenpflegekurse gehalten und in den Landwirtschaftsschulen Landtechnikunterricht in Theorie und Praxis eingeführt.
 

Ausbildungsoffensive Agrarelektronik

Heute wäre es höchst an der Zeit, mit einem ähnlichen Programm die Kluft zwischen den neuen elektronischen Möglichkeiten und den vertrauten mechanischen Komponenten zu schließen. Den Landwirten muss der Umgang mit der Elektronik zur Selbstverständlichkeit werden, erst dann können die vielen Innovationen zum Vorteil für die einzelnen Betriebe werden. Sollte es bei den aktuellen Einsparungstendenzen zu keiner Ausbildungsoffensive für die Agrarelektronik kommen, werden auch keine nennenswerten Innovationen in diesem Bereich von den Landwirten kommen und die Innovationen der Firmen nur zögerlich angenommen werden. Auf jeden Fall bezahlen die Landwirte die Rechnung, denn wer keine Ahnung von der Elektronik hat, muss sich mit kostspieligen Wartungsverträgen die Ausfallssicherheit der elektronischen Einrichtungen erkaufen. Außerdem entsteht eine immer größere Kluft zwischen den Landwirten, die die Agrarelektronik sinnvoll einsetzen und sich leisten können und den „Verweigerern“.
 

Aktuelle Entwicklungen

Unbeeindruckt von der vorhin geschilderten Situation kommen Innovationen in rasantem Tempo auf die Obst- und Weinbaubetriebe zu. Folgende Beispiele sollen einen kleinen Einblick in die neue Welt der Agrarelektronik geben.
 
A) Prüfstände für die Sprüh-Gerätekontrolle
Bis vor zwei Jahren gab es keinen Luftprüfstand zu kaufen, der für die Messung  und Einstellung der Gebläseluft eingesetzt werden konnte.
Mit einem neu entwickelten Luftprüfstand kann die Gebläseluft gemessen und beurteilt werden, ob damit eine brauchbare Ausbringung von Pflanzenschutzmittel möglich ist. Dieser Luftprüfstand wäre ohne moderne Elektronik undenkbar. Heute kann der Landwirt ein Sprühgerät erwerben, mit dem er aufgrund der optimierten Gebläseluft umweltfreundlich eine gute Belagsbildung erzielen kann. Einige Hersteller haben die Zeichen der Zeit erkannt und führen mit einem derartigen Luftprüfstand die Endkontrolle der Gebläseluft in ihrem Unternehmen selbst durch oder lassen sie an einer Prüfstelle am Bodensee, in der Steiermark oder in Südtirol messen.
Diese Prüfstände haben hoch entwickelte Ultraschallsensoren, die die Luftgeschwindigkeit in allen Richtungen mit großer Genauigkeit messen und die Strömung mit Hilfe eines Koordinatenschlittens auf einer Fläche von 10 m² erfassen. Dafür braucht es eine elektronische Steuerung, die die Sensoren mit Hilfe von Schrittmotoren bewegen. Die Messdaten werden dann per Funk an den Computer gesandt, wo sie für die Auswertungsprotokolle verwendet werden.
Für die Betreuung dieser Prüfstände braucht es ausgebildete Landwirte, die den Pflanzenschutz im Obst- und Weinbau beherrschen und auch ausreichende Kenntnisse im Umgang mit der Agrarelektronik haben. Nur so kann die individuelle Beratung für den Landwirt erfolgen, die in der Erklärung der Messprotokolle für den richtigen Einsatz des Sprühgerätes besteht.
 
B) Obst- und Weinbautraktoren
Bereits mehrere Obst- und Weinbautraktoren können mit Selbstfahreinrichtungen ausgestattet werden. Mit dieser Zusatzausstattung wird aus einem Traktor eine „selbstfahrende“ Arbeitsmaschine. Sinnvoll ist diese Einrichtung immer dann, wenn für Arbeiten am Hagelnetz, bei der Ernte etc. kein Fahrer zur Verfügung steht.  Der Traktor kann mit Hilfe eines Steuerpultes auf der Arbeitsbühne oder mit einer Funkfernbedienung vom Boden aus bedient werden. Komfort, Zuverlässigkeit und Sicherheit kann nur mit Hilfe der Elektronik gewährleistet werden. Diese halbautomatische Ausbaustufe „Selbstfahrtraktor“ ist ein Zwischenschritt zum vollautomatischen autonomen Trägerfahrzeug, umgangssprachlich auch als Roboter bezeichnet
 
C) Roboter im Obst- und Weinbau
 „Sprüh-, Mulch- und Pflegeroboter“ werden bald auch bei uns in den Obst- und Weingärten herumfahren. Folgende Gründe sprechen für den Einsatz von autonomen Trägerfahrzeugen:
zunehmende Betriebsgrößen steigende Anzahl von Behandlungen mit Pflanzenschutzmitteln (PSM) zunehmende Überforderung der Anwender durch die vielen manuellen Einstellungen am Traktor bzw. Sprühgerät (Fahrgeschwindigkeit, Gebläsedrehzahl, Druck, Anzahl offener Düsen etc.), die bei unterschiedlichen Baumformen von Parzelle zu Parzelle variieren müssen.
Vorteile, die durch die Einführung von „Robotern“ zu erwarten sind:
  • sie sind leichter und daher Boden schonender als Traktoren
  • sie sollten auch dann noch einsetzbar sein, wenn der Traktoreinsatz nicht mehr möglich ist (nasser Boden, Steilhang)
  • sie ermöglichen eine bessere Ausnützung der optimalen Witterungsverhältnisse für den Pflanzenschutz. Der Sprüh-, Mulch- und Pflegeroboter fährt auch dann, wenn  kein Traktorfahrer zur Verfügung steht
  • sie ersparen Personalkosten und entlasten den Betriebsleiter, denn die wertvolle Arbeitszeit muss nicht für monotone und ungesunde Pflanzenschutz-, Mulch- oder Baumstreifenpflegearbeit verwendet werden
  • sie sollten eine kostengünstige Mechanisierungsvariante zur herkömmlichen Traktorapplikation sein
 
Elektronische Bausteine, die vorhanden sind und zu einem Gesamtkonzept „Sprüh-Roboter“ zusammengefügt werden können:
 

Zusammenfassung

Genauso wenig wie heute Unternehmen ohne Computer denkbar sind, gibt es auch landwirtschaftliche Betriebe ohne Agrarelektronik. Es existiert bei uns keine kleinbäuerliche Idylle, wo ohne Technik Lebensmittel wettbewerbsfähig produziert werden, auch wenn dies den Konsumenten in der Werbung häufig suggeriert wird.
Heute benötigt die bäuerliche Jugend auch Kompetenz in der Agrarelektronik, die im Rahmen der Aus- und Weiterbildung vermittelt werden muss. Nur so können vorhandene Ängste vor der zunehmenden Agrarelektronik abgebaut und deren Vorteile langfristig genützt werden.
Die Agrarelektronik ist sicherlich kein Fluch. Zum Segen kann sie aber nur werden, wenn sie von den Landwirten beherrscht wird!
 

Medium


Die Fachgruppe Technik ist Teil des Verbandes Steirischer Erwerbsobstbauern, des Steirischen Weinbauverbandes und des Verbandes Bio Ernte Steiermark.
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